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Kärntner Kämpfer gegen slowenische Windmühlen

Erstellt von Mastakilla, 24.03.2011, 14:18 Uhr · 4 Antworten · 798 Aufrufe

  1. #1

    Registriert seit
    18.03.2008
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    Kärntner Kämpfer gegen slowenische Windmühlen

    derStandard.at-Reportage

    Kärntner Kämpfer gegen slowenische Windmühlen

    von Lukas Kapeller | 24. März 2011, 12:41



    • Fritz Schretter vor einem Soldatenbild: Der 71-Jährige kann und will nicht vergessen, was sich vor 90 Jahren zugetragen hat.
    • Schretter mit Abwehrkämpfer-Funktionär Hanspeter Traar: "Die HAK steht nicht im Staatsvertrag."
    • "Je mehr Ortstafeln aufgestellt werden, desto mehr Ansprüche werden die Slowenen erheben", sagt der junge Arno Kampl.
    • Kundgebung des Abwehrkämpferbundes in Eberndorf im Bezirk Völkermarkt im Juni 2006.
    • Auf dem Plakat, das die Heimatbewussten damals an der Mauer des Stiftes Eberndorf montierten, stand: "Deutsch in Schulen und Kirchen, wie es sich in Österreich gehört".


    Der Abwehrkämpferbund will Heimatgefühle hoch- und die Slowenen kleinhalten - Das alte Gefecht führt er mit neuen Mitteln

    Klagenfurt - Gerne beschwört Fritz Schretter die alten Zeiten. Er fährt mit seinem Finger über die Landkarte und sagt: "Ganz Kärnten war im Abwehrkampf." Und er erzählt schwärmerisch, wie Heimwehrkompanien aus allen Bezirken zusammenkamen, dazu eine Studentenlegion aus Graz und auch italienische Freiwillige, um die Slawen in die Flucht zu schlagen. Diese Erzählung hält Schretter beharrlich hoch. Sie ist der Hauptzweck des Vereins, dessen Obmann der 71-Jährige ist: des Kärntner Abwehrkämpferbundes (KAB).
    Erinnerung an alte Schlachten
    Im Vereinslokal im Klagenfurter Stadtzentrum erinnert sich Schretter mit seinen Gesinnungsfreunden der alten Tage: der ignoranten Wiener Regierung, die Kärnten im Stich ließ, und der tapferen Deutschkärntner, die sich heimattreu gegen größenwahnsinnige Südslawen in die Schlacht warfen. Heroische Volkskunst prangt an den Wänden und natürlich das Kärntner Kreuz. "Vier Jahrzehnte Tito-kommunistisches Jugoslawien" hätten sich die Kärntner erspart, sagt Schretter, weil sie erst bei den Gefechten und dann bei der Volksabstimmung von 1920 ihren Mut bewiesen.
    Den Ortstafelsturm im Herbst 1972 hat Schretter dann selbst erlebt - als Gendarm, deswegen dürfe er auch nichts davon erzählen. "Dienstgeheimnis", sagt er. Später wurde er Bürgermeister, bevor er als Landtagsabgeordneter bis 1999 für Jörg Haider die rechte Flanke der Kärntner FPÖ abdeckte. 10.000 Mitglieder gibt Schretter heute für seinen KAB an, der mit der FPK in bestem Einvernehmen steht. Aber sie kämen ja von allen Parteien zum Verein, außer vielleicht von den Grünen. "Das Primat ist die Heimat", sagt Schretter immer wieder.
    Abwehrkämpfer gegen Kompromiss
    Wenn Landeshauptmann Gerhard Dörfler (FPK), Staatssekretär Josef Ostermayer (SPÖ) und die Slowenenvertreter um Valentin Inzko und Marjan Sturm sich noch diesen März auf eine Lösung im Ortstafelstreit einigen wollen, klingt das für die meisten nach einer guten, versöhnlichen Nachricht. Nicht so für Schretter und seinen Heimatverband. Erst vor kurzem tat er kund, die Verhandlungen müssten sofort unterbrochen werden, solange bis eine Historikerkommission zu den Bombenanschlägen, die in den 70ger Jahren in Kärnten verübt wurden, einen Bericht vorlege.
    Die Kärntner SPÖ verbat sich sogleich das ärgerliche politische "Störsignal", die anderen Parteien ignorierten den Zwischenruf. Doch "der stolzen Geschichte des Landes verbunden" sieht Schretter das Zwischenrufen geradezu als Pflicht. Offiziell will auch der Abwehrkämpferbund eine Ortstafellösung: eine Minderheitenfeststellung, keine Öffnungsklausel, keine Änderungen bei der Amtssprache, und dies alles im Verfassungsrang. Sollte es keine Minderheitenfeststellung geben - wonach es derzeit aussieht -, will der KAB auf eine 20-Prozent-Hürde für weitere Ortstafeln drängen. Das alles soll dazu dienen, dass möglichst wenige zweisprachige Schilder stehen.
    "Steht ja nicht im Staatsvertrag"
    Hanspeter Traar, Angestellter aus Klagenfurt und ein alter Gesinnungskamerad, sitzt heute mit Schretter beisammen und pflichtet ihm bei: "Man muss ja eines unterscheiden: Diese veröffentlichte Meinung steht nicht ganz im Einklang mit der öffentlichen. Die öffentliche Meinung vor allem im Grenzland schaut ganz anders aus als die mancher Volksvertreter."
    Für Fritz Schretter ist klar: Die Slowenen seien ja ohnehin schon eine "privilegierte Minderheit" in Europa. Alles, was sie nun noch zusätzlich fordern, findet er maßlos. "Wir haben im Staatsvertrag keine Musikschulen und keine Kindergärten stehen", rechnet Schretter vor. "Wir haben die HAK (zweisprachige Schule in Klagenfurt, Anm.) nicht im Staatsvertrag. Da haben die Republik und das Land Kärnten viel über ihn hinaus geleistet."
    VfGH-Urteil als "Einmischung"

    Auch dass der Verfassungsgerichtshof (VfGH) die im Volksgruppengesetz festgelegte Grenze von 25 Prozent Slowenisch-Sprachigen als zu hoch sah und der schrumpfenden Volksgruppe damit indirekt mehr zweisprachige Ortstafeln zugestand, erschüttert Schretters Weltbild nicht. Der VfGH habe schlicht seine Kompetenzen überschritten, findet der Heimattreue. Sein junger Gesinnungsbruder Arno Kampl, ein großgewachsener Mann mit Mittelscheitel und getönter Brille, sekundiert ihm: "Der VfGH wird die Geister, die er rief, nicht mehr los." Heute würden die Höchstrichter wohl bedauern, sich so weit eingemischt zu haben, mutmaßt der Jurist und FPK-Gemeinderat.
    Was aber spricht in Zeiten, da Slowenien ein EU-Nachbar ist und die Grenzen offen sind, gegen eine zweisprachige Ortstafel? "Natürlich ist sie ein Symbol, und man wird halt versuchen, wenn mehr Ortstafeln aufgestellt werden, auch die anderen Ansprüche zu erheben, zum Beispiel den Gebrauch der Amtssprache", formuliert Kampl eine alte Angst der Grenzlandbewohner. "Gemeindeämter, Bezirksverwaltungsbehörden, Gerichte", sagt er weiter, "auch die Polizei muss dann in slowenischer Sprache erreichbar sein und Bescheide erteilen. Es geht dann immer weiter: dass man natürlich auch Beamte braucht, die der slowenischen Sprache mächtig sind. Und dass die dann, weil ja außer den Slowenen in Kärnten wenige Personen Slowenisch sprechen, natürlich auch bevorzugt aufgenommen werden." Da ist sie: die Angst vorm Slowenen, der sich die Überlegenheit dank Zweisprachigkeit zunutze macht.
    Die Angst vor der "Slowenisierung"
    Wozu haben unsere Großväter denn den Abwehrkampf gewonnen, scheint sich Schretter da zu fragen. Erst kürzlich warnte er in vollem Ernst in einer Aussendung: "Die Slowenen haben das Ziel, ein geschlossenes slowenisches Unterkärnten mit über 30 zweisprachigen Gemeinden 273 Ortschaften zu schaffen." Von Neuhaus über das Jaun- und Rosental bis nach Hermagor würden die Slowenen ein Siedlungsgebiet suggerieren wollen. Die Ortstafel ist in diesem Denken ein Herrschaftssymbol.
    Ende der Neunziger, als Schretter noch im Landtag war, kritisierte er Schulen, in denen rein deutschsprachige Lehrer nichts zu reden hätten. Heute zielt sein Ärger vor allem auf die Kirche: "Ich erlebe das im Bezirk Völkermarkt, dass die Kirche eine sehr klare Position für die Minderheit einnimmt", sagt Schretter und erzählt Geschichten von Pfarrern, die bei Taufen und Begräbnissen just auf Slowenisch predigen würden. Da kämen Trauergäste aus Bayern nach Unterkärnten und verstünden kein Wort. Ein deutschsprachiger Pfarrer würde das umgekehrt niemals tun, beteuert Schretter.
    Feiern an der Demarkationslinie
    Die Männer vom Abwehrkämpferbund halten nicht nur ihre Tradition und Geschichte hoch, sondern auch den alten Konflikt am Schwelen. So veranstaltete der KAB in den Sommermonaten 2010, bevor sich die Volksabstimmung am 10. Oktober zum 90. Mal jährte, Feiern an der Gurker Brücke, am Griffner Berg oder in Lavamünd - immer an der Demarkationslinie, also dort, wo einst Blut geflossen ist.
    "Die sind von vorgestern", sagt Marjan Sturm, Obmann des slowenischen Zentralverbands, zu derStandard.at. Während der Kärntner Heimatdienst heute kompromissbereit sei, gehöre der Abwehrkämpferbund "zu den Ewiggestrigen. Die sind wie ein Dampfer im Meer. Das dauert, bis der sich umdreht." Der Chefredakteur der "Kleinen Zeitung", Hubert Patterer, sagte 2009 in seiner Laudatio für die Kärntner Konsensgruppe: "Wo nichts mehr abzuwehren ist, dort wartet auf einen Abwehrkämpferbund keine Aufgabe mehr. Der Verlust des Feindbildes stellt die eigene Existenz in Frage."
    Kein Friede
    Schretter will davon nichts wissen. "Mir hat ein älterer Mensch einmal gesagt: 'Schau Fritz, dass du das im Grenzland einmal richtig verstehen lernst. Wir haben den Abwehrkampf gehabt. Wir haben die Besetzungen gehabt durch die Tito-Truppen. Quer durch die ganzen Familien waren die bei den Partisanen. Da kann man nicht sagen: von heute auf morgen, Friede da und alle verstehen sich.'"
    Und wenn sich Dörfler, Ostermayer und Inzko jetzt, 56 Jahre nach dem Staatsvertrag, auf eine endgültige Zahl an Ortstafeln einigen? Ist der Abwehrkämpferbund dann zwecklos? Schretter kostet das nur ein Lächeln. "Die Ortstafeln sind ja nicht Teil unserer Traditionspflege", sagt er. "Das ist ein Thema, das wir uns gern erspart hätten. Bitteschön, das hätten wir wirklich nicht gebraucht."
    Und dass Slowenien in der EU ist, ein guter Nachbar, mit dem man wirtschaftliche Beziehungen pflegt? Die Nationalstaaten müssten ihre Kultur und Geschichte pflegen, sagt der Abwehrkämpfer-Obmann. Unbedingt, versichert Schretter, sei er für "die kulturelle Vielfalt in Europa". Nur in Kärnten offenbar nicht. (Lukas Kapeller, derStandard.at, 24.3.2011)
    Wissen
    Wie viele Menschen in Kärnten bei Volkszählungen Slowenisch als Umgangssprache angaben.
    1971 17.011
    1981 14.204
    1991 13.962
    2001 12.586
    (Quelle: Statistik Austria)






    OMG, Slovenija do Beca

  2. #2
    Avatar von ProudEagle

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    Schretter will davon nichts wissen. "Mir hat ein älterer Mensch einmal gesagt: 'Schau Fritz, dass du das im Grenzland einmal richtig verstehen lernst. Wir haben den Abwehrkampf gehabt. Wir haben die Besetzungen gehabt durch die Tito-Truppen. Quer durch die ganzen Familien waren die bei den Partisanen. Da kann man nicht sagen: von heute auf morgen, Friede da und alle verstehen sich.'"
    Die Argumentation erinnert mich irgendwie auch an den Srebenica Thread. Das passiert also wenn man NIE vergeben kann... hm.

    Aber auch der Abwehrkämpferbund wird sich irgendwann auflösen, man muss sich nur die Gesichter dieser Menschen anschauen.

    "Wo nichts mehr abzuwehren ist, dort wartet auf einen Abwehrkämpferbund keine Aufgabe mehr. Der Verlust des Feindbildes stellt die eigene Existenz in Frage."
    Wie wahr.

  3. #3
    Avatar von Fitnesstrainer NRW

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    Die lieben Kärtner sollten sich mal drüber Gedanken machen, dass die kurzzeitige Besetzung durch die "Tito-Truppen"gegen Ende des 2.WK, sowie schon die kurzeitige Besetzung durch serbische Truppen gegen Ende des 1. WK, in direktem Kontext zur deutschen Besatzung ganz Jugoslawiens steht, an welcher die Österreicher maßgebich beteiligt waren.

    Feindbildpflege hat noch nie was gutes gebracht, aber in diesem Fall leidet sie offenbar zusätzlich noch an einem erheblichen Mangel an historischer Selbstreflexion.

  4. #4
    Avatar von ProudEagle

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    Die versinken eh von selbst in der sinnlosigkeit.

  5. #5

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    Ich finde das lächerlich..soviel paranoia hab ich noch nie gesehen..

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