«Die Mehrheit hier ist klerikalfaschis­tisch», sagt H., als sie uns am Bahnhof Klagenfurt abholt. Ja, Kärnten ist ein hartes Pflaster. Jörg Haider ist zwar tot, aber seine AnhängerInnen leben. Im Klagenfurter Bergbaumuseum wird im Oktober eine Ausstellung über den Verstorbenen eröffnet, und sein Grab im Bärental ist zu einem Pilgerort geworden. In der Klagenfurter Altstadt steht nicht etwa ein Denkmal für die Opfer der Nazis, sondern eins «zum Gedenken an die während und nach dem Zweiten Weltkrieg von Partisanen verschleppten und ermordeten Kinder, Frauen und Männer». Als wären da irgendwelche dunklen Horden aus Jugoslawien in unschuldige Kärntner Familien eingefallen.
Trotzdem gibt es Gründe, nach Kärnten zu reisen. Mehr als ein Dutzend Seen rund um Klagenfurt beispielsweise, vom warmen Moorweiher bis zum kühlen Stausee. Wenige, aber äusserst aktive linke Menschen, die biologisch bauern, im Drava-Verlag slowenische Bücher herausgeben, das Universitätskulturzentrum Unikum betreiben und alle rechten Graffiti in den Strassen sofort kontern. Aber das Schönste an Kärnten ist, dass es so leicht ist, nach Slowenien abzuhauen. Am besten zu Fuss durch die wilden Karawanken. Der Himmel ist weit, das Gras steht hüfthoch, und es riecht nach Holunder und Kerbel, Spierstaude und warmem Tannenholz. In einem einsamen Karawankental steht auch die einzige antifaschistische Gedenkstätte Kärntens, der Persman-Hof. Aus Rache für eine Partisanenaktion hat dort die SS wenige Tage vor Kriegsende eine Familie mit kleinen Kindern erschossen. Es wird einem heute noch schlecht beim Anblick der Fotos.
Und dann kommt schon bald die Grenze. Gleich dahinter eine Bergbeiz mit malerischer Aussicht, herzlichen Menschen und einem Riesenteller Eierschwämme zum Znacht. Definitiv anders als die österreichische Düsternis. In Slowenien steht im Gegensatz zu Kärnten auch an jeder Ecke ein Partisanendenkmal. Tagelang wandern wir durch die Wälder und treffen kaum Menschen, tagelang dieser Geruch nach warmem Tannenholz. Hin und wieder hört der Wald auf, auf einer Lichtung steht eine Bergbeiz oder ein Hof, wo man auch übernachten kann. Es gibt Honig aus dem Wald und Heidelbeerschnaps, Pilzsuppe und Quarkstrudel und Kräutertee. Es könnte immer so weitergehen, aber leider reicht die Zeit nicht, um weiterzuwandern über die endlosen Hügel bis zum Meer.
Die neusten Nachrichten aus Kärn­ten: Die Ulrichsbergfeier, wo sich jeden Herbst rechte bis rechtsextreme Kriegsveteranen trafen und Jörg Haider einige seiner berüchtigsten Reden hielt, wird dieses Jahr nicht stattfinden. Auf der Website des Obmanns der Veranstalter sind Links gefunden worden, die zu Naziseiten führen. «Für uns ist das ein grosser Sieg», mailt H.
WOZ Die Wochenzeitung - Kolumne der Woche
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Aber das Schönste an Kärnten ist, dass es so leicht ist, nach Slowenien abzuhauen.