Festnahme von bosnisch-serbischem Offizier war Test für Belgrad


Regierung: Beara hat sich UNO-Tribunal freiwillig gestellt



Belgrad - Der ehemalige bosnisch-serbische Generalstabsoffizier Ljubisa Beara, der in der Nacht auf Sonntag in Begleitung des serbischen Justizministers Zoran Stojkovic in Den Haag eingetroffen war, um sich dem UNO-Kriegsverbrechertribunal zu stellen, war zuvor von serbischen Behörden festgenommen worden.

Unter Berufung auf Regierungskreise meldete der Sender B-92, dass die Festnahme des bosnischen Serben auf Grund einer Information über seinen Aufenthaltsort erfolgt sei, den die Behörden aus dem Büro der Tribunalschefanklägerin Carla del Ponte erhalten hätten. Die Information sei mit dem Hinweis darauf zugestellt worden, dass es sich um einen Test handle, mit dem Belgrad seine Bereitschaft beweisen könne, mit dem Haager Tribunal zu kooperieren, meldete der Sender.

Versuch im März gescheitert

Die serbische Regierung hatte am Samstagabend mitgeteilt, dass sich Beara freiwillig gestellt habe. Gemäß dem Belgrader Sender hatten die serbischen Behörden zuletzt im März einen gescheiterten Versuch unternommen, Beara festzunehmen. Der ehemalige Offizier war allerdings kurz zuvor untergetaucht. Pläne zu seiner Festnahme soll es auch im Oktober des Vorjahres gegeben haben. Damals hatte die Regierung von Ministerpräsident Zoran Zivkovic darauf verzichtet, weil sie angeblich über die gerade erhobene Anklage gegen vier serbische Generäle empört war.

Als Generalstabsoffizier dürfte Beara laut Anklage eine wichtige Rolle beim Massaker in der ehemaligen Bosniaken-Enklave Srebrenica im Juli 1995 gespielt haben. Innerhalb weniger Tage wurden rund 7.000 Bosniaken von bosnisch-serbischen Streitkräften ermordet. (APA)



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