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Ein Homer aus Albanien

Erstellt von Albanesi, 03.06.2005, 22:19 Uhr · 1 Antwort · 509 Aufrufe

  1. #1

    Registriert seit
    14.07.2004
    Beiträge
    5.698

    Ein Homer aus Albanien

    http://www.welt.de/data/2005/06/04/727152.html

    Ein Homer aus Albanien
    Ismail Kadaré ist erster Träger des neuen internationalen Booker-Preises
    von Tilman Krause

    Es ist nicht ohne Pikanterie, daß nur wenige Tage nach dem Referendum über die EU-Verfassung in Frankreich ausgerechnet der albanische Erzähler Ismail Kadaré den zum ersten Mal verliehenen internationalen Booker-Preis erhält. Diese Auszeichnung, mit umgerechnet 85 000 Euro eine der bestdotierten überhaupt und nicht zu verwechseln mit dem Booker-Preis, der nur Autoren des Commonwealth vorbehalten ist, diese Auszeichnung also will ein kosmopolitisches Signal aus britischer Perspektive sein.


    Und wen hebt sie auf den Schild? Nicht Grass, nicht Garcia Marquez, nicht Philip Roth, die alle gleichfalls im Gespräch waren, sondern den Nationaldichter Albaniens, eines der unbekanntesten Länder Osteuropas. Und auf Albanien wäre Kadarés Ausstrahlung vermutlich auch im wesentlichen beschränkt geblieben, wenn er nicht, wie so viele andere Osteuropäer auch - wir nennen nur die Rumänen Ionesco, Eliade, Cioran oder den Tschechen Kundera - zunächst seine publizistische Heimat und dann - 1990 - auch seinen Wohnsitz in Frankreich gefunden hätte. Jawohl, man kann es sagen: Frankreich verdankt auch dieser Autor seinen Weltruhm. Soviel zum Thema der angeblichen anti-osteuropäischen Ressentiments der Franzosen.


    Dabei ist Kadaré auch nach der Übersiedlung seinen albanischen Themen treu geblieben. Was diesen Mann umtreibt, der 1936 in der südalbanischen Stadt Gjirokastra geboren wurde und auch unter dem Kommunismus trotz mancherlei Anfeindungen eine herausgehobene Stellung innehatte, das ist die Selbstzerfleischung des Balkans. In immer neuen Variationen hat er den Haß, der doch nur wieder Haß erzeugt, in seiner Heimatregion zum Thema gemacht. Er ist darin seinem jugoslawischen Kollegen, dem Literaturnobelpreisträger von 1961, Ivo Andric, nicht unähnlich. Nur anders als der Letztgenannte mit seinen historischen Gesellschaftspanoramen, greift Kadaré in seinen bedeutendsten Werken auch immer wieder ins Mythische aus. Ja, eine auch formal sehr reizvolle Verbindung von Mythos und Moderne kennzeichnet seine Texte, zu der sich eine bildkräftige, mitunter ans Visionäre grenzende Sprache gesellt. Nicht umsonst hat die Jury des Booker-Preises in ihrer Begründung auf Homer als Vorbildfigur Kadarés hingewiesen.


    Insofern darf man Kadaré allerdings auch als eine westliche Erscheinung betrachten, als er sich durchaus als engagierten Schriftsteller versteht. Zahlreich waren seine politischen Einlassungen vor allem in der Zeit des Kosovo-Krieges. Als einer der ersten Intellektuellen forderte er ein unverzügliches Eingreifen der Nato. Ohne Wenn und Aber gab er Serbien die Alleinschuld an diesem Krieg. Nach Beilegung des Konflikts forderte Kadaré politische Reeducation für die Serben nach dem Beispiel der demokratischen Umerziehung der Deutschen 1945 ff. Auch solche Appelle veröffentlichte Kadaré vorzugsweise in der französischen Presse.


    Zu den literarischen Hauptwerken Kadarés, der übrigens seit Jahren auf der Kandidatenliste für den Literaturnobelpreis steht, zählen: der 1963 erschienene und auch verfilmte Roman "Der General der toten Armee". Mit ihm erzielte Kadaré seinen Durchbruch. Des weiteren die ebenfalls noch unter dem Kommunismus entstandenen Romane "Die Festung" (1965) und "Chronik in Stein" (1971). Sie hält Kadaré selbst für seine besten Arbeiten. Seit der Wende erscheinen Kadarés Romane auch in Deutschland (zuletzt "Die Brücke mit den drei Bögen", 2002 sowie "Der Palast der Träume", 2003 - und zwar im Zürcher Amman-Verlag). Sie wurden sämtlich sowohl von der Kritik als auch von Schriftstellerkollegen (Martin Walser, Michael Kleeberg) mit großem Beifall bedacht.


    Die Wahl der Jury kann man nur begrüßen. Sie gilt einem genuinen Erzähler, der das unsagbare Leid, welches das 20. Jahrhundert mit sich brachte, aufbewahrt hat für alle Zeiten - und der dennoch den Glauben an die erlösende Kraft des Wortes nicht verlor.

  2. #2
    Avatar von Schiptar

    Registriert seit
    30.04.2005
    Beiträge
    14.116
    Glückwunsch... aber warum im Politikforum, bitte?

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