Ehemaliger Präsident der Republika Srpska in zwei Punkten des Völkermordes angeklagt

Den Haag/Belgrad - Der einstige Präsident der bosnisch-serbischen Republik (Republika Srpska), Radovan Karadzic, hat sich am Freitag nicht, wie am Donnerstag angekündigt, vor dem UNO-Tribunal für Kriegsverbrechen im einstigen Jugoslawien (ICTY) zur gestrafften Anklage gegen ihn geäußert. Sie war am vergangenen Mittwoch vom zuständigen Tribunalssenat beschlossen worden.
Die Ankläger haben bei der Verhandlung am Freitag Einspruch gegen den Senats-Beschluss erhoben, durch den einige Kürzungen in der Klageschrift vorgenommen wurden. Ein neuer Termin für die Äußerung Karadzics zur Anklage wurde noch nicht nicht festgelegt.
Die gestraffte Anklage wirft dem ehemaligen Führer der bosnischen Serben Völkermord in zwei Fällen vor. Einer bezieht sich auf das Massaker in Srebrenica, wo im Sommer 1995 rund 8.000 muslimische Stadteinwohner von Truppen der bosnischen Serben ermordet wurden. Beim zweiten Anklagepunkt handelt es sich um weitere Kriegsverbrechen in Bosnien im Jahre 1992. Die Anklage bringt Karadzic mit Kriegsverbrechen in 27 Gemeinden Bosniens in Verbindung.
Die alte Anklage hatte nur eine Völkermordanklage, erstreckte sich aber über mehrere Tatorte. Mit der Konzentration auf weniger Tatorte will das Gericht den Prozess beschleunigen. Das Gericht wies jedoch drei Anklagepunkte zu Mordfällen zurück, weil die Anklage nicht genug Beweismaterial vorgelegt hatte.
Karadzic wurde im Juli 2008 in Belgrad festgenommen und an das UNO-Tribunal überstellt. Dort wollte er sich im vergangenen Sommer nicht zu der damals geltenden Anklage äußern, die sich auf Kriegsverbrechen in 47 bosnischen Kommunen bezog. Die neue Klageschrift wurde von Karadzic in einem im Jänner eingereichten Einspruch als zu ausführlich und "ebenso schlecht wie die noch geltende" zurückgewiesen. (APA)
derStandard.at