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Läßt sich die Unabhängigkeit Kosovas völkerrechtlich begründ

Erstellt von Lucky Luke, 15.07.2006, 16:36 Uhr · 47 Antworten · 1.837 Aufrufe

  1. #1
    Lucky Luke

    Läßt sich die Unabhängigkeit Kosovas völkerrechtlich begründ

    en

    Autor: Prof. Dr. F. Münzel

    Ich habs gekürzt (beschränkt auf folgenden aufgeführten Punkten):


    II. Beurteilung
    1. Historische Rechte
    2. Selbstbestimmungsrecht

    2.1 Entstehung und Erhaltung der serbischen Staatsgewalt gegen das Selbstbestimmungsrecht
    2.2 Verbrauch des Selbstbestimmungsrechts 1974-80?
    2.3 Dekolonialisierung

    3. Traditionelle Voraussetzungen für die Existenz eines unabhängigen Staates

    II. Beurteilung:

    1. Historische Rechte

    Dies Argument lohnt kaum die Diskussion, selbst wenn man die serbischen Geschichtsverdrehungen akzeptiert. Man kann heutige Rechte nicht mit Vorgängen vor 300 oder 600 Jahren begründen. Mit ähnlicher, historisch freilich soliderer Begründung könnte Deutschland Rom, Luxemburg oder Prag als alte Residenzstädte des heiligen römischen Reichs deutscher Nation herausverlangen. Wenn man in Kosova aber schon historisch argumentieren will, kann man auch gleich in Zeiten 7, 800 Jahre vor der Schlacht auf dem Amselfelde zurückgehen, als ohne Zweifel die Albaner, noch nicht aber die Serben schon auf dem südlichen Balkan waren, und verlangen, daß sich die Serben demgemäß in die Ukraine - oder wo immer sie damals gewesen sein mögen - zurückbegeben.

    2. Selbstbestimmungsrecht

    Das Selbstbestimmungsrecht der Völker spielt für Kosova eine entscheidende Rolle. Das Selbstbestimmungsrecht der Völker ist nach dem 1. Weltkrieg von dem amerikanischen Präsidenten Wilson in das Völkerrecht eingeführt worden und heute als Grundsatz des Völkerrechts unumstritten, auch in der UN-Charta (Art.1 II) und u.a. in den UN-Menschenrechtspakten vom 16.12.1966 und der Declaration on Principles of International Law Concerning Friendly Relations and Cooperation der UNO-Generalversammlung vom 24.10.1970 verankert. Nach letzterer ist alle Gewalt völkerrechtswidrig, die Völker ihres Rechts auf Selbstbestimmung beraubt.

    Können die Kosovaren sich auf dies Prinzip berufen, sind sie überhaupt ein zur Selbstbestimmung berechtigtes "Volk"? Früher erkannte man meist nur ganzen "Völkern" ein Selbstbestimmungsrecht zu, nicht "Volksteilen" oder "Volksgruppen"; so insbesondere Stalin und nach ihm die sozialistische Völkerrechtslehre. (lv) Davon ausgehend erklärten jugoslawische Juristen, die Albaner hätten mit der Gründung des Staates Albanien ihr staatsbegründendes Selbstbestimmungsrecht verbraucht, die jugoslawischen Albaner hätten daher kein solches Recht mehr und damit auch kein Recht auf einen eigenen Bundesstaat (eine eigene "Republik") in Jugoslawien. (lvi) Jedoch schon das berühmte Gutachten (lvii) zu dem ersten Fall, in dem dies Prinzip herangezogen wurde, dem der Ålandinsel, hat einem Volksteil, den Schweden dieser Inseln, ohne weitere Begründung ganz selbstverständlich ein eigenes Selbstbestimmungrecht zugebilligt. Denn gerade in Fällen solcher Gruppen ist das Selbstbestimmungsrecht von Bedeutung. Wenn es nur für Staatsvölker oder doch nur für ganze zusammenhängend siedelnde Völker gelten soll, könnte man zumeist darauf verzichten. Deshalb erkennt die heute herrschende Meinung jeder Gruppe ein Selbstbestimmungsrecht zu, die sich selbst als Volk sieht, aber auch Gruppen, die sich nur als Teil eines Volkes sehen, wie eben den Ålandschweden oder den Armeniern von Berg-Karabagh oder (dies sogar von sowjetischer Seite) den Iren Nordirlands. (lviii)

    Die albanischen Kosovaren haben sich zunächst nur als Albaner gesehen und nicht als eine besondere Gruppe, ging doch die albanische Einigungsbewegung seit der Liga von Prizren (1878) gerade von Kosova aus. Noch auf der Konferenz von Bujan und bis nach dem 2. Weltkrieg ging es ihnen stets um den Anschluß an das Mutterland. Ihr Schicksal unter serbischer Unterdrückung seit 1912 hat ihnen jedoch auch ein besonderes Gruppenbewußtsein gegeben. Sie zeichnen sich aber nicht nur subjektiv durch dies Bewußtsein aus, sondern auch objektiv durch ihr klar abgegrenztes fast ausschließlich von ihnen bewohntes Siedlungsgebiet, in dem sie sich deutlich von den dort lebenden kleinen Minderheiten anderer Völker unterscheiden. Sie haben mit zwei Millionen im Lande und mindestens einer außerhalb auch eine für eine eigene Gruppe hinreichende Größe. Ihnen steht daher auch ein besonderes Selbstbestimmungsrecht zu.

    2.1 Entstehung und Erhaltung der serbischen Staatsgewalt gegen das Selbstbestimmungsrecht

    Jugoslawien leitet sein Recht auf Kosova vom Recht der Königreiche Serbien und Montenegro auf dieses Gebiet ab. Serbien und Montenegro haben Kosova im Verlauf des 1.Balkankriegs erobert. Ihr mörderisches Vorgehen gegen die Zivilbevölkerung verstieß damals bereits gegen die Grundsätze des Kriegsvölkerrechts. Es war aber auch deshalb schon damals völkerrechtswidrig, weil der Krieg ohne Kriegserklärung gegen den wirklichen Gegner, das unabhängige Albanien, geführt wurde. Die Grenzziehung 1913 konnte jedoch nicht das Selbstbestimmungsrecht der Völker verletzen, weil ein solches Recht damals noch nicht als Völkerrechtsprinzip anerkannt war.

    Die 1913 in Bezug auf Albanien mit dem Londoner Friedensvertrag hergestellte Lage ist jedoch mit dem 1. Weltkrieg beseitigt worden: Die internationale Verwaltung des Landes verschwand, die Großmächte, von denen sie ausging, führten Krieg miteinander, beschlossen teils, das Land ganz aufzuteilen und versuchten nach Kriegsende auch, diesen Beschluß durchzuführen. Die serbische und montenegrinische Staatsgewalt wurde aus Kosova vertrieben und bis zur jugoslawischen Eroberung des Landes zunächst durch eine lokale - albanische - Zivilverwaltung unter österreichisch-ungarischer Militärregierung ersetzt (außer im NO Kosovas, der von Bulgarien verwaltet wurde), dann zeitweise durch albanische Freischärler. Kurz, von dem 1913er Albanien und der serbischen und montenegrinischen Herrschaft über Teile Albaniens war 1918 nichts mehr übrig, es kommt also nicht auf die während des Krieges von Grund auf beseitigte Lage von 1913 an, sondern auf die Lage, wie sie sich ab 1918 entwickelte.

    Jugoslawien und Albanien entstanden als Staaten ab 1918 neu (lix). Albanien wurde unter dem Druck der USA gerade wegen des von Wilson durchgesetzten Selbstbestimmungsrechts in den Völkerbund aufgenommen. Denn dies neue Prinzip war, wie das auch im Ålandinsel-Gutachten postuliert wird, besonders in einer Situation des Umbruchs zu berücksichtigen, wenn alles in Fluß ist und so neu geregelt werden muß, daß der Frieden auf Dauer gesichert wird, also insbesondere bei der Neubildung von Staaten. Also hätten diesem Prinzip gemäß nun auch die albanisch-jugoslawischen Grenzen gezogen werden müssen. Dies geschah aber nicht, die Grenzziehung verletzte das Selbstbestimmungsrecht der Kosovaren, trotz ihrer Proteste und ihres bewaffneten Widerstandes. Dabei hätte das Selbstbestimmungsrecht hier noch mehr eine Rolle spielen müssen als im gleichzeitigen Fall der Ålandinsel. Denn bei den Inseln ging es um ihre Lösung von Finnland, zu dem sie seit Jahrhunderten gehörten, also um die Veränderung einer historisch gefestigten Situation; Kosova hingegen war von Albanien, zu dem es seit Jahrhunderten gehörte, erst 1912/13 in einem völkerrechtswidrig geführten Krieg losgerissen worden, Albanien selbst wie die Eroberer waren aber 1914/6 verschwunden, Kosova wurde nun von Albanien und Jugoslawien beansprucht, die sich beide neu gebildet hatten. Es ging hier also nicht um die Änderung "bestehender Grenzen", um die Veränderung einer historisch gefestigten Situation, sondern um eine völlige Neuregelung.

    Nun bedeutet das Selbstbestimmungsrecht zwar nicht stets, daß die Selbstbestimmung verlangende Gruppe, hier die Kosovaren, einen eigenen Staat oder das Recht erhält, sich an einen anderen Staat anzuschließen. Gerade die Pariser Vorortverträge enthalten zahlreiche Fälle, in denen Grenzen entgegen den Wünschen Selbstbestimmung verlangender Gruppen gezogen wurden. Vielmehr sind, wie im Ålandinsel-Gutachten erstmals herausgearbeitet wurde, die wirtschaftlichen, geographischen und nationalen Gegebenheiten der ganzen Region zu berücksichtigen, und in deren Rahmen ist dann zu bestimmen, wie weit die zur Selbstbestimmung Berechtigten zum Schutz ihrer Interessen Autonomie oder Unabhängigkeit oder den Anschluß an ein anderes Land verlangen können. Im Fall der Ålandinsel genügte eine weitreichende Autonomie im Rahmen des finnischen Staates, um die berechtigten Interessen der Ålandschweden zu sichern, weil, anders als Kosova von den Serben, die Ålandinseln von Finnland nicht mit Gewalt erobert, die Ålandschweden von den Finnen anders als die Kosovaren von den Serben nie in Massen ermordet, ausgeplündert und als Untermenschen behandelt worden sind. Die Ålandschweden bedurften daher nicht des Schutzes vor der finnischen Staatsgewalt, sondern brauchten nur Garantien ihrer kulturellen Rechte, die sie auch bekamen.

    Das Ålandinsel-Gutachten stellt jedoch auch fest, aus dem Selbstbestimmungsrecht ergebe sich ein Sezessionsrecht "als letztes Mittel, wenn der Staat den Willen oder die Macht nicht hat, gerechte und wirksame Garantien [für die Rechte der sezedierenden Gruppe] zu geben und durchzusetzen". Hier wird zum ersten Mal der Widerspruch zwischen Selbstbestimmungsrecht einerseits und dem Grundsatz, daß Grenzen nicht mit Gewalt verändert werden sollen, andererseits erörtert und eine Richtlinie für seine Lösung gegeben. Im gleichen Sinne wie nachdem Ålandinsel-Gutachten ist diese Frage inzwischen in Abs.7 der vorzitierten Friendly Relations Declaration der UN-Generalversammlung vom 24.10.1970 geregelt worden: "Die vorstehenden Absätze [scil. zum Selbstbestimmungsrecht der Völker] sind nicht als Ermächtigung oder Ermunterung zu Maßnahmen aufzufassen, welche die territoriale Unversehrtheit ... souveräner und unabhängiger Staaten ... beeinträchtigen würden, die sich in ihrem Verhalten von dem ... Grundsatz der Gleichberechtigung und Selbstbestimmung der Völker leiten lassen und daher eine Regierung besitzen, welche die gesamte Bevölkerung des Gebiets ohne Unterschied der Rasse, des Glaubens oder der Hautfarbe vertritt." Mit anderen Worten: In der Regel genügt zur Befriedigung des Selbstbestimmungsrechts eine Autonomie der betroffenen Gruppe, mit der sie ihre kulturelle und sonstige Gleichberechtigung sichern kann. Ein Sezessionsrecht besteht nur dann, wenn der betreffende Staat keine die Interessen seiner gesamten Bevölkerung einschließlich der Gruppe vertretende Regierung hat, sich nicht vom Grundsatz der Gleichberechtigung und Selbstbestimmung der Gruppe leiten läßt, so daß sich "gerechte und wirksame Garantien" für die Rechte der Gruppe in diesem Staat nicht erlangen lassen.

    Jugoslawien hat zwar mit dem Vertrag vom 10.9.1919 zunächst den Eindruck zu erwecken versucht, es wolle auch den Albanern "gerechte und wirksame Garantien" ihrer Rechte geben, hat das dann aber nicht getan und dies Verhalten auch noch ausdrücklich mit der Behauptung verteidigt, dieser Vertrag gelte gar nicht für die Albaner, sondern nur für die von Österreich-Ungarn übernommenen Gebiete, obwohl sich aus dem Hinweis im Vertragstext auf die "von Serbien und Montenegro seit 1.1.1913 übernommenen Gebiete" das Gegenteil ergibt.

    Jugoslawien hat sich vielmehr von Anfang an gegenüber den kosovarischen Albanern ebenso verhalten, wie vorher Serbien. Solange Serbien (lx) bzw. das von Serbien beherrschte Jugoslawien die Macht über das Land hat, betrieb und betreibt es die Vertreibung der Albaner, und zwar bewußt aufgrund rassistischer Vorstellungen, wie schon Cvijic und Cubrilovic sie formuliert haben. Daher liegen hier die im Ålandinsel-Gutachten genannten Voraussetzungen für ein Sezessionsrecht der Kosovaren vor, und sie lagen schon 1918 vor.

    Die jugoslawische Staatsgewalt in Kosova verstieß daher von Anfang an gegen das Selbstbestimmungsrecht der Völker, sie war von Anfang an völkerrechtswidrig. Der Staat Albanien hat dann zwar die in den 20er Jahren gezogene Grenze gegen Jugoslawien anerkannt, aber er konnte damit nur für sich handeln, für die Kosovaren hatte er kein Mandat. Die Kosovaren selbst haben der Zugehörigkeit zu Jugoslawien nie zugestimmt. Soweit sie sich frei äußern konnten, haben sie mehrheitlich stets die Loslösung von Serbien und Jugoslawien verlangt.

    Die serbische bzw. jugoslawische Staatsmacht hat auch die Ziele ihres Verhaltens gegenüber den kosovarischen Albanern nie geändert, sie hat damit den Kosovaren die Gründe für ihr Sezessionsrecht erhalten. Eine Ausnahme in diesem Verhalten Jugoslawiens bilden nur Titos letzte 14, vor allem die letzten 6 Jahre (1974-1980). Tito gelang es damals, Serbien die Gewalt über Kosova weitgehend zu entziehen. Dies war nur Tito mit seiner persönlichen überragenden Stellung in Jugoslawien möglich, ist auch ihm schwer gefallen und wird ihm heute von der offiziellen Ideologie als Verrat vorgeworfen. Kaum war Tito tot, setzten die Serben in Jugoslawien wieder ihre Verfolgung der Albaner durch, trotz der zunächst noch bestehenden formellen Autonomie Kosovas. Seitdem Restjugoslawien völlig unter serbischer Kontrolle steht, ist diese Verfolgung immer unerträglicher geworden, und in Anbetracht der entsetzlichen Albanerverfolgung in den letzten Monaten ist nicht zu erwarten, daß sich in RJ daran etwas ändert. Minderheitsschutzbestimmungen in der jugoslawischen Verfassung haben offensichtlich nicht die Kraft, die Verfolgung der Albaner oder auch nur gegen die Albaner gerichtete Gesetzgebung zu verhindern. Sie sind daher kein Gegenargument. Das Sezessionsrecht Kosovas besteht deshalb weiter.

    2.2 Verbrauch des Selbstbestimmungsrechts 1974-80?

    1974-1980 waren die Kosovaren mit der ihnen von Tito gewährten Autonomie und Verfassung einigermaßen zufrieden. Haben sie damit ihr Selbstbestimmungrecht verbraucht? Die Kosovaren hatten während dieser Zeit keine Gelegenheit, ihr Selbstbestimmungsrecht zu verbrauchen, weil sie weder in freien Wahlen noch sonstwie über sich selbst bestimmen konnten. Daß man sich mit einem einigermaßen erträglichen Schicksal abfindet, bedeutet noch nicht, daß man damit einverstanden ist oder es gar selbst bestimmt hat. Auch haben die Kosovaren auch damals immer wieder mehr verlangt als die Autonomie, also deutlich gemacht, daß sie mit dem Erreichten noch nicht zufrieden waren. Im übrigen war die Lage, mit der sie sich damals einigermaßen abgefunden hatten, von der Lage vorher und nachher, der Lage unter serbischer Herrschaft, fast ebenso grundlegend verschieden wie etwa die Lage während des Anschlusses Kosovas an das italienisch besetzte Albanien während des 2. Weltkrieges. Man kann deshalb im Ertragen von Titos Autonomiestatus keine Ausübung der Selbstbestimmung zugunsten der serbisch dominierten jugoslawischen Herrschaft heute sehen. Das Selbstbestimmungsrecht der Kosovaren ist also nicht verbraucht.

    2.3 Dekolonialisierung

    Das Prinzip der Selbstbestimmung der Völker findet seinen kräftigsten Ausdruck im Prinzip der Dekolonialisierung. Zahlreiche UN-Resolutionen seit den 1970er Jahren fordern Dekolonialisierung. Sie geben den kolonisierten Völkern jedes Recht, sich von der Kolonialgewalt zu befreien, eingeschlossen das Recht auf bewaffneten Kampf (Resolutionen 3070, 3103, 3246 usf.).

    Geschichtlich richtete sich dieser Grundsatz zunächst gegen die überseeischen Kolonien europäischer Staaten, der USA und Japans. Insbesondere die UdSSR und ihre Satelliten wollten ihn immer nur auf diese Gebiete angewandt wissen. Damit wollten sie die Dekolonialisierung des sowjetischen Kolonialreichs in Osteuropa und der Sowjetunion selbst vermeiden. (lxi) Daß ein Verbrecher Strafvorschriften zwar anerkennt, aber nicht für sich selbst gelten lassen will, ist jedoch kein stichhaltiger Grund für eine Einschränkung dieser Vorschriften. Der Grundsatz muß weltweit für alle als Kolonien behandelten Gebiete gelten. Auch daß ein Gebiet (wie seinerzeit das französische Algerien und hier Kosova) formell nicht als Kolonie bezeichnet wird, befreit nicht von der Dekolonialisierungspflicht.

    Serbien/Jugoslawien und dann RJ haben das Land 80 Jahre lang fast durchweg bestenfalls so behandelt wie eine Kolonie, oft noch viel schlimmer. Insbesondere werden die reichen Bodenschätze ausgebeutet, ohne daß das Land davon viel hat. Die autochthone Bevölkerung wird in übelster Weise diskriminatorisch behandelt, oft mißhandelt. Sie unterliegt einem Apartheidsregime weniger zugunsten der kleinen serbischen Minderheit als zum Nutzen der dem Land oktroyierten serbischen Kolonialverwalter. Also muß das Land dekolonialisiert, seine Befreiung muß unterstützt, seine Unabhängigkeit daher anerkannt werden.

    3. Traditionelle Voraussetzungen für die Existenz eines unabhängigen Staates

    Als Voraussetzungen für die Existenz eines Staates gelten traditionell Staatsgebiet, Staatsvolk und Staatsgewalt und eine bestimmte Dauer. Alle drei Elemente sind hier seit der Staatsgründung 1991 vorhanden: ein klares Staatsgebiet und Staatsvolk und eine von der überwältigenden Mehrheit des Staatsvolkes als einzig legale Staatsgewalt angesehene Staatsorganisation. Diese kosovarische Staatsorganisation hat allerdings kein Gewaltmonopol. Immerhin aber wird sie von fast der gesamten Bevölkerung unterstützt, die Bevölkerung beugt sich auch freiwillig ihren Weisungen und zahlt ihre Kosten. Es besteht also auch eine wenngleich etwas eingeschränkte kosovarische Staatsgewalt. Man kann sich darüber hinaus auch darauf berufen, daß gegenwärtig der serbischen Gewalt Teile des Landes entglitten sind; (allerdings fragt sich, wie weit Serbien dies nur zugelassen hat, um desto mehr Albaner ermorden zu können); und "once a new government effectively controlled the country and that this seemed likely to continue, recognition should not be withheld" (lxii). Die Lage wäre dann hier ähnlich der von Guinea-Bissau, als es 1973 von den USA und vielen anderen Staaten schon anerkannt wurde, obwohl es noch nicht die Gewalt über die größeren Orte und den größeren Teil der Bevölkerung hatte. (lxiii)

    Man kann auch argumentieren, daß Restjugoslawien selbst die Republik Kosova bereits dadurch de facto anerkannt hat, daß es die kosovarischen Verfassungsorgane einigermaßen gewähren läßt, die Wahlen kaum behindert und Miloševic vor einem Jahr sogar ein Abkommen mit dem kosovarischen Präsidenten Rugova geschlossen hat (über die Rückgabe der Schulen, das er allerdings erst jetzt und nur in wenigen Einzelfällen unter internationalem Druck erfüllt hat).

    Entscheidend ist jedoch, daß die Staatsgewalt Restjugoslawiens in Kosova, wie oben unter 2.1-2.3 ausgeführt, rechtswidrig entstanden und rechtswidrig entgegen dem Prinzip der Selbstbestimmung und insbesondere der Dekolonialisierung bewahrt und dazu in einer Weise ausgeübt wird, die einen zögern läßt, hier überhaupt von Staatsgewalt zu sprechen - räuberisch, mörderisch, nicht wie die Gewalt eines Staates gegenüber seinen Angehörigen, sondern wie die einer Verbrecherbande gegenüber Menschen, die in ihre Gewalt geraten sind, rechtswidrig sogar nach internationalem Strafrecht (vgl. unten 7.). Weil rechtswidrig entstanden, bewahrt und ausgeübt, ist bei der Beurteilung, welche Staatsgewalt in Kosova vorliegt, diese rechtswidrige Staatsgewalt RJs nicht zu berücksichtigen. Zu fragen ist lediglich, ob die Republik Kosova selbst bereits überhaupt etwas Staatsgewalt hat oder eine reine Schattenorganisation darstellt. Eine wenngleich eingeschränkte Staatsgewalt ist aber bereits gegeben (lxiv), sie wird sogar von RJ de facto anerkannt. Die Lage erinnert an die der baltischen Staaten 1990/1 oder an die der Westsahara, die bereits jetzt von zahlreichen Ländern als unabhängiger Staat anerkannt wird, und zwar gerade von afrikanischen Ländern, die nicht wollen, daß in Afrika eine Kolonialherrschaft gegen das Selbstbestimmungsrecht weiterbesteht. (lxv)

  2. #2
    jugo-jebe-dugo
    Die Albaner waren auf dem Balkan aber nicht im Kosovo,so ist leben. Albaner leben erst 500 Jahre im Kosovo wogegen die Serben 1400 Jahre drauf hausen.

  3. #3

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    06.09.2004
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    578
    Zitat Zitat von Šumadinac
    Die Albaner waren auf dem Balkan aber nicht im Kosovo,so ist leben. Albaner leben erst 500 Jahre im Kosovo wogegen die Serben 1400 Jahre drauf hausen.

    Ich glaube man scheisst auf das mittelalterliche Verständniss der Serben , damit das albanische Volk nicht ewig künstlich getrennt werden darf

    Wir leben jetzt im Jahre 2006 und nicht im Mittelalter

  4. #4
    Zitat Zitat von Memedo
    Zitat Zitat von Šumadinac
    Die Albaner waren auf dem Balkan aber nicht im Kosovo,so ist leben. Albaner leben erst 500 Jahre im Kosovo wogegen die Serben 1400 Jahre drauf hausen.

    Ich glaube man scheisst auf das mittelalterliche Verständniss der Serben , damit das albanische Volk nicht ewig künstlich getrennt werden darf

    Wir leben jetzt im Jahre 2006 und nicht im Mittelalter

    Oh Memedo weisst du das erst jetzt sonst redest du ständig über Mittelalter.

  5. #5
    Avatar von Denny

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    1.558
    Zitat Zitat von Memedo
    Zitat Zitat von Šumadinac
    Die Albaner waren auf dem Balkan aber nicht im Kosovo,so ist leben. Albaner leben erst 500 Jahre im Kosovo wogegen die Serben 1400 Jahre drauf hausen.

    Ich glaube man scheisst auf das mittelalterliche Verständniss der Serben , damit das albanische Volk nicht ewig künstlich getrennt werden darf

    Wir leben jetzt im Jahre 2006 und nicht im Mittelalter
    Wir im Balkan sid zurück gebliben, überal funktionirt es das verschidene Kulturen Religionen miteinader leben und auskommen nur auf dem Balkan klapt das nicht, daher kann man noch nicht von Zivilirt reden wenn es um uns geht.

  6. #6
    Lucky Luke
    Zitat Zitat von Šumadinac
    Die Albaner waren auf dem Balkan aber nicht im Kosovo,so ist leben. Albaner leben erst 500 Jahre im Kosovo wogegen die Serben 1400 Jahre drauf hausen.
    Erstens gibt es den Kosovo mit seinen heutigen Grenzen noch nichtmal seit einem Jahrhundert. Zweitens lebten die Serben (wie der Autor schon richtig darstellte) vor über 1400 Jahren in der Ukraine. Drittens leben Albaner auch schon länger als 500 Jahren in dem Gebiet welches heute Kosovo genannt wird. Viertens stellt diese Sichtweise sowieso kein sachliches Argument dar.

    Wie sagt es, Prof. Dr. F. Münzel, so schön:

    1. Historische Rechte

    Dies Argument lohnt kaum die Diskussion, selbst wenn man die serbischen Geschichtsverdrehungen akzeptiert. Man kann heutige Rechte nicht mit Vorgängen vor 300 oder 600 Jahren begründen. Mit ähnlicher, historisch freilich soliderer Begründung könnte Deutschland Rom, Luxemburg oder Prag als alte Residenzstädte des heiligen römischen Reichs deutscher Nation herausverlangen. Wenn man in Kosova aber schon historisch argumentieren will, kann man auch gleich in Zeiten 7, 800 Jahre vor der Schlacht auf dem Amselfelde zurückgehen, als ohne Zweifel die Albaner, noch nicht aber die Serben schon auf dem südlichen Balkan waren, und verlangen, daß sich die Serben demgemäß in die Ukraine - oder wo immer sie damals gewesen sein mögen - zurückbegeben.

  7. #7
    Avatar von TigerS

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    7.474
    Zitat Zitat von Lucky_Luke
    Zitat Zitat von Šumadinac
    Die Albaner waren auf dem Balkan aber nicht im Kosovo,so ist leben. Albaner leben erst 500 Jahre im Kosovo wogegen die Serben 1400 Jahre drauf hausen.
    Erstens gibt es den Kosovo mit seinen heutigen Grenzen noch nichtmal seit einem Jahrhundert. Zweitens lebten die Serben (wie der Autor schon richtig darstellte) vor über 1400 Jahren in der Ukraine. Drittens leben Albaner auch schon länger als 500 Jahren in dem Gebiet welches heute Kosovo genannt wird. Viertens stellt diese Sichtweise sowieso kein sachliches Argument dar.

    Wie sagt es, Prof. Dr. F. Münzel, so schön:

    1. Historische Rechte

    Dies Argument lohnt kaum die Diskussion, selbst wenn man die serbischen Geschichtsverdrehungen akzeptiert. Man kann heutige Rechte nicht mit Vorgängen vor 300 oder 600 Jahren begründen. Mit ähnlicher, historisch freilich soliderer Begründung könnte Deutschland Rom, Luxemburg oder Prag als alte Residenzstädte des heiligen römischen Reichs deutscher Nation herausverlangen. Wenn man in Kosova aber schon historisch argumentieren will, kann man auch gleich in Zeiten 7, 800 Jahre vor der Schlacht auf dem Amselfelde zurückgehen, als ohne Zweifel die Albaner, noch nicht aber die Serben schon auf dem südlichen Balkan waren, und verlangen, daß sich die Serben demgemäß in die Ukraine - oder wo immer sie damals gewesen sein mögen - zurückbegeben.
    das ist schön für in aber jugt keine sau

  8. #8
    Lucky Luke
    Zitat Zitat von TigerS
    Zitat Zitat von Lucky_Luke
    Zitat Zitat von Šumadinac
    Die Albaner waren auf dem Balkan aber nicht im Kosovo,so ist leben. Albaner leben erst 500 Jahre im Kosovo wogegen die Serben 1400 Jahre drauf hausen.
    Erstens gibt es den Kosovo mit seinen heutigen Grenzen noch nichtmal seit einem Jahrhundert. Zweitens lebten die Serben (wie der Autor schon richtig darstellte) vor über 1400 Jahren in der Ukraine. Drittens leben Albaner auch schon länger als 500 Jahren in dem Gebiet welches heute Kosovo genannt wird. Viertens stellt diese Sichtweise sowieso kein sachliches Argument dar.

    Wie sagt es, Prof. Dr. F. Münzel, so schön:

    1. Historische Rechte

    Dies Argument lohnt kaum die Diskussion, selbst wenn man die serbischen Geschichtsverdrehungen akzeptiert. Man kann heutige Rechte nicht mit Vorgängen vor 300 oder 600 Jahren begründen. Mit ähnlicher, historisch freilich soliderer Begründung könnte Deutschland Rom, Luxemburg oder Prag als alte Residenzstädte des heiligen römischen Reichs deutscher Nation herausverlangen. Wenn man in Kosova aber schon historisch argumentieren will, kann man auch gleich in Zeiten 7, 800 Jahre vor der Schlacht auf dem Amselfelde zurückgehen, als ohne Zweifel die Albaner, noch nicht aber die Serben schon auf dem südlichen Balkan waren, und verlangen, daß sich die Serben demgemäß in die Ukraine - oder wo immer sie damals gewesen sein mögen - zurückbegeben.
    das ist schön für in aber jugt keine sau
    Ich glaube viel eher deine Meinung dazu ist irrelevant. :wink:

  9. #9
    Avatar von denki

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    Zitat Zitat von Memedo
    Zitat Zitat von Šumadinac
    Die Albaner waren auf dem Balkan aber nicht im Kosovo,so ist leben. Albaner leben erst 500 Jahre im Kosovo wogegen die Serben 1400 Jahre drauf hausen.

    Ich glaube man scheisst auf das mittelalterliche Verständniss der Serben , damit das albanische Volk nicht ewig künstlich getrennt werden darf

    Wir leben jetzt im Jahre 2006 und nicht im Mittelalter
    Schnauze ! Das Albanische Volk darf nicht getrennt werden , dan soll auch das serbisches Volk nicht mehr künstlcih getrennt werden , dan wollen wir unsere Republika Srpska . CCCC

  10. #10
    Lucky Luke
    Zitat Zitat von Yugo
    Zitat Zitat von Memedo
    Zitat Zitat von Šumadinac
    Die Albaner waren auf dem Balkan aber nicht im Kosovo,so ist leben. Albaner leben erst 500 Jahre im Kosovo wogegen die Serben 1400 Jahre drauf hausen.

    Ich glaube man scheisst auf das mittelalterliche Verständniss der Serben , damit das albanische Volk nicht ewig künstlich getrennt werden darf

    Wir leben jetzt im Jahre 2006 und nicht im Mittelalter
    Schnauze ! Das Albanische Volk darf nicht getrennt werden , dan soll auch das serbisches Volk nicht mehr künstlcih getrennt werden , dan wollen wir unsere Republika Srpska . CCCC
    Bist du so blöd oder tust du nur so?

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