Kolportiert: Mladic will sich stellen
Bosnisches Boulevard-Blatt berichtet von angeblichem Telefonat des als Kriegsverbrecher gesuchten früheren Generals mit Kostunica und Del Ponte

Sarajevo - Der als Kriegsverbrecher gesuchte frühere General der bosnischen Serben, Ratko Mladic, hat einem Magazinbericht zufolge angekündigt, sich bald den Behörden zu stellen. Mladic habe seine Absicht in einem Telefongespräch mit der UN-Chefanklägerin Carla del Ponte dargelegt, berichtete das bosnische Boulevard-Blatt "Slobodna Bosna" am Donnerstag.

Das Gespräch sei vom serbischen Ministerpräsidenten Vojislav Kostunica arrangiert worden, berichtete das Blatt unter Berufung auf eine namentlich nicht genannte Quelle im Umfeld Kostunicas. Der serbische Ministerpräsident habe Mladic am 29. März angerufen, als del Ponte ihn bei einem Besuch in Belgrad gefragt habe, warum er so sicher sei, dass Serbien Mladic noch vor Ende des Monats ausliefern werde. Kostunica habe den Lautsprecher des Telefons eingeschaltet, so dass del Ponte hören konnte, wie Mladic erklärte, dass er sich stellen will und eine medizinische Behandlung benötigt.

Serbien hatte UN-Kriegsverbrechertribunal klare Zusage zur Auslieferung gemacht

Serbien hatte dem UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag eine klare Zusage zur Auslieferung gemacht, wie ein Sprecher des Gerichts erklärte. Damit gibt Serbien dem Druck der Europäischen Union (EU) nach, die eine engere Anbindung des Balkan-Staates von der baldigen Ergreifung Mladics abhängig macht. Der Ex-General ist unter anderem für das Massaker von Srebrenica 1995 wegen Völkermords angeklagt. Er war der Militärchef der bosnischen Serben, die gegen eine Abspaltung ihrer Heimat vom serbisch regierten Jugoslawien kämpften.

Seit im Februar fälschlicherweise eine Festnahme Mladics gemeldet worden war, sind die Spekulationen über seinen Verbleib nicht mehr abgerissen. Serbischen Medien zufolge verhandelt die Regierung mit Mladic darüber, sich zu ergeben. Andere behaupten, der Ex-General werde sich eher töten als festnehmen lassen.

Die EU hat Serbien bis Ende April Zeit gegeben. Nach der zweiten Verhandlungsrunde über ein Assoziierungsabkommen mit dem Balkanstaat bekräftigte die Gemeinschaft diese Forderung am Mittwoch erneut. "Die EU bleibt bei ihrer Haltung, was die Zusammenarbeit mit dem Tribunal angeht", sagte Reinhard Priebe als Leiter der EU-Delegation, die die Gespräche in Belgrad führte. Eine Assoziierung gilt als erster Schritt auf dem Weg zu einer eventuellen EU-Mitgliedschaft.

Mladics Frau Bosa beklagte sich am Donnerstag über den Druck, der auf der Familie laste. Ihren Aussagen in einer Belgrader Zeitung zufolge hat die Polizei inzwischen vier ihrer nächsten Familienangehörigen verhaftet, darunter ihre Brüder Miroslav und Vukasin Jedic. "Ich bin schockiert. Ich kann es nicht fassen, wie auf uns Druck ausgeübt wird", sagte sie dem Blatt. Auch eine Steuerprüfung im Unternehmen ihres gemeinsamen Sohnes sah Bosa Mladic im Zusammenhang mit den verstärkten Bemühungen, ihren Mann zu fassen.

Mladics Anhänger in der ultra-nationalistischen Radikalen Partei warfen der Regierung eine politische Verfolgung von Mladics Familie vor. Aus Protest gegen "die brutalen Schläge und Verhaftungen" rief sie zu einem Auszug aus dem Parlament auf. Die Radikale Partei hat auch bis zuletzt den Ex-Präsidenten Slobodan Milosevic unterstützt, der im fünften Jahr seines Prozesses vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag im März gestorben war. Milosevic war Mladics Mentor.

www.derstandard.at


Na endlich :!: Glaube auch ein taktischer Zug von Kostunica ihn so kurz vor dem Referendum in Montenegro und mitten in den Kosovo Statusverhandlungen auszuliefern. Das wirft ein bessere Bild auf Serbien,dann ist der Weg zur EU frei da Karadzic sich laut Del Ponte sich nicht in Serbien aufhält und wir somit nichts mehr am hut haben mit Karadzic.