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Das Jugoslawische Wirtschaftswunder ??? GASTARBEITER

Erstellt von Cvrcak, 22.06.2009, 14:06 Uhr · 27 Antworten · 2.029 Aufrufe

  1. #1
    Cvrcak

    Frage Das Jugoslawische Wirtschaftswunder ??? GASTARBEITER

    Der jugoslawische Gastarbeiter
    EINE "HUMANE SOZIALISTISCHE LÖSUNG"

    Die Zeit ist längst vorbei, als die Arbeitssuche im kapitalistischen Ausland noch als "unpatriotischer Akt" verurteilt wurde, weil ein anständiger Jugoslawe nicht auf mehr Verdienst für mehr Ausbeutung woanders zu spekulieren hat, solange das sozialistische Vaterland noch auf seine Brauchbarkeit spekuliert. Seit der großen Außenhandelsreform von 1965, in deren Gefolge zahlreiche Betriebe rationalisiert oder geschlossen wurden, weil sie in der Konkurrenz mit den ausländischen Waren nicht mithalten konnten, und seit dem damit verbundenen sprunghaften Anstieg der Arbeitslosigkeit sieht recht verstandener Patriotismus anders aus. Es wird nicht ungern gesehen, wenn man sein sozialistisches Vaterland verläßt; denn es hält inzwischen wie das Kapital den Arbeitseinsatz nur bedingt für nützlich - rentabel soll er sein - und betrachtet andererseits die Arbeitslosen als unnützen Abzug von seinem Reichtum. Also dürfen sie höchstoffiziell ihre Privatrechnung auf Grundlage der Armut machen, die ihnen daheim beschert ist, und sich dem Kapitalismus als Arbeitskraft zur Verfügung stellen - allerdings nur, wenn das zuständige Gemeindearbeitsamt festgestellt hat, daß sie wirklich nicht im eigenen Land "an einem entsprechenden Arbeitsplatz" oder "in der allgemeinen Volksverteidigung" gebraucht werden.

    Mit der Entdeckung der ‚westlichen Hilfen', mit denen man zugleich die heimische Produktion zu mehr Rentabilität zwingt, hat man auch den doppelten Vorteil der Gastarbeiter anerkannt. Erstens ist es eine "humane sozialistische Lösung des Arbeitslosenproblems", das man seinen Arbeitern und Bauern schafft, für das man als Staat aber nicht aufkommen möchte. Zweitens läßt sich aus der Armut, die man selber unmittelbar zur Reichtumsvermehrung nicht benutzen kann, so noch Geld schlagen. Noch weit vor Sljivovic, Tabak und Amselfelder rangieren die Gastarbeiter als Exportartikel und damit Devisenbringer Nr. 1. Denn anders als bei den Produkten der heimischen Industrie, deren Verbilligung an Grenzen stößt, schlägt im Falle dieser besonderen Ware der Kostenvergleich für Jugoslawien zu Buche, weil die Ware Arbeitskraft dem Vergleich von Leistung und Preis zwar im Westen ausgesetzt wird, aber als eine, die aus dem armen Südosten kommt und die nur deswegen gekauft wird, weil sie selbst diesen Vergleich im Verhältnis zu daheim beurteilt und deswegen für wenig Geld zu viel Leistung bereit ist. Deswegen ist der Erfolg der sozialistischen Freiheit nicht nur für das Kapital jenseits der Systemgrenze, sondern auch für den eigenen Staat unübersehbar:
    "Die Devisenüberweisungen unserer vorübergehend im Ausland beschäftigten Bürger haben im Jahre 1975 ca. 40 0es Werts aller im Export erzielten Deviseneinkünfte ausgemacht. Auf diese Weise kommt ein Devisenzufluß zustande, ohne ein Ausfuhräquivalent, wenn wir einen Augenblick davon absehen, daß wir das ‚ausführen', was am wertvollsten ist, den Menschen." (Vjesnik, 18.8.1979)

    Das ist die humansozialistische Logik, die gerade auf das spezifische ‚Ausfuhräquivalent' spekuliert und ‚den Menschen' nur für bedingt wertvoll erklärt - für die Reichtumsvermehrung nämlich. Daß der Arbeiter seine Träume von einer besseren, vielleicht selbständigen Existenz daheim durch Lohnarbeit im kapitalistischen Ausland nicht verwirklicht (normalerweise kann er sich bestenfalls durch das Einlegen seiner Ersparnisse als Kredit in einem selbstverwalteten Betrieb einen Arbeitsplatz erkaufen), weiß das Vaterland auch. Doch macht es sich andere Sorgen um die "vorübergehend" Auswärtigen. Ihnen fehlt es an "nationaler Identität", so daß ihnen das sozialistische Vaterland unter die Arme greifen muß, damit sie nicht vergessen, wer hier mit wem eine Rechnung anzustellen hat. "In meiner Heimat duften die Blumen besser", lernt schon das jugoslawische Schulkind aus eigens für die "Bedürfnisse" der Gastarbeiterkinder hergestellten Schulbüchern. Und der junge Arbeiter erfährt, daß er stolz darauf sein kann, ein jugoslawischer Arbeiter zu sein, der dank seines Nationalcharakters noch jeden Proleten aus den vergleichbaren Armutsländern aussticht und beim Kapitalisten als Gastarbeiter einen guten Ruf hat:
    "Gemäß der Schätzung der Arbeitgeber beherrschen die Jugoslawen bedeutend leichter die Sprache und passen sich auch besser den Forderungen der Arbeit an." (Vjesnik, 13.8.1979)

    Die liebe Heimat macht sich also vor allem Sorgen darum, daß das "kostbarste Gut" aufhören könnte, sich und seinen Verdienst als sozialistisches Eigentum zu behandeln, das dem Vaterland zusteht. Deswegen zeigt sie sich laufend besorgt um ihre Landeskinder in der Fremde, denn
    "solche gesellschaftliche Sorge um ihre Probleme im Ausland wird sich stimulierend auf die Überführung ihrer Ersparnisse in unser Land auswirken." (Vjesnik, 27.9.1979)

    Der jugoslawische Gastarbeiter: EINE "HUMANE SOZIALISTISCHE LÖSUNG"

    Wenn ich mir die ganzen jungen Jugonostalgiker (Gastarbeiterkinder) anschaue (grosse Klappe, nichts dahinter), Devisenbringer Nr. 1.....

  2. #2
    Emir
    Wer weis wo wir heute wären, sicher weiter als mit den kleinen pissernationen ... jetzt sind wir die Opfer bzw. die Sklaven des Westens .....

  3. #3
    Cvrcak
    Die Gastarbeiter und der Kapitalismus
    © DIE ZEIT, 08.09.1978 Nr. 37


    Etwa drei Milliarden Mark haben die jugoslawischen Gastarbeiter in Deutschland; auf Sparkonten mit niedrigem Zins, aber gesichert vor der rapiden Entwertung des Dinar. Wertbeständig anlegen konnten die zurückkehrenden Gastarbeiter ihr Vermögen in Jugoslawien in kleinen Häusern, in der Landwirtschaft — oder einem Taxi. Die Beteiligung an Unternehrnen war ausgeschlossen — das wäre ja Ausbeutung gewesen: Aber Tito wollte das Geld der Gastarbeiter. So hat er sich zu revolutionären Änderungen entschlossen.

    Wer Devisen mitbringt, kann jetzt in Jugoslawien bei einer Bank ein Devisenkonto eröffnen. Oder er kann Anleihen zeichnen, die in Mark, Dollar oder österreichischen Schilling ausgegeben werden. Eine Maschinenbaufirma in Belgrad (IMP) hat eine Anleihe von 20 Millionen Mark aufgelegt. Die Gummifabrik Tigar in Priota (Serbien) hat von Gastarbeitern 10 Millionen Mark aufgenommen, um 200 neue Arbeitsplätze zu schaffen. Verzinst und zurückbezahlt wird in Dinar, aber zum Tageskurs.

    Wer Geld gibt, kann sich auch ausbedingen, daß ihm oder einem Angehörigen ein Arbeitsplatz eingeräumt wird. Oder richtiger: daß er Mitgesellschafter wird. Wie im Kapitalismus kann man sich jetzt in eine Firma einkaufen. Und wenn das Gesellschafts-(Arbeits-)Verhältnis erlischt, behält man seinen Anspruch auf Rückzahlung in der Währung, in der man das Geld hergegeben hat.

    Der Einbruch ins System mußte Folgen haben: was den Devisenbesitzern recht war, mußte anderen billig sein. Inzwischen können auch Jugoslawen, die nur Dinar besitzen, die Hergäbe eines Darlehens an eine „Organisation assoziierter Arbeit" verknüpfen mit der Einräumung eines Arbeitsplatzes (Begründung eines Gesellschaftsverhältnisses), für den Darlehensgeber oder ein Familienmitglied. Gewinn ziehen aus Kapital: war das noch sozialistisch? Man half sich und nannte dieses Kapital: „vergangene Arbeit".

    Und noch mehr: Die Verfassung von 1974 und das „Gesetz über die Vereinte Arbeit" erlaubt seit einiger Zeit eine neue „Vertragsorganisation der Vereinten Arbeit". Ein Privatmann bringt Kapital auf, die damit angeschafften Produktionsmittel bleiben sein Eigentum. Er hat das Recht, Mitarbeiter durch Arbeitsyertrag anzustellen; gegen Tariflohn. Der Gewinn im Unternehmen gehört ihm. freilich darf er nur über einen Teil für sich allein verfügen, der mit den Mitarbeitern und den Behörden auszuhandeln ist; das Dreifache des Höchsteinkommens gilt als normal. Was das Unternehmen mehr erarbeitet, muß investiert werden. Hierüber kann er nur so entscheiden, wie er es in der „Arbeiterselbstverwaltung" könnte. Zieht er sein Kapital aus dem Unternehmen zurück, wird das Unternehmen eine normale „Organisation assoziierter Arbeit".

    Wie viele Mitarbeiter der Privatmann einstellen darf, sagt das Gesetz nicht.,Es gibt Firmen, die bereits 60 angestellte Mitarbeiter haben; man schätzt, die Behörden würden höchstens 100 zulassen. Das wären dann schon ganz beachtliche Produktionsbetriebe. In der Bundesrepublik haben rund 78 000 Unternehmen bis zu 100 Mitarbeiter. Sie setzen reichlich 13 Milliarden Mark um. Die Bewegung kommt nur langsam in Gang; die Bürger fürchten, daß Gesetz und Verfassung geändert werden, was jederzeit möglich ist. Die Ökonomie muß freilich schon sehr stark geworden sein, bevor sich der Staat diesen Vertraucnsbruch leisten kann.

    Aber kann sich das sozialistische Jugoslawien solche Rechtsabweichungen auf die Dauer leisten? Wo ist praktisch der Unterschied zu unserer (fast) paritätischen Mitbestimmung? Gar bei den Unternehmen mit Gewinnbeteiligung der Mitarbeiter? Es ist erlaubt, von Konvergenz zu sprechen.

    Noch sind das Ausnahmen, und niemand kann sagen, ob sie einst die Regel werden. Solange Jugoslawien dem sowjetischen Druck ausgesetzt ist, ist an dramatischen Änderungen niemand interessiert. Das Land versteht sich als sozialistisch und als fortschrittlich gegenüber dem Sozialismus des Ostblocks; hieraus zieht es. seine Kraft und seine Einheit nach außen — trotz der Verschiedenheit seiner Stämme, der Sprache, ja der Schrift.

    Und wenn auch die Vorstellung vom Mitarbeiter als Mitunternehmer Schaden gelitten hat, so ist doch gewiß die „Selbstverwaltung" geblieben? Letztlich werden doch die Chefs von allen Mitarbeitern gewählt und notfalls abberufen?

    Da jedoch muß man sehen: Über das ganze, nach dem Wortlaut demokratische Verfassungssystem ist die Partei gestülpt. Sie heißt nicht mehr Kommunistische Partei Jugoslawiens, sondern: „Bund jugoslawischer Kommunisten". Das behauptet einen freien Zusammenschluß; ist auch erzwungen durch die Selbständigkeit der jugoslawischen Länder. Die Verfassung von 1974 nennt den BJK „den grundlegenden Initiator und Träger der politischen Aktivität, als organisierte führende und ideelle Kraft der Arbeiterklasse und aller Werktätigen". Tito ist — laut Verfassung — lebenslang Staatspräsident und Vorsitzender des BJK. Am 18. September 1977 hat er festgestellt: „Zuverlässige Parteimitglieder sollen die Führung in Wirtschaft, Bildungswesen, Verwaltung, bei den Gerichten und den Sicherheitsorganen haben."

    Immer wieder wird — ohne Zweifel ehrlich — die Absicht erklärt, sich von der Macht zurückzuziehen. Einstweilen müßten jedoch „die Schlüsselpositionen der Staatsmacht in festen, revolutionären Händen bleiben". Mindestens 90 Prozent der Direktoren jugoslawischer Unternehmen sind Parteimitglied. Sie haben die Macht in Unternehmen (siehe Kasten) sowie in den fast unübersehbar zahlreichen öffentlichen Selbstverwaltungsgremien.

    Es könnte auch nicht anders sein. Partei und Armee müssen das Land zusammenhalten, daß es den Tod Titos übersteht.

    - Die Gastarbeiter und der Kapitalismus | ZEIT ONLINE
    Wieviel Gastarbeiter hatte Tito noch wegschicken muessen um seinen Fake-Staat aufrechtzuerhalten ?

  4. #4

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    18.06.2009
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    192
    Politisch und Militärisch hatte Jugoslawien in Europa viel zu sagen. Was sind wir jetz alles kleine Staaten und Europa spielt mit uns wie mit Marionetten alle müssen nach der Pfeiffe des Wedtens Tanzen. Es ist einfach schade.

  5. #5
    Cvrcak
    Zitat Zitat von Krusevac 1991 Beitrag anzeigen
    Politisch und Militärisch hatte Jugoslawien in Europa viel zu sagen. Was sind wir jetz alles kleine Staaten und Europa spielt mit uns wie mit Marionetten alle müssen nach der Pfeiffe des Wedtens Tanzen. Es ist einfach schade.
    Militärisch!!!!!

    Laecherlich, glaubst du das z.B. Mastakilla oder Emir freiwillig 18 Monate bei der JNA dienen wuerden?????????

  6. #6

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    18.03.2008
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    20.935
    Zitat Zitat von Cvrcak Beitrag anzeigen
    Militärisch!!!!!

    Laecherlich, glaubst du das z.B. Mastakilla oder Emir freiwillig 18 Monate bei der JNA dienen wuerden?????????
    Jederzeit du Fake

    Und das nur, damit du nen Herzkasper kriegst

    PS: Gib den Slowenen an der Grenze nen schönen Gruß von mir, wenn du die Vignette kaufst. Ach ja noch was

    "Samo Srbin Sezonu Spasava"

  7. #7
    Avatar von Livnjak

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    558
    Zitat Zitat von Krusevac 1991 Beitrag anzeigen
    Politisch und Militärisch hatte Jugoslawien in Europa viel zu sagen.
    Das stemple ich einfach mal als naiven Tagtraum ab. Mit 20 Millionen Einwohner wäre YU nicht einmal halb so bevölkerungsreich wie Polen oder Spanien und in etwa so "stark" wie Rumänien. Und diese Länder haben jetzt nicht allzu viel Einfluss. Einfach mal seine Imperiumträume vergessen, aufwachen und die Realität akzeptieren.

  8. #8

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    16.107
    Ts Ein Gastarbeiter von heute zieht über Gastarbeiter von gestern her.

  9. #9
    Avatar von Südslawe

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    21.089
    Zitat Zitat von Livnjak Beitrag anzeigen
    Das stemple ich einfach mal als naiven Tagtraum ab. Mit 20 Millionen Einwohner wäre YU nicht einmal halb so bevölkerungsreich wie Polen oder Spanien und in etwa so "stark" wie Rumänien. Und diese Länder haben jetzt nicht allzu viel Einfluss. Einfach mal seine Imperiumträume vergessen, aufwachen und die Realität akzeptieren.
    Haha, alleine Slowenien ist viel reicher als Rumänien.
    In Rumänien leben die wirklich wie arme Schlucker.

  10. #10
    Avatar von meko

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    10.778
    Titos letztes gehalt betrug umgerechnet 150.000 euro,...

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