Marovic, Mesic und Paravac für volle Zusammenarbeit mit UNO-Tribunal
Gemeinsame Erklärung der Präsidenten: Von Zusammenarbeit in "Dayton-Dreieck" praktisch alle Lebensbereiche erfasst

Belgrad - Die Präsidenten von Serbien-Montenegro, Kroatien und Bosnien-Herzegowina, Svetozar Marovic, Stjepan Mesic und Borislav Paravac, haben am heutigen Montag auf die Notwendigkeit der Zusammenarbeit mit dem Haager UNO-Kriegsverbrechertribunal für Ex-Jugoslawien hingewiesen. In einer gemeinsamen Erklärung der drei Staatschefs in Belgrad wurde es als unverzichtbar bezeichnet, eine dauerhafte Rückkehr aller Vertriebenen zu ermöglichen, die Minderheitengruppen in allen drei Staaten zu schützen und eine dauernde Aufhebung des Visumzwangs zu gewährleisten.


Veraantwortung übernehmen

"Die vollständige und vorbehaltlose Zusammenarbeit mit dem Haager Tribunal nicht nur im Falle der Angeklagten, die sich selbst dem Gerichtshof stellen, sondern auch jener, die sich durch Flucht der Justiz entziehen wollen, ist eine nicht zu umgehende Stufe zur gänzlichen Aufhebung der Theorie über die kollektive Schuld und Verantwortung und eine Voraussetzung für die Individualisierung der Verantwortung für die in den Kriegen der jüngsten Vergangenheit verübten Verbrechen", steht in der gemeinsamen Erklärung.


"Dayton-Dreieck"

Marovic, Mesic und Paravac sind der Ansicht, dass derzeit von der wechselseitigen Zusammenarbeit praktisch alle Lebensbereiche im "Dayton-Dreieck", das heißt in ihren Staaten, die 1995 das Dayton-Befriedungsabkommen unterzeichneten, erfasst worden seien. Zwecks weiterer Normalisierung der Zusammenarbeit haben sie auch auf die Notwendigkeit hingewiesen, ein objektives Verhalten zur Vergangenheit, sowohl der jüngsten als auch der Zeit des Zweiten Weltkrieges, einzunehmen. "Dies ist eine der wichtigsten Voraussetzungen dafür, dass unsere Staaten aufhören, Geiseln der Vergangenheit zu sein, und dass sie sich, befreit von historischen Beweggründen und revisionistischen Bestrebungen, der Zukunft zuwenden".


"Geduld und guter Willen"

Auch gelte es, alle geistigen, kulturellen, historischen, wirtschaftlichen und sonstigen Hindernisse, welche eine erfolgreiche Normalisierung der wechselseitigen Beziehungen erschweren könnten, durch "Geduld und guten Willen aller drei Seiten sowie mit Hilfe der Staatengemeinschaft" zu beseitigen, stellten Marovic, Mesic und Paravac fest. Die gemeinsame Erklärung wurde bei dem Treffen der "Initiative von Igman", einer Bewegung von rund 140 nichtstaatlichen Organisationen aus drei Staaten, unterzeichnet. Die Bewegung war vor zehn Jahren noch während des Krieges in Sarajevo entstanden.

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