Es gibt halt überall ein paar Gestrige! Auf jeden Fall ist der Vorfall ziemlich peinlich.

Befleckte Flagge

Griechische Soldaten beleidigen türkische Gäste



Wenn es um ihre Fahne geht, verstehen Türken keinen Spaß. Als türkische Offiziere vergangene Woche im Rahmen vertrauensbildender Maßnahmen die griechische Kriegsakademie in Athen besuchten, fanden sie in ihrem Raum eine türkische Flagge vor. Dies war aber kein Willkommensgruß: Auf dem Halbmond-Tuch standen Schimpfwörter. In Englisch, damit es die Türken auch verstehen. Wütend kehrten die beiden Offiziere und fünf Kadetten sofort zurück in die Türkei.

Der Vorfall war geeignet, das schöne Bild zu trüben, das Athen und Ankara derzeit von ihren bilateralen Beziehungen geben möchten. Deshalb sollte die Sache offenbar nicht bekannt werden, zumal sich ausgerechnet zur selben Zeit die Außenminister beider Länder, Petros Molyviatis und Abdullah Gül, in Ankara trafen und ihrer Freundschaft versicherten. Irgendwie gelangte die Geschichte aber doch ans Licht, wobei es am Montag in der türkischen Zeitung Sabah hieß, zuerst seien griechische Medien informiert worden, weshalb Ankara nichts anderes übrig blieb, als mit donnernden Worten eine Erklärung zu verlangen. Die kam auch. Der griechische Heereskommandant entschuldigte sich bei seinem türkischen Kollegen, und das Außenministerium in Athen kündigte zerknirscht an, man werde die Verantwortlichen suchen und bestrafen.

Dies war gar die zweite Krise am Rande des Molyviatis-Besuchs in Ankara. Über Stunden standen sich bei der Ägäis-Insel Imia Küstenwachboote beider Länder gegenüber. Die merkwürdige Kraftprobe um den kahlen Felsen, um den sich 1996 fast eine bewaffnete Auseinandersetzung entsponnen hätte, verlangte von den beiden Ministern stundenlanges Krisenmanagement. Molyviatis musste sich danach in der griechischen Presse den aufgeregten Vorwurf anhören, die Ägäis "ausverkauft" zu haben. Einige Medien maulten, statt in Ankara weiterzureden, hätte der Grieche sofort nach Athen zurückkehren sollen -- wie die türkischen Offiziere. "Dann", antwortete Molyviatis, "wäre die Krise wirklich eskaliert". Christiane Schlötzer

(SZ vom 19.4.2005)