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Gordan Georgiev erklärt Gruievski den Krieg

Erstellt von ooops, 21.07.2010, 15:08 Uhr · 6 Antworten · 674 Aufrufe

  1. #1

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    Gordan Georgiev erklärt Gruievski den Krieg

    [h1]"Es ist so demütigend für uns Mazedonier"[/h1]
    von Andreas Bachmann und Sinisa-Jakov Marusic | 21. Juli 2010, 07:33


    [h2]Gordan Georgiev, Vize-Chef der Sozialdemokraten, über den lähmenden Namensstreit mit Griechenland und seine Hoffnung auf einen Regimesturz in Skopje[/h2]
    Ein Land gefangen in der Warteschleife: Seit 2005 ist das kleine Balkanland Mazedonien offizieller Beitrittskandidat der Europäischen Union. Passiert ist seitdem nicht viel, denn der seit Gründung des Landes schwelende Namensstreit mit EU-Mitglied Griechenland verhinderte bis heute die Aufnahme konkreter Gespräche. Im April 2008 blockierte das Nachbarland mit seinem Veto auch den Beitritt Mazedoniens in die NATO. Im Gespräch mit derStandard.at sagt der Vizepräsident der oppsitionellen Sozialdemokraten, dass sich Mazedonien in den vergangenen drei Jahren sogar noch weiter von der EU entfernt habe, wofür er die regierende VMRO-DPMNE verantworltich macht.
    Ministerpräsident Nikola Gruevski habe mit nationalistischen Tönen und einer Politik der "Antikisierung" Mazedoniens (derStandard.at berichtete) das Land "in eine Sackgasse manövriert". Doch auch die Sozialdemokraten befinden sich bezüglich des Namensstreit in einem Zwiespalt: Eine Namensänderung kommt auch für Georgiev unter den gegebenen Umständen nicht in Frage. Die Haltung Griechenlands im Konflikt bezeichnet er als "destruktiv" und teilt damit die Linie der Regierung, von der in Mazedonien scheinbar niemand abweichen kann. "Das ist ja nicht unsere rote Linie. Es ist eine Linie, die kein Politiker und kein mazedonischer Bürger überschreiten könnte", sagt Georgiev.
    Seine eigene Partei sieht Georgiev nach einer der größten Demonstrationen gegen die Regierung in den vergangenen Jahren im Aufwind. Er sieht eine "gigantische Manipulation" und eine "Propagandamaschine" von Seiten der Regierung am Laufen und beschreibt ein Klima der Angst unter der Bevölkerung Mazedoniens. Georgiev kritisiert die "anti-albanische Politk" der Regierung als "Alarmsignal" und fordert Neuwahlen für den Fall ein, dass Mazedonien bis zum November nicht näher an NATO und EU gerückt ist. Trotz des schwachen Resultats seiner SDSM bei der vergangenen Wahl 2008, gibt er sich kämpferisch: "Es geht darum, alle Bürger dafür an Bord zu bekommen, diese Regierung zu stürzen. Das hier ist keine normale politische Auseinandersetzung, wo eine Partei gegen eine andere kämpft. Es ist ein Kampf gegen ein Regime", sagt Georgiev.
    *****
    derStandard.at: Ende Juni fand eine große Demonstration vor dem Regierungsgebäude statt, die maßgeblich von Ihrer Partei organisiert wurde. Warum hat es so lange gedauert, bis die Sozialdemokraten aktiv werden?
    Gordan Georgiev: Es waren rund 50.000 Menschen bei der Kundgebung - und das trotz all des Drucks, den die Regierungspartei und die Polizei auf die Menschen ausgeübt hat. Es war ein Riesenerfolg für die Opposition, so viele Menschen zu mobilisieren und vor das Regierungsgebäude zu bekommen. Unseren Einschätzungen nach stehen die Regierungsgegner in den großen alles überstrahlenden Themen - der Integration in EU und NATO und dem Namensstreit mit Griechenland - zwar mehrheitlich hinter der Regierung.
    Aber wir waren in den vergangenen drei Jahren auch Zeugen einer gigantischen Manipulation von Seiten der Regierung. Premierminister Gruevski und seine Propagandamaschine schlugen einen sehr nationalistischen Ton an, um die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Und dieser nationalistische Unterton basierte auf zwei Säulen: Die erste war ihre harte Linie im Namensstreit mit Griechenland und die zweite war eine ausgeprägte anti-albanische Politik. Fast 90 Prozent der Albaner sind der Meinung, dass die Regierung eine anti-albanische Politik macht. Das ist ein Alarmsignal, denn das gab es nie seit den Unruhen im Jahr 2001.
    Im Grunde hat die Regierung nur noch diese zwei Karten in der Hand, die sie spielen kann. Denn ihre Resultate in der Wirtschaft, dem Sozial- und Gesundheitswesen und so weiter sind sehr schlecht. Deshalb konzentrieren sie sich so auf diese beiden Themen. Im Moment hat sich Mazedonien damit in eine Sackgasse manövriert, in eine völlige Blockade. Wir glauben aber, dass es eine große Zahl von Leuten gibt, die gegen diese Regierung sind. Und das ist in dieser großen Demonstration zum Ausdruck gekommen.
    derStandard.at: Fürchten Sie als Resultat dieser anti-albanischen Politik neue ethnische Konflikte im Land wie im Jahr 2001, als das Land kurz vor einem Bürgerkrieg stand?
    Georgiev: Ich hoffe und glaube, dass es keine solche Gefahr gibt. Wir haben eine albanische Partei in der Regierung (Demokratische Union für Integration DUI-BDI, Anm.), die sehr stabil ist und sehr rational handelt. Sie ist in meinen Augen einer der Grundpfeiler der Regierung, denn trotz all der dummen Sachen, die die Regierung veranstaltet, betreibt sie eine sehr konstruktive Politik.
    derStandard.at: Sie haben von Druck der Regierung auf die Bürger gesprochen. Wie zeigt sich das?
    Georgiev: Wenn sie in irgendeinen Ort in Mazedonien gehen, ist die vorherrschende Stimmung der Menschen Angst. Sie kommen zu uns, sie berichten uns über ihre Probleme mit der Regierung, aber sie schrecken noch immer davor zurück, laut etwas gegen die Regierung zu sagen. Ein Beispiel ist die Vielzahl an Strafen, mit denen die Menschen und kleine Unternehmen immer wieder belegt werden. Die Regierung füllt damit die Staatskasse.
    Dazu kennt in den kleinen Städten und Dörfern jeder jeden. Als wir mit unseren Bussen in den Ortschaften die Demonstranten für die Kundgebung abgeholt haben, stand ein Mitglied der Regierungspartei daneben und hat notiert, wer da alles einsteigt. Und das ist natürlich ein gewaltiger Druck für die Menschen: Sie wissen, sie können ihren Arbeitsplatz am Ort verlieren, wenn der Bürgermeister von der Regierungspartei ist. Die können jede Form von Druck anwenden und sie beispielsweise später anrufen und sagen: 'Hör zu, wir wissen, dass du bei der Demonstration warst. Pass besser auf, deine Schwester oder Tochter arbeitet für die und die Firma - vielleicht nicht mehr lange!'
    derStandard.at: Sind die internen Machtkämpfe innerhalb der sozialdemokratischen Partei nicht auch ein Grund, warum sie so lange passiv waren?
    Georgiev: Bis vor einem Jahr gab es tatsächlich Machtkämpfe innerhalb unserer Partei. Dann kam der neue alte Kopf der Partei, Branko Crvenkovski (von 1992 bis 1998 sowie von 2002 bis 2004 Premierminister Mazedoniens, Anm.), als Präsident der Sozialdemokraten zurück. Wir haben erfolgreich gezeigt, dass wir in der Lage waren, diese Auseinandersetzungen innerhalb der Partei zu lösen.
    Die Partei ist jetzt in einem sehr guten Zustand. Es gibt keine anderen Fraktionen und keine Streitereien mehr, wie es zuvor der Fall war. Wir haben einen Geist der Solidarität gezeigt. Und das ist sehr wichtig für uns. Gehen sie in irgendein Parteibüro der Sozialdemokraten in Mazedonien und Sie werden sehen, dass dort Aufbruchstimmung herrscht.
    derStandard.at: Sie haben bei dieser Demonstration vorgezogene Neuwahlen eingefordert. Wie können Sie das durchsetzen, wenn Sie nur auf die Unterstützung von rund einem Viertel der Abgeordneten im 120-sitzigen Parlament zählen können?
    Georgiev: Man sollte auf die Signale der albanischen Partei in der Regierung schauen. Sie haben ganz offen gesagt, dass sie, sollte es nach dem NATO-Gipfel im November keinen Fortschritt bezüglich der NATO und EU-Integration geben, ihre Regierungsbeteiligung ernsthaft überdenken. Wenn die DUI im November tatsächlich die Regierung verlässt, dann haben wir hier umgehend eine politische Krise.
    Denn aus Gründen der politischen Stabilität des Landes können sie in Mazedonien keine Regierung ohne Beteiligung der größten Minderheit führen. Der Premierminister könnte versuchen, diesen Vorstoß zu blockieren, aber es entstünde eine sehr gefährliche Situation für ihn. Denn ohne die Beteiligung einer albanischen Partei gerät die Politik in praktisch jedem Aspekt ins Stocken. Damit würde objektiv eine Situation geschaffen werden, die Neuwahlen verlangt.
    derStandard.at: Die Umfragen zeigen aber nur eine geringe Unterstützung für ihre Partei?
    Georgiev: Ich bin ziemlich zuversichtlich was einen möglichen Wahlsieg angeht, denn unsere Umfragewerte zeigen, dass der Abstand zwischen der Regierungspartei und der Opposition zwischen 19 und 12 Prozent liegt. Das ist ein guter Wert für uns, da es viele unentschlossene Wähler gibt. Mindestens 40 bis 50 Prozent der Menschen sind noch unentschlossen, wem sie bei der nächsten Wahl ihre Stimme geben werden. Oder sie wollen sich nicht deklarieren, weil sie wissen, dass über das Telefon zurückverfolgt werden könnten. Das hier ist keine normale politische Auseinandersetzung, wo eine Partei gegen eine andere kämpft. Es ist ein Kampf gegen ein Regime. Es geht darum, alle Bürger dafür an Bord zu bekommen, diese Regierung zu stürzen.
    derStandard.at: Fast alle Medienberichte über Ihre Partei drehen sich um Personalfragen: Wer steht für was und hat die die Macht. Daneben kritisieren Sie die Regierung: sie habe den Staat in eine Sackgasse geführt. Doch wirklich sachbezogene Äußerungen kommen auch von Ihnen nicht. Was sind denn nun die dringendsten Probleme des Landes und wie wollen Sie diese lösen?
    Georgiev: Ich stimme Ihnen da teilweise zu. Wir waren eine Oppositionspartei mit sehr schwachem Rückhalt in der Bevölkerung und das - sagen wir es so - aus durchaus objektiven aber auch subjektiven Gründen. Ich muss zugeben, dass unsere Hauptstrategie bis zu dieser großen Demonstration einzig darin bestand, den Menschen aufzuzeigen, dass die Regierung manipulativ arbeitet und eine sehr erfolgreiche Propaganda betreibt.
    Sie hat Millionen von Euro in Medienkampagnen gesteckt. Sie hat die Situation des Landes in rosaroten Farben gemalt, obwohl alle Indikatoren zu Gesundheit, Wirtschaft und Sozialwesen zeigen, dass es mit Mazedonien abwärts geht. Seit dem Tag der Demonstration sehen wir es als unsere Hauptaufgabe an, den Menschen klar zu machen, dass die Opposition glaubwürdige Lösungen anbietet und die Regierung keines ihrer Wahlversprechen umgesetzt hat.
    derStandard.at: Im Namensstreit mit Griechenland ist mein Eindruck, dass es hier eine rote Linie gibt, die niemand - auch ihre Partei nicht - überqueren kann. Es scheint undenkbar, den griechischen Forderungen nachzugeben und den Namen des Landes zu ändern. Warum ist das so?
    Georgiev: Wenn wir über rote Linien sprechen, dann sind das die gleichen roten Linien, die praktisch jeder ethnische Mazedonier hat: Nämlich, dass wir eine Lösung mit Griechenland finden müssen, die unsere nationale Identität und unsere Sprache bewahrt. Und die ist mazedonisch.
    Das ist ja nicht unsere rote Linie. Es ist eine Linie, die kein Politiker und kein mazedonischer Bürger überschreiten könnte. Und ich glaube, das ist auch den Griechen klar. Also, ja, reden wir mit ihnen über den Streit um den Namen. Aber es sollte von vornherein klar sein, dass diese für uns sehr wichtigen Prämissen nicht berührt werden dürfen.
    Auf der anderen Seite wurde dieser Namensstreit über die vergangenen Jahre ständig aus innenpolitischen Motiven benutzt und missbraucht. Premierminister Gruevski tritt innenpolitisch sehr unnachgiebig den Griechen gegenüber auf. Mit der Folge, dass in letzten Meinungsumfragen zwei Drittel der Mazedonier angegeben haben, sie glauben ernsthaft, dass ihr Land unter dem Namen "Republik Mazedonien" EU und NATO beitreten kann.
    Das ist eine gewaltige Manipulation. Es bedeutet, dass jemand in den letzten drei Jahren den Mazedoniern gesagt hat, dass so etwas passieren könnte, obwohl er genau wusste, dass das unmöglich sein wird.
    derStandard.at: Wie bewerten Sie die Haltung Griechenlands in diesem Konflikt?
    Wenn man den Streit unter dem Gesichtspunkten betrachtet, wer recht hat und wer nicht, dann ist es offensichtlich, dass Griechenland sehr unkonstruktiv handelt. Wenn ich mit Menschen aus anderen Ländern über diesen Streit rede, dann können sie einfach nicht verstehen, worum es überhaupt geht. Es ist so absurd. Es ist so demütigend für uns als Mazedonier.
    Wenn sie es aber realpolitisch betrachten, dann sieht das Schachbrett so aus: Es ist Mazedonien, das in die EU und NATO aufgenommen werden möchte und für uns hat dies absolute Priorität. Griechenland ist das offensichtlich egal. Also müssen wir nach einer Lösung suchen, die den Weg zur EU- und NATO-Integration freimacht.
    derStandard.at: Hat die finanzielle Krise Griechenlands die griechische Position in diesem Konflikt geschwächt, so dass es nun wahrscheinlicher ist, dass es eine Lösung gibt, die im Interesse Mazedoniens liegt?
    Georgiev: Ich glaube nicht, dass die Krise in Griechenland Auswirkungen hat. Der Namensstreit ist ein konditioniertes Problem. Das ist auch wieder eine Art von Manipulation unserer Regierung: Zu sagen, die Griechen sollten wissen, dass sie derzeit geschwächt sind und deshalb mehr Aufmerksamkeit auf den Streit legen.
    Das war bisher nicht der Fall und es wird auch nicht passieren. Griechenland mag ein bankrottes Land sein, jedoch mit reichen Bürgern. Mazedonien dagegen ist bezogen auf den Staatshaushalt ein reiches Land, mit allerdings sehr armen Bürgern. Wenn unsere Regierung meint, die geschwächte wirtschaftliche Position Griechenlands würde das Problem lösen, ist das nichts weiter als eine Lüge.
    derStandard.at: Welchen Einfluss hatte die Politik der Besinnug auf die antiken Wurzeln Mazedoniens auf diesen Prozess?
    Georgiev: Es war der größte Fehler, nach dem NATO-Gipfel in Bukarest diesen Prozess der Antikisierung zu beginnen. Zu einem Zeitpunkt, an dem wir die stärkste Position hatten und unterstützt wurden von der US-amerikanischen Regierung unter George W. Bush, folgte der Premierminister plötzlich diesem antiken Idealbild. Er hat offenbar völlig darauf vergessen, welche politische Wirkung es auf die Griechen haben würde, ein solches Zeichen zu setzen.
    Denn jetzt können sie wieder mit dem Finger auf uns zeigen und sagen: 'Schaut auf die Mazedonier, sie verstoßen gegen die Vereinbarungen!' Und Einige in der internationalen Gemeinschaft haben ihnen diese Argumente tatsächlich abgekauft. Wir haben einige unserer Freunde in Europa verloren, die einfach nicht verstehen, warum wir eine Politik betreiben, die unser Ansehen so ruiniert.
    derStandard.at: Haben Sie also den Eindruck, dass einige führende Politiker der EU kein Interesse mehr an der Mitgliedschaft Mazedoniens haben?
    Georgiev: Nein, ich glaube nicht, dass sie gegen die EU-Integration Mazedoniens sind. Ich denke vielmehr, es zeichnet sich eine gewisse Müdigkeit ab, aufgrund der dringenden Probleme, die die EU selbst hat. Das ist auch genau der Grund, warum ich gesagt habe, dass es das Beste für die Republik Mazedonien ist, so schnell wie möglich der EU und NATO beizutreten. Denn diese Stimmung verstärkt sich möglicherweise in Zukunft noch. Was die NATO angeht, so bin ich sogar etwas zuversichtlicher, dass wir schnell Mitglied werden können, da die NATO bestimmte geopolitische Interessen hat, Mazedonien dabei zu haben.
    derStandard.at: Wie wichtig ist es für Mazedonien in Alexander dem Großen ein Symbol der eigenen Unabhängigkeit und Geschichte zu haben?
    Georgiev: Als ich ein Kind war, habe ich von Alexander dem Großen gelernt - ebenfalls als Alexander, der Mazedonier. Aber es hatte nie diesen emotionalen Einschlag, wie es ihn heute hat. Die Frage der Herkunft war hier nie eine Frage der nationalen Identität. Also habe ich mich auch nie gefragt, welche Art von Mazedonier ich nun bin. Ich wusste immer, dass ich Mazedonier bin - ethnischer Mazedonier.
    Doch plötzlich haben viele Experten argumentiert, dass die Mazedonier ein Volk der Antike seien und nicht jugoslawisch oder slawisch. Man kann jetzt beobachten, wie die Mazedonier untereinander streiten. Es heißt dann: 'Ich bin ein ein Mazedonier der Antike und du bist ein slawischer Mazedonier. Ich bin ein Patriot und du ein Verräter.' Das gab es nie zuvor und es ist die Schuld der Regierung, die Menschen in Gruppen gespalten zu haben.
    Es ist in Ordnung, die Geschichte zu durchstöbern und dabei Fakten und Belege für unsere Vergangenheit zu finden. Aber das ist die Aufgabe von Historikern und nicht von Politikern oder gar der Regierung. Wenn die sich einmischt und dabei klar zum Ausdruck bringt, dass sie die Geschichte des Landes umschreiben oder neu schreiben wollen und das auch noch in einer so kurzen Zeitspanne von drei Jahren, dann ist das sehr gefährlich für die nationale Identität der Mazedonier. Wir haben damit im schlechtesten Sinne unsere Position innerhalb des eigenen Landes geschwächt.
    derStandard.at: Wie wichtig ist die NATO und die EU-Mitgliedschaft für das Land in wirtschaftlicher Hinsicht und für die politische Stabilität?
    Georgiev: Es ist von entscheidender Bedeutung, schon im Hinblick auf die wirtschaftlichen Zahlen. Bulgarien beispielsweise hatte vor dem NATO-Beitritt ausländische Direktinvestitionenvon jährlich 400 Millionen Euro, heute als EU-Mitglied sind es zwischen 8 und 9 Milliarden.
    Die NATO und EU-Integration ist auch wichtig, wenn wir über den potenziellen Zerfall des Landes sprechen. Der Tag, an dem wir in die Gemeinschaft eintreten, wird der Tag sein, an dem wir aufhören können über inner-ethnische Probleme oder gar den Zerfall des Landes zu sprechen.
    derStandard.at: Reden wir über den potenziellen Zerfall des Landes. Wie groß ist denn die Gefahr, dass sich Mazedonien auflöst und unter anderen Ländern aufgeteilt wird?
    Georgiev: Davor sollte man keine Angst haben. Ich bin stolz darauf, dass in der schwierigsten Phase der jüngsten Vergangenheit - während des Konflikts 2001 - alle Mazedonier unabhängig von ihrer ethnischen Herkunft sehr glaubwürdig und rational an der Lösung des Problems gearbeitet haben. Nach dieser Erfahrung und mit der neuen Energie, die sich aus dem Beitritt in NATO und EU speist, bin ich sehr zuversichtlich, dass so etwas nicht passieren kann.
    derStandard.at: Eine ausstehende Lösung der Kosovo-Frage beträfe nicht nur ihr Nachbarland, sondern würde je nach Ergebnis möglicherweise neue Fragen für Bosnien-Herzegowina aber auch für Mazedonien aufwerfen. Wie gespannt schauen sie auf ihr Nachbarland?
    Georgiev: Das ist eine schwierige Frage. Bosnien und Kosovo haben große Probleme, ihre Souveränität und Stabilität zu wahren und nicht nach ethnischen Gesichtspunkten aufgeteilt zu werden. Wenn ich über die NATO und EU-Integration Mazedoniens spreche, dann denke ich auch an dieses Problem.
    Mazedonien ist ein kleines Land, aber sehr wichtig für die Stabilität in der Region. Die NATO versteht das und auch unsere US-amerikanischen Partner verstehen das sehr gut. Nämlich in dem Sinne, dass die NATO-Integration Mazedoniens ein Zeichen aussendet. Und zwar, dass dies der beste Weg ist, eine einheitliche nationale Souveränität zu erhalten. (Andreas Bachmann und Sinisa-Jakov Marusic, derStandard.at, 21.7.2010)
    Dieses Interview entstand im Rahmen eines Journalisten-Austauschprogrammes zwischen dem Balkan Investigative Reporting Network (BIRN) und derStandard.at. Mehr dazu auf etat.at.


    "Es ist so demütigend für uns Mazedonier" - Mazedonien - derStandard.at ? International

  2. #2

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    Die BDI ist Schrott.

  3. #3
    phαηtom
    das wichtigste von Georgiev:

    Wenn wir über rote Linien sprechen, dann sind das die gleichen roten Linien, die praktisch jeder ethnische Mazedonier hat: Nämlich, dass wir eine Lösung mit Griechenland finden müssen, die unsere nationale Identität und unsere Sprache bewahrt. Und die ist mazedonisch.

  4. #4

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    moderate Politiker haben aufm Balkan keine Chance, auch in Mazedonien nicht.

    P.S: und das bestätigt sonst "moderater" Artemovski gleich.......

  5. #5

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    Gut so. IPERIFANI ELINIDA!

  6. #6
    Avatar von Thrakian

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    Zitat Zitat von αρτεmi Beitrag anzeigen
    das wichtigste von Georgiev:

    Auf der anderen Seite wurde dieser Namensstreit über die vergangenen Jahre ständig aus innenpolitischen Motiven benutzt und missbraucht. Premierminister Gruevski tritt innenpolitisch sehr unnachgiebig den Griechen gegenüber auf. Mit der Folge, dass in letzten Meinungsumfragen zwei Drittel der Mazedonier angegeben haben, sie glauben ernsthaft, dass ihr Land unter dem Namen "Republik Mazedonien" EU und NATO beitreten kann.
    Das ist eine gewaltige Manipulation. Es bedeutet, dass jemand in den letzten drei Jahren den Mazedoniern gesagt hat, dass so etwas passieren könnte, obwohl er genau wusste, dass das unmöglich sein wird.
    Der mann kapiert so manches

  7. #7
    Avatar von Гуштер

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    Zitat Zitat von ooops Beitrag anzeigen
    [h1]Georgiev: Ich bin ziemlich zuversichtlich was einen möglichen Wahlsieg angeht, denn unsere Umfragewerte zeigen, dass der Abstand zwischen der Regierungspartei und der Opposition zwischen 19 und 12 Prozent liegt. Das ist ein guter Wert für uns, da es viele unentschlossene Wähler gibt. Mindestens 40 bis 50 Prozent der Menschen sind noch unentschlossen, wem sie bei der nächsten Wahl ihre Stimme geben werden. Oder sie wollen sich nicht deklarieren, weil sie wissen, dass über das Telefon zurückverfolgt werden könnten. Das hier ist keine normale politische Auseinandersetzung, wo eine Partei gegen eine andere kämpft. Es ist ein Kampf gegen ein Regime. Es geht darum, alle Bürger dafür an Bord zu bekommen, diese Regierung zu stürzen.


    Der Typ hat nicht alle Tassen im Schrank. Die von Korruption zerfressen SDSM verliert immer mehr an Sympatie.

    Fast 15 Jahre waren diese jämmerlichen schein Sozialisten an der Macht, was haben sie erreicht NICHTS! Die VMRO-DPMNE hat bereits jetzt schon viel mehr erreicht.

    Diese Vollidioten glauben die EU ist die Lösung all derer Probleme.
    Crvenkovski die elende Hure würde den Namen sofort verkaufen für einen EU-Beitritt.

    Gruevski geniesst immernoch hoche Ratings, er macht seine Sache gut, er ist einer der wenigen Politiker die sich für das Land einsetzten. Seine Regierung tut der Wirtschaft sehr gut.

    Er hat mit seinen Reformen jede Menge erreicht, wovon die SDSM nur träumen kann.

    Ich bin Gruevski sehr dankbar das er so auf seine Position verharrt, hoffentlich werden wir nie EU + Nato Mitglied, wir brauchen sie nicht, warum sollen unsere Soldaten in Afghanistan und im Irak für die Interessen der Amis sterben, Schwachsinn.



    Verfrühte Wahlen wären ein Suizid für die SDSM, aber diese Vollidioten wollen ja unbedingt an der Macht sein, das Volk vertraut ihnen nichtmehr, zurecht.

    Elende Verräterbande

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