Bei Griechenland denken wir seit Wochen nur an "Staatskrise". Aber Hellas ist mehr als Korruption und überbordener Staatsapparat. Wir wissen viel zu wenig über das griechische Modell, das auch ohne Feinstaub-Verordnungen funktioniert. Ein Modell für das östliche Mittelmeer und den Nahen Osten.
Es gibt gute Gründe, über das wuchernde Staatsunwesen in Griechenland und die daraus folgende Verschuldung besorgt zu sein. Auch sollte man sich nicht allzu sehr von den „Generalstreiks“ beeindrucken lassen, die von jenem öffentlichen Beschäftigungssektor inszeniert werden, der sich gerne als Maßstab für das Wohlergehen des ganzen Landes sieht. Für die meisten Griechen ist der Staat eine geschlossene Gesellschaft, die mit ihnen wenig zu tun hat. Auch mussten sie mit ansehen, wie dieser Staat als EU-Mitglied nicht zurückgebaut wurde, sondern weiterwucherte.
Die politische Klasse wurde zu einer „europäischen Klasse“, die sich geschickt in den Netzwerken der Förderpolitik zu bewegen verstand. Die griechische Krise ist eine EU-Krise. Sie offenbart die Unfähigkeit, den Realitäten eines Mitgliedslandes gerecht zu werden. Denn die EU hat keine differenzierten Entwicklungswege im Angebot. Das zeigt sich gerade in diesen Tagen, als die EU-Kommission eine „Agenda 2020“ vorlegte. Was als Wirtschaftsstrategie angekündigt wurde, ist ein Dokument von erschreckender Blässe. Der Generalschlüssel „Forschung und Bildung“ soll es überall richten. Für die griechischen Bürger haben die EU-Pläne den gleichen hohlen Klang, den sie von ihrem eigenen Staat schon gewohnt sind.

Die Debatte um Hellas ist merkwürdig leer

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Kommentar: Griechenland, ein unentdecktes Modell der Freiheit - Nachrichten Debatte - Kommentare - WELT ONLINE