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Die Leichen in Europas Kellern

Erstellt von Ivo2, 18.02.2007, 07:55 Uhr · 2 Antworten · 593 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von Ivo2

    Registriert seit
    13.07.2004
    Beiträge
    19.007

    Die Leichen in Europas Kellern

    Es wäre an der Zeit, dass nicht nur wir Balkanesen unsere Geschichte aufarbeiten, sondern auch andere Länder Europa's und hier vor allem Italien. Ein Land wo der Faschismus salonfähig ist, wo Kriegsverbrecher posthum Orden bekommen.

    Die Leichen in Europas Kellern
    Die Wunden der jüngeren Geschichte sind nur oberflächlich verheilt
    „Neue Epochen stinken nach Verwesung, denn die Leichen haben mehr Beharrungsvermögen als die Erben Energie.“ Auf makabre Weise scheint sich Manès Sperbers pessimistisches Geschichtsbild (aus der Romantrilogie „Wie eine Träne im Ozean“) in einem neu aufgebrochenen Konflikt zu bestätigen. Es geht um die Massaker, die Titos Partisanentruppen aus Rache für Gräuel der italienischen faschistischen Besatzer verübten. Zwischen 1943 und 1945 wurden im Raum Triest und in Istrien tausende Italiener ermordet und in Karsthöhlen, die Foibe, geworfen.

    Italien gedenkt der Foibe-Opfer wie auch der „Esuli“ (Vertriebene und Auswanderer aus Istrien, Rijeka/Fiume und Dalmatien) am 10. Februar. Dieser Giorno del Ricordo wurde 2005 auf Initiative des Postfaschisten Gianfranco Fini eingeführt. Am diesjährigen Gedenktag verlieh Italiens Staatspräsident Giorgio Napolitano, ein Exkommunist, dem letzten italienischen Polizeichef des faschistischen Regimes in Zadar (italienisch Zara) und etwa weiteren 30 Opfern der jugoslawischen Partisanen posthum Orden. Der faschistische Polizeichef wurde im Tito-Jugoslawien als Kriegsverbrecher verurteilt. In seiner Rede am Gedenktag sprach Napolitano von einer „Jahrhundertbarbarei“, einem „blutrünstigen slawischen Hass“ und ethnischer Säuberung als Teil eines Annexionsplans.

    Indirekt stellte Napolitano damit den im Pariser Friedensvertrag von 1947 und endgültig im Osimo-Vertrag von 1975 besiegelten Anschluss Istriens an Jugoslawien infrage. Der ansonsten als besonnen geltende kroatische Staatspräsident Stjepan Mesic, ebenfalls Exkommunist, warf Napolitano daraufhin „offenen Rassismus, historischen Revisionismus und politischen Revanchismus“ vor. Das löste wiederum scharfe Proteste italienischer Politiker quer durch alle Lager aus. Offenbar um die Wogen zu glätten, schlägt die Regierung in Zagreb nun eine bilaterale Historikerkommission zur Klärung der Kriegsverbrechen vor.

    Oberflächlich verheilt

    Der Fall steht exemplarisch für die unzähligen Leichen, die noch unbestattet in den Kellern Mittel-, Ost- und Südosteuropas liegen. Kroatien selbst hat seine faschistische Vergangenheit als Vasall Hitlerdeutschlands nicht einmal ansatzweise aufgearbeitet. Aber auch im benachbarten EU-Land Slowenien sind die Wunden der jüngeren Geschichte nur oberflächlich verheilt. Eine offene Debatte über die Unmenschlichkeiten und Verbrechen, die während des Zweiten Weltkriegs und danach zwischen Nazi-Kollaborateuren und Titos Gefolgsleuten geschahen, wird peinlich vermieden.

    Ähnliches gilt für Ungarn. Dort hat die starke Polarisierung der politischen Lager ebenfalls mit unaufgearbeiteter Vergangenheit zu tun, sowohl der kommunistischen als auch der vorangegangenen faschistischen.

    Politisches Kapital

    In Polen bläst die rechts-nationalistische Regierung unter den Kaczynski-Zwillingen zum historischen Großputz mit dem Ziel, vermeintliche oder tatsächliche postkommunistische Netzwerke zu beseitigen. Da hier praktisch alle Vorgängerregierungen zu wenig getan haben, können die Kaczynskis aus ihrer Art der Geschichtsaufarbeitung politisches Kapital schlagen, auch indem sie antideutsche Ressentiments bedienen.

    Die Beispiele zeigen, wie dünn die zivilisatorische Schicht auch in gefestigten Demokratien ist. Wenn selbst so angesehene Demokraten wie Napolitano und Mesic bei historischen Streitfragen plötzlich in eine extremistische Sprache verfallen, kann auch im 21. Jahrhundert von europäischer Normalität noch keine Rede sein.

    Die offizielle EU-Sprachregelung, dass historische Konflikte von den betroffenen Ländern zu lösen seien, ist gerade im Fall Mitteleuropa falsch und kurzsichtig. Hier hängt alles mit allem zusammen. Daher ist die Erarbeitung eines gemeinsamen Geschichtsbildes, so mühsam und langwierig sie sein mag, als gesamteuropäische Aufgabe eine unerlässliche Investition in die Zukunft.
    http://derstandard.at/?id=2772077

  2. #2
    cro_Kralj_Zvonimir

    Re: Die Leichen in Europas Kellern

    Italien gedenkt der Foibe-Opfer wie auch der „Esuli“ (Vertriebene und Auswanderer aus Istrien, Rijeka/Fiume und Dalmatien) am 10. Februar. Dieser Giorno del Ricordo wurde 2005 auf Initiative des Postfaschisten Gianfranco Fini eingeführt. Am diesjährigen Gedenktag verlieh Italiens Staatspräsident Giorgio Napolitano, ein Exkommunist, dem letzten italienischen Polizeichef des faschistischen Regimes in Zadar (italienisch Zara) und etwa weiteren 30 Opfern der jugoslawischen Partisanen posthum Orden. Der faschistische Polizeichef wurde im Tito-Jugoslawien als Kriegsverbrecher verurteilt. In seiner Rede am Gedenktag sprach Napolitano von einer „Jahrhundertbarbarei“, einem „blutrünstigen slawischen Hass“ und ethnischer Säuberung als Teil eines Annexionsplans.
    Solche Säue!!

  3. #3

    Registriert seit
    21.11.2006
    Beiträge
    3.795
    Wenn die nicht Südtirol eingesackt hätten und immer noch bezeiten versuchen würden, dort mit der "siamo in italia"-Masche anzukommen, wären mir die Katzelmacher sowas von egal. Sind für sich genommen sehr harmlos, eigentlich eine große Freiluft-Operette. 8)

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