Bosnischer Serben-Premier: Auch Karadzic und Mladic könnten sich freiwillig dem UNO-Tribunal stellen

Belgrad - Milan Gvero (68), der einstige Stellvertreter des bosnisch-serbischen Militärkommandanten Ratko Mladic (1992-95), ist am Donnerstag in Begleitung des serbischen Ministers für Kommunalverwaltung, Zoran Loncar, aus Belgrad nach Den Haag abgereist, um sich dem UNO-Kriegsverbrechertribunal zu stellen. Der ehemalige Militärsprecher der ex-jugoslawischen Streitkräfte, der seit 1996 in Belgrad lebt, hatte sich am Montag bereit erklärt, sich dem UNO-Tribunal freiwillig zu stellen.


Die Haager Anklageschrift, in welcher Gvero der Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsrecht auf dem Gebiet der einstigen Bosniaken-Enklaven Srebrenica und Zepa angeklagt wird, ist in Den Haag erst heute entsiegelt worden. Belgrader Medien berichten über starke Sicherheitsmaßnahmen auf dem Flughafen Surcin vor der Abreise von Gvero. So wurde auch die Startpiste von der antiterroristischen Spezial-Polizeieinheit SAJ bewacht. Die serbische Regierung hatte schon am Montag "alle notwendigen Sicherheitsgarantien" für den bosnisch-serbischen General in Aussicht gestellt, die seine Freilassung bis zum Prozessbeginn ermöglichen sollen.

Auch Karadzic und Mladic könnten sich freiwillig dem UNO-Tribunal stellen

Der ehemalige politische Führer der bosnischen Serben, Radovan Karadzic, und sein Armeechef Ratko Mladic, könnten sich freiwillig dem UNO-Kriegsverbrechtertribunal in Den Haag stellen. Das sagte der Regierungschef der bosnischen Serben, Pero Bukejlovic, der Belgrader Nachrichtenagentur Tanjug am Donnerstag. Nachdem sich einige ihrer engster Mitarbeiter freiwillig auf den Weg zum UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag gemacht hätten, würden sich auch Karadzic und Mladic "sicher" einen solchen Schritt überlegen. Sollten sie sich stellen, könnte sich Bosnien der Entwicklung und Lösung der sozialen Probleme zuwenden, sagte Bukejlovic.

Die Behörden der Serbenrepublik haben bekannt gegeben, dass sie im Kontakt mit der Karadzic-Familie versuchen, ihn zur Aufgabe zu bringen. Seine Frau Ljiljana Zelen-Karadzic hat unlängst erklärt, ihr Mann werde sich nicht stellen. Die beiden sind seit neun Jahren auf der Flucht. (APA)

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