Kosovo: Regierungschef erwartet im Herbst Gespräche über Status-Frage
"Unabhängigkeit ist einzige und beste Lösung" - Wissenschafter sieht bezüglich einer Teilung bei BürgerInnen mehr Pragmatik als früher
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Belgrad - Der Regierungschef des Kosovo, Ramush Haradinaj, erwartet bis Mai einen wichtigen Fortschritt bei der Umsetzung von menschenrechtlichen, wirtschaftlichen und sonstigen Standards in der Provinz. Im September könnten dann auch die Gespräche über den zwischen Albanern und Serben sehr umstrittenen Status des Kosovo beginnen, sagte Haradinaj gegenüber dem lokalen TV-Sender "Palma plus" in der zentralserbischen Stadt Jagodina.

Haradinaj: "Unabhängigkeit ist einzige und beste Lösung"


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bezahlte Einschaltung"Die Unabhängigkeit ist die einzige und die beste Lösung für das Kosovo", betonte Haradinaj. Auch würden die Status-Gespräche zwischen dem Kosovo und den internationalen Organisationen geführt werden. Serbien könnte seiner Ansicht nach als dritte, allerdings "nicht als eine direkt beteiligte Partei" daran teilnehmen. Die Entscheidung über den Status der seit 1999 von der UNO verwalteten südserbischen Provinz liege laut Haradinaj ausschließlich beim Kosovo und der Staatengemeinschaft.

Haradinaj erklärte gegenüber dem Sender "Palma plus" auch, dass im Provinzbudget heuer 14 Millionen Euro für die Rückkehr von serbischen Flüchtlingen parat stehen würden. Für die Reparatur von serbisch-orthodoxen Kirchen und Klöstern seien weitere vier Millionen Euro vorgesehen. "Der 17. März kann sich nicht mehr wiederholen", sagte der Kosovo-Ministerpräsident. Bei der vorjährigen ethnisch motivierten Gewalt wurden etwa 4.000 Serben aus ihren Heimen vertrieben, 35 orthodoxe Kirchen und Klöster wurden beschädigt oder verbrannt. Über 20 Menschen wurden getötet.

Wissenschafter: Idee einer Teilung des Kosovo findet mehr Rückhalt in Serbien

Die Bürger Serbiens würden immer stärker die Idee vertreten, dass eine Aufteilung der von der UNO verwalteten südserbischen Provinz Kosovo der beste Weg zur Problemlösung wäre. Dies sei ein Ergebnis der Festigung von Tendenzen zu rationellen, realistischen und pragmatischen Lösungen bzw. der Aufgabe von ausschließlich ideologischer und emotioneller Identifikation mit dem Kosovo, sagte der Leiter des Belgrader Instituts für Gesellschaftswissenschaften, Dragomir Pantic, der in Novi Sad erscheinenden Tageszeitung "Gradjanski list".

Weniger anfällig gegenüber politischen Manipulationsversuchen

Die Bürger Serbiens lassen sich seiner Ansicht nach inzwischen von Interessen leiten, wenn es um das Kosovo geht. Dies bedeute, dass die Bürger auch für Manipulationsversuche von Politikern nicht mehr so anfällig seien, die die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit von schwierigen Wirtschaftsproblemen auf das Kosovo zu richten bemüht seien.

Für die Aufteilung des Kosovo zwischen der albanischen und der serbischen Volksgruppe hatte sich in seinem im vergangenen Jahr erschienenen Buch "Kosovo und Metohija" auch der jugoslawische Ex-Präsident Dobrica Cosic eingesetzt. Von offiziellen Stellen wurde das Buch allerdings nicht sonderlich kommentiert. Die Kosovo-Frage hatte Cosic bereits im Jahre 1968 in der damaligen kommunistischen Führung angesprochen. Er bekundete damals schon Besorgnis über die Lage der serbischen Volksgruppe. (APA)

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