SARAJEVO (fvo) Eine Abordnung aus Friedrichshafen weilt derzeit in der Häfler Partnerstadt Sarajevo. Friederike Voß von der Pressestelle der Stadt beobachtet die Delegation. Und berichtet unter anderem über den Besuch der Häfler bei einem Minenräumteam.

Die Sonne scheint. Die Schneereste schmilzen allmählich. Es war ein langer, ein kalter Winter auch in Sarajevo. Ein Winter, der die Arbeit der Minenräumteams von Norwegian People's Aid (NPA) verzögert hat. Doch nächste Woche, sagt Resad Junuzagic, Operation Manager bei der so genannten "Nichtregierungsorganisation (NGO)" NPA, machen er und seine 124 Mitarbeiter sich wieder an die Arbeit.

Mit Andreas Stohlmann und Rudolf Siebert, zwei Lehrern der Waldorfschule Schwäbisch Hall, fahren er und Damir Atikovic von ihrem Quartier im Vorort Rajlovac nur fünf Minuten lang einen mit Wohnhäusern besiedelten Hügel hinauf. Sie wollen den Deutschen das rund 32 500 Quadratmeter große Gelände zeigen, das auch mit Geld aus Schwäbisch Hall und vom Friedrichshafener Verein Pro Sarajevo von Minen geräumt werden soll.

Rund 670 000 Minen und 650 000 Blindgänger sollen nach offiziellen Schätzungen in Bosnien-Herzegowina ausgelegt worden sein. Damir schätzt, dass in und um Sarajevo zwischen 50 und 60 Prozent der Minen inzwischen beseitigt worden sind. Doch immer noch sterben im Durchschnitt 4,5 Menschen pro Monat oder werden von Minen schwer verletzt. Seit dem Ende des Krieges 1996 bis Ende 2004 zählt die Statistik 1520 Opfer, darunter 427 Tote. Für Rudolf Siebert und Andreas Stohlmann ist dieses das dritte Minenräumprogramm in drei Jahren, das sie mit ihrem seit 14 Jahren bestehenden Kinder- und Jugendzirkus "Compostelli" unterstützen.

11 000 Euro haben die Pädagogen dieses Mal, 2500 Euro davon von Pro Sarajevo. Mit Friedrichshafen hatten die beiden Kontakt aufgenommen, als sie erfuhren, dass die Stadt partnerschaftliche Verbindungen nach Sarajevo hat. Vor zwei Jahren war der Zirkus zu Gast am See und soll noch dieses Jahr mit einer Ausstellung über das Mine-Ex-Programm wiederkommen.

Von Minen bedroht

An diesem strahlenden Tag suchen die Haller Pädagogen Kontakt zu der norwegischen Hilfsorganisation, die auch in Angola, im Irak oder Mozambik aktiv ist. Damir zeigt auf die weite Fläche hier oben über dem Dorf Zabrdje bei Novi Grad im Nordosten Sarajevos: "Das Land würden die Leute gern nutzen, aber wenn hier nur eine Mine liegt, dann ist es unbrauchbar." Heute leben hier 1400 Menschen in 300 wieder aufgebauten Häusern. Die Menschen hier leben nicht mehr in dem Bewusstsein, von Minen bedroht zu sein. "Wissen Sie, die Toleranz gegenüber der Gefahr ist hier anders als bei Ihnen", sagt Damir lapidar. Einen Toten und einen Schwerverletzten beklagen die Nachbarn in Zabrdje. Obwohl die Kinder in den Schulen intensiv aufgeklärt werden, ist es so schwer, sie in ihrem Bewegungsdrang einzuschränken. Für 11 000 Euro, rechnet Meliha Hadziosmonovic, Finanzmanagerin von NPA, vor, kann ein Räumteam mit acht Leuten zwei Monate lang arbeiten. Rund 7000 bis 10 000 Quadratmeter schaffen die Leute in dieser Zeit, maschinell, aber wegen des unwegsamen Geländes auch in "Handarbeit". Die Leute von NPA haben in 2004 rund 1, 5 Millionen Quadratmeter in Bosnien-Herzegowina säubern können, sagt Resad, der wie fast alle dort einst beim Militär war. Die ehemaligen Soldaten haben eine Vorstellung davon, was Minen anrichten, wo sie vergraben sein könnten.




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