UNO-Tribunal will Aufklärung von Belgrad - Sainovic, Ojdanic und Pavkovic hätten die serbische Hauptstadt nicht verlassen dürfen

Belgrad/Den Haag - Die serbischen Behörden sollen die Anwesenheit von drei Angeklagten des UNO-Kriegsverbrechertribunals (ICTY) beim Begräbnis des früheren jugoslawischen Staatschefs Slobodan Milosevic in dessen Geburtsort Pozarevac am 18. März klären. Sie seien vom in Den Haag ansässigen ICTY dazu aufgefordert worden, meldeten Belgrader Medien am Mittwoch.

Belgrad müsse binnen 14 Tagen antworten, ob die Angeklagten gegen Bedingungen für ihre vorläufige Freilassung bis zum Beginn ihres Prozesses vor dem Tribunal verstoßen hätten, meldete die Nachrichtenagentur Beta. Der frühere jugoslawische Vizeregierungschef Nikola Sainovic und die beiden früheren jugoslawischen Generalstabchefs, Dragoljub Ojdanic und Nebojsa Pavkovic, seien zur Beisetzung Milosevics gereist, obwohl sie ohne Sondergenehmigung des UNO-Tribunals Belgrad nicht hätten verlassen dürfen.

Genehmigung

Pozarevac liegt etwa 100 Kilometer von der serbischen Hauptstadt entfernt. Alle drei Angeklagten wurden zusammen mit Milosevic wegen Kriegsverbrechen im Kosovo im Frühjahr 1999 angeklagt. Ihre Anwälte hatten nach dem Begräbnis das ICTY in Kenntnis gesetzt, dass die drei Angeklagten eine Genehmigung für die Reise nach Pozarevac vom serbischen Justizministerium erhalten hätten. Nach Ansicht des Kriegsverbrechertribunals ist das Justizministeriums jedoch gar nicht berechtigt, solche Genehmigungen zu erteilen.

Milosevic war am 11. März im Gefängnis des Haager Tribunals in den Niederlanden einem Herzleiden erlegen. Der seit Februar 2002 gegen ihn laufende Prozess wegen Kriegsverbrechen in Kroatien, Bosnien-Herzegowina und dem Kosovo wurde nach seinem Tod eingestellt.

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