Anschlag auf Konvoi des Präsidenten in Pristina unmittelbar vor Treffen mit Solana

Rugovas Auto wurde bei der Explosion beschädigt.

Pristina - Der Präsident des Kosovo, Ibrahim Rugova, hat am Dienstag ein Attentat unverletzt überlebt. Als sein Autokonvoi in der Früh durch das Zentrum der Provinzhauptstadt Pristina fuhr, explodierte in der Nähe eines Regierungsgebäudes ein Sprengsatz. Rugovas Auto wurde beschädigt, der Präsident wurde aber offenbar unverletzt in ein anderes Auto geführt. Zwei Personen wurde durch Glassplitter verletzt, meldeten Medien. Ein UNO-Polizist bestätigte nur, dass ein Passant verwundet worden sei.


"Gott sei Dank habe ich wieder überlebt", sagte Rugova, der zum Zeitpunkt des Anschlags zu einem Treffen mit dem außenpolitischen EU-Koordinator Javier Solana unterwegs war. "Das Gleiche passierte schon einmal vor einem Jahr", sagte der Präsident. "Leider gibt es immer noch Leute, die Kosovo destabilisieren wollen. Ich verurteile diese Tat. Diejenigen, die so etwas tun, müssen gestoppt werden."

Sprengsatz in Müllbehälter

Im vergangenen Jahr wurde aus einem vorbeifahrenden Auto eine Handgranate auf die Residenz Rugovas geschleudert. Diesmal wurde der vermutlich in einem Müllbehälter versteckte Sprengsatz nach Einschätzung eines Polizisten offenbar mit einem Fernzünder zur Explosion gebracht. Der Wagen des Präsidenten war gepanzert. "Das hat ihm das Leben gerettet", sagte ein Leibwächter. Die Explosion um 08.30 Uhr (MEZ) sei so stark gewesen, dass Fenster umliegender Gebäude zerstört wurden.

Der Anschlag ereignete sich eine Woche nach dem Rücktritt von Regierungschef Ramush Haradinaj, der sich vor dem UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag verantworten muss. Der Rücktritt hatte international Sorge vor neuen Unruhen in der südserbischen Provinz ausgelöst.

Der Anschlag kam gleichzeitig vor dem ersten Jahrestag der heftigsten Gewaltwelle im Kosovo seit Kriegsende im Juni 1999. Bei Übergriffen von Albanern wurden etwa 4.000 Serben vertrieben, mehr als 400 Häuser und 35 serbisch-orthodoxe Kirche und Klöster, darunter auch mittelalterliche, wurden in Brand gesteckt. 19 Personen kamen ums Leben. (APA/AP/Reuters)

Solana sagte nach seinem Treffen mit Rugova, die Institutionen des Kosovo hätten nach dem Rücktritt von Ministerpräsident Haradinaj gut funktioniert. Jeder habe sich konstruktiv verhalten. Der EU-Außenbeauftragte dankte der Bevölkerung für ihre "Reife", erwähnte den Anschlag jedoch nicht.

Solana war nach Pristina gereist, um dort über die Bildung der neuen Regierung zu beraten. Rugova müsse in dieser Frage Verantwortung übernehmen, sagte er. Der Europarat in Straßburg verurteilte den Anschlag aufs Schärfste.

Nach dem Kosovo-Krieg von 1999 wurde Rugova als führender Politiker der Kosovo-Albaner 2002 zum Präsidenten gewählt. Das Kosovo ist völkerrechtlich weiter eine serbische Provinz, wird aber seit dem Krieg der NATO im Frühjahr 1999 von den Vereinten Nationen verwaltet. In diesem Jahr sollen Gespräche über den zwischen Albanern und Serben sehr umstrittenen künftigen Status des Kosovo beginnen.

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