¸¸Serbien mischt sich ein"

Von Bernhard Küppers

Belgrad - Die montenegrinische Führung hat dem serbischen Ministerpräsidenten Vojislav Kostunica Einmischung vorgeworfen. Die Regierung in Podgorica reagierte empört darauf, dass Kostunica für den Fall einer Volksabstimmung Montenegros über Unabhängigkeit die Teilnahme der in Serbien lebenden Montenegriner verlangt hat. Der montenegrinische Ministerpräsident Milo Djukanovic erklärte, Kostunica behandle Montenegro wie eine serbische Provinz. Bei einem Besuch in Brüssel hatte Kostunica dem EU-Chefdiplomaten Javier Solana und Erweiterungskommissar Olli Rehn eine Liste mit 263 000 Bürgern Montenegros übergeben, die in Serbien lebten. Montenegro hat 620 000 Einwohner.

Gemäß der Verfassung der ¸¸Staatlichen Gemeinschaft Serbien und Montenegro" hat Montenegro frühestens Anfang 2006 das Recht zu einem Referendum über die eigene Unabhängigkeit. Die Gemeinschaft war 2003 auf Betreiben der EU gegründet worden und bewahrt das Rest-Jugoslawien des früheren Belgrader Machthabers Slobodan Milosevic in anderer Gestalt. Djukanovic strebt dagegen die internationale Anerkennung Montenegros als Staat an. Wegen der gespaltenen Haltung der Bevölkerung zur Unabhängigkeit würde er es aber vorziehen, sein Ziel durch ein Abkommen mit Serbien über einen losen ¸¸Bund" zu erreichen.

Kostunica sagte in Brüssel, falls es zu einem Unabhängigkeitsreferendum in Montenegro komme, müssten auch die in Serbien lebenden Bürger Montenegros mitstimmen können. Der montenegrinische Präsident Filip Vujanovic beschwerte sich daraufhin beim serbischen Präsidenten Boris Tadic. Der montenegrinische Parlamentspräsident Ranko Krivokapic warf Kostunica den ¸¸Versuch einer demographischen Manipulation" vor, mit der die Konflikte auf dem Balkan begonnen hätten. Unterdessen gibt sich Montenegro unbeteiligt an der Kosovo-Politik Belgrads. Bei einem Treffen mit albanischen Politikern sagte Montenegros Außenminister Miodrag Vlahovic, Montenegro wolle sich nicht zum künftigen Status der Provinz äußern.

Quelle: Süddeutsche Zeitung
Nr.138, Samstag, den 18. Juni 2005 , Seite 7