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„Wir fühlen uns wie in einem Ghetto“

Erstellt von Bloody, 26.10.2009, 20:54 Uhr · 18 Antworten · 1.171 Aufrufe

  1. #1
    Bloody

    Beitrag „Wir fühlen uns wie in einem Ghetto“

    Die Ermordung von 8000 Männern in Srebrenica ist ein Hauptanklagepunkt gegen Karadzic. In der bosnischen Stadt kämpft man noch immer darum, Normalität in den Alltag zu bringen.

    Die Fahrt nach Srebrenica führt durch eine beschauliche Landschaft. Die sich färbenden Blätter der Laubbäume bedecken an diesen Herbsttagen die steilen Höhenzüge. Das Flüsschen windet sich zwischen den wiederaufgebauten Häusern und den Maisfeldern. In den Gärten biegen sich die Äste der Obstbäume unter der Last der Früchte. Und doch lastet eine eigentümliche Stimmung über dem Idyll. Schon der Name Srebrenica lässt den Besucher erschaudern.

    Und da ist es schon, das Denkmal von Poto?ari, dem Ort, an dem im Juli 1995 zehntausende Bewohner der Enklave Srebrenica bei niederländischen UNO-Soldaten Schutz suchten. Hier begann der größte Massenmord nach dem Zweiten Weltkrieg in Europa.

    Die Reihen der inzwischen über 3000 Gräber beherrschen das Tal bis zum Fuß der Berge. Im Dokumentationszentrum gegenüber – dort, wo die UNO-Soldaten ihr Lager hatten – ist zu sehen, wie am 11. Juli 1995 General Ratko Mladic seinen Soldaten nach der Eroberung Srebrenicas den Befehl gibt: „Jetzt geht es auf nach Potocari. Rache an den Türken!“ Er meinte damit Rache für die angeblich verlorene Schlacht 1389 im Kosovo, bei der ein Heer unter dem serbischen Fürsten Lazar den Osmanen entgegengetreten war.

    Wer will hier freiwillig leben?


    Die gefährlich verschrobene Ideologie der serbischen Nationalisten, an Menschen muslimischen Glaubens „Rache“ für ein weit zurückliegendes Ereignis nehmen zu müssen, war Grund für das Massaker, dem schließlich 8300 Männer Srebrenicas zum Opfer fielen. Ende des 14. Jahrhunderts war Srebrenica – die Silberstadt – eine blühende Stadt gewesen. Die Silberminen waren unter Aufsicht sächsischer Bergleute zu ergiebigen Minen entwickelt worden, Kaufleute aus Dubrovnik bauten ein Stadtviertel auf. Srebrenica war Rückgrat für das bosnische Königtum mit seinen Hochburgen Visoko und Jajce, das damals ein Kontingent von Rittern zur Unterstützung des christlichen Heeres in den Kosovo geschickt hatte.

    Doch jetzt lastet die jüngste Geschichte über dem Tal. Wie über Auschwitz oder Jasenovac schwebt über Srebrenica der Geruch des Todes, der Name der Stadt wird immer mit ihm verbunden sein.

    Wer würde freiwillig hier leben wollen, wer möchte hier arbeiten, Kinder zeugen, eine Zukunft aufbauen? Melika Malesevic, die eigentlich aus der zentralbosnischen Stadt Jajce stammt, hat Srebrenica nach dem Krieg als Lebenszentrum gewählt. Die aktive Mittfünfzigerin hat das von der Arbeiterwohlfahrt in Deutschland finanzierte „Haus des Vertrauens“ aufgebaut, eine Begegnungsstätte zwischen den Volksgruppen.


    Ihr Mitarbeiter ist Mladen, ein Serbe, der 1995, als Mladi? hier wütete, noch ein Kind war. Mladen und Melika sind die guten Geister des Hauses, das wegen Mladens Anwesenheit zunehmend von serbischen Jugendlichen genutzt wird. Hier treffen einander die Mütter von Srebrenica und serbische Frauen aus der Nachbarschaft. Hier können Gruppen aus dem Ausland übernachten.

    Zurzeit ist eine Gruppe von Australiern, Kanadiern, Iren und anderen Nationalitäten hier, die ganzheitliche Heilmethoden propagiert. „Wir wollen solche Leute mit neuen Ideen, die unsere Menschen anregen, etwas zu unternehmen, und uns positive Energien geben“, sagt Mladen, der seine langen Haare zu einem Pferdeschwanz gebunden hat.


    Srebrenica als Heilbad?

    Srebrenicas Heilwasser seien einmal berühmt gewesen, fügt Melika hinzu, „die wurden schon von den Römern genutzt. Wir können an diese Tradition anknüpfen.“

    Auch Hatidza Mehmedovic kommt oft in dieses Haus. Wenn sie den Raum betritt, richten sich alle Blicke auf sie. Dabei ist sie eigentlich nicht charismatisch, schon gar keine Agitatorin. Die 57-jährige Präsidentin des Müttervereins in Srebrenica strahlt aber natürliche Würde und Entschlossenheit aus; und ist offen für neue Ideen. „Wir müssen hier erst einmal Normalität schaffen.“

    Sie war einmal eine ganz „einfache und unscheinbare Hausfrau“. Damals, vor dem Krieg, in den 1980er-Jahren, als das Leben in Srebrenica noch in Ordnung war, als die sechs Fabriken noch arbeiteten, als es hier im Tal Vollbeschäftigung gab und viele nach Srebrenica ziehen wollten.

    Sie hat geheiratet, zwei Buben geboren, mit ihrem Mann ein schmuckes Haus oberhalb der „Silberstadt“ gebaut; mit herrlichem Blick auf die eng beieinanderliegenden Häuser im Tal und auf die vom Laubwald bewachsenen Berge. „Wir waren glücklich.“ Und dann brach die Hölle aus.
    Als sie und die anderen Bewohner am 11. Juli 1995 in das UN-Camp nach Potocari fliehen mussten, hofften sie noch, zu überleben. Doch dann ließ Mladi? die Frauen und Kinder von den Männern trennen, die UNO-Soldaten unternahmen nichts. „Mein 18- und mein 20-jähriger Sohn wurden mit ihrem Vater den Männern zugeteilt, so wie meine Brüder. Keiner hat überlebt.“


    Suche nach Verschwundenen


    2002 kam die Frau in die Stadt zurück. Eine Hilfsorganisation half ihr, das Haus wieder aufzubauen. Bei einem ersten Besuch damals deutete sie auf drei Bäumchen im Garten. „Die haben meine Söhne und mein Mann gepflanzt,“ sagte sie leise. Die Bäumchen, die heute schon eine stattliche Höhe erreichen, waren für sie lange Zeit die einzige Erinnerung an die beiden. Heute weiß sie immerhin, dass die Überreste eines Sohnes 2002 in dem Massengrab Pilice bei Zvornik gefunden worden waren.

    Die DNA-Untersuchungen der Kommission für vermisste Personen sind jedoch langwierig. Erst 2007 hatte sie Gewissheit. Auch Teile des Skeletts ihres Mannes sind inzwischen identifiziert. Von dem zweiten Sohn jedoch fehlt noch jede Spur.

    Als Vertreterin der Gesellschaft für bedrohte Völker vor Ort hat sie Spenden von rund 250.000 Euro an Frauen mit ähnlichem Schicksal verteilt, in Form von lebendem Vieh und landwirtschaftlichen Gerät. Auch die Salzburger Organisation „Bauern helfen Bauern“ stellt Rückkehrerinnen Behelfsunterkünfte, Saatgut und Vieh bereit.

    Abgeschnitten von Europa



    „Der neue Geist heißt für mich erst einmal Normalität“, meint Mehmedovi?. Die meisten Polizisten in Srebrenica seien Serben, „die schon damals, bei den Massakern dabei waren.“ Vieles in Srebrenica repräsentiere noch immer die Politik des einstigen Serbenführers Radovan Karadzic.

    Mehmedovic fühlt sich wie andere Rückkehrer „wie in einem Ghetto“. Dazu trägt auch die internationale Politik bei. Sechs Monate habe es gedauert, um an ein niederländisches Visum zu kommen, berichtet Mehmedovi?. Ein Visum, das nötig ist, um in Den Haag den Beginn des Karadzic- Prozesses mitverfolgen zu können. „Erst wenn sich das Leben normalisiert hat, kann ich wieder an Srebrenicas Zukunft denken“, sagt die Frau. Die Leute im Haus des Vertrauens nicken. „Aber wir müssen selber Normalität herstellen“, fügen Malika und Mladen hinzu.






    http://diepresse.com/home/politik/au...selChannel=103

  2. #2
    Emir
    „Der neue Geist heißt für mich erst einmal Normalität“, meint Mehmedovi?. Die meisten Polizisten in Srebrenica seien Serben, „die schon damals, bei den Massakern dabei waren.“ Vieles in Srebrenica repräsentiere noch immer die Politik des einstigen Serbenführers Radovan Karadzic.
    Ein sehr großes Problem (wenn es wahr sein sollte)

  3. #3
    Magic
    Zitat Zitat von Emir88 Beitrag anzeigen
    Ein sehr großes Problem (wenn es wahr sein sollte)
    Nicht nur in Srebrenica,viele dieser Bastarde laufen frei herum obwohl man über ihre Beteiligung an Verbrechen bescheid weiß

  4. #4
    Avatar von Zurich

    Registriert seit
    05.02.2007
    Beiträge
    18.089
    Er meinte damit Rache für die angeblich verlorene Schlacht 1389 im Kosovo, bei der ein Heer unter dem serbischen Fürsten Lazar den Osmanen entgegengetreten war.
    Nein Falsch! Er meinte damit Rache wegen dem grossen Massaker in Bratunac (ein nachbarort von Srebrenica) an Weihnachten 1993.

    - Die Behauptung von 1389 ist absoluter Bullshit.

    - Natürlich ist jede Rache nicht legitim und scharf zu verurteilen!!! Man macht die Sache nicht besser, wenn man im Gegenzug noch ein 10fach schlimmeres Massaker veranstaltet. Das was in Srebrenica passiert ist, ist die grösste Schande in der Geschichte des Serbischen Volkes!!!!!!!!!!

    Aber wenn schon Journalisten über Srebrenica berichten, dann bitte sachlich bleiben und keine zusätzlichen Dine behaupten, um es noch unfassbarer darzustellen. Also... es ging um Bratunac 1993 und nicht Amselfeld 1389. Denn mit den "Türken" meinte er die Bosniaken (ein übliches Schimpfwort bei den Cedos) und nicht die Osmanen.

  5. #5
    Emir
    Zitat Zitat von Zurich Beitrag anzeigen

    - Natürlich ist jede Rache nicht legitim und scharf zu verurteilen!!! Man macht die Sache nicht besser, wenn man im Gegenzug noch ein 10fach schlimmeres Massaker veranstaltet. Das was in Srebrenica passiert ist, ist die grösste Schande in der Geschichte des Serbischen Volkes!!!!!!!!!!
    Freut mich das du so denkst.

    Warum sich User wie Djuka bei dir bedanken ist mir aber ein Rätsel....

  6. #6
    Ferdydurke
    Zitat Zitat von Zurich Beitrag anzeigen
    Nein Falsch! Er meinte damit Rache wegen dem grossen Massaker in Bratunac (ein nachbarort von Srebrenica) an Weihnachten 1993.

    - Die Behauptung von 1389 ist absoluter Bullshit.

    - Natürlich ist jede Rache nicht legitim und scharf zu verurteilen!!! Man macht die Sache nicht besser, wenn man im Gegenzug noch ein 10fach schlimmeres Massaker veranstaltet. Das was in Srebrenica passiert ist, ist die grösste Schande in der Geschichte des Serbischen Volkes!!!!!!!!!!

    Aber wenn schon Journalisten über Srebrenica berichten, dann bitte sachlich bleiben und keine zusätzlichen Dine behaupten, um es noch unfassbarer darzustellen. Also... es ging um Bratunac 1993 und nicht Amselfeld 1389. Denn mit den "Türken" meinte er die Bosniaken (ein übliches Schimpfwort bei den Cedos) und nicht die Osmanen.
    Das stellt sich hier anders dar:

    http://books.google.de/books?id=ZCVtOJCGwfwC&pg=PA56&lpg=PA56&dq=Jetzt+ge ht+es+auf+nach+Potocari.+Rache+an+den+T%C3%BCrken! &source=bl&ots=MUbb24Fknt&sig=b1kTGfdhhsAXuMB73L1K awqQppU&hl=de&ei=jsnmSvrcNZLz_AbC4OWKCA&sa=X&oi=bo ok_result&ct=result&resnum=4&ved=0CBAQ6AEwAw#v=one page&q=&f=false

    Es scheint sehr wohl Teil der Kriegspropaganda gewesen zu sein, die Kriegsführung in Bosnien durch Rache an den türkischen Besatzern zu legitimieren.

  7. #7
    Ferdydurke
    ... und wer Erich Rathfelder nicht mag, dem kann ich eine Quelle empfehlen, die nicht verdächtig ist, anti-serbisch zu sein. Bogdan Bogdanovic. Über die Rolle der Medien während des Bosnienkrieges sagte er einmal "Und so wurde immer noch über die vergewaltigten serbischen Frauen gesprochen, während es längst nicht mehr Serbinnen waren." Djindic sprach von den "jahrhundertealten Haßkonserven".

    Es gibt einen Grund, watrum die Bezeichnung "Türken" ausgegraben wurde.

  8. #8
    Avatar von Subasic

    Registriert seit
    02.04.2009
    Beiträge
    1.174
    UN-Nothing kann ich da nur sagen!!! Das nennt man Europa schande ....
    Vergesst nicht Srebrenica !!

  9. #9
    Lopov
    Zitat Zitat von Zurich Beitrag anzeigen
    Nein Falsch! Er meinte damit Rache wegen dem grossen Massaker in Bratunac (ein nachbarort von Srebrenica) an Weihnachten 1993.

    - Die Behauptung von 1389 ist absoluter Bullshit.

    - Natürlich ist jede Rache nicht legitim und scharf zu verurteilen!!! Man macht die Sache nicht besser, wenn man im Gegenzug noch ein 10fach schlimmeres Massaker veranstaltet. Das was in Srebrenica passiert ist, ist die grösste Schande in der Geschichte des Serbischen Volkes!!!!!!!!!!

    Aber wenn schon Journalisten über Srebrenica berichten, dann bitte sachlich bleiben und keine zusätzlichen Dine behaupten, um es noch unfassbarer darzustellen. Also... es ging um Bratunac 1993 und nicht Amselfeld 1389. Denn mit den "Türken" meinte er die Bosniaken (ein übliches Schimpfwort bei den Cedos) und nicht die Osmanen.
    Woher willst du wissen, was dahinter steckt? Viele User haben hier direkt oder indirekt zugegeben, dass der ganze Krieg großteils nur durch Rache motiviert war.

  10. #10
    Avatar von Dukagjin

    Registriert seit
    17.12.2008
    Beiträge
    1.776
    Zitat Zitat von Eldo Beitrag anzeigen
    UN-Nothing kann ich da nur sagen!!! Das nennt man Europa schande ....
    Vergesst nicht Srebrenica !!
    sehe ich genauso, unentschuldbar wie die UN-Soldaten aus Holland gehandelt haben.


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