Kroatien: Rief mutmaßlicher Gotovina-Helfer zu Mord an Sanader auf?
Medienspekulationen über "Mafia-Jargon" - Festgenommener Geschäftsmann Petrac: "Lächerlich"

"Vecernji list"


"Vjesnik"

Zagreb/Wien - Eine Drohung des mutmaßlichen Helfers des flüchtigen Generals Ante Gotovina, Hrvoje Petrac, gegen Regierungschef Ivo Sanader sorgt in Kroatien für Spekulationen. Petrac hatte am Donnerstag nach einem Auftritt vor einem griechischen Gericht gesagt: "Ich wünsche Premier 'Smranader' viel Glück bei seinem politischen Selbstmord". Besonders das Wortspiel mit dem Ausdruck "smrad" ("Gestank") sorgte für Aufsehen, weil es laut Medien auch als Aufruf zum Mord interpretiert werden könnte.´


Medienspekulationen über "Mafia-Jargon"

Die Tageszeitung "Vecernji list" analysierte, dass das Wort "smrad" im Zagreber Mafia-Jargon für Personen verwendet wird, die liquidiert werden sollen. Es stelle sich nun die Frage, ob Sanaders Sicherheit nun ernsthaft bedroht sei. Perac selbst zeigte sich via seinen Anwalt Ljubo Pavasovic-Viskovic überrascht und erheitert über die Reaktionen auf seine Aussage. Es sei "lächerlich" und "leichtfertig", wenn die Regierung den Ausdruck "politischer Selbstmord" als physische Bedrohung gegen den Premier auslege.

Er habe nur eine Beschreibung von Sanaders Charakter abgeben wollen, ließ Petrac ausrichten. "Ich erinnere mich nämlich sehr gut, dass unser heutiger Premier vor dreieinhalb Jahren als Oppositionspolitiker bei den Versammlungen zur Unterstützung von Mirko Norac General Ante Gotovina in Schutz genommen, zu einem Staatsstreich und zu einer Sammlung zur finanziellen Unterstützung des Generals und seiner Familie aufgerufen hat. Heute führt Sanader als kroatischer Premier im Unterschied zu seiner Oppositionsarbeit die Verfolgung von General Gotovina an."


Petrac wegen illegaler Einreise nach Griechenland verurteilt

Ein Premier eines souveränen Staates, der im Auftrag ausländischer Geheimdienste so drastisch seine Meinung ändere, habe in keiner zivilisierten Gesellschaft eine Überlebenschance, merkte Petrac an. Wenn Sanader zudem auf seine Worte empfindlich reagiere, zeuge das nur von gekränkter Eitelkeit.

In der Adriastadt Split war es 2001 zu Massenprotesten gegen eine Gerichtsverhandlung gegen den pensionierten General Mirko Norac gekommen. Dabei hatte auch Sanader als Parteichef der damals oppositionellen HDZ (Kroatische Demokratische Gemeinschaft/HDZ) eine Rede gehalten. Norac wurde 2003 in Rijeka wegen Kriegsverbrechen zu zwölf Jahren Haft verurteilt.

Hrvoje Petrac wurde am Freitag zu fünf Monaten Haft und 1.500 Euro Strafe verurteilt. Grund: Illegale Einreise nach Griechenland mit gefälschtem Reisepass. Über eine Auslieferung an Kroatien wird noch entschieden. Die griechische Küstenwache hatte den Geschäftsmann am Mittwoch in Igoumenitsa festgenommen. Der 50-Jährige gilt für die kroatische Regierung als "Hauptfigur der Organisierten Kriminalität in Kroatien". Er soll auch direkt und indirekt dem flüchtigen General Ante Gotovina geholfen haben.

Die EU hat wegen mangelnder Kooperation bei der Suche nach Gotovina die für März dieses Jahres vorgesehenen Beitrittsgespräche mit Kroatien verschoben. Gotovina ist seit 2001 vom UNO-Tribunal in Den Haag wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen bei der Operation "Sturm" ("Oluja") angeklagt, mit der die kroatische Armee das Territorium der selbst proklamierten Serbischen Republik Krajina zurückeroberte. Gotovina soll für die Tötung von mindestens 150 Serben, Deportationen und andere Kriegsverbrechen verantwortlich sein.

Nach dem Aufschub der EU-Gespräche rief Sanader einen "Aktionsplan" aus, um Gotovinas Unterstützer-Netzwerk zu zerschlagen und zu beweisen, dass die Regierung in Zagreb mit Den Haag kooperiert. Petrac befand sich seit zwei Jahren auf der Flucht. In Kroatien war er 2003 in Abwesenheit zu sechs Jahren Haft wegen der Entführung des damals 16-jährigen Sohns von General Vladimir Zagorec verurteilt worden. Zagorec leitete bis ins Jahr 2000 die Waffeneinkäufe für die kroatische Armee.

Am Freitag sah sich Präsident Stjepan Mesic mit Fragen von Journalisten konfrontiert, wonach Petrac hinter der Finanzierung seines Wahlkampfs im Jahr 2000 gestanden sein könnte. "Er hat möglicherweise meine Kampagne genauso finanziert wie jene von US-Präsident Bush", stellte Mesic ironisch fest. Er räumte jedoch ein: "Ich habe diesen Mann zwei Mal im Vorbeigehen getroffen, aber offensichtlich gibt es jemanden, der sich wünscht, dass mich mit ihm eine große Freundschaft verbindet". Das seien aber alles reine Spekulationen, weil es keinerlei derartige Verbindungen gebe.

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Nicht das Sanader noch wie Djindjic endet.