Mysteriöse Todesanzeige für KSK-Soldaten

Acht deutsche Elite-Soldaten sterben im Kosovo und die Öffentlichkeit soll nichts davon erfahren? Eine Traueranzeige in einer Regionalzeitung sorgte in dieser Woche für Aufregung im Umfeld der Bundeswehr. Das Verteidigungsministerium spricht von einem "üblen Scherz".


Von Philipp Wittrock

Hamburg - Es sollte der letzte Gruß an die Gefallenen sein: "Wir werden uns wieder sehn, dort wo die tapferen Männer wohnen." In einer Traueranzeige beklagten "Oberstabsfeldwebel Uwe B." und "Hauptfeldwebel Mark W." den Verlust von acht angeblich getöteten Kameraden - Mitglieder der Eliteeinheit Kommando Spezialkräfte" (KSK).

Die Anzeige erschien in der "Neuen Osnabrücker Zeitung", einen Tag vor der Regierungsentscheidung über eine weitere Beteiligung der Bundeswehr am US-geführten Anti-Terror-Einsatz "Enduring Freedom", bei dem auch bis zu hundert Kommando-Soldaten zum Einsatz kommen. Unter dem Barett-Emblem der KSK waren die acht Namen der angeblich Gefallenen aufgelistet, jeweils mit Vornamen und Initial des Nachnamens. Die Anzeige sorgte für erhebliche Verwirrung und Unruhe. Waren tatsächlich deutsche Elite-Soldaten der Bundeswehr, mit hochsensiblen Kommando-Aktionen betraut, ums Leben gekommen?

Das KSK umfasst zurzeit insgesamt etwa 1000 Soldaten, deren Identität angesichts der hochsensiblen Militäroperationen streng geheim gehalten wird. Die Spezialeinheit gehört zu den Krisenreaktionskräften der Division Spezielle Operationen. Sie wurde 1997 ins Leben gerufen und ist in der Graf-Zeppelin-Kaserne in Calw im Schwarzwald beheimatet. Nach Definition der Bundeswehr ist sie ein "Truppenteil des Heeres für die Durchführung militärischer Operationen im Rahmen der Krisenvorbeugung und -bewältigung sowie im Rahmen der Landes- und Bündnisverteidigung". Als erster Einsatz des KSK galt die Festnahme des als Kriegsverbrecher gesuchten bosnischen Serben Milorad Krnojelac im Juni 1998 gemeinsam mit französischen Sfor-Einheiten.

Ungereimtheiten in den Angaben des Auftraggebers

Einen Tag nach Erscheinen der Anzeige berichtete die "Neue Osnabrücker Zeitung" über ein Gespräch mit einem der Inserenten. Dessen Angaben zufolge seien die Geehrten "vor sechs Wochen" im Kosovo gefallen, vier bei einem Selbstmordanschlag auf ein Lager der Bundeswehr in Pristina, weitere vier "drei Tage später" im Kampf bei einem Zugriff auf eine dem Qaida-Netzwerk nahe stehende Terror-Zelle. Der Auftraggeber habe gegenüber der Redaktion angegeben, selbst Kommando-Soldat zu sein.

In den Angaben des Mannes wurden jedoch Ungereimtheiten offenbar. So unterhält die Bundeswehr ein Lager in Prizren, nicht aber in Pristina, wo wiederum die Kfor-Friedenstruppe ihr Hauptquartier hat. Über einen Anschlag auf die Bundeswehr ist nichts bekannt. Der vom Inserenten gegenüber der Zeitung genannte Gefechtsort existiert nach Angaben der Redaktion im Kosovo nicht. Das Bundesverteidigungsministerium ließ umgehend erklären, es habe keine Informationen über den Tod von KSK-Soldaten.

Gerüchte über den Tod von Mitgliedern der Spezialeinheit hatte es in der Vergangenheit immer wieder gegeben. Im Sommer berichtete eine Zeitung unter Berufung auf Angaben von Wissenschaftlern und Publizisten auf einer Internet-Seite über den angeblichen Tod von zwölf Elite-Soldaten in Afghanistan. Die Berichte wurden dementiert. Offiziellen Angaben zufolge starben in Afghanistan zuletzt im Juni dieses Jahres zwei Soldaten der Bundeswehr bei einem Unfall mit Munition nordöstlich von Kunduz.

"Anzeige ist fingiert"

Im Fall der jetzt geschalteten Anzeige geht das Verteidigungsministerium nach einer Prüfung sicher davon aus, dass es sich um einen "mehr als üblen Scherz" handelt. Ein Sprecher erklärte gegenüber SPIEGEL ONLINE, die Anzeige sei "fingiert" und nicht von der Division Spezielle Operationen oder dem KSK in Auftrag gegeben. Weder die abgekürzten Namen der angeblichen Opfer noch die der Unterzeichner seien in der Einheit bekannt. Ob Kommando-Soldaten überhaupt noch im ehemaligen Jugoslawien zum Einsatz kommen, wollte der Sprecher mit Verweis auf die Geheimhaltung der Operationen nicht kommentieren.

Es bleibe bei der von Verteidigungsminister Peter Struck vertretenen Linie, dass Todesfälle von Bundeswehr-Soldaten "aktiv kommuniziert" würden. Dies gelte auch für geheime Einsätze des KSK. "Bei der Anzeige handelt es sich nicht nur um einen eklatanten Verstoß gegen die guten Sitten, sie ist auch unzumutbar gegenüber den derzeit im Einsatz befindlichen Soldaten und deren Angehörigen", hieß es aus dem Verteidigungsministerium weiter.

Der Sprecher wies auch auf die Sorgfaltspflicht der Zeitung hin, die die sensible Anzeige offenbar "ohne intensive Prüfung" geschaltet habe. Sebastian Kmoch, Leiter der Anzeigenabteilung der "Neuen Osnabrücker Zeitung", erklärte, die "ohnehin schon restriktiven Kontrollmechanismen im besonders sensiblen Bereich der Traueranzeigen" würden noch einmal überprüft.

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