BalkanForum - das Forum für alle Balkanesen
Erweiterte Suche
Kontakt
BalkanForum - das Forum für alle Balkanesen
Benutzerliste

Willkommen bei BalkanForum - das Forum für alle Balkanesen.
Seite 1 von 2 12 LetzteLetzte
Ergebnis 1 bis 10 von 16

Griechenlands Premierminister reist in die Türkei

Erstellt von Popeye, 18.01.2008, 18:54 Uhr · 15 Antworten · 1.055 Aufrufe

  1. #1
    Popeye

    Griechenlands Premierminister reist in die Türkei

    Griechenlands Premierminister reist in die Türkei

    Griechenlands Premierminister reist in die Türkei

    Der griechische Premierminister Kostas Karamanlis wird kommende Woche in die Türkei reisen, berichtet Nikos Meletis, nach langen Verhandlungen sei das nun klar. "Es ist etwa 50 Jahre her, dass ein griechischer Premier Ankara einen offiziellen Besuch abgestattet hat. Das unterstreicht die Bedeutung dieser Reise." Meletis bedauert aber, der Besuch habe nur symbolischen Charakter. "Kein einziges bilaterales Abkommen soll unterzeichnet werden, eine engere wirtschaftliche Zusammenarbeit ist nicht vorgesehen... Das ist schade, denn es gäbe bei diesem äußerst umstrittenen Besuch genug Gesprächsstoff. Athen beobachtet den Doraden-Krieg [der türkischen und griechischen Fischer] auf dem Dodekanes genau... Der Wunsch der Türkei nach einem EU-Beitritt scheint an einem toten Punkt zu sein, obwohl sich Griechenland auf europäischer Ebene weiterhin dafür einsetzt. Auch die Vereinbarungen zur Immigration müssten überarbeitet werden."

    Quelle: http://europe.courrierinternational....t=POLITIK&pi=0

    Die Griechen wollen Istanbul, Izmir und die ganze West-Küste zurück

  2. #2
    Popeye
    KARAMANLIS WIRD DIE TÜRKEI BESUCHEN

    Der griechische Premierminister Kostas Karamanlis wird in der kommenden Woche in die Türkei kommen. Ein griechischer Zuständiger sagte: „Es ist etwa 50 Jahre her, dass ein griechischer Premier Ankara einen offiziellen Besuch abgestattet hat. Das unterstreicht die Bedeutung dieser Reise.“ Nach einem Treffen mit Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan wird Karamanlis Istanbul besuchen. Der Grund dieser Reise sei die Verbesserung der türkisch-griechischen Beziehungen. (Milliyet)

  3. #3
    Popeye
    18.01.2008

    Griechisch-Türkische Beziehungen im Mittelpunkt der gestrigen
    Sitzung des Nationalrates für Außenpolitik


    Unter dem Vorsitz von Außenministerin Dora Bakojanni trat gestern Vormittag der Nationalrat für Außenpolitik zusammen. Im Mittelpunkt der Sitzung standen die griechisch-türkischen Beziehungen angesichts des Türkei-Besuches von Premierminister Kostas Karamanlis, die Namensfrage der ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien und die Lage im Kosovo.
    Nach der Sitzung wies Bakojanni darauf hin, dass die detallierte und ehrliche Informierung aller politischen Kräfte durch das Außenministerium eine Pflicht sei, die „wir alle ohne Abweichungen erfüllen.“
    Vorbehalte, was den Zeitpunkt des Türkei-Besuchs des Premiers betrifft, brachte der PASOK Abgeordnete Thodoros Pagalos zum Ausdruck.

    http://news.ert.gr/en/languages_body...d=12042&mode=1

  4. #4

    Registriert seit
    14.10.2007
    Beiträge
    934
    Zitat Zitat von El Turko Beitrag anzeigen
    Die Griechen wollen Istanbul, Izmir und die ganze West-Küste zurück
    Davo sollen die weiter träumen.

  5. #5
    Crane
    Zitat Zitat von Pit Fighter Beitrag anzeigen
    Davo sollen die weiter träumen.
    Und du Trottel glaubst dem Spastie auch noch...

    PS: Spartans, what is your profession!

  6. #6
    Popeye
    [h1]Besuch beim Erzfeind von einst[/h1]
    In der Ägäis vollzieht sich eine erstaunliche Annäherung: Griechenland und die Türkei, einstmals Erzfeinde, kommen sich schrittweise näher. Erstmals seit 50 Jahren besucht nun ein griechischer Ministerpräsident das Nachbarland. Streitfragen bleiben dabei ausgeklammert.
    Von Ulrich Pick, ARD-Hörfunkstudio Istanbul
    [Bildunterschrift: Trafen sich bereits vor zwei Jahren in Athen: Kostas Karamanlis und Recep Tayyip Erdogan ]
    Die Visite des griechischen Premiers im Nachbarland darf man als historisch bezeichnen. Denn Kostas Karamanlis ist der erste Athener Regierungschef, der seit fast 50 Jahren Ankara einen Besuch abstattet. Zuletzt war nämlich sein Onkel, Konstantinos Karamanlis, im Jahr 1959 offiziell in der Türkei. Die Beziehungen zwischen den beiden Ländern, die sich lange Zeit als Erbfeinde ansahen, gelten mittlerweile als relativ entspannt - besonders nachdem die Griechen 1999 ihrem Nachbar nach dem schweren Erdbeben am Marmara-Meer halfen.
    Deshalb betont Selim Egeli, der Vorsitzende des türkisch-griechischen Wirtschaftsrats: "Seither sind unsere Handels- und Wirtschaftsbeziehungen rapide gewachsen, und zwar im Rekord-Tempo: Von damals 400 bis 500 Millionen Dollar auf ein Volumen von fast 4 Milliarden Dollar jährlich. Daneben haben sich rund 170 griechische Unternehmen mit Investitionen in der Türkei niedergelassen."
    Zudem wird das persönliche Verhältnis zwischen Karamanlis und seinem türkischen Amtskollegen Recep Tayyip Erdogan als freundschaftlich beschrieben, und Griechenland stärkt seit längerem Ankaras Ambitionen, Mitglied der Europäischen Union zu werden.
    [h2]Trennendes zurückstellen[/h2]
    Doch auch wenn beide Politiker noch im November ein gemeinsames Erdgasprojekt eröffneten und dadurch einmal mehr Nähe demonstrierten, wissen sie, wie Selim Egeli betont, dass zwischen den beiden Nachbar noch lange nicht alles im Lot ist: "Zwischen beiden Ländern gibt es aber auch immer noch ungelöste Probleme. Diese Probleme sind leider wie Minen: Niemand kann voraussagen, ob oder wann sie explodieren, sprich: eskalieren. Unser inniger Wunsch ist eine baldige Lösung dieser Probleme, damit sich das Vertrauensklima noch weiter entwickelt."
    So war die Grenzziehung in der Ägäis zwischen beiden Ländern immer wieder Anlass zu Spannungen und auch die Zypernfrage, in die beide Seiten involviert sind, harrt nach wie vor einer Lösung. Da aber gerade die beiden letztgenannten Probleme als äußerst prekär gelten, gehen Experten davon aus, dass bis Freitag eher Gemeinsamkeiten betont als heiße Eisen angepackt werden.

  7. #7
    Popeye
    Athen und Ankara nähern sich an

    Von Gerd Höhler

    Griechenlands Regierungschef Kostas Karamanlis wird heute zu einem zweitägigen Besuch in Ankara erwartet. Es ist die erste offizielle Visite eines griechischen Premiers seit fast einem halben Jahrhundert. Diplomaten beider Länder sprechen deshalb von einem „historischen“ Treffen.



    ATHEN. Die Beziehungen der beiden „Erbfeinde“ haben sich zwar in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Die bilateralen Streitfragen sind aber weiter ungelöst. Auch von dem Karamanlis-Besuch ist kein Durchbruch zu erwarten. Griechische und türkische Unternehmer hoffen aber auf weitere Impulse für den bereits recht engen Wirtschaftsaustausch beider Länder.
    Karamanlis wandelt bei seiner Türkeireise auf den Spuren seines Onkels Konstantin Karamanlis, der – damals ebenfalls Premier – im Mai 1959 nach Ankara flog. Damals herrschte Euphorie im griechisch-türkischen Verhältnis: Die Unabhängigkeit Zyperns war gerade besiegelt, die zwischen Athen, Ankara und London ausgehandelte Verfassung der Inselrepublik schien ein friedliches Zusammenleben von Griechen und Türken auf Zypern zu garantieren. „Zwischen uns gibt es künftig nichts Trennendes, keine Ansprüche, die unsere Beziehungen erschüttern könnten“, freute sich Karamanlis damals – eine Illusion, wie schon 1963 die erste Zypernkrise zeigte, die 1974 zur Inselteilung führte.
    Die Zypernfrage ist ebenso ungelöst wie die bilateralen Streitfragen. Immerhin haben sich die chronischen Spannungen deutlich entschärft, seit 1999 die damaligen Außenminister Giorgos Papandreou und Ismail Cem die Weichen auf Annäherung stellten. Mittlerweile haben beide Länder über ein Dutzend bilaterale Kooperationsabkommen geschlossen. Davon profitiert vor allem die Wirtschaft. Das Handelsvolumen zwischen beiden Ländern überstieg 2007 gut zwei Mrd. Euro und hat sich damit seit 2000 mehr als verdreifacht. Griechische Unternehmer haben inzwischen in der Türkei rund fünf Mrd. Euro investiert. Die bisher größte Einzelinvestition war die Übernahme der türkischen Finansbank durch die National Bank of Greece 2006. Ein Highlight der verbesserten Beziehungen ist auch die im November 2007 am Grenzfluss Evros (türkisch: Meric) eingeweihte Erdgaspipeline, die von der Türkei nach Nordgriechenland führt.
    Karamanlis und der türkische Premier Tayyip Erdogan haben sich bereits mehrfach privat getroffen, ihr persönliches Verhältnis gilt als gut. Dennoch sieht man in Athen dieser ersten offiziellen Visite seit fast 50 Jahren mit Nervosität entgegen. Man erinnert sich mit Schrecken an den Türkei-Besuch des griechischen Außenministers Petros Molyviatis im April 2005: Während der Athener Chefdiplomat in Ankara war, düpierte ihn die türkische Marine mit einem inszenierten Zwischenfall in der Ostägäis, und türkische Kampfjets flogen demonstrativ über die griechische Insel Andros, keine 100 Kilometer Luftlinie vor Athen. Bei der Vorbereitung der 48-stündigen Karamanlis-Visite kalkulieren die griechischen Diplomaten deshalb ausdrücklich die Möglichkeit einer vorzeitigen Abreise ein.
    Allerdings muss auch Erdogan an guten Beziehungen zu Athen interessiert sein, denn Griechenland gehört zu den engagiertesten Befürworten der türkischen EU-Kandidatur – in der Hoffnung auf gutnachbarliche Beziehungen mit Ankara.

  8. #8
    Popeye
    Mit dem Präsidenten der Türkei Abdullah Gül und dem Oppositionschef Dennis Baykal wird sich heute in Ankara Premierminister Kostas Karamanlis treffen, der sich seit gestern zu einem 3tägigen offiziellen Besuch in der Türkei aufhält. Im Anschluss daran wird sich der griechische Premierminister nach Konstantinopel begeben, wo unter anderem eine Begegnung mit dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomäos auf dem Programm steht.
    Im Mittelpunkt der Gespräche, die gestern der griechische Regierungschef mit seinem türkischen Amtskollegen Recep Tayyip Erdogan führte, standen unter anderem die Zypernfrage, das Ökumenische Patriarchat, die euro-türkischen Beziehungen und das Thema der Minderheiten.
    Beide Männer brachten die Überzeugung zum Ausdruck, dass die Bemühungen für die Verbesserung der griechisch-türkischen Beziehungen fortgesetzt werden müssten. Zu diesem Zweck sollen alle zwei oder drei Monate Kontakte auf Außenministerebene stattfinden.
    Was die Zypernfrage betrifft, einigten sich beide Regierungschefs darauf, dass sie im Rahmen der Vereinten Nationen gelöst werden müsse.
    Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz, die die beiden Premierminister gestern gegeben haben, wiederholte Karamanlis erneut die Unterstützung Griechenlands zu der europäischen Perspektive der Türkei; gleichzeitig verwies er aber darauf, dass das Nachbarland die von der EU gestellten Kriterien erfüllen müsse. Zu diesen Kriterien zählen auch die Angelegenheit des Ökumenischen Patriarchats und der Theologischen Hochschule von Chalki, sagte Karamanlis und unterstrich zugleich, dass der Schutz der Minderheitsrechte eines der fundamentalen europäischen Kriterien darstelle.
    Seinerseits legte Tayyip Erdogan die türkischen Positionen dar und nahm extra Bezug auf die enge Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern.

  9. #9
    Popeye
    [h1]Kein Kniefall von Karamanlis[/h1]
    Von Michael Martens, Belgrad
    DruckenVersendenVorherige Seite

    Der griechische Ministerpräsident am Grabe am Grabe Atatürks

    24. Januar 2008 Manchmal geraten große Augenblicke durch Kleinigkeiten in Gefahr. Ein griechischer Ministerpräsident kommt das erste Mal seit 48 Jahren und acht Monaten zu einem offiziellen Besuch nach Ankara, aber kurz vor seiner Ankunft hat sich das Kabel einer Kamera unter dem roten Teppich verfangen, dessen letzter Meter eben erst ausgerollt wurde - Stolpergefahr. Kurze Unruhe, Anordnungen. Es dauert eine Weile, dann ist das Malheur behoben. Der historische Moment kann kommen. Aber die Beteiligten sind noch nicht zu sehen.
    Es eilt ja auch nicht, schließlich soll der Aufenthalt von Konstantinos Karamanlis in Ankara und Istanbul drei Tage dauern. Erst an diesem Freitag soll der Gast von Istanbul aus die Heimreise antreten. Ginge es nach ihm, dürfte die Reise wohl noch länger währen. Zu Hause erwartet ihn auf absehbare Zeit nichts Gutes. Seit einem Monat spricht das Land über die Affäre, in deren Mittelpunkt sein ehemaliger Vertrauter Christos Zachopoulos steht.


    Eine verfängliche Affäre
    Zachopoulos war bis zum Dezember vergangenen Jahres Staatssekretär im Kulturministerium. Dann musste auf Druck von Karamanlis zurücktreten. Wenige Tage später stürzte er sich vom Balkon seiner Athener Wohnung, seither kämpfen die Ärzte um sein Leben. Zachopoulos soll von einer Mitarbeiterin erpresst worden sein, die auch seine Geliebte war. Später wurde gemeldet, auch der Anwalt der in Untersuchungshaft genommenen Erpresserin habe versucht, sich umzubringen. Es existieren heimlich aufgenommene Videoaufnahmen, auf denen Zachopoulos seiner späteren Erpresserin in den Ruhepausen zwischen Schäferstündchen angeblich politisch verfängliche Geschichten gesteht. Für wen sie verfänglich sind, weiß indes kaum jemand zu sagen, denn nur ganz wenige haben die Aufnahmen gesehen, und die schweigen.
    Zum Thema

    Auch die Wirtschaftsreformen, eines der großen Themen von Karamanlis im vergangenen Wahlkampf, blieben bisher im allgemeinen Streiksumpf stecken. Die überfällige Rentenreform droht am Widerstand der Gewerkschaften zu scheitern. Bei der Sanierung der defizitären staatlichen Fluglinie „Olympic“ sieht es kaum besser aus.
    Warten auf den ersten offiziellen Händedruck
    Wo bleiben sie denn nun? Die Ehrengarde friert, der Trommler der Militärpelle stampft kurz mit den Füßen auf, was bestimmt verboten ist. Jemand macht Tonproben und zählt auf türkisch bis drei. Soldaten kommen und zupfen den Männern von der Ehrengarde die Uniformen zurecht. Auch an den Helmen machen sie sich zu schaffen, obwohl die perfekt sitzen. Dann wieder kurz Unruhe. Ein schwarzer Mercedes mit der Nummer 0027 fährt vor. Aber er bringt nur einige graue Herren. Sie huschen schnell die Treppen hinauf und verschwinden im Gebäude. Der historische erste offizielle Händedruck zwischen den Ministerpräsidenten der Türkei und Griechenlands lässt auf sich warten.
    Erdogan und Karamanlis: Stolpergefahr auf dem roten Teppich

    Um auch einmal etwas Positives sagen zu können, hat Karamanlis vor seiner Abreise die Entwicklung der griechisch-türkischen Wirtschaftsbeziehungen gelobt. Das Handelsvolumen zwischen Griechenland und der Türkei habe sich noch 1999 auf nur 200 Millionen Dollar belaufen, doch im vergangenen Jahr seien es schon drei Milliarden Dollar gewesen. Geschäftsleute bestätigen die gute Entwicklung. Auch Tourismus gibt es, vor allem Griechen reisen in die Türkei. Das wäre noch in den achtziger Jahren eine unerhörte Begebenheit gewesen.
    Streitfall Zypern
    Dem steht aber eine seit Jahrzehnten nahezu unveränderte Liste an griechisch-türkischen Misshelligkeiten gegenüber. Der bekannteste Streitpunkt ist die geteilte Insel Zypern. Deren Nordteil sei von der Türkei völkerrechtlich okkupiert, sagt Athen. Bevor die türkischen Truppen die Besatzung nicht beenden, könne es auch keine Annäherung an die EU geben. Die Türkei habe nur interveniert, um die türkische Minderheit vor griechischen Übergriffen zu schützen, so Ankara. Und das Referendum zur Wiedervereinigung 2004 hätten schließlich die Griechen der Insel abgelehnt, nicht die Türken.
    Der erste offizielle türkisch-griechische Handschlag seit fast einem halben Jahrhundert - zumindest in Ankara

    Es gibt noch mehr Streit. Meldungen über die Verletzung griechischen Luftraums durch türkische Militärflugzeuge sind in den Athener Zeitungen fast so regelmäßig zu finden wie Wetterberichte. Allein in den ersten drei Wochen dieses Jahres gab es laut griechischer Darstellung schon ein Dutzend Zwischenfälle. Die Zeitung „Eleftherotypia“ berichtete vor kurzem, der griechische Luftraum sei jüngst acht Mal an einem Tag durch türkische Kampfflugzeuge verletzt worden, doch die türkische Armee habe behauptet, sie seien von griechischen Flugzeugen bei ener Übung gestört worden. Eine andere Athener Zeitung berichtete, Ankara werfe neuerlich die Frage der „Grauzonen“ in der Ägäis auf: Die unbewohnte Felseninsel Imia etwa gehört nach herrschender Meinung zu Griechenland, wird aber von den Türken beansprucht, die sie Kardak nennen.
    Ist das jetzt historisch?
    Endlich kommt die Wagenkolonne in Sicht. Die Fotografen balgen sich um die besten Plätze, dabei kommt es, unbemerkt von der Weltöffentlichkeit, fast zu einem griechisch-türkischen Zwischenfall. Die Hymnen werden gespielt, dann schreiten Recep Tayyip Erdogan und Konstaninos Karamanlis die Ehrengarde ab. Schließlich stehen sie, der eine schlank, der andere vollschlank, auf einer Treppe vor dem Regierungsgebäude. Nun kommt der große Moment. Sie geben einander die Hand. Der erste offizielle türkisch-griechische Handschlag seit fast einem halben Jahrhundert. Jedenfalls in Ankara, denn Erdogan war schon in Athen. Ist das jetzt historisch?
    Nun ja, historisch, das sei so eine Sache, sagt später ein griechischer Beamter. Es sei schließlich nicht die erste Reise von Karamanlis in die Türkei. Karamanlis sei, seit er vor vier Jahren Ministerpräsident wurde, schon zwei Mal in Istanbul gewesen, das erste Mal gleich nach der Regierungsübername zum Nato-Gipfel im Juni 2004. Die beiden Ministerpräsidenten sind inzwischen ins Gebäude gegangen, die Fotografen übertragen ihre Aufnahmen in alle Welt: zwei Männer, die einander auf eine Art die Hand schütteln, wie das im richtigen Leben niemand täte. Dann ist Pressekonferenz.
    „Schwierigkeiten der Vergangenheit überwinden“
    Karamanlis sagt, die Türkei müsse die rechtmäßige Regierung Zyperns in Nikosia anerkennen. Erdogan sagt, Griechenland müsse seinen Verpflichtungen zum Schutz der türkischen Minderheit in Thrakien nachkommen. Karamanlis sagt, die Türkei müsse das griechisch-orthodoxe Seminar bei Istanbul wieder öffnen. Erdogan sagt, die Ägäis müsse ein Meer des Friedens werden. Karamanlis sagt, der Streit um die Abgrenzung der Hoheitsgewässer müsse vor dem Internationalen Gerichtshof im Haag entschieden werden. Erdogan sagt nein. Und dann sagt Karamanlis: „Wir wollen die Schwierigkeiten der Vergangenheit überwinden und mit mehr Hoffnung in die Zukunft blicken.“ Zum Abschluss gibt es Scherze. Erdogan sagt auf griechisch: „Danke, bitte.“ Karamanlis sagt, es werde nicht 49 Jahre dauern, bis wieder ein griechischer Ministerpräsident in die Türkei reise.
    Der eigentliche Höhepunkt steht da noch bevor. Am Donnerstag macht Karamanlis seine Aufwartung an Atatürks Grabmal. Hier ruhen die sterblichen Überreste des Schöpfers einer anderen Türkei. Ein kenntnisreicher Kopf hat das Mausoleum einmal „das weltliche Heiligtum der modernen Türkei“ genannt. Das riesige Monument thront auf einem Hügel über Ankara, es sieht aus wie eine Mischung aus Akropolis und Reichsparteigtagsgelände, nur heil. Die Akropolis von Athen haben übrigens Türken und Venezianer zerstört, aber es ist jetzt nicht der Zeitpunkt, sich darüber zu beschweren. Eine japanische Touristengruppe ist gekommen und fotografiert eifrig. Vielleicht sind es auch Chinesen, man weiß es ja nicht. Unten fährt wieder der Wagen aus der Abteilung 0027 vor, die Fotografen sind schussbereit.
    „...zum Nutzen unserer beiden Völker“
    Die Ausgangslage für einen großen Moment ist gut. Karamanlis begann als Abgeordneter für den ersten Wahlbezirk in Thessaloniki seine politische Karriere, und Atatürk wurde in der Stadt geboren, als sie noch türkisch war und Selanik hieß. Bis heute ist sein Geburtshaus in Thessaloniki ein Museum, in dem unter anderem Atatürks Bademantel ausgestellt ist. Vor der griechischen Delegation gehen drei Gardesoldaten, zwei in grün, einer in blau, im Gleichschritt und tragen den Kranz vor sich her. Im Mausoleum ist es kalt.
    Die Soldaten legen den Kranz nieder, Karamanlis berührt ihn mit den Fingerspitzen. Kein einfacher Moment, denn auch und gerade zu Atatürks Zeiten haben Griechen und Türken einander bekämpft. Karamanlis steht noch eine Weile ausdruckslos vor dem Sarkophag, dann macht die Delegation kehrt. Karamanlis schreibt ins Kondolenz- oder Gästebuch: „Kemal Atatürk und Eleftherios Venizelos (der griechische Ministerpräsident zur Zeit der Balkankriege und danach) hatten den politischen Mut, den Willen und die Vision, es den Konflikten und Tragödien der Vergangenheit nicht zu erlauben, ein Hindernis für die Errichtung einer besseren Zukunft des Friedens und Wohlstands zum Nutzen unserer beiden Völker zu werden.“ Der Satz sitzt so fest wie die Steinquader des Mausoleums. Die Fotografen warten, ob noch etwas kommt, eine Geste, irgend etwas.
    Aber wie die Größe des Augenblicks noch weiter steigern? Ein Kniefall ist nicht angebracht, zum Händehalten ist niemand da. Karamanlis geht. Der 24. Januar 2008, Karamanlis am Grabe Atatürks, eine Zahl zum Auswendiglernen für künftige Schüler? Wird es künftig als die symbolische Wende in den Beziehungen zwischen Griechenland und der Türkei gelten? Wahrscheinlicher ist, dass nächste Woche schon niemand mehr davon spricht. Außer natürlich den Japanern oder Chinesen, wenn sie ihren Verwandten ihre Fotos zeigen.

  10. #10
    Popeye
    Wer sagt wir wären Feinde hat keine Ahnung

Seite 1 von 2 12 LetzteLetzte

Ähnliche Themen

  1. griechenlands angst vor türkei
    Von Barney Ross im Forum Kriminalität und Militär
    Antworten: 22
    Letzter Beitrag: 15.02.2010, 15:00
  2. Antworten: 291
    Letzter Beitrag: 25.09.2009, 15:11
  3. Sloweniens Premierminister bestochen ?
    Von Grasdackel im Forum Politik
    Antworten: 3
    Letzter Beitrag: 02.09.2008, 19:39
  4. Griechenlands und Türkei´s Generäle haben sich getroffen
    Von Popeye im Forum Kriminalität und Militär
    Antworten: 28
    Letzter Beitrag: 27.05.2008, 19:46