Mladic-Stellvertreter Gvero plädiert vor UNO-Tribunal auf unschuldig
Mitangeklagter General Miletic wollte sich zur Anklage nicht äußern - Milosevic: Vorwürfe wegen Vertreibung von Kosovo-Albanern "Lüge"

General Milan Gvero, einst Stellvertreter des früheren bosnisch-serbischen Militärführers, Ratko Mladic, hat vor dem UNO-Tribunal in Den Haag auf unschuldig plädiert.Link
Das UNO-Tribunal im Netz


Belgrad/Den Haag - Der einstige Stellvertreter des früheren bosnisch-serbischen Militärführers, Ratko Mladic, der pensionierte General Milan Gvero, hat vor dem UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag heute Mittwoch auf unschuldig plädiert. Gvero, dem die Haager Anklage in vier Punkten Ermordungen und Vertreibungen auf religiöser, ethnischer und politischer Grundlage auf dem Gebiet der ehemaligen Bosniaken-Enklaven Srebrenica und Zepa im Sommer 1995 vorwirft, hatte sich vorige Woche dem UNO-Tribunal gestellt.

Der mitangeklagte General Radivoje Miletic wollte sich heute zur Anklage nicht äußern, da er sie nicht verstehe, meldeten Belgrader Medien. Dieselbe Anklage bezieht sich auf einen weiteren einstigen Stellvertreter von Mladic, den General Zdravko Tolimir. Belgrader Medien stellten am Mittwoch seine baldige Auslieferung an das Tribunal in Aussicht.

Milosevic: Vorwürfe wegen Vertreibung von Kosovo-Albanern "Lüge"

Der ehemalige jugoslawische Staatschef Slobodan Milosevic hat die Anklage des UNO-Kriegsverbrechertribunals in Den Haag, die ihm schwere Verstöße gegen die Menschlichkeit im Kosovo anlastet, als einen "Haufen Lügen" bezeichnet. Eine Lüge sei auch jener Teil der Anklage, der von massiver Vertreibung von Kosovo-Albanern durch die serbischen Sicherheitskräfte im Frühjahr 1999 spricht, meinte Milosevic. Diese Geschichte sei von der früheren US-Außenministerin Madeleine Albright aufgeworfen worden, erklärte er im Lauf der Verhandlung vor dem UNO-Kriegsverbrechertribunal am heutigen Mittwoch.

"Werden brutale Taten und massive Vertreibungen vorgenommen, so müssten die Spuren dieser Taten gut sichtbar sein. (...) Nichts davon war passiert und diese Geschichte kann nicht ankommen, da sie eine Lüge ist", sagte Milosevic, der heute einen weiteren Zeugen seiner Verteidigung, einen Mitarbeiter des mazedonischen Notdienstes in Skopje, anhörte. Mirko Babic war als Mitarbeiter des Notdienstes in Skopje im Frühjahr 1999 an der mazedonischen Staatsgrenze zum Kosovo bei der Aufnahme von albanischen Flüchtlingen engagiert.

Laut der Tribunalsanklage wurden im Frühjahr 1999 mehrere Hunderttausend Kosovo-Albaner aus der Provinz vertrieben. Milosevic führt dies auf die NATO-Bombardements zurück. Der Ex-Präsident hat sich vor dem Haager Tribunal auch wegen der Kriegsverbrechen in Kroatien sowie des Völkermordes in Bosnien-Herzegowina zu verteidigen. (APA)

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