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Ein heiliger Krieg um heilige Erde

Erstellt von kapsamun, 10.01.2008, 15:35 Uhr · 42 Antworten · 2.396 Aufrufe

  1. #41

    Registriert seit
    31.12.2007
    Beiträge
    479
    Zitat Zitat von Zurich Beitrag anzeigen

    Wieso das spätere Serbien so wenig für die Entwicklung Kosovos tat:
    * Es ist schon ein bisschen Scheisse... Aber die Serben sahen die Albaner eben nie als eigene Bevölkerung an (auch wenn man zusammen in der SFRJ war). Darum investierte man zu wenig in diese Region. Und es ist ein bisschen Arrogant, aber den Serben ging es hauptsächlich nur darum, dass das Kosovo in den eigenen Grenzen blieb. Mehr nicht.
    * Später (nach 1974) hatten es die Albaner endlich selber in der Hand und machten nichts besseres daraus. Kosovo bliebt das Armenhaus Jugoslawiens.

    Vielleicht liegt es auch an der Mentalität der Menschen und Disziplin. Ich meine jetzt nicht nur die Leute im Kosovo.

    Im Jahr 1980 erstellte das Kosovo mit 7,8 Prozent der Bevölkerung Jugoslawiens nur 2,1 Prozent des Sozialprodukts der Föderation.
    Im gleichen Jahr hatte nur jeder zehnte Kosovo-Albaner im arbeitsfähigen Alter einen Arbeitsplatz.
    Die geringen Einkommen der Bewohner der Region werden an den Umsätzen des Einzelhandels je Einwohner deutlich: Sie bewegten sich auf nur einem Drittel des Durchschnitts der Föderation und nur 15 Prozent des Konsumniveaus Sloweniens. [ Jugoslavija 1918-1988, Statisticki Godisnjak, Beograd, Februar 1989, Tabelle 21-6, S. 324.]
    Das Kosovo ist von den wirtschaftlichen Problemen Jugoslawiens der 80er Jahre besonders stark betroffen. [ Z.B. gingen die Einzelhandelsumsätze im Kosovo zwischen 1980 und 88 um 22 Prozent zurück; in der Föderation „nur" um 10 Prozent.]


    Das Kosovo war nicht nur arm. Es kann geradezu als Paradebeispiel einer peripheren Wirtschaft gelten:
    • Wichtige politische und bürokratische Entscheidungen werden außerhalb des Kosovo getroffen.
    • Seine Industrie ist weitestgehend auf die Bedürfnisse der übrigen Republik zugeschnitten: Die Energiewirtschaft (Braunkohleförderung für Wärmekraftwerke; Wasserkraft) trug 1980 45 Prozent zum Bruttosozialprodukt des Kosovo bei, aber ¾ der Energie wurden außerhalb des Kosovo verbraucht. An zweiter Stelle steht der Abbau der Blei-, Zink- und Silbervorkommen in dem gigantischen Bergwerk „Trepca", das diese Buntmetalle zu weit unter dem Weltmarkpreis liegenden Preisen in die übrige Republik liefern mußte und dadurch jährlich gigantische Verluste machte. [ Jährlich 300 Millionen Dinar, s. dazu Reuter, op.cit., 68f.] So konnte sich in der Region keine eigenständigen Akkumulations- und Wachstumsprozesse entfalten. Ökonomisch und politisch handelt es sich bei diesen Betrieben um Exklaven im Gebiet des Kosovo.
      Die statistisch rege erscheinende Investitionstätigkeit täuscht: Das Investitionsvolumen pro Kopf blieb in allen Jahren deutlich geringer als in anderen Landesteilen und nur etwa die Hälfte der geplanten Investitionen wurden wirklich vorgenommen. Die Zahl der neugeschaffenen Arbeitsplätze blieb wegen der hohen Kapitalintensität stets gering.
    • Entsprechend ist die physische Infrastruktur des Kosovo nur schwach entwickelt und auf die Bedürfnisse der anderen Landesteile ausgerichtet. Der ländliche Raum ist verkehrsmäßig kaum erschlossen.
    • Die Qualität der Ausbildung des Bildungswesens ist deutlich hinter dem Stand der fortgeschritteneren Landesteile zurückgeblieben. Dementsprechend schwierig ist dann für die Absolventen innerhalb oder außerhalb des Kosovo Tätigkeiten zu finden, die ihren formalen Qualifikationen entsprechen. [ Anfang der achtziger Jahre gab es doppelt soviele Studenten (47000 an der Universität Pristina) und Fachschüler (300000) wie Beschäftigte (173000). Dadurch wurde die Perspektivlosigkeit der Absolventen nur noch verstärkt. Die Bildungsprogramme waren beschäftigungspolitisch motiviert, d.h., um auf diese Weise die Arbeitslosigkeit zu kaschieren. (Reuter, op.cit. S. 62).]
    • Auch die Strukturen im Bereich der Dienstleistungen begünstigen das Zentrum. [ So waren die Großhandelsumsätze im Kosovo 1988 nur etwa halb so hoch wie die Einzelhandelsumsätze. Entsprechend höher waren sie in der Republik Serbien. (Vergleich der Tabellen 21-3 und 21-8 in Jugoslavija 1918-1988, op.cit.).]
    • Die geringen Beschäftigungsmöglichkeiten und die hohe Arbeitslosigkeit zwingen die Kosovo-Albaner (die anderen Bevölkerungsgruppen stehen deutlich besser da [ Reuter, op.cit., S. 63.] ), sich andere Lebensgrundlagen zu sichern. Dazu gehören die Landwirtschaft, die Schattenwirtschaft, Tätigkeiten in anderen Teilen der Föderation und im Ausland sowie die Emigration.
    • In der Landwirtschaft finden sich einerseits, insbesondere in den fruchtbaren Beckenlandschaften der Metohija und des Amselfeldes, staatliche Großbetriebe. Sie produzieren mit moderner Technik und wenig Arbeitskräften für den Markt. Etwa 20 Prozent des erzeugten Weizens geht auf sie zurück. Mit Ausnahme der Milchwirtschaft fällt ihr Anteil bei allen anderen landwirtschaftlichen Erzeugnissen deutlich geringer aus.
      Andererseits besteht der weit überwiegende Teil der landwirtschaftlichen Betriebe jedoch aus in zahlreiche Parzellen zersplitterte kleine Hofwirtschaften, also bäuerliche Familienbetriebe. Sie bestellen oftmals die weniger fruchtbaren Böden bzw. betreiben auf den für die Landwirtschaft weniger oder ungeeigneten Flächen, insbesondere an Hängen und in Höhenlagen, Weidewirtschaft. Sie produzieren weitestgehend für den Eigenverbrauch. [ 1988 wurden im Kosovo 385 Tsd. Tonnen Weizen und Roggen erzeugt. Davon wurden 61 Tsd. Tonnen verkauft. Die Weizenproduktion der staatlichen Betriebe belief sich auf 56 Tsd. Tonnen. (Jugoslavija 1918-1988, op.cit., Tabellen 13-22 und 13-25).] Da damit höchstens der Bedarf an Nahrungsmitteln befriedigt werden kann, sind sie auf andere Einkommen angewiesen. Damit handelt es sich um Nebenerwerbsbetriebe.
      Bei sozio-ökonomischer Betrachtung muß man eher von einer Subsistenzlandwirtschaft sprechen: In Ermangelung von Alternativen am Arbeitsmarkt wird auf kleinen Flächen unter hohem Arbeitseinsatz (dessen Grenzertrag gegen Null geht) ein wesentlicher Teil des Bedarfs der Familien an Grundnahrungsmitteln erzeugt.
      Der überwiegende Teil der Bevölkerung dürfte in diesen Subsistenzbetrieben leben, bzw. mit diesen als Wanderarbeiter in Verbindung stehen. [ Die Zahl dieser Betriebe konnte ich leider nicht in Erfahrung bringen. Statistisch wurde die Zahl der in der Landwirtschaft Beschäftigten 1975 mit 45 Prozent angegeben (Reuter, op.cit., S. 57). Die Ermittlung solcher Zahlen ist im wesentlichen eine Definitionsfrage: Wie erfaßt man die Tätigkeit von Familienangehörigen? Ein häufig angewandtes Verfahren ist die Umwandlung in Vollarbeitskräfte. Ein solche Methode führt angesichts der hohen Arbeitslosigkeit im Kosovo zu einer deutlichen Unterschätzung der tatsächlich in der Landwirtschaft tätigen und von ihr abhängigen Bevölkerung. Die Zahl der Einheiten und die durchschnittliche Größe der Familien würden ein genaueres Bild vermitteln. Beide lassen sich schätzen: Die landwirtschaftliche Fläche des Kosovo umfaßt 409 Tsd. Hektar (Jugoslavija ..., op.cit., Tabelle 13-19). Höchstens 20 Prozent der Fläche dürfte von den staatlichen Großbetrieben bewirtschaftet werden (bei Weizen liegt der Anteil bei 20%; bei anderen wichtigen Produkten deutlich niedriger). Die privaten Einheiten dürften im Schnitt 3 Hektar bewirtschaften (in Gesamtjugoslawien waren es 1969 3,9 ha; Jugoslavija 1918-88, Tabelle 13-5; im Kosovo mit der mit Abstand höchsten Bevölkerungsdichte, muß man wohl von kleineren Flächen ausgehen). Das ergäbe rund 100 Tsd. private Betriebe. Die durchschnittliche Familien auf dem Land dürfte (vorsichtig gerechnet) 8 Personen umfassen: a. Der Zensus von 1981 ergab 6,8 Personen pro Haushalt; b. auf dem Lande sind die Haushalte größer als in den Städten; c. Petovar/Vujosevic (op.cit., S. 10) zeigen, daß die kosovarisch-alabanischen Haushalte selbst in der Hauptstadt größer geworden sind; d. selbst in einer Kleinstadt berichten sie von durchschnittlich 9,5 Familienmitgliedern. Die zunehmende Familiengröße dürfte auf die Zunahme der Bevölkerung und die beschränkten zur Verfügung stehenden Ressourcen zurückzuführen sein. So gerechnet müßten den Familienbetrieben 800 Tsd. Personen zugerechnet werden. Hinzu kämen noch die abwesenden, meist männlichen Wanderarbeiter (s.u.), die 1981 7,2 Prozent (!) der wirtschaftlich aktiven Bevölkerung ausmachten, wobei dieser Prozentsatz in den ländlichen Gebieten zwischen 21,4 und 50 variiert (Petovar/Vujosevic, S. 10). Die Bevölkerung betrug Anfang 1999 ca. 1,6 Mill. Personen (Marie-Janine Calic, mündliche Mitteilung). So führen selbst diese eher vorsichtigen Schätzungen zu dem Schluß, daß eine deutliche Mehrheit der Bevölkerung damals wie heute mit der kleinbetrieblichen Landwirtschaft verbunden ist.]
      Aufgrund des Bevölkerungsdrucks und der Verwandlung von Agrarflächen in Bauland werden zunehmend auch für die Landwirtschaft weniger geeignete Flächen bewirtschaftet. Dies beschleunigt die Erosion und führt auch zu anderen Belastungen der Umwelt. [ Petovar/Vujosevic, op.cit., S. 10.]
    • Typisch für solche peripheren Ökonomien ist, daß sie angesichts der geringen Beschäftigungsmöglichkeiten Arbeitskraft exportieren. [ Vgl. Claude Meillassoux, „Die wilden Früchte der Frau". Über häusliche Produktion und kapitalistische Wirtschaft, Frankfurt, 1975.] Dies geschieht einerseits in Form von Wanderarbeit in unterschiedlich langen Zyklen, andererseits durch Emigration.





    B. Funktionsweise der Wirtschaft



    Wenn man die zuvor angegebenen Strukturelemente zusammenfügt, kann man sich die Funktionsweise der Wirtschaft des Kosovo in den 80er Jahren in etwa so vorstellen:
    1. Die Arbeit in den Subsistenzbetriebe wird im wesentlichen von Männern, die aus Alters- oder anderen Gründen am Arbeitsmarkt nicht gefragt sind, von verheirateten Frauen, Kindern und Alten geleistet. Vermarktungsfähige Überschüsse fallen kaum an.
    2. Ein Teil der unverheirateten Frauen und viele arbeitsfähige Männer aus diesen Familienbetrieben arbeiten in staatlichen Institutionen (Verwaltung, Schulen, Krankenhäusern etc.), in Handel und Industrie sowie in der Schattenwirtschaft.
      Sie tun das im Kosovo selbst, in anderen Teilen Jugoslawiens und im Ausland: Sie sind Wanderarbeiter in unterschiedlich langen Kreisläufen. 1981 arbeiten im Schnitt 7,2 Prozent, in den ärmeren ländlichen Gebieten sogar 20-50 Prozent der wirtschaftlichen aktiven Bevölkerung im Ausland. [ Sie gingen meist ins Ausland, da sie im übrigen Jugoslawien kaum Möglichkeiten fanden unterzukommen und die Abschlüsse der Universität Pristina als Examina zweiter Klasse galten. Auch Absolventen mit qualifizierter Fachausbildung gelang dies nur in „in seltenen Fällen". (Reuter, 1982, S. 62).] Je nach Entfernung zu ihren Heimatorten nehmen sie an Wochenenden und zu Erntezeiten an den landwirtschaftlichen Arbeiten teil. Andere unterstützen ihre Angehörigen ausschließlich durch Geldüberweisungen.
      Durch die Wanderarbeit gelangt die ländliche Bevölkerung in den Besitz von Geld, das sie für den Kauf von Dingen benötigen, die sie selbst nicht herstellt oder herstellen kann, z.B. auch Ersatzteile für ihre Traktoren, Düngemittel, Pestizide, Medikamente für die Tiere (ohne die die Erträge ihrer Betriebe noch magerer wären).
      Ein Teil dieser Wanderarbeiter – zumeist die besser ausgebildeten – läßt sich permanent an den Orten ihrer geldwerten Beschäftigung nieder und holt z.T. die Familien nach.
    3. Die regionalen Zentren – neben der Hauptstadt Pristina mit ihren 100 Tsd. Einwohnern gibt es 10 Kleinstädte – leben von der Aufrechterhaltung der öffentlichen Infrastruktur, vom Handel sowie der kleingewerblichen und handwerklichen Produktion für das jeweilige Hinterland sowie die lokale Nachfrage.
    4. Die Industriebetriebe sind, da sie mit der Wirtschaft des Kosovo kaum verbunden und auch nur vergleichsweise wenige Arbeitsplätze bieten, weitgehend Exklaven. Die Nutzung der natürlichen Ressourcen der Region steht im Vordergrund.
      Eine Modernisierung der Industrie (wie in den 70er und 80er Jahren im Westen) findet auch in den fortgeschritteneren Republiken der Föderation kaum statt; im Kosovo gar nicht.
    5. Das Steueraufkommen des Kosovo reicht zur Finanzierung der öffentlichen Aufgaben nicht aus: Die Region erhält umfangreiche Transfers aus dem Bundeshaushalt. [ Die Zuschüsse Belgrads insbesondere im Bereich der „social services" und des Bildungswesens bewegten sich offenbar in der Größenordnung von 30 Prozent des BSP des Kosovo (Petovar/Vujosevic, S. 14, Fußnote XII). Ob es sich um Nettotransfers handelt, ist unklar. Es gibt jedenfalls auch gegenläufigen Finanzströme, wie etwa die bereits erwähnten Gewinntransfers des Bergwerks Trepca. ]
    6. Insgesamt weist das Kosovo gegenüber der Föderation ein Handels- und Zahlungsbilanzdefizit aus. Es wird durch staatliche und private Transfers (letztere durch die Wanderarbeiter im In- und vor allem im Ausland) bzw. durch Waren und Dienstleistungen aus der Föderation ausgeglichen.

    mehr: Nachkriegszeit im Kosovo : Wüste oder Wirtschaftswunder? / Werner Kamppeter. - Teil 2

  2. #42
    Avatar von illyrian_eagle

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    05.10.2005
    Beiträge
    6.793
    Das Buch a short History of Kosovo.........

    Macht eure Mythen ein Ende.

    Kämpft so viel ihr wollt aber ihr habt verloren.

    Redet so viel ihr wollt ihr habt verloren.

    Und mal ehrlich eure erzählungen von 1389 glaubt keiner...........

  3. #43

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    14.07.2004
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    11.391
    Zitat Zitat von cro_Kralj_Zvonimir Beitrag anzeigen
    Ja dabei handelt es sich umn den Sohn Gottes.!

    Aber bei Amselfeld? Nur ein paar Soldaten und paar FÜrsten wenn jucken die?
    die serbische geschichte ist auf einer niederlage aufgebaut,
    verschwiegen wird, dass auf der osmanischen seite mehr serben gekämft haben, als albaner auf der christlichen seite...



    das passt nicht zum film "Boj na KosovO"..

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