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Ergebnis 241 bis 250 von 324

Fikret Abdic - Held oder Verräter?

Erstellt von Bambi, 08.08.2011, 00:31 Uhr · 323 Antworten · 28.147 Aufrufe

  1. #241
    Avatar von Koma

    Registriert seit
    01.01.2007
    Beiträge
    21.136
    das problem hierbei ist dass sich jeder shon länger vorher seine meinung gebildet und dank unserer tollen eigenschaft dickköpfigkeit weicht keiner von seinem standpunkt ab

  2. #242

    Registriert seit
    14.06.2005
    Beiträge
    2.144
    Zitat Zitat von Idemo Beitrag anzeigen
    Hey, was gibt's denn zu diskutieren?
    Serben sind schuld an den Kreuzzügen, an den Weltkriegen und natürlich auch an den Balkankriegen.
    Es gibt keine anderen Schuldigen, immer begannen die Serben.
    Auch die Konzentrationslager wurden von Serben erbaut. Auch die, in welche sie gesteckt wurden.
    Also warum weiter diskutieren?
    Wenn ich von Serben spreche, dann meine ich damit weder das Volk allgemein, noch die Soldaten die in den Krieg ziehen mussten.

    Gemeint sind hier serbische & politische und intelektuelle Eliten der 80-er, welche durch ihr Handeln Jugoslawien in Brand gesetzt haben und so für nicht minder verwerfliche Gegenbewegungen gesorgt haben. Es gibt hierzu eine vielzahl interessanter Publikationen die z.B. die Ereignisse nach der jugoslawischen Verfassungsreform 1974 zeitlich gut darstellen. Es bedarf in vieler Fälle keiner Kommentierung des Autors, sondern blose Aussagen damaliger Politiker um zu Erkennen, dass ab einem gewissen Zeitpunkt in der serbischen KP die Nationalisten das Rude in die Hand genommen haben und durch mehrere Meilensteine Jugoslawien da angekommen ist was vlt. sogar niemand wollte - Im Krieg. Die 1974-er Verfassung war ein Schock für die Serben, da sie einherging mit einer Dezentralisierung (Serbien war von je her zentralistisch eingestellt) der SFRJ. Es gab genügend nationalistische Kräfte in der serbischen KP, die sich damit nie anfreunden konnte. So lange aber Tito am Leben war, ging da nichts. ALs er starb, ging es los....

    1982-86 Gerade mal 2 Jahre nach dem Tod von Tito, entstand eine serbische Denkschrift auf, in der die Benachteiligung des serbischen Volkes zum Ausdruck gebracht wird. Auch spricht dieses Memorandum von der Vereinigung aller Serben über Republiksgrenzen hinweg ("Natürlich" unter Achtung auch jener Verfassung die man dort praktisch kritisiert).

    1987 beginnt der kometenhafte Aufstieg Milosevics und seiner nationalistischen Getreuen im Bund der Kommunisten Serbiens (BdKS). Er verdrängt dort seinen Mentor, den beliebten und gemässsigten Ivan Stambolic, der früh vor dem serbischen Nationalismus warnt. Schon dort spricht Milosevic von der Notwendigkeit einer Verfassungsreform, der Benachteiligung der Serben und der Notwendigkeit auch Gewalt anzuwenden. Ivan Stambolic wurde in den 90-ern übrigens tot in einem Gebirge (?) in Serbien aufgefunden.

    Kennzeichnenderweise war der erste Gratulant dieser Veränderungen im BdKS Dobrica Cosic. Einst hochrangiges Mitglied eben jener SANU die das oben erwähnte Memorandum verfasste. Cosic wird seinen Anteil an diesem Memorandum später nie richtig bestätigen, das Memorandum selbst aber verteidigen. Im Nachhinein betrachtet kann man sagen: Das Ding war wie für Milosevic geschrieben, denn in den folgenden Jahre sollte er auch genau danach handeln.

    Nun -nach Ablösung Stambolics- beginnt eine Säuberungswelle von Gegnern. Dieser fällt -und nun sind wir wieder beim Thema- auch Abdic zum Opfer. Wie? Ganz einfach: Der Bruder (Hakija Pozderac) des Vorsitzenden der damaligen jugoslawischen Verfassungskommission (Hamdija Pozderac) arbeite dort als Ingenieur. Hamdija Pozderac war Förderer des Agrokommerc-Projektes und ausgewiesener Gegner der serbisch-nationalistischen Bestrebungen der Verfassungskommission, wo die Serben eine Reform zu ihren Gunsten erwirken wollten. Nun wurde aus Belgrad die Affäre ins Rollen gebracht (Ich glaube es war ein Artikel des serbischen "NIN") und das was 90% aller Firmen in EX-YU praktizierten, das Zahlen mit vorläufig ungedeckten Schecks, wurde Hamdija zum Strick gemacht. Hamdija Pozderac musste zurücktreten und verstarb Anfang der 90-er unter ungeklärten Umständen in Sarajevo.

    Der Weg für die Serben war nun frei, da die Stelle nun mit den geschmeidigeren Raif Dizdarevic besetzt wurde.

    Im gleichen Jahr begann nun auch die Säuberungswelle in den serbischen Medien. Der Liberalismus der sich langsam nach Titos Tod entwickelt konnte, wurde nun abgewürgt. Dragisa Pavlovic (Politika Express) wurde das erste Opfer, anschliessend folgte der Chef der Politika Gruppe (Ivan Stojanovic), der Herausgeber von NIN (oder hiessen die "NEN") (Jerkic) und auch im TV (TV Belgrad) musste der Stuhl geräumt werden (Eric). Ab diesem Zeitpunkt begannen diese Medien mit Angstmacherei und Hassartikeln gegen Albaner, Moslems, Slowenen, sogar Vatikan und der CIA.

    Bis Ende 1987 wurde als die Partei von Milosevic und seinen Nationalisten auf Kurs gebracht. Nun folgte die Gleichschaltung von Medien und eine Dauerberieselung mit Verschwörung, Angstmacherei. Wer dem ständig ausgesetzt wird, kann sich dem irgendwann sicher nicht entziehen und ich wundere mich über keinen Serben der daran auch geglaubt hat. Milosevic liess den Nationalismus schreien und brachte die Vernuft zum Schweigen. Nenadovic, ein ehem. Herausgeber der "Politika" (Eine bis dato "Institution" serbisch-politischer Zeitungen) formulierte mit Bitterkeit Jahre später demenstrpechend auch wie folgt:

    ...Das (Milosevic) Regime zerstörte alles was gut an uns war und machten die Politika zur Speerspitze einer nationalistischen Offensive"

    1988 macht Milosevic auf einer Rede in Pozarevac klar, wo die Reise hingeht. Anlässlich eines Meetings einer Feier eines serbischen Aufstandes machte er folgende Bemerkung: "Das serbische Volk geht ins 21. Jhdt. in den Kampf um Territorium, Sprache und Freiheit". Das Wort Kampf wird er später auf der Amselfeldrede konkretisieren, in dem er auch den bewaffneten Kampf nicht ausschliesst.

    Kurze Zeit später beginnt im gleichen Jahr die sog. "antibürokratische Revolution", wo durch von Milosevic initiierte Massenproteste die Provinzparlamente blockiert oder mit Joghurtbechern attackiert werden. Daher auch der Name "Joghurt-Revolucija". In Folge dieser von ihm initiierten Ereignisse, manche sprechen auch von einem Verfassungsputsch, treten die Provinzregierungen zurück und die Stellen werden nun mit Milosevic getreuen besetzt. Am Ende dieses Prozesses sind die Vojvodina, das Kosovo und die Republik Montenegro praktisch unter Milosevics Kontrolle. Im Zuge der natürlichen und berechtigten Unruhen der Albaner, die gegen diese Massnahmen protestieren, versucht Slobodan Milosevic den Ausnahmezustand herbeizuführen, bei dem niemand geringerer als die serbisch dominierte JNA das Zepter in die Hand nehmen soll. Die Slowenen verweigern sich und stellen sich nun zum ersten Mal deutlich gegen diese Politik, nämlich mit der Kritik an der serbischen Vorgehensweise

    "Es gibt Kräfte in Jugoslawien, denen die Drohung mit einer Ausnahmesituation gefällt" - Milan Kucan 13.10.1988.

    Irgendwo habe ich gelesen, das Kucan in diesem Jahr eine von Milosevic geforderte Ausnahmesituation verhindert hat. Muss mal suchen...

    1989 - Die Autonomieregierung des Kosovo lehnt die Aufhebung der Autonomie ab und es setzen dort Proteste ein. Die Situation ist im Grunde genommen paradox. Jene (Die Albaner) die sich auf die nach wie vor gültige Verfassung berufen und in diesem Sinne legitim protestieren, werden von der serbischen Führung kriminalisiert. Jene aber, die die gültige Verfassung mit zweifelhaften Methoden aushebeln und die Regularien der jugoslawischen Verfassung ausser Kraf setzten, waren nun die Hüter der Verfassung (?).

    Nun erfolgte eine erste, echte Reaktion anderer jugoslawischer Republiken, hier Slowenien. Im Februar 89 bezeichneten sie die Politik Serbiens zum ersten Mal als "Grossserbisch". Die serbische Bevölkerung, inzwischen zugedröhnt von Milosevics Propagandapparat, muss dies schockiert haben. In der Folge kam es zu einer Massenmobilmachung in Belgrad, bei der sich 1. Mio Menschen fanden, die offen gegen Slowenen und Albaner skandierte. Man forderte Waffen -und wohl auch Köpfe-. In diesem Fall den von Azem Vlasi, gemäss 74-er Verfassung legitimer Kosovo-Vertreter. Knapp 2 Wochen später proklamierte Serbien eine "neue" Verfassung. Diese war nicht Neu, sondern lediglich ein Verfassungsstatus vor 1974. Das wichtigste daran aber war folgendes: Milosevic behielt die 74-er Stimmrechte der von ihm nun kontrollierten Provinzen Vojvodina & Kosovo und nahm sich so das beste aus beiden Welten. Denn statt der 1 Stimme die Serbien regulär im jugoslawischen Staatspräsidium hätte, verfügte er nun über 4 Stimmen, inkl. des auch nun von ihm im gleichen Jahr kontrollierten Montenegro.

    Damit hatte er sich eine Patt-Möglichkeit geschaffen und Serbien hatte nun erheblichen Einfluss auf die Bundesinstitutionen. Nun beginnt sich das ganze auch auf andere Republiken auszuweiten. Die Jugoslawische Volksarmee definiert in einem Transformationsprozess neue Territorialverantwortlichkeiten. Und -ups- diese entsprechen jenen Territorien welche die Serben für sich beanspruchen. Der neu geschaffene Knin-Korps ist hier besonders interessant. Der nämlich umfasst weite Teile der Gebiete der späteren RSK, reicht bis an kroatische Meer und umfasst die komplette bosnische Krajina. Zufall ?

    Halten wir aber an dieser Stelle einen wichtigen Punkt fest. Erst jetzt treten die späteren Gegenspieler Milosevics in Erscheinung: Tudjman wagt sich im Februar mit seiner HDZ erstmals an die Öffentlichkeit, ist aber zu diesem Zeitpunkt kein gewählter kroatischer Represäntant. In Bosnien sollte Izetbegovic knapp ein Jahr später zum ersten Mal in Erscheinung trete, bei der Gründung der SDA 1990.

    Während also der nationalistische Zug in Serbien längt volle Fahrt aufgenommen hat, rollte er in den anderen Republiken erst langsam an. Wenn wir die wesentlichen Punkte hier -und es gäbe da noch eine Menge mehr- mal zusammenfassen, so ist an dieser Stelle die Feststellung legitim, dass der Nationalismus in Serbien begann und erst darauf die Gegenbewegung in den anderen Republiken erfolgte. Milosevic wollte ein starkes Serbien in Jugoslawien und hebelte faktisch einen (angeblich) von Tito definierten Grundsatz aus: Ein starkes Jugoslawien klappt nur mit einem schwachen Serbien. Die 74´er Verfassung sollte dem Rechnung tragen. Zu einem sollte es die Republiken vor den zentralistischen Bestrebungen Serbiens schützen, zum anderen sicherte dies aber auch die serbische Kernforderung von "Alle Serben in einem Staat". Somit war dies ein idealer Kompromiss, bis jemand anfing daran zu rütteln. Dieser jemand was Slobodan Milosevic, ob zusammen oder unter Beeinflussung intelektuell-nationalistischer Kreise sei dahingestellt.

    So paradox es in serbischen Ohren klingeln mag. Die Lunte für die Zerstörung Jugoslawiens wurde von Serben in Brand gesetzt. Den Sprengstoff haben sicher alle geliefert.

    Und jetzt mal Hand aufs Herz liebe Serben. Was wäre euch denn im Nachhinein lieber? Ein Jugoslawien mit der 74-er Verfassung, oder passen euch die Resultate der Politik von Milosevic deren kurz,mittel und langfristige Ausläufer die Serben letzlich:

    - in Kroatien marginalisiert haben
    - in Bosnien aus ihrer angestammten Heimat (Das Föderale Territorium enthielt nach Zensus 1991 immerhin 35-40% Serben, müsste den Wert mal raussuchen) vertrieben
    - nur noch auf den Nordteil des Kosovos beschränkt
    - in Montenegro zu Montenegrienern machte die keinen gemeinsamen Staat mit Belgrad wollten
    - irgendwann wohl auch die Serben in der Vojvodina zu reinen Vojvodienern macht.

    Auf die Antwort bin ich mal gespannt...

  3. #243
    kenozoik
    Zitat Zitat von LordVader Beitrag anzeigen
    Wenn ich von Serben spreche, dann meine ich damit weder das Volk allgemein, noch die Soldaten die in den Krieg ziehen mussten.

    Gemeint sind hier serbische & politische und intelektuelle Eliten der 80-er, welche durch ihr Handeln Jugoslawien in Brand gesetzt haben und so für nicht minder verwerfliche Gegenbewegungen gesorgt haben. Es gibt hierzu eine vielzahl interessanter Publikationen die z.B. die Ereignisse nach der jugoslawischen Verfassungsreform 1974 zeitlich gut darstellen. Es bedarf in vieler Fälle keiner Kommentierung des Autors, sondern blose Aussagen damaliger Politiker um zu Erkennen, dass ab einem gewissen Zeitpunkt in der serbischen KP die Nationalisten das Rude in die Hand genommen haben und durch mehrere Meilensteine Jugoslawien da angekommen ist was vlt. sogar niemand wollte - Im Krieg.

    - Die 1974-er Verfassung war ein Schock für die Serben, da sie einherging mit einer Dezentralisierung (Serbien war von je her zentralistisch eingestellt) der SFRJ.

    1982-86 Gerade mal 2 Jahre nach dem Tod von Tito, tauchte eine serbische Denkschrift auf, in der die Benachteiligung des serbischen Volkes zum Ausdruck gebracht wird. Auch spricht dieses Memorandum von der Vereinigung aller Serben über Republiksgrenzen hinweg ("Natürlich" unter Achtung auch jener Verfassung die man dort praktisch kritisiert).

    1987 beginnt der kometenhafte Aufstieg Milosevics und seiner nationalistischen Getreuen im Bund der Kommunisten Serbiens (BdKS). Er verdrängt dort seinen Mentor, den beliebten und gemässsigten Ivan Stambolic, der früh vor dem serbischen Nationalismus warnt. Schon dort spricht Milosevic von der Notwendigkeit einer Verfassungsreform, der Benachteiligung der serben und der Notwendigkeit auch Gewalt anzuwenden. Ivan Stambolic wurde in den 90-ern übrigens tot in einem Gebirge (?) in Serbien aufgefunden.

    Kennzeichnenderweise war der erste Gratulant dieser Veränderungen im BdKS Dobrica Cosic. Einst hochrangiges Mitglied eben jener SANU die das oben erwähnte Memorandum verfasste. Cosic wird seinen Anteil an diesem Memorandum später stets verleugnen, das Memorandum selbst aber verteidigen. Im Nachhinein betrachtet kann man sagen: Das Ding war wie für Milosevic geschrieben, denn in den folgenden Jahre sollte er auch genau danach handeln.

    Nun -nach Ablösung Stambolics- beginnt eine Säuberungswelle von Gegnern. Dieser fällt -und nun sind wir wieder beim Thema- auch Abdic zum Opfer. Wie? Ganz einfach: Der Bruder (Hakija Pozderac) des Vorsitzenden der damaligen jugoslawischen Verfassungskommission (Hamdija Pozderac) arbeite dort als Ingenieur. Hamdija Pozderac war Förderer des Agrokommerc-Projektes und ausgewiesener Gegner der serbisch-nationalistischen Bestrebungen der Verfassungskommission, wo die Serben eine Reform zu ihren Gunsten erwirken wollten. Nun wurde aus Belgrad die Affäre ins Rollen gebracht (Ich glaube es war ein Artikel des serbischen "NIN") und das was 90% aller Firmen in EX-YU praktizierten, das Zahlen mit vorläufig ungedeckten Schecks, wurde Hamdija zum Strick gemacht. Hamdija Pozderac musste zurücktreten und verstarb Anfang der 90-er unter ungeklärten Umständen in Sarajevo.

    Der Weg für die Serben war nun frei, da die Stelle nun mit den geschmeidigeren Raif Dizdarevic besetzt wurde.

    Im gleichen Jahr begann nun auch die Säuberungswelle in den serbischen Medien. Der Liberalismus der sich langsam nach Titos Tod entwickelt konnte, wurde nun abgewürgt. Dragisa Pavlovic (Politika Express) wurde das erste Opfer, anschliessend folgte der Chef der Politika Gruppe (Ivan Stojanovic), der Herausgeber von NIN (Jerkic) und auch im TV (TV Belgrad) musste der Stuhl geräumt werden (Eric). Ab diesem Zeitpunkt begannen diese Medien mit Angstmacherei und Hassartikeln gegen Albaner, Moslems, Slowenen, sogar Vatikan und der CIA.

    Bis Ende 1987 wurde als die Partei von Milosevic und seinen Nationalisten auf Kurs gebracht. Nun folgte die Gleichschaltung von Medien und eine Dauerberieselung mit Verschwörung, Angstmacherei. Wer dem ständig ausgesetzt wird, kann sich dem irgendwann sicher nicht entziehen und ich wundere mich über keinen Serben der daran auch geglaubt hat. Milosevic liess den Nationalismus schreien und brachte die Vernuft zum Schweigen. Nenadovic, ein ehem. Herausgeber der "Politika" (Eine bis dato "Institution" serbisch-politischer Zeitungen) formulierte mit Bitterkeit Jahre später demenstrpechend auch wie folgt:

    ...Das (Milosevic) Regime zerstörte alles was gut an uns war und machten die Politika zur Speerspitze einer nationalistischen Offensive"

    1988 macht Milosevic auf einer Rede in Pozarevac klar, wo die Reise hingeht. Anlässlich eines Meetings einer Feier eines serbischen Aufstandes machte er folgende Bemerkung: "Das serbische Volk geht ins 21. Jhdt. in den Kampf um Territorium, Sprache und Freiheit". Das Wort Kampf wird er später auf der Amselfeldrede konkretisieren, in dem er auch den bewaffneten Kampf nicht ausschliesst.

    Kurze Zeit später beginnt im gleichen Jahr die sog. "antibürokratische Revolution", wo durch von Milosevic initiierte Massenproteste die Provinzparlamente blockiert oder mit Joghurtbechern attackiert werden. Daher auch der Name "Joghurt-Revolucija". In Folge dieser von ihm initiierten Ereignisse, manche sprechen auch von einem Verfassungsputsch, treten die Provinzregierungen zurück und die Stellen werden nun mit Milosevic getreuen besetzt. Am Ende dieses Prozesses sind die Vojvodina, das Kosovo und die Republik Montenegro praktisch unter Milosevics Kontrolle. Im Zuge der natürlichen und berechtigten Unruhen der Albaner, die gegen diese Massnahmen protestieren, versucht Slobodan Milosevic den Ausnahmezustand herbeizuführen, bei dem niemand geringerer als die serbisch dominierte JNA das Zepter in die Hand nehmen soll. Die Slowenen verweigern sich und stellen sich nun zum ersten Mal deutlich gegen diese Politik, nämlich mit der Kritik an der serbischen Vorgehensweise

    "Es gibt Kräfte in Jugoslawien, denen die Drohung mit einer Ausnahmesituation gefällt" - Milan Kucan 13.10.1988.

    Irgendwo habe ich gelesen, das Kucan in diesem Jahr eine von Milosevic geforderte Ausnahmesituation verhindert hat. Muss mal suchen...

    1989 - Die Autonomieregierung des Kosovo lehnt die Aufhebung der Autonomie ab und es setzen dort Proteste ein. Die Situation ist im Grunde genommen paradox. Jene (Die Albaner) die sich auf die nach wie vor gültige Verfassung berufen und in diesem Sinne legitim protestieren, werden von der serbischen Führung kriminalisiert. Jene aber, die die gültige Verfassung mit zweifelhaften Methoden aushebeln und die Regularien der jugoslawischen Verfassung ausser Kraf setzten, waren nun die Hüter der Verfassung (?).

    Nun erfolgte eine erste, echte Reaktion anderer jugoslawischer Republiken, hier Slowenien. Im Februar 89 bezeichneten sie die Politik Serbiens zum ersten Mal als "Grossserbisch". Die serbische Bevölkerung, inzwischen zugedröhnt von Milosevics Propagandapparat, muss dies schockiert haben. In der Folge kam es zu einer Massenmobilmachung in Belgrad, bei der sich 1. Mio Menschen fanden, die offen gegen Slowenen und Albaner skandierte. Man forderte Waffen -und wohl auch Köpfe-. In diesem Fall den von Azem Vlasi, gemäss 74-er Verfassung legitimer Kosovo-Vertreter. Knapp 2 Wochen später proklamierte Serbien eine "neue" Verfassung. Diese war nicht Neu, sondern lediglich ein Verfassungsstatus vor 1974. Das wichtigste daran aber war folgendes: Milosevic behielt die 74-er Stimmrechte der von ihm nun kontrollierten Provinzen Vojvodina & Kosovo und nahm sich so das beste aus beiden Welten. Denn statt der 1 Stimme die Serbien regulär im jugoslawischen Staatspräsidium hätte, verfügte er nun über 4 Stimmen, inkl. des auch nun von ihm im gleichen Jahr kontrollierten Montenegro.

    Damit hatte er sich eine Patt-Möglichkeit geschaffen und Serbien hatte nun erheblichen Einfluss auf die Bundesinstitutionen. Nun beginnt sich das ganze auch auf andere Republiken auszuweiten. Die Jugoslawische Volksarmee definiert in einem Transformationsprozess neue Territorialverantwortlichkeiten. Und -ups- diese entsprechen jenen Territorien welche die Serben für sich beanspruchen. Der neu geschaffene Knin-Korps ist hier besonders interessant. Der nämlich umfasst weite Teile der Gebiete der späteren RSK, reicht bis an kroatische Meer und umfasst die komplette bosnische Krajina. Zufall ?

    Halten wir aber an dieser Stelle einen wichtigen Punkt fest. Erst jetzt treten die späteren Gegenspieler Milosevics in Erscheinung: Tudjman wagt sich im Februar mit seiner HDZ erstmals an die Öffentlichkeit, ist aber zu diesem Zeitpunkt kein gewählter kroatischer Represäntant. In Bosnien sollte Izetbegovic knapp ein Jahr später zum ersten Mal in Erscheinung trete, bei der Gründung der SDA 1990.

    Während also der nationalistische Zug in Serbien längt volle Fahrt aufgenommen hat, rollte er in den anderen Republiken erst langsam an. Wenn wir die wesentlichen Punkte hier -und es gäbe da noch eine Menge mehr- mal zusammenfassen, so ist an dieser Stelle die Feststellung legitim, dass der Nationalismus in Serbien begann und erst darauf die Gegenbewegung in den anderen Republiken erfolgte. Milosevic wollte ein starkes Serbien in Jugoslawien und hebelte faktisch einen (angeblich) von Tito definierten Grundsatz aus: Ein starkes Jugoslawien klappt nur mit einem schwachen Serbien. Die 74´er Verfassung sollte dem Rechnung tragen. Zu einem sollte es die Republiken vor den zentralistischen Bestrebungen Serbiens schützen, zum anderen sicherte dies aber auch die serbische Kernforderung von "Alle Serben in einem Staat". Somit war dies ein idealer Kompromiss, bis jemand anfing daran zu rütteln. Dieser jemand was Slobodan Milosevic, ob zusammen oder unter Beeinflussung intelektuell-nationalistischer Kreise sei dahingestellt.

    Und jetzt mal Hand aufs Herz liebe Serben. Was wäre euch denn im Nachhinein lieber? Ein Jugoslawien mit der 74-er Verfassung, oder passen euch die Resultate der Politik von Milosevic dereb kurz,mittel und langfristige Ausläufer die Serben letzlich:

    - in Kroatien marginalisiert haben
    - in Bosnien aus ihrer angestammten Heimat (Das Föderale Territorium enthielt nach Zensus 1991 immerhin 35-40% Serben, müsste den Wert mal raussuchen)
    - nur noch auf den Nordteil des Kosovos beschränkt
    - in Montenegro zu Montenegrienern machte die keinen gemeinsamen Staat mit Belgrad wollten
    - irgendwann wohl auch die Serben in der Vojvodina zu reinen Vojvodienern macht.

    Auf die Antwort bin ich mal gespannt...
    nece ti oni to ni procitat... pouno teksta i tako...

  4. #244
    Avatar von Yu-Rebell

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    Zitat Zitat von LordVader Beitrag anzeigen
    Wenn ich von Serben spreche, dann meine ich damit weder das Volk allgemein, noch die Soldaten die in den Krieg ziehen mussten.

    Gemeint sind hier serbische & politische und intelektuelle Eliten der 80-er, welche durch ihr Handeln Jugoslawien in Brand gesetzt haben und so für nicht minder verwerfliche Gegenbewegungen gesorgt haben. Es gibt hierzu eine vielzahl interessanter Publikationen die z.B. die Ereignisse nach der jugoslawischen Verfassungsreform 1974 zeitlich gut darstellen. Es bedarf in vieler Fälle keiner Kommentierung des Autors, sondern blose Aussagen damaliger Politiker um zu Erkennen, dass ab einem gewissen Zeitpunkt in der serbischen KP die Nationalisten das Rude in die Hand genommen haben und durch mehrere Meilensteine Jugoslawien da angekommen ist was vlt. sogar niemand wollte - Im Krieg. Die 1974-er Verfassung war ein Schock für die Serben, da sie einherging mit einer Dezentralisierung (Serbien war von je her zentralistisch eingestellt) der SFRJ. Es gab genügend nationalistische Kräfte in der serbischen KP, die sich damit nie anfreunden konnte. So lange aber Tito am Leben war, ging da nichts. ALs er starb, ging es los....

    1982-86 Gerade mal 2 Jahre nach dem Tod von Tito, entstand eine serbische Denkschrift auf, in der die Benachteiligung des serbischen Volkes zum Ausdruck gebracht wird. Auch spricht dieses Memorandum von der Vereinigung aller Serben über Republiksgrenzen hinweg ("Natürlich" unter Achtung auch jener Verfassung die man dort praktisch kritisiert).

    1987 beginnt der kometenhafte Aufstieg Milosevics und seiner nationalistischen Getreuen im Bund der Kommunisten Serbiens (BdKS). Er verdrängt dort seinen Mentor, den beliebten und gemässsigten Ivan Stambolic, der früh vor dem serbischen Nationalismus warnt. Schon dort spricht Milosevic von der Notwendigkeit einer Verfassungsreform, der Benachteiligung der Serben und der Notwendigkeit auch Gewalt anzuwenden. Ivan Stambolic wurde in den 90-ern übrigens tot in einem Gebirge (?) in Serbien aufgefunden.

    Kennzeichnenderweise war der erste Gratulant dieser Veränderungen im BdKS Dobrica Cosic. Einst hochrangiges Mitglied eben jener SANU die das oben erwähnte Memorandum verfasste. Cosic wird seinen Anteil an diesem Memorandum später nie richtig bestätigen, das Memorandum selbst aber verteidigen. Im Nachhinein betrachtet kann man sagen: Das Ding war wie für Milosevic geschrieben, denn in den folgenden Jahre sollte er auch genau danach handeln.

    Nun -nach Ablösung Stambolics- beginnt eine Säuberungswelle von Gegnern. Dieser fällt -und nun sind wir wieder beim Thema- auch Abdic zum Opfer. Wie? Ganz einfach: Der Bruder (Hakija Pozderac) des Vorsitzenden der damaligen jugoslawischen Verfassungskommission (Hamdija Pozderac) arbeite dort als Ingenieur. Hamdija Pozderac war Förderer des Agrokommerc-Projektes und ausgewiesener Gegner der serbisch-nationalistischen Bestrebungen der Verfassungskommission, wo die Serben eine Reform zu ihren Gunsten erwirken wollten. Nun wurde aus Belgrad die Affäre ins Rollen gebracht (Ich glaube es war ein Artikel des serbischen "NIN") und das was 90% aller Firmen in EX-YU praktizierten, das Zahlen mit vorläufig ungedeckten Schecks, wurde Hamdija zum Strick gemacht. Hamdija Pozderac musste zurücktreten und verstarb Anfang der 90-er unter ungeklärten Umständen in Sarajevo.

    Der Weg für die Serben war nun frei, da die Stelle nun mit den geschmeidigeren Raif Dizdarevic besetzt wurde.

    Im gleichen Jahr begann nun auch die Säuberungswelle in den serbischen Medien. Der Liberalismus der sich langsam nach Titos Tod entwickelt konnte, wurde nun abgewürgt. Dragisa Pavlovic (Politika Express) wurde das erste Opfer, anschliessend folgte der Chef der Politika Gruppe (Ivan Stojanovic), der Herausgeber von NIN (oder hiessen die "NEN") (Jerkic) und auch im TV (TV Belgrad) musste der Stuhl geräumt werden (Eric). Ab diesem Zeitpunkt begannen diese Medien mit Angstmacherei und Hassartikeln gegen Albaner, Moslems, Slowenen, sogar Vatikan und der CIA.

    Bis Ende 1987 wurde als die Partei von Milosevic und seinen Nationalisten auf Kurs gebracht. Nun folgte die Gleichschaltung von Medien und eine Dauerberieselung mit Verschwörung, Angstmacherei. Wer dem ständig ausgesetzt wird, kann sich dem irgendwann sicher nicht entziehen und ich wundere mich über keinen Serben der daran auch geglaubt hat. Milosevic liess den Nationalismus schreien und brachte die Vernuft zum Schweigen. Nenadovic, ein ehem. Herausgeber der "Politika" (Eine bis dato "Institution" serbisch-politischer Zeitungen) formulierte mit Bitterkeit Jahre später demenstrpechend auch wie folgt:

    ...Das (Milosevic) Regime zerstörte alles was gut an uns war und machten die Politika zur Speerspitze einer nationalistischen Offensive"

    1988 macht Milosevic auf einer Rede in Pozarevac klar, wo die Reise hingeht. Anlässlich eines Meetings einer Feier eines serbischen Aufstandes machte er folgende Bemerkung: "Das serbische Volk geht ins 21. Jhdt. in den Kampf um Territorium, Sprache und Freiheit". Das Wort Kampf wird er später auf der Amselfeldrede konkretisieren, in dem er auch den bewaffneten Kampf nicht ausschliesst.

    Kurze Zeit später beginnt im gleichen Jahr die sog. "antibürokratische Revolution", wo durch von Milosevic initiierte Massenproteste die Provinzparlamente blockiert oder mit Joghurtbechern attackiert werden. Daher auch der Name "Joghurt-Revolucija". In Folge dieser von ihm initiierten Ereignisse, manche sprechen auch von einem Verfassungsputsch, treten die Provinzregierungen zurück und die Stellen werden nun mit Milosevic getreuen besetzt. Am Ende dieses Prozesses sind die Vojvodina, das Kosovo und die Republik Montenegro praktisch unter Milosevics Kontrolle. Im Zuge der natürlichen und berechtigten Unruhen der Albaner, die gegen diese Massnahmen protestieren, versucht Slobodan Milosevic den Ausnahmezustand herbeizuführen, bei dem niemand geringerer als die serbisch dominierte JNA das Zepter in die Hand nehmen soll. Die Slowenen verweigern sich und stellen sich nun zum ersten Mal deutlich gegen diese Politik, nämlich mit der Kritik an der serbischen Vorgehensweise

    "Es gibt Kräfte in Jugoslawien, denen die Drohung mit einer Ausnahmesituation gefällt" - Milan Kucan 13.10.1988.

    Irgendwo habe ich gelesen, das Kucan in diesem Jahr eine von Milosevic geforderte Ausnahmesituation verhindert hat. Muss mal suchen...

    1989 - Die Autonomieregierung des Kosovo lehnt die Aufhebung der Autonomie ab und es setzen dort Proteste ein. Die Situation ist im Grunde genommen paradox. Jene (Die Albaner) die sich auf die nach wie vor gültige Verfassung berufen und in diesem Sinne legitim protestieren, werden von der serbischen Führung kriminalisiert. Jene aber, die die gültige Verfassung mit zweifelhaften Methoden aushebeln und die Regularien der jugoslawischen Verfassung ausser Kraf setzten, waren nun die Hüter der Verfassung (?).

    Nun erfolgte eine erste, echte Reaktion anderer jugoslawischer Republiken, hier Slowenien. Im Februar 89 bezeichneten sie die Politik Serbiens zum ersten Mal als "Grossserbisch". Die serbische Bevölkerung, inzwischen zugedröhnt von Milosevics Propagandapparat, muss dies schockiert haben. In der Folge kam es zu einer Massenmobilmachung in Belgrad, bei der sich 1. Mio Menschen fanden, die offen gegen Slowenen und Albaner skandierte. Man forderte Waffen -und wohl auch Köpfe-. In diesem Fall den von Azem Vlasi, gemäss 74-er Verfassung legitimer Kosovo-Vertreter. Knapp 2 Wochen später proklamierte Serbien eine "neue" Verfassung. Diese war nicht Neu, sondern lediglich ein Verfassungsstatus vor 1974. Das wichtigste daran aber war folgendes: Milosevic behielt die 74-er Stimmrechte der von ihm nun kontrollierten Provinzen Vojvodina & Kosovo und nahm sich so das beste aus beiden Welten. Denn statt der 1 Stimme die Serbien regulär im jugoslawischen Staatspräsidium hätte, verfügte er nun über 4 Stimmen, inkl. des auch nun von ihm im gleichen Jahr kontrollierten Montenegro.

    Damit hatte er sich eine Patt-Möglichkeit geschaffen und Serbien hatte nun erheblichen Einfluss auf die Bundesinstitutionen. Nun beginnt sich das ganze auch auf andere Republiken auszuweiten. Die Jugoslawische Volksarmee definiert in einem Transformationsprozess neue Territorialverantwortlichkeiten. Und -ups- diese entsprechen jenen Territorien welche die Serben für sich beanspruchen. Der neu geschaffene Knin-Korps ist hier besonders interessant. Der nämlich umfasst weite Teile der Gebiete der späteren RSK, reicht bis an kroatische Meer und umfasst die komplette bosnische Krajina. Zufall ?

    Halten wir aber an dieser Stelle einen wichtigen Punkt fest. Erst jetzt treten die späteren Gegenspieler Milosevics in Erscheinung: Tudjman wagt sich im Februar mit seiner HDZ erstmals an die Öffentlichkeit, ist aber zu diesem Zeitpunkt kein gewählter kroatischer Represäntant. In Bosnien sollte Izetbegovic knapp ein Jahr später zum ersten Mal in Erscheinung trete, bei der Gründung der SDA 1990.

    Während also der nationalistische Zug in Serbien längt volle Fahrt aufgenommen hat, rollte er in den anderen Republiken erst langsam an. Wenn wir die wesentlichen Punkte hier -und es gäbe da noch eine Menge mehr- mal zusammenfassen, so ist an dieser Stelle die Feststellung legitim, dass der Nationalismus in Serbien begann und erst darauf die Gegenbewegung in den anderen Republiken erfolgte. Milosevic wollte ein starkes Serbien in Jugoslawien und hebelte faktisch einen (angeblich) von Tito definierten Grundsatz aus: Ein starkes Jugoslawien klappt nur mit einem schwachen Serbien. Die 74´er Verfassung sollte dem Rechnung tragen. Zu einem sollte es die Republiken vor den zentralistischen Bestrebungen Serbiens schützen, zum anderen sicherte dies aber auch die serbische Kernforderung von "Alle Serben in einem Staat". Somit war dies ein idealer Kompromiss, bis jemand anfing daran zu rütteln. Dieser jemand was Slobodan Milosevic, ob zusammen oder unter Beeinflussung intelektuell-nationalistischer Kreise sei dahingestellt.

    So paradox es in serbischen Ohren klingeln mag. Die Lunte für die Zerstörung Jugoslawiens wurde von Serben in Brand gesetzt. Den Sprengstoff haben sicher alle geliefert.

    Und jetzt mal Hand aufs Herz liebe Serben. Was wäre euch denn im Nachhinein lieber? Ein Jugoslawien mit der 74-er Verfassung, oder passen euch die Resultate der Politik von Milosevic dereb kurz,mittel und langfristige Ausläufer die Serben letzlich:

    - in Kroatien marginalisiert haben
    - in Bosnien aus ihrer angestammten Heimat (Das Föderale Territorium enthielt nach Zensus 1991 immerhin 35-40% Serben, müsste den Wert mal raussuchen)
    - nur noch auf den Nordteil des Kosovos beschränkt
    - in Montenegro zu Montenegrienern machte die keinen gemeinsamen Staat mit Belgrad wollten
    - irgendwann wohl auch die Serben in der Vojvodina zu reinen Vojvodienern macht.

    Auf die Antwort bin ich mal gespannt...
    Top Beitrag. Jetzt mußt du nur noch etwas über Izetbegovics & Co., Tudjmans & Co. politischen Werdegangs raussuchen, ein bisschen was von dem politischen Einfluss des Westens und schon hast du die Wahrheit. Das hier alleine, wäre viel zu einfach, denn wenn das alles gewesen wäre hätten wir nicht dieses gemetzel ( jeder gegen jeden ) gehabt, sondern nur Serbien gegen den Rest, oder umgekhert. Verstehst du?

  5. #245

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    Blinzeln

    Zitat Zitat von Yu-Rebell Beitrag anzeigen
    Top Beitrag. Jetzt mußt du nur noch etwas über Izetbegovics & Co., Tudjmans & Co. politischen Werdegangs raussuchen, ein bisschen was von dem politischen Einfluss des Westens und schon hast du die Wahrheit. Das hier alleine, wäre viel zu einfach, denn wenn das alles gewesen wäre hätten wir nicht dieses gemetzel ( jeder gegen jeden ) gehabt, sondern nur Serbien gegen den Rest, oder umgekhert. Verstehst du?
    Wie aus dem Beitrag unschwer zu entnehmen ist, spielten Izetbegovic und Tudjman im Rahmen der stattfindenden politischen Prozesse zwischen 74-89 keine Rolle die das serbische Vorgehen legitimiert oder erklärt. Die haben das doch nicht alles wegen den beiden angestellt.

    Das serbische Vorgehen fusste nicht darauf, dass Tudjman und Milosevic beide in der SFRJ verurteil wurden, einmal wegen nationalistischer und ein anderes Mal wegen islamistischer Umtriebe. Es fusste auf dem Wunsch nach einer Vereinigung aller serbischen Länder in einem Umfeld das dazu kaum geeignet war.

    Izetbegovics & Tudjmans Verhalten, Entscheidungen und Rolle kann und sollte natürlich im Kontext der ab 91 bzw 92 folgenden Kriegsereignisse kritisch betrachtet werden.

    Jetzt aber meine Frage an Dich. Was wäre Dir lieber? Die Beibehaltung der 74-er Verfassung und des damaligen Jugoslawiens, oder dem was man bekommen hat als man die gleiche Verfassung aushebelte ?

  6. #246
    Avatar von Yu-Rebell

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    Zitat Zitat von LordVader Beitrag anzeigen
    Wie aus dem Beitrag unschwer zu entnehmen ist, spielten Izetbegovic und Tudjman im Rahmen der stattfindenden politischen Prozesse zwischen 74-89 keine Rolle die das serbische Vorgehen legitimiert oder erklärt. Die haben das doch nicht alles wegen den beiden angestellt.

    Das serbische Vorgehen fusste nicht darauf, dass Tudjman und Milosevic beide in der SFRJ verurteil wurden, einmal wegen nationalistischer und ein anderes Mal wegen islamistischer Umtriebe. Es fusste auf dem Wunsch nach einer Vereinigung aller serbischen Länder in einem Umfeld das dazu kaum geeignet war.

    Izetbegovics & Tudjmans Verhalten, Entscheidungen und Rolle kann und sollte natürlich im Kontext der ab 91 bzw 92 folgenden Kriegsereignisse kritisch betrachtet werden.

    Jetzt aber meine Frage an Dich. Was wäre Dir lieber? Die Beibehaltung der 74-er Verfassung und des damaligen Jugoslawiens, oder dem was man bekommen hat als man die gleiche Verfassung aushebelte ?
    Ganz klar, die Beibehaltung der 74-er Verfassung und des damaligen Jugoslawiens.

  7. #247

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    Zitat Zitat von Yu-Rebell Beitrag anzeigen
    Ganz klar, die Beibehaltung der 74-er Verfassung und des damaligen Jugoslawiens.
    Daraus könnte man jetzt ableiten, dass Milosevic zwischen seinem Amtsantritt und 1989 Scheisse gebaut hat, oder ?

  8. #248
    Avatar von Yu-Rebell

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    Zitat Zitat von LordVader Beitrag anzeigen
    Daraus könnte man jetzt ableiten, dass Milosevic zwischen seinem Amtsantritt und 1989 Scheisse gebaut hat, oder ?
    Nicht nur das, in meinen Augen war Milosevic ein geisteskranker Mensch.

  9. #249
    Avatar von Dissention

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    Lord Vaders "Megatext" ist mal wieder Beweis, dass man viel schreiben kann und trotzdem die Geschichte falsch darstellt.

    Tudjman trat schon vorher in Erscheinung, ein kleiner Bericht aus Wikipedia macht dies deutlich:

    Der Dissident [Bearbeiten]

    Im Jahr 1967 wurde Franjo Tuđman aus der kommunistischen Partei (KPJ) wegen seiner radikalen politischen Thesen, die auf eine Teilung Bosniens zugunsten der kroatischen Republik wegen einer vermeintlichen Unterdrückung der kroatischen Volksgruppe in Bosnien abzielten und bereits in dieser Zeit als kroatisch-nationalistisch bezeichnet wurden, ausgeschlossen. Ebenso verlor er seinen Posten als Direktor in dem von ihm gegründeten „Institut für die Geschichte der Arbeiterbewegung Kroatiens“ und seinen Posten als Professor an der Universität Zagreb. Ihm wurden alle öffentliche Ämter entzogen.
    Nach der Beendigung der auch als Kroatischer Frühling bekannten kroatischen antikommunistischen Bewegung im Jahre 1971 wurde er, zusammen mit vielen weiteren prominenten Vertretern, wegen „konterrevolutionärer Umtriebe“ verhaftet und einer der Hauptangeklagten dieser Bewegung. Nur aufgrund einer Intervention durch den Schriftsteller Miroslav Krleža bei Josip Broz Tito wurde die langjährige Haftstrafe gegen ihn auf zwei Jahre verkürzt, die sich später dann auf 9 Monate verringerte. Im Februar 1981 wurde er erneut zu drei Jahren Gefängnis verurteilt und es wurde ihm für weitere fünf Jahre verboten, westlichen Radio- und Fernsehagenturen Interviews zu geben. Zwischen 1982 und 1983 saß er wieder wegen „staatsfeindlicher Propaganda“ in Lepoglava in Haft. Dann wurde seine Haft wegen gesundheitlicher Probleme bis zum Mai 1984 unterbrochen. Im September 1984 wurde er deswegen endgültig auf freien Fuß gesetzt.
    Nachdem er 1987 von den Behörden wieder einen Reisepass ausgehändigt bekam, reiste er zunächst nach Kanada und in die USA und danach durch Europa, wo er Vorträge über die kroatische Nationalbewegung hielt. Im Jahr 1989 gründete er die „Kroatische Demokratische Union“ (HDZ) und wurde deren Vorsitzender.
    Am Anfang hat Kroaten auch genau diese Politik umgesetzt, erst durch Intervention der Westmächte gab es ein Umlenken in der kroatischen Politik, dafür hat man dann ja auch die Oluja geschehen lassen.
    Ich behaupte, dass wir ohne Tudjman vermutlich gar keinen Bosnienkrieg gehabt hätten.

    Hier noch etwas:

    Kriegsverbrechen [Bearbeiten]

    Tuđman starb am 10. Dezember 1999. Zu einer Anklage durch den Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien (ICTY) gegen ihn kam es nicht, allerdings hatte das Tribunal vor seinem Tod bereits Ermittlungen aufgenommen. So sagte Carla del Ponte, Chefanklägerin des ICTY, dass „Tuđman angeklagt worden wäre, wenn sein Tod dem nicht zuvor gekommen wäre."[5] Mitte April 2011 wurde bei der Urteilsverkündung gegen Ante Gotovina, bei welcher dieser wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit für schuldig befunden wurde, auch Tuđman erwähnt. Einer der Richter betonte, dass der damalige Präsident Franjo Tuđman der Hauptführer einer kriminellen Vereinigung war, deren Ziel die gewaltsame und dauerhafte Vertreibung der serbischen Bevölkerung aus der Krajina-Region gewesen sei.[6] Die damalige Premierministerin Jadranka Kosor kündigte im April 2011 an, dass die kroatische Regierung eine Berufung gegen die Verurteilungen sowie die Einschätzung des Gerichts einlegen, dass Tuđman als Drahtzieher von Vertreibungen fungiert habe, unterstützen werde.[7]
    Wie man unter diesen Umständen Milosevic die Alleinschuld geben kann, geht nicht in meinen Kopf, dieses schwarz-weiß Denken ist genau dass, welches die Versöhnung auf dem Balkan und vor allem in Bosnien immer wieder um Jahre zurückwirft.

    Zu Alija - ich fasse aus Wikipedia zusammen:


    "Während des Zweiten Weltkriegs schloss er sich der Gruppe der Jungen Muslime (Mladi Muslimani) an, die sich an einer Reihe fundamentalistischer Vereinigungen aus anderen islamischen Staaten orientierten.[1] Nach der Machtübernahme durch den KP-Chef Tito 1946 wurde Izetbegović zu drei Jahren Haft verurteilt, weil die Jungen Muslime der Kollaboration mit dem faschistischen Ustascha-Regime beschuldigt wurden."

    "1970 gab Izetbegović das Manifest Islamische Deklaration heraus, welche den „Modernisten“ in der islamischen Welt eine eben so klare Absage erteilte, wie der „westlichen Zivilisation“ als solcher."

    "Weiters forderte die Deklaration einen panislamischen Staat, in dem die Muslime zu einer Gemeinschaft verschmelzen sollten, in der der Islam die Ideologie und der Panislamismus die Politik wäre."

    „Unser Ziel: die Islamisierung der Muslime. Unsere Devise: Glauben und kämpfen.“

    So weit zur Vorgeschichte beider - und du behaupte es war allein Milosevics Schuld ...

    Die Hauptschuld am Kriegsausbruch haben (natürlich) Slobo und Franjo, so wie der Westen, der lieber unterstützt hat, dass Bosnien unabhängig wird, statt eine friedliche Einigung zu finden - und ein Alija, der gerne seinen Arsch an genau diesen Westen verkauft hat, mit dem Traum seinen "Scharia-Staat" aufzubauen.

    Mögen alle drei in der Hölle schmoren.

  10. #250
    Avatar von Josip Frank

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    Zitat Zitat von Dissention Beitrag anzeigen
    Lord Vaders "Megatext" ist mal wieder Beweis, dass man viel schreiben kann und trotzdem die Geschichte falsch darstellt.
    natürlich...eure Geschichtsbücher sind bekannt ...haben aber nichts mit Tatsachen zu tun.







    Am Anfang hat Kroaten auch genau diese Politik umgesetzt, erst durch Intervention der Westmächte gab es ein Umlenken in der kroatischen Politik, dafür hat man dann ja auch die Oluja geschehen lassen.
    Ich behaupte, dass wir ohne Tudjman vermutlich gar keinen Bosnienkrieg gehabt hätten.
    der Bosnienkrieg ist nur die logische Konsequenz der Ereignisse im Kroatienkrieg mit einer Serben Armee, die dachte man würde hier schnell und siegreich die alte Machtordnung herstellen.



    Wie man unter diesen Umständen Milosevic die Alleinschuld geben kann, geht nicht in meinen Kopf, dieses schwarz-weiß Denken ist genau dass, welches die Versöhnung auf dem Balkan und vor allem in Bosnien immer wieder um Jahre zurückwirft.
    Das Serbentum kann ja froh sein, dass es noch solche wie Dich gibt, Die können der Jugend dann erzählen, warum man ein Sanu Memorandum schreiben mussten und warum Slobo das Staatspräsidium zu seinen Gunsten aushebelte..






    Zitat Zitat von Dissention Beitrag anzeigen
    Die Hauptschuld am Kriegsausbruch haben (natürlich) Slobo und Franjo, so wie der Westen, der lieber unterstützt hat, dass Bosnien unabhängig wird, statt eine friedliche Einigung zu finden - und ein Alija, der gerne seinen Arsch an genau diesen Westen verkauft hat, mit dem Traum seinen "Scharia-Staat" aufzubauen.

    Mögen alle drei in der Hölle schmoren.
    ja genau....friedliche Lösung.....und verdrängt die Vorgeschichte....einem Komplex des Serbentums mit dem Gipfel in Srebrenica und der Vernichtung der Türken....in serbischen Fachkreisen auch Scharia Staat genannt.

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