Abgeordnete regierender HDZ verließ Partei und schloss sich HDZ-Abtrünnigem Glavas an

Zagreb - Seit Mittwoch ist der kroatische Ministerpräsident Ivo Sanader (Kroatische Demokratische Bewegung/HDZ) formal die Mehrheit im Sabor (Parlament) verloren. Der HDZ-Abgeordnete Mato Stimac verließ die regierende Partei und schloss sich dem HDZ-Abtrünnigen Branimir Glavas an. Jetzt hat die HDZ, zusammen mit ihrem Partner, insgesamt 76 von 152 Abgeordneten im kroatischen Parlament.

Die Regierung des HDZ-Vorsitzenden Sanader hatte schon seit April, als Branimir Glavas, Vladimir Sisljagic und Ivan Drmic wegen des Verstoßes gegen die Parteistatuten aus der HDZ ausgeschlossen wurden, eine hauchdünne Mehrheit im Parlament. Neben den dann verbleibenden 63 Vertretern der HDZ unterstützten auch die HSLS/DC (Sozialliberale/Demokratisches Zentrum) mit drei Mandaten, ein unabhängiger Abgeordneter, sieben Vertreter von nationalen Minderheiten und drei Abgeordnete der HSU (Pensionistenpartei) die Regierung. Jetzt hat der kroatische Ministerpräsident - ohne Stimac - offiziell die Unterstützung von genau der Hälfte der Abgeordneten.

Die erste große Prüfung für Sanader kommt sofort - er braucht die Unterstützung von 77 Abgeordneten für den Beschluss des Budgets. Die Stimmabgabe soll nächste Woche werden. Laut kroatische Medien könnte Sanader auf noch drei Abgeordnete rechnen, die offiziell nicht Teil seiner Koalition sind. Auch die rechtsextreme HSP (Kroatische Partei des Rechts), die acht Abgeordnete hat, ist angeblich auch bereit, die HDZ zu unterstützen.

Die HDZ ist nicht versorgt - Parteisprecher Ratko Macek kündigte schon an, dass die HDZ genug Stimmen für die Budgetrevision haben wird. Ivica Racan, Chef der SDP (Sozialdemokraten), der stärksten Oppositionspartei, ist vorsichtig. "Wir werden bei der Stimmabgabe über die Revision sehen, eine wie große Mehrheit der Premier hat. Falls er keine hat wird die SDP Züge zu machen wissen", sagte Racan gegenüber "Vecernji list".

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