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Makedonien

Erstellt von Albanesi, 18.08.2004, 11:58 Uhr · 14 Antworten · 1.637 Aufrufe

  1. #1

    Registriert seit
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    Makedonien

    Wo die Wahrheit lügt

    Albaner und Mazedonier sollen miteinander reden, aber sie können es nicht

    Ulrich Ladurner

    Nehmen Sie einmal an, Sie hätten von Mazedonien nie gehört. Natürlich ist das schwer, weil Sie Abend für Abend im Fernsehen Karten gesehen haben, Bilder von rollenden Panzern und schießenden Soldaten, weil Sie Feuerblitze gesehen haben und ganz sicher viele hochrangige Politiker, die aus Flugzeugen steigen, Hände schütteln, in Mikrofone sprechen und wieder in ihr Flugzeug einsteigen; es ist schwer, sich Mazedonien nicht vorzustellen, weil alles vom Kampf und Krieg und Flächenbrand spricht. Aber vergessen Sie einmal alles, was Sie über Mazedonien gehört und gesehen haben, nur für ein paar Minuten.

    Und jetzt die folgende Geschichte. Ibrahim sitzt in einem Café ohne Namen. Er schaut den Berg hinauf. Es ist der Tag vor der Offensive der mazedonischen Armee, die einen Feuersturm über den Berg bringen wird. Es ist noch ruhig, frühlingsstill. Siehst du da oben, sagt Zender, ein anderer Gast, die Mauer gleich neben dem Haus?! Da oben hat die Polizei gestern zwei Esel erschossen, einfach so. Mehr sagt Zender nicht. Eine halbe Stunde später kommt Billy in das Café, setzt sich und schaut ebenso aufmerksam wie Zender vorher auf den Berg. Billy sagt: Siehst du da oben, dort vor dem Haus?! Da oben hat die Polizei gestern zwei braune Pferde erschossen, einfach so. Mehr sagt Billy nicht, er seufzt nur ein wenig. Kurz darauf kommt Fatmir in das Café, setzt sich und schaut mit ebensolchem aufmerksamen Blick wie vorher Zender und Billy auf den Berg. Siehst du, sagt Fatmir, dort oben vor dem Haus. Da hat die Polizei gestern zwei Pferde erschossen. Zwei weiße Pferde! Fatmir schüttelt heftig den Kopf. Und dann sagt er noch einmal: Stell dir vor, weiße Pferde!

    Mazedonien ist also ein Land, in dem innerhalb kurzer Zeit aus einem Esel ein braunes Pferd und aus dem braunen ein weißes Pferd wird. Eine balkanische Metamorphose, die sich nicht auf Tiere beschränkt. Am Freitag vor einer Woche starben Vater und Sohn Karaqi aus dem Dorf Poroj auf einer Straßenkreuzung in Tetovo. Die Polizei schoss mit ihren Maschinengewehren auf die beiden Männer, bis sie sich nicht mehr rührten. Die Szene hatten Fernsehteams aufgenommen. Man sieht, wie ein Polizist auf den jungen Karaqi einprügelt und dann wegläuft. Karaqi hält etwas in der Hand, das er auf Polizisten wirft, die sich hinter Sandsäcken verbergen. Die Mazedonier sagen, das sei eine Handgranate gewesen, und darum sei der Terrorist Karaqi zu Recht gestorben. Notwehr, mehr nicht. Ibrahim, Billy und Fatmir sagen wiederum, das sei nichts als Lüge, denn der junge Karaqi habe nicht eine Handgranate, sondern ein Mobiltelefon in der Hand gehabt. Ich habe es genau gesehen, sagt Fatmir, es war ein Mobiltelefon Marke Ericsson, Modell 388. - Was auch immer die Wahrheit ist: Aus einer Handgranate wurde ein Ericsson 388 oder umgekehrt aus einem Ericsson 388 eine Handgranate.

    Im Museum für moderne Kunst der Hauptstadt Skopje hängt im ersten Schauraum ein Ölbild. Es stellt ein Massaker dar. Türkische Soldaten schneiden Mazedoniern mit dem Krummmesser die Kehle durch, vergewaltigen Frauen, rauben Teppiche, Möbel und Schmuck. Der Titel des Bildes heißt: Die wahren Geschehnisse im Dorf Papradicte 1884. Offensichtlich waren auch andere Versionen über das Geschehen im Umlauf, sonst hätte der Maler die Wahrheit nicht so ostentativ behaupten müssen. Wahrscheinlich hatten Türken gesagt, dass sich in Papradicte im Jahr 1884 alles genau umgekehrt abgespielt habe, dass nämlich Türken ermordet, vergewaltigt und beraubt wurden. Vielleicht gibt es auch eine Geschichte, wonach es sich bei dem Dargestellten nicht um ein Massaker handelte, sondern um ein Fest, dass es also nicht den Hass zwischen den Völkern darstellt, sondern die Freundschaft. Wie auch immer: Die Verwandlungen haben kein Ende.

    Der Fluss Vardar markiert einen Graben. Er teilt die Haupstadt Skopje in zwei Teile. Den Norden erreicht man über die Brücke, die hier alle nur die Alte Brücke nennen, weil ihr genaues Baujahr bis heute nicht bestimmt werden konnte. Hier befindet sich der Basar. Kopfsteinpflaster, enge Gassen, Geschäfte, es riecht nach Leder, Klebstoff und Orient. Der Basar überstand das verheerende Erdbeben im Jahr 1963, während auf der anderen Seite des Flusses, im Süden, die Gebäude nahezu völlig zerstört wurden und rund 3000 Menschen starben. Irgendwann früher lebten auf beiden Ufern der Stadt Albaner und slawische Mazedonier miteinander vermischt. Das einträchtige Irgendwann bleibt unbestimmt, weil sich seit fast zwei Jahrzehnten eine schleichende ethnische Teilung der Stadt vollzieht. Die slawischen Mazedonier übersiedelten in den moderneren, wohlhabenderen Teil der Stadt, die Albaner aus dem Süden in den Norden, in den alten, ärmeren Teil. Warum das so gekommen ist? Auch dazu gibt es eine Geschichte.

    Im Jahr 1994 nahm sich die Polizei ein Herz und ging gegen Zigarettenverkäufer vor, die auf dem Markt hinter dem Basar ihrem illegalen Geschäft nachgingen. Es kam dabei zu Ausschreitungen. Ein Mann wurde getötet. Er war ein slawischer Mazedonier. Was genau geschehen war, ließ sich nicht mit Sicherheit bestimmen. Nur die Folgen dieses Todes waren klar. Mazedonier zogen verstärkt über die Alte Brücke in den Süden der Stadt. Sie fühlten sich nicht mehr sicher. Natürlich bekamen auch die Albaner Angst und zogen in den Norden der Stadt. Zahlen? Statistiken? Das braucht man nicht, hat man nicht, jeder weiß, dass es so ist, so sein muss. Und man kann sich auch vorstellen, wie sich Albaner und Mazedonier ihre Geschichten zuflüsterten, während sie zum letzten Mal über die Alte Brücke gingen: "Die Albaner haben den Mann am Markt ermordet. Er war ein guter Mensch. Völlig unschuldig. Ermordet, nur weil er Mazedonier war." Und: "Der Mann wurde von der mazedonischen Polizei umgebracht, um die Schuld uns Albanern in die Schuhe zu schieben." Oder: "Die Zigarettenschmuggler sind an allem schuld. Das sind alles Albaner." Und: "Die Polizei ist an allem schuld. Das sind alles Mazedonier." So mag es sich abgespielt haben, vielleicht auch anders, jedenfalls leert sich heute die Alte Brücke bei Sonnenuntergang, und nachts liegt sie verlassen im Dunkel.

    Natürlich steht hinter jeder Geschichte die Geschichte. 1981 kam es im Kosovo zu den ersten Unruhen. Übervater Tito war gerade gestorben, und die Albaner verlangten mehr Rechte. 1987 kam Slobodan Milocevic an die Macht und versprach seinen Kosovo-Serben, dass sie niemand mehr schlagen würde. Er hielt die Albaner unter der Knute, bis diese ihm dann 1999 von der Nato entrissen wurde. 1981, 1987, 1999 waren Jahre der Erschütterungen. Skopje nahm sie auf, wie ein Seismograf. Ein toter Mazedonier auf dem Markt war ein Signal, dass es auch hier so weit kommen würde wie dort im Kosovo. Die Menschen zogen ihre Konsequenzen. Sie begannen, sich ängstlich umzudrehen in ihrer eigenen Stadt.

    Beide Seiten haben Angst um ihre Existenz

    Hinter der Geschichte und ihren Ereignissen steckt noch mehr: Es ist die Selbstwahrnehmung der beiden Völker. 1994, als der Mazedonier umkam, war die Republik Mazedonien gerade mal drei Jahre unabhängig, klein und unsicher. Die Mazedonier mochten gar nicht so recht glauben, dass sie dem Schlachten, das auf dem Balkan 1991 begann, ungeschoren entkommen waren. 1,2 Millionen slawische Mazedonier starteten nur zögernd in ihre Zukunft. Dass sie ungewiss war, konnte man an den Reaktionen der Nachbarn auf die Geburt der Republik erkennen. Die Bulgaren sagten, ja, einen Staat mögen die Mazedonier haben, den akzeptieren wir, aber eigentlich sind sie Bulgaren, eine mazedonische Nation gibt es nicht. Die Griechen sagten, ja, die Mazedonier akzeptieren wir als Nation, aber der Staat darf sich nicht Mazedonien nennen, weil wir das als Angriff auf die Integrität unserer Grenzen empfinden. Die Mazedonier hatten allen Grund, sich unsicher zu fühlen.

    Im Inneren des Staates regten sich die Albaner. Ihr Protest gegen Diskriminierung hat eine lange Geschichte. Er begann 1968, erreichte 1974 einen Höhepunkt, 1981 einen weiteren, und im Lauf der neunziger Jahre gab es Demonstrationen in immer kürzeren Abständen. Zuerst ging es um mehr Bildungschancen, dann um mehr Mitspracherechte, schließlich wurde im Westen Mazedoniens die albanische Flagge gehisst, und heute kommt der Protest aus den Mündungen von Kalaschnikows. Die slawischen Mazedonier empfanden dies als einen über Jahrzehnte geplanten Versuch, den albanischen Teil des Landes abzuspalten. Ob das stimmt oder nicht, lässt sich natürlich nicht feststellen. Sicher ist nur der Mechanismus. Wie aus dem Esel ein weißes Pferd wird, aus der Handgranate ein Ericsson Modell 388, so wird aus dem Protest nach mehr Bildungschancen der Wunsch nach Trennung und der Gründung eines großalbanischen Staates. Vielleicht ist es aber auch umgekehrt, je nachdem. Es liegt in der Natur von Verwandlungen, dass sie kein Ende finden. Gemeinsam ist beiden Seiten nur die Furcht, die Angst zu verschwinden, aufgesogen von den missliebigen Nachbarstaaten, assimiliert von Slawen, einfach von der Bildfläche gelöscht zu werden. Es geht beiden immer und sofort um ihre Existenz.

    Weil es so viele Geschichten gibt aus dem kleinen Mazedonien, soll noch eine erzählt werden. In Skopje befinden sich die Passämter der Republik Mazedonien. Seit Ausbruch der Krise stehen hier tagtäglich Hunderte Menschen, sie wollen weg, nach Europa, in die USA, irgendwohin. Die meisten sind Albaner. Eine von ihnen ist die 22-jährige Miradija Latife. Sie möchte in die USA. Drei Tage schon kommt sie her, ohne je zu den Beamten vorgedrungen zu sein. Sollte es ihr gelingen, wird es wahrscheinlich keine schöne Begegnung. Freunde, die ihren Pass erhalten haben, erzählten ihr, dass ihnen bei der Übergabe des Dokuments gesagt wurde: Albaner gehören auf den Friedhof. Ob das stimmt, lässt sich freilich nicht überprüfen. Während Miradija also auf das Visum für den Friedhof wartet, laufen plötzlich junge Mädchen an den Hunderten Wartenden vorbei. Sie tragen kurze Röcke, Schulranzen auf dem Rücken, ihr Haar flattert in der Frühlingsluft. Sie lachen, während sie schnell laufen, lachen und werfen sich Worte zu.

    Warum laufen die Mädchen, und warum lachen sie, Miradija? Sie sind froh, dass wir das Land verlassen. Jetzt können sie unsere Stelle einnehmen. Mazedonien gehört allein ihnen. Darum lachen sie! Warum weißt du das so genau, Miradija? Ich weiß es. Das ist die Wahrheit!

    Und nun können Sie wieder den Fernseher einschalten. Sie werden Joschka Fischer, George Robertson, Javier Solana und sonst wen aus der ersten Reihe der europäischen Politik sehen. Und sie werden ungefähr Folgendes sagen: Wir rufen beide Parteien zum Dialog auf!

  2. #2

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    irgendwann in 10-20jahren ist fyrom überwiegend albanisch, dann gibts einen anschluss zu kosova
    jetzt sind schon 27 Komunen in Fyrom überwiegend albanisch, bis 2007 kommen noch andere dazu, z.B. Kercove

  3. #3

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    stimmt träumen ist erlaubt

  4. #4

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    Zitat Zitat von Dobojlija
    stimmt träumen ist erlaubt
    träumen,?.
    fahr mal nach fyrom, Shkup (skopje), zu den behörden, wie dort alles geschrieben wird,
    und ausserdem ist shkup die größte albanische stadt, in keiner anderen stadt gibt es so viele albaner

  5. #5

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    West-MK schliesst sich AL an, Ost-MK an BG, Nord-MK an SCG und vielleicht bekommen die Griechen auch noch etwas!

    Es passt sich nun mal nicht zusammen!


    Und außerdem die Albaner werden von den Amerikaner stark unterstützt!

    Udn Bulgarien ist zukünftiher Eu-Mitgleid.

    Und Makedonien steht mit nix da!

  6. #6
    Avatar von pravoslavac

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    Zitat Zitat von drenicaku
    Zitat Zitat von Dobojlija
    stimmt träumen ist erlaubt
    träumen,?.
    fahr mal nach fyrom, Shkup (skopje), zu den behörden, wie dort alles geschrieben wird,
    und ausserdem ist shkup die größte albanische stadt, in keiner anderen stadt gibt es so viele albaner
    ich würde das machen, was TITO mit euch in den 80ern gemacht hat:

    einen nach den anderen killen, aber heimlich so wie es TITO gemacht hat!
    der mann hatte eine ahnung was man mit so einem dreckspack machen muss!

  7. #7

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    Wie wärs knall dich doch selber ab , wie mansch ein Makedone der sich jetzt frustiert fühlt das sein Land untergeht.

  8. #8

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    Zitat Zitat von ajibrs
    Zitat Zitat von drenicaku
    Zitat Zitat von Dobojlija
    stimmt träumen ist erlaubt
    träumen,?.
    fahr mal nach fyrom, Shkup (skopje), zu den behörden, wie dort alles geschrieben wird,
    und ausserdem ist shkup die größte albanische stadt, in keiner anderen stadt gibt es so viele albaner
    ich würde das machen, was TITO mit euch in den 80ern gemacht hat:

    einen nach den anderen killen, aber heimlich so wie es TITO gemacht hat!
    der mann hatte eine ahnung was man mit so einem dreckspack machen muss!
    wir müssen uns nicht mehr bekriegen, wir albaner geben euch minderheiten rechte, ihr dürft lesen lernen, schreiben, aber nur albanisch und das nur in lat. schrift
    ihr könnt auch einen kosovarischen pass bekommen, wenn die voraussetzungen erfüllt sind,... na ja, ausnahmen gibts immer!

  9. #9

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    na ja, ausnahmen gibts immer!


    Oder auswandern!

  10. #10

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    Zitat Zitat von Albanesi
    na ja, ausnahmen gibts immer!
    Oder auswandern!
    wer würd die den akzeptieren?, ausser russland, ukraine, mongolei,?

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