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Kosovo wird näher an Europa rücken

Erstellt von Taulle, 07.12.2006, 18:32 Uhr · 2 Antworten · 539 Aufrufe

  1. #1

    Registriert seit
    04.06.2005
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    7.678

    Kosovo wird näher an Europa rücken

    Joachim Rücker ist Chef der UN-Mission im Kosovo - Nach Entscheidung über Status des Landes sollen Vereinten Nationen durch EU abgelöst werden

    Split. Joachim Rücker blickt optimistisch in die Zukunft des Kosovo. Mit ihm sprach Erich Rathfelder.


    General-Anzeiger: Die UN haben die Entscheidung über den Status des Kosovo verschoben. War das klug?

    Joachim Rücker: Die Entscheidung kommt dem UN-Vermittler Martti Ahtisaari und der Kontaktgruppe zu, in der ja die USA, Russland und die wichtigsten europäischen Mächte mitreden. Ich hoffe, dass die Entscheidung von allen Seiten akzeptiert werden kann und die Mission zu einem guten Ende geführt wird.

    GA: Bei der Entscheidung wird die Quadratur des Kreises versucht. Die Interessen der Serben und der Albaner stehen sich ja diametral gegenüber. Die Albaner bestehen auf der Unabhängigkeit des Landes von Serbien, die Serben wollen zwar einer weitgehenden Autonomie zustimmen, aber keinesfalls die Unabhängigkeit zulassen. Wo liegt da die Lösung?

    Rücker: Die Kontaktgruppe hat klare Vorgaben gemacht. Die wichtigste besteht darin, dass die Lösung für alle akzeptabel sein muss. Ich bin als Chef der UN-Mission hier nicht befugt, Position zu beziehen, bin aber optimistisch, dass es Ahtisaari gelingen wird, einen entsprechenden Vorschlag auf den Tisch zu legen.

    GA: Ihr Optimismus in Ehren, aber in Belgrad demonstrierten über 20 000 Menschen für den vor dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag stehenden und im Hungerstreik befindlichen ehemaligen Milizenführer und Vorsitzenden der Radikalen Partei Serbiens, Vojislav Seselj, der die Serben dazu aufgefordert hat, Kosovo niemals aufzugeben.

    Und Russland hat mit einem Veto im Weltsicherheitsrat gedroht, falls die Entscheidung pro albanisch ausfällt. Bei den Albanern gibt es ebenfalls eine Mobilisierung der Menschen durch die Gruppe "Selbstbestimmung".

    Rücker: Sicherlich, auf beiden Seiten gibt es extremistische Kräfte, die nicht zustimmen werden. Ich denke anders als Sie nach wie vor, dass die Entscheidung so gestaltet sein wird, dass beide Seiten damit zufrieden sein können.

    GA: Was können Sie also bieten? Bei den Albanern zumindest herrscht die Kritik vor, dass unter den bisherigen Verhältnissen kaum eine wirtschaftliche Entwicklung vor sich gehen konnte. Wer will in ein so unsicheres Land investieren? Was bietet also die Entscheidung in diesem Sinne?

    Rücker: Auch hier muss ich widersprechen. Es ist der UN-Mission in den letzten Jahren durchaus gelungen, die Lage des Landes insgesamt und auch wirtschaftlich zu verbessern. Wir haben funktionierende demokratische Institutionen. Wir haben eine funktionierende Basis für eine Marktwirtschaft geschaffen, wir haben im Moment ein Wirtschaftswachstum, das alle Erwartungen übertrifft.

    Und zwar ein Wachstum, das ausschließlich aus dem privaten Sektor stammt, der staatliche Sektor stagniert ja nach wie vor. Aber das ist ein wichtiger Umstand. Zehn Prozent Wachstum im privaten Sektor im Jahr! Das ist doch was. Das sind doch Anzeichen von Hoffnung, wenngleich diese Entwicklung natürlich noch lange nicht ausreicht, um das Außenhandelsdefizit abzubauen oder die Arbeitslosigkeit zu beseitigen.

    GA: In Bosnien und Herzegowina hat der Export immerhin schon 50 Prozent des Wertes der Importe erreicht, hier ist das Verhältnis fünf zu 100. Das ist alles sehr bescheiden.

    Rücker: Aber Sie müssen die Entwicklungen sehen. Die Exporte Kosovos bestanden lange Jahre im wahrsten Sinne des Wortes nur aus Schrott, jetzt werden immerhin hier produzierte Waren exportiert, der Trend zeigt nach oben. Und immer mehr landwirtschaftliche Produkte aus Kosovo ersetzen die Importe. Es gibt also einen positiven Trend.

    GA: Und die große, die staatliche Industrie? Was ist mit den Braunkohle-Kraftwerken, was mit dem Schatz des Kosovo, dem Bergwerk Trepca? Nach sieben Jahren UN-Mission wird ja da immer noch nicht produziert.

    Rücker: Auch das stimmt nicht mehr. Die jetzige Energiegesellschaft verfügt endlich über Mittel zur Investition in die Kraftwerke und das Leitungssystem, denn die Zahlungsmoral der Konsumenten hat sich verbessert. Kurz gesagt, der Strom wird jetzt auch von vielen Haushalten bezahlt. Mittelfristig planen wir die Eröffnung eines neuen Tagebaus für Braunkohle und ein neues Kraftwerk. Für dieses Projekt gibt es sehr viel Interesse von ausländischen Investoren. Das ganze Projekt wird von der Weltbank gestützt.

    Für Trepca versuchen wir, die Ansprüche der alten Gläubiger zu ordnen und auch zurückzuweisen, das ist ja auch ein politisch komplexes Problem, denn es gibt Ansprüche von vielen Seiten. Dann haben wir das Bergwerk wieder in einen ordentlichen Zustand gebracht. Teile des Bergwerkes waren im Krieg geflutet, jetzt wird auf bescheidenem Niveau wieder produziert. Das dritte Element ist eine geordnete Privatisierung des Bergwerkes. Und das ist unabhängig von der Statusentscheidung. Es gibt schon andere Investitionen.

    Das bisherige Nickelwerk ist für 30 Millionen Euro gekauft worden, 20 Millionen werden investiert. Der Reichtum an Bodenschätzen, so unter anderem Braunkohle, Kupfer und Zink, sollte auch andere Investoren dazu anregen, den Standort Kosovo zu nutzen. Es gibt eine gut ausgebildete, junge Bevölkerung. Das ist ein Standortvorteil.

    GA: Die wirtschaftliche Entwicklung ist sicherlich entscheidend für die Stabilität, nur müssen die Erfolge greifbar sein. Die UN-Mission soll im Juni durch eine EU-Mission abgelöst werden, wenn alles glatt läuft. Heißt das, dass sich das Visaregime lockert, dass die Ausweise und die kosovarischen Autokennzeichen überall anerkannt werden, dass sich die Lage für die Menschen normalisiert?

    Rücker: Der Aufbau der EU-Mission ist ein Zeichen, dass die Region näher an Europa rückt.

    Zur Person

    1951 in Schwäbisch-Hall geboren, studierte Joachim Rücker an der Universität Freiburg. Der Diplom-Volkswirt und promovierte Politikwissenschaftler war von 1991 bis 1993 Berater der SPD-Bundestagsfraktion und von 1993 bis 2001 Oberbürgermeister in Sindelfingen.

    Nach zahlreichen Posten im Auswärtigen Amt kam er 2001 nach Sarajevo und war als Stellvertretender Hoher Repräsentant der internationalen Gemeinschaft in Bosnien und Herzegowina tätig. Seit September dieses Jahres ist er Chef der UN-Mission im Kosovo. Damit löste er den Dänen Soeren Jessen-Petersen ab, der das Amt aus privaten Gründen aufgab.

    (07.12.2006)

    http://www.general-anzeiger-bonn.de/...etailid=252341

  2. #2

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    9.182
    So viel zu: Wie beklauen wir den Staat Serbien und serbische Staatsbürger ............... populistisches Geschwätz von Witschafts Faschisten!!!!!

  3. #3

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    positives interview

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