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Warum hassen sich Serben und Albaner, Herr Kadaré?

Erstellt von Gentos, 02.06.2007, 14:49 Uhr · 45 Antworten · 3.548 Aufrufe

  1. #1

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    Warum hassen sich Serben und Albaner, Herr Kadaré?

    Ein Gespräch mit Ismail Kadaré, Albaniens berühmtestem Schriftsteller: über Nationalismen in Europa, über den Chauvinismus auf dem Balkan und das ewige Hervorkramen der Vergangenheit.

    VON JÖRG VON UTHMANN

    ISMAIL KADARÉ, 1936 in Gjirokaster geboren, wo auch Albaniens früherer Diktator Enver Hodscha zur Welt kam, gilt mit seinen Romanen "Der General der toten Armee" und "Die Festung" sowie den "Drei Trauergesängen für das Kosovo" als Nobelpreis-Kandidat. Der Schriftsteller lebt heute in Paris. Mit ihm sprach Jörg von Uthmann.



    Der Nationalismus in Europa stirbt aus. Alte Feinde wie die Deutschen und die Franzosen, die Deutschen und die Polen haben sich ausgesöhnt. Sogar im unruhigen Irland bahnt sich eine Verständigung zwischen Katholiken und Protestanten an. Nur auf dem Balkan lebt der Chauvinismus ungebrochen fort. Wie ist das zu erklären?

    Kadare: Die Versuchung, den Balkan als Einheit zu betrachten, ist groß. Aber das Bild ist ein Klischee. Alle Balkanvölker über einen Kamm zu scheren ist, unmoralisch und ungerecht. Griechen, Albaner, Rumänen, Bulgaren - keines dieser Völker hat seine Nachbarn angegriffen. Eine aggressive, chauvinistische Politik betreibt nur Serbien. Nur in Serbien wird eine verbrecherische politische Klasse von einem großen Teil der Bevölkerung unterstützt.

    Warum hat sich der Chauvinismus ausgerechnet in Serbien erhalten?

    Kadare: Unter den slawischen Völkern wollen sich einige - keineswegs alle - für die Demütigungen der Vergangenheit rächen. Auch die Serben wurden gedemütigt. Wer den Balkan begreifen will, muß sich klarmachen, daß er fünf Jahrhunderte lang Teil des Osmanischen Reiches war. Das Osmanische Reich war ein kosmopolitisches Imperium. Es wurde nach dem Prinzip "Divide et impera" regiert. Die Osmanen etablierten die Hierarchie, an deren oberem Ende interessanterweise nicht die Türken standen, sondern Griechen, Albaner, Juden und Armenier. Sie waren die Wesire und die leitenden Beamten. Die Serben dagegen wurden bewußt kleingehalten und erniedrigt. Denn sie galten als die Statthalter des Erzfeindes: der Russen. Dafür rächen sie sich heute. Für die Privilegien, die die Albaner unter den Osmanen genossen, müssen sie heute büßen.

    Aber haben sich nicht auch die Albaner an den Serben gerächt, wenn sich die Gelegenheit dazu bot - etwa unter der deutschen Besatzung?

    Kadare: Serbische Propaganda! Natürlich haben die Albaner die deutsche Besatzung der serbischen vorgezogen - ebenso wie die Balten, die Ukrainer und die Kaukasus-Völker lieber deutsche Besatzer hatten als russische. Aber um sich an den Serben zu rächen, dazu hatten die Albaner gar keine Möglichkeit. Heute erzählen die Serben, sie hätten damals die Juden gerettet, und vergleichen sich selbst mit den zu Unrecht verfolgten Juden. Dabei waren die serbischen Faschisten genauso antisemitisch wie die kroatischen.

    Zur Begründung ihrer Ansprüche auf das Kosovo rufen die Serben ihre Geschichte an, und zwar eine Geschichte, die schon sehr weit zurückliegt. Das gleiche tun auch die Albaner. Empfinden Sie dieses ewige Hervorkramen der Vergangenheit nicht als ungesund?

    Kadare: Ich bitte Sie, doch zu unterscheiden! Von einer Symmetrie zwischen Serben und Albanern, wie sie die Medien so gern herstellen, kann wirklich keine Rede sein. Die Serben haben eine idiotische Schlacht im Mittelalter gefunden, um die Unterdrückung der Albaner im Kosovo zu rechtfertigen. Wir tun nichts anderes, als uns gegen ihre Geschichtsklitterung zu wehren. Ich bin ja ganz einverstanden: Lassen wir die Geschichte in Ruhe. Aber wenn die Serben von der Geschichte sprechen, müssen wir auch davon sprechen. Die neurotische Besessenheit von der eigenen Geschichte finden Sie nicht bei den Albanern. Über Skanderbeg, unseren sogenannten Nationalhelden, sind in allen Sprachen 300 bis 400 Bücher erschienen, aber in Albanien nur drei oder vier.

    Zwischen den Serben und den übrigen Völkern Jugoslawiens hat es oft Mischehen gegeben. Die Kosovo-Albaner dagegen blieben weitgehend unter sich. Man sagt, abgesehen von den Eisverkäufern hätten die Bewohner Belgrads nie einen von ihnen zu Gesicht bekommen.

    Kadare: Das Kosovo lebte in einer Art Apartheid. Es war die Tragödie der Albaner, daß die Hälfte ihres Landes einem Volk gegeben wurde, das ihnen feindlich war. Auch gebildete Serben wollten mit den Albanern nichts zu tun haben.

    Aber auch Albanien wollte lange mit dem Kosovo nichts zu tun haben. Im Nachwort zu einem Roman Ihres Landsmannes Rexhep Oosja sprechen Sie vom "schändlichen Schweigen des Mutterlands". Warum schwieg Albanien?

    Kadare: Das kommunistische Regime in Albanien war an nationalen Fragen nicht interessiert. Da Jugoslawien und Albanien in der kommunistischen Welt feindliche Spielarten vertraten, diente ihnen die andere Landeshälfte jenseits der Grenze als abschreckendes Beispiel. Sie bewies, wie schlecht das andere System war. Das wirkliche Kosovo verschwand in einem Propaganda-Nebel.

    Welche Lösung schlagen Sie vor? Eine Wiedervereinigung der beiden Landeshälften?

    Kadare: Es ist jetzt nicht der Augenblick, um zu spekulieren. Die Albaner sind ein europäisches Volk wie alle anderen. Sie haben das gleiche Recht, über ihr eigenes Schicksal zu bestimmen. Ich sage das ganz ernsthaft und ohne Hintergedanken. Die Wiedervereinigung ist eine hypothetische Frage, die gegenwärtig besser unerörtert bleibt. Daraus zu schließen, daß eine Wiedervereinigung auf alle Zeiten ausgeschlossen ist, wäre allerdings provozierend und unmoralisch. Wir müssen die Beantwortung der Frage auf später verschieben, auf einen Zeitpunkt, zu dem die Grenzen auf dem Balkan ihre Dramatik verloren haben.

    Was schwebt Ihnen für das Kosovo vor?

    Kadare: Das kriminelle Milosevic-Regime muß fallen. Serbien muß begreifen, daß es schwere Verbrechen begangen hat. Das Kosovo muß bis auf weiteres von den Europäern regiert werden. Es weiter von den Serben regieren zu lassen, ist nach ihren schauerlichen Verbrechen, den Vergewaltigungen und Massenmorden undenkbar.

    Die Serben werden Ihnen antworten: Das Kosovo können wir nicht aufgeben. Dort liegen unsere heiligsten Klöster!

    Kadare: Was soll das heißen: unsere Klöster? Soll es heißen: Wir massakrieren Kinder im Namen unserer Klöster? Überall in Europa gibt es römische Ruinen. Kann Italien aus ihnen das Recht ableiten, alle Länder Europas für sich zu reklamieren? Jedes Volk hat Schlachten geschlagen, viele außerhalb seines eigenen Staatsgebiets - wie Austerlitz und Waterloo. Lassen sich daraus territoriale Ansprüche ableiten? Das sind kriminelle Phantasien.

    Gemeinsam mit französischen Intellektuellen haben Sie einen Aufruf unterschrieben, der die Bewaffnung der UCK fordert. Der Friedensplan der NATO sieht dagegen eine Entwaffnung der Guerrilleros vor.

    Kadare: Als ich den Aufruf unterschrieb, wollte ich sagen: Wenn die NATO nicht einmarschieren will, weil sie das Leben ihrer Soldaten schützen wollten - gut. Aber es gibt andere, die bereit sind, ihr Leben zu riskieren. Wenn sich die Serben zurückziehen und das Kosovo unter europäische Kontrolle kommt, gibt es für bewaffneten Widerstand keinen Grund mehr.

    Die Kosovo-Albaner genießen derzeit viele Sympathien. Aber künftig wird sich so mancher - wie schon in Bosnien - die Frage stellen, ob ein islamischer Staat in Europa nicht bedrohlich ist.

    Daß sie das christliche Europa gegen die "ungläubigen" Albaner verteidigen - auch das ist wieder so eine serbische Zwangsvorstellung. Ja, ein Teil der Albaner ist muslimisch, aber niemand weiß genau, wieviele es sind. Die meisten Albaner wissen nicht einmal, zu welcher Religionsgemeinschaft sie gehören. Seit hundert Jahren gibt es Mischehen mit Christen. So gut wie alle Gebildeten sind Christen. Skanderberg, der Nationalheld, war katholisch. In Albanien stehen mehr Kirchen als Moscheen. Es stimmt, im Kosovo ist der Islam stärker. Aber auch dort ist ein islamischer Staat undenkbar. Nein, Monsieur, mit den Arabern haben wir nichts zu tun.

    http://www.tagesspiegel.de/kultur/ar...-ku-10112.html

  2. #2

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    Zitat Zitat von Gentleman Beitrag anzeigen
    Eine aggressive, chauvinistische Politik betreibt nur Serbien. Nur in Serbien wird eine verbrecherische politische Klasse von einem großen Teil der Bevölkerung unterstützt.
    Wer hätte das gedacht.

  3. #3

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    Diese Stelle ist interessant:

    Kadare: Was soll das heißen: unsere Klöster? Soll es heißen: Wir massakrieren Kinder im Namen unserer Klöster? Überall in Europa gibt es römische Ruinen. Kann Italien aus ihnen das Recht ableiten, alle Länder Europas für sich zu reklamieren? Jedes Volk hat Schlachten geschlagen, viele außerhalb seines eigenen Staatsgebiets - wie Austerlitz und Waterloo. Lassen sich daraus territoriale Ansprüche ableiten? Das sind kriminelle Phantasien.

  4. #4

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    Der Mann leidet wohl an demenz. Muhahahahah.

    Kadare: Die Versuchung, den Balkan als Einheit zu betrachten, ist groß. Aber das Bild ist ein Klischee. Alle Balkanvölker über einen Kamm zu scheren ist, unmoralisch und ungerecht. Griechen, Albaner, Rumänen, Bulgaren - keines dieser Völker hat seine Nachbarn angegriffen. Eine aggressive, chauvinistische Politik betreibt nur Serbien. Nur in Serbien wird eine verbrecherische politische Klasse von einem großen Teil der Bevölkerung unterstützt.
    Bulgarien führte drei Angriffskriege im 20. Jahrhundert. Kroatien unterhielt ein Nazi Regimee und führte Krieg in Bosnien. Griechenalnd liegt im dauerklinch mit der Türkei.

    Dieser Mann ist Faschist. Schon alleine das er behauptet Großteile slavischer Völker hätten detusche Herrschaft vorgezogen.

    Abschaum.

  5. #5

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    1.) Es treffen zwei wirklich unterschiedliche Völker aufeinander, die sich nicht nur in Religion, Geschichte, Sprache und Kultur unterscheiden, sondern auch in der Ethnität
    2.) Durch die Vasallenstellung des jeweils einen ( Albaner für Osmanen, Serben für Russen) ist die Beziehung schon bisschen vorbelastet)
    3.) Die aggressive serbische Politik der 90er Jahre, die zT. bis jetzt andauert.

  6. #6

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    Zitat Zitat von LanceVanceDance Beitrag anzeigen
    1.) Es treffen zwei wirklich unterschiedliche Völker aufeinander, die sich nicht nur in Religion, Geschichte, Sprache und Kultur unterscheiden, sondern auch in der Ethnität
    2.) Durch die Vasallenstellung des jeweils einen ( Albaner für Osmanen, Serben für Russen) ist die Beziehung schon bisschen vorbelastet)
    3.) Die aggressive serbische Politik der 90er Jahre, die zT. bis jetzt andauert.

    Sry aber du und auch Herr Kadaer haben von Allgemeinbildung kA.

  7. #7
    Avatar von lupo-de-mare

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    Zitat Zitat von Gentleman Beitrag anzeigen
    Ein Gespräch mit Ismail Kadaré, Albaniens berühmtestem Schriftsteller: über Nationalismen in Europa, über den Chauvinismus auf dem Balkan und das ewige Hervorkramen der Vergangenheit.

    VON JÖRG VON UTHMANN

    ............

    Kadare: Das kriminelle Milosevic-Regime muß fallen. .........
    Gemeinsam mit französischen Intellektuellen haben Sie einen Aufruf unterschrieben, der die Bewaffnung der UCK fordert. Der Friedensplan der NATO sieht dagegen eine Entwaffnung der Guerrilleros vor.

    ..........

    http://www.tagesspiegel.de/kultur/ar...-ku-10112.html
    Das Interview ist von 1998 und damit gehört es max. in das Forum Geschichte. Damals fand man viele Nach Plabberer, welche in die Anti-Serbische Propaganda einstimmten. Das war halt damals modern, wenn man seinen Senf, zu den von den USA inzenierten Terror auf dem Balkan dazu gab!

    Soweit ich weiss, ist Ismail Kadare niemals im Kosovo seit 1999 gewesen und half noch nicht einmal bei Kulturellen Veranstaltungen.

    Neuer ist dieses Interview von Ismail Kadare über die Kosovo Politiker und Parteien

    I.Kadare:„Mafiöse Strukturen verhindern Annäherung an Europa

    http://balkanforum.info/showthread.p...864#post437864

  8. #8
    Lucky Luke
    Abgesehen vom letzten Teil, hat er da (wie es auch die Zeit während des Kosovo-Krieges verlangte) klare und richtige Worte gefunden wie ich fand

    Was den letzten Teil angeht, ich halte nichts davon die Nationale Identität mit einer Religion zu verbinden, ob muslimisch oder christlich. Mag zwar sein das die christlich geprägten Tosken in Süd-Albanien im Gegensatz zu den mehr muslimisch zugehörigen Gegen in Nord-Abanien eher fortschrittlicher sind. Wobei es bei den Gegen (z.B. Shkoder) auch großen Katholiken-Gemeinden gibt und die Albaner allgemein nicht wirklich sehr religiös sind. Aber zu schreiben "so gut wie alle gebildeten sind Christen", hätte er sich wirklich verkneifen sollen. Mir gefällt auch dieses verkaufen allgemein bei manchen Albanern nicht, nur weil wir uns beim "christlichen" Europa beliebt machen wollen, müssen wird auf "christlich" machen.

    Und wenn wir schon mit einem glauben hausieren gehen sollten, dann doch bitte mit dem Agnostizismus.

    Spaß.

  9. #9
    Lucky Luke
    Zitat Zitat von lupo-de-mare Beitrag anzeigen
    Das Interview ist von 1998 und damit gehört es max. in das Forum Geschichte. Damals fand man viele Nach Plabberer, welche in die Anti-Serbische Propaganda einstimmten. Das war halt damals modern, wenn man seinen Senf, zu den von den USA inzenierten Terror auf dem Balkan dazu gab!
    Willst du damit sagen, die Verbrechen in Kroatien, Bosnien oder Kosovo haben nicht stattgefunden, sondern sind von den USA inszeniert worden? Oder konkret: Leugnest du serbische Verbrechen in Vukovar, Osjek, Srebrenica oder in Meja etc..???

  10. #10
    GjergjKastrioti
    Zitat Zitat von Braveheart Beitrag anzeigen
    Abgesehen vom letzten Teil, hat er da (wie es auch die Zeit während des Kosovo-Krieges verlangte) klare und richtige Worte gefunden wie ich fand

    Was den letzten Teil angeht, ich halte nichts davon die Nationale Identität mit einer Religion zu verbinden, ob muslimisch oder christlich. Mag zwar sein das die christlich geprägten Tosken in Süd-Albanien im Gegensatz zu den mehr muslimisch zugehörigen Gegen in Nord-Abanien eher fortschrittlicher sind. Wobei es bei den Gegen (z.B. Shkoder) auch großen Katholiken-Gemeinden gibt und die Albaner allgemein nicht wirklich sehr religiös sind. Aber zu schreiben "so gut wie alle gebildeten sind Christen", hätte er sich wirklich verkneifen sollen. Mir gefällt auch dieses verkaufen allgemein bei manchen Albanern nicht, nur weil wir uns beim "christlichen" Europa beliebt machen wollen, müssen wird auf "christlich" machen.

    Und wenn wir schon mit einem glauben hausieren gehen sollten, dann doch bitte mit dem Agnostizismus.

    Spaß.
    Find auch dass er sich das verkneifen hätte können, von wegen alle christlichen Albaner sind gebildet, und was sind dann die muslimischen Albaner Bauern oder was?
    Also ich kenn gebildete albanische Moslems und gebildete christiliche Albaner!
    Und ich find auch, dass es Blödsinn ist, den Islam aufzugeben, nur weil man zu Europa gehören will!
    Und ich versteh auch nicht wieso soviele Panik vor den muslimischen albanern haben! Da ist der Großteil doch sowieso nur auf dem Papier Moslem

    P.S. Agnostizismus ist keine Religion

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