Haager Tribunal hebt Status von Mesic als geschützter Zeuge auf
Kroatischer Präsident hatte im Prozess gegen General Blaskic ausgesagt

Zagreb - Das UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag wird am Dienstag den Status des kroatischen Präsidenten Stjepan Mesic als geschützter Zeuge aufheben. Die Anwaltschaft des UNO-Tribunals hatte am 26. September vergangenes Jahres die Aufhebung des Status beim Prozess gegen die kroatischen Journalisten Stjepan Seselj und Domagoj Margetic gefordert. Sie waren im Jänner 2005 vom UNO-Kriegsverbrechertribunal wegen Missachtung des Gerichts angeklagt worden.

Die Anwaltschaft forderte auch die Möglichkeit, einige Aussagen von Mesic im Prozess gegen den kroatischen General aus Bosnien-Herzegowina, Tihomir Blaskic, zitieren zu können. Während dieses Prozesses in den Jahren 1997 und 1998 hatte Mesic, der damals noch nicht Staatspräsident war, den Status erhelten. Auch Blaskic war damals mit dieser Entscheidung einverstanden.


Im September 2005 angeklagt

Neben Seselj und Margetic waren wegen Missachtung des Gerichts auch Josip Jovic und Marijan Krizic im September 2005 angeklagt worden. Ihnen wird vorgeworfen, im Jahr 2000 verbotenerweise Teile von dessen Zeugenaussage beim Prozess gegen Blaskic veröffentlicht zu haben.

Domagoj Margetic war Anfang Jänner bei einer Razzia im Sitz einer Kriegsveteranen-Vereinigung in Zagreb festgenommen worden, weil er dort ein Video mit der Zeugenaussage von Mesic im Prozess gegen Blaskic vorführen wollte. Zwei Tage später traf Mesic den kroatischen Ministerpräsidenten Ivo Sanader. Bei diesem Treffen schlug Sanader Mesic vor, die Aufhebung des Schutzstatus für seine Aussagen zu fordern.

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