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Nachrichten aus Griechenland

Erstellt von Dikefalos, 07.02.2012, 21:50 Uhr · 20.921 Antworten · 1.265.101 Aufrufe

  1. #14251
    Avatar von Poliorketes

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    +++ Griechenland-Krise +++: Frankreichs Premier Valls geht auf Konfrontationskurs mit Merkel - +++ Griechenland-Krise +++ - FOCUS Online - Nachrichten
    Frankreichs Premier Valls geht auf Konfrontationskurs mit Merkel
    Frankreichs Premier: Umschuldung für Griechenland darf "kein Tabuthema" sein

    08.50 Uhr: Eine Umschuldung für Griechenland darf nach Ansicht von Frankreichs Premierminister Manuel Valls "kein Tabuthema" sein. Europa dürfe einen Austritt des Landes aus der Währungsunion nicht riskieren - aus wirtschaftlichen Gründen, vor allem aber aus politischen Gründen, sagte Valls am Dienstagmorgen dem Rundfunksender RTL

  2. #14252
    Avatar von papodidi

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    Zitat Zitat von babyblue Beitrag anzeigen
    ..

    Ich halte mich da viel mehr daran, was passiert ist, nämlich auch bei uns. In keinster Weise wird in irgendeiner adäquaten Form in der Öffentlichkeit darüber diskutiert. Statt dessen wird gelogen, dass sich die Balken biegen. Diese Propaganda der deutschen und sonstigen europäischen Eliten war so erfolgreich, dass man nunmehr die Öffentlichkeit längst so weit hat: Wenn dann vllt am Do, Fr kein Geld mehr aus den Bankautomaten kommt, dann wird man hier darüber auch noch lachen: "Sie sind ja selber schuld" - so wie damals bei Zypern. Ich frage dich, wer ist hier unzivilisiert bzw. geradezu barbarisch?
    ...
    Da bist Du nach meiner Meinung zu pessimistisch, denn auch hier (D, A, CH) gibt es viele Medien, die über diese Krise objektiv berichten, BLÖD ist nicht der alleinige Maßstab. Und, wie ich bereits geschrieben habe, in unseren öffentlich-rechtlichen TV-Sendern sind immer auch Griechen oder deren Unterstützer zu Wort gekommen.
    Das hier dürfte ein gutes Beispiel sein:

    Offener Brief von Ökonomen an Angela Merkel

    "Jetzt ist der Zeitpunkt, die gescheiterte Sparpolitik zu überdenken"


    13:38 UhrVon Heiner Flassbeck, Thomas Piketty, Jeffrey D. Sachs, Dani Rodrik, Simon Wren-Lewis

    Frau Bundeskanzlerin, wir bitten Sie, die lebenswichtige Führungsrolle für Griechenland, Deutschland und die Welt zu übernehmen. Ein Offener Brief bekannter Ökonomen.

    Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin Merkel,

    das endlose Spardiktat, das Europa den Menschen in Griechenland aufgezwungen hat, funktioniert einfach nicht. Jetzt hat Griechenland lautstark "Nein" gesagt.
    Wie von den meisten vorhergesagt, haben Europas finanzielle Forderungen die griechische Wirtschaft zu Fall gebracht, Massenarbeitslosigkeit und den Zusammenbruch des Bankensystems verursacht und die externe Schuldenkrise deutlich verschärft. Die Schulden sind auf unbezahlbare 175 Prozent des Bruttoinlandsprodukts angestiegen. Die Wirtschaft liegt nun am Boden, Steuereinkommen sinken im Sturzflug, Leistungs- und Beschäftigungszahlen sind niedrig und und Unternehmen mangelt es an Kapital.

    Auswirkungen wie seit der Weltwirtschaftskrise 1929 nicht mehr

    Die humanitären Auswirkungen sind kolossal: 40 Prozent der Kinder leben nun in Armut, die Säuglingssterblichkeit ist in die Höhe geschossen und die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei fast 50 Prozent. Korruption, Steuerflucht und falsche Buchführung der Vorgängerregierungen in Griechenland haben zu diesem Schuldenproblem beigetragen. Doch die Griechen haben Ihre Sparpolitik befolgt - sie haben Gehälter, Regierungsausgaben und Renten gekürzt, privatisiert, dereguliert und die Steuern erhöht. Die Serie der sogenannten "Anpassungsprogramme", denen sich Griechenland und andere unterziehen mussten, hat Auswirkungen, die man seit der Weltwirtschaftskrise 1929 bis 1933 in Europa nicht mehr gesehen hat. Die Medizin, die in Berlin und Brüssel zusammengebraut wird, ist schlimmer als die Krankheit selbst. Sie schadet sogar denjenigen, die zu Beginn der Krise noch nicht einmal geboren waren.

    Gemeinsam fordern wir Sie, Frau Bundeskanzlerin Merkel, und die Troika dazu auf, ihren Kurs zu korrigieren, um weitere Schäden zu vermeiden. Momentan wird die griechische Regierung dazu gedrängt, sich einen Revolver an die Schläfe zu halten und abzudrücken. Doch mit der Kugel wird nicht nur Griechenlands Zukunft in Europa getötet. Die Kollateralschäden werden auch die Eurozone als Leuchtturm von Hoffnung, Demokratie und Wohlstand zerstören. Die Folgen werden auf der ganzen Welt zu spüren sein.

    Wir zählen auf Sie


    In den fünfziger Jahren wurde Europa gegründet und das Fundament ruhte darauf, Schulden zu streichen – vor allem die deutschen Schulden. Das war ein großer Beitrag zum Wirtschaftswunder und dem Frieden der Nachkriegszeit. Heute müssen wir die griechischen Schulden restrukturieren und senken, die Wirtschaft dort braucht Raum zum Atmen, um sich zu erholen. Wir müssen Griechenland erlauben, seine reduzierten Schulden über einen langen Zeitraum zurückzuzahlen. Der richtige Zeitpunkt, die gescheiterte Sparpolitik zu überdenken, ist jetzt. Dabei müssen die griechischen Schulden zum Teil erlassen werden und gleichzeitig die dringend benötigten Reformen in Griechenland beschlossen werden.

    Frau Bundeskanzlerin, unsere Botschaft an Sie ist klar: Wir bitten Sie, die lebenswichtige Führungsrolle für Griechenland, Deutschland und die Welt zu übernehmen. Ihre Taten in dieser Woche werden in die Geschichtsbücher eingehen. Wir zählen auf Sie für mutige und großzügige Schritte auf Griechenland zu - Sie werden Europa auf Generationen dienen

    Hochachtungsvoll,

    Heiner Flassbeck, ehemaliger Staatsekretär im Bundesfinanzministerium und Chefvolkswirt der Welthandels- und Entwicklungskonferenz Unctad
    Thomas Piketty, Professor für Wirtschaft an der Paris School of Economics
    Jeffrey D. Sachs, Professor für Nachhaltige Entwicklung, Professor für Gesundheitspolitik und Management und Direktor des Earth-Institute an der Columbia University, New York
    Dani Rodrik, Ford-Stiftungs-Professor für Internationale Politische Ökonomie an der Kennedy School, Harvard
    Simon Wren-Lewis, Professor für Wirtschaftspolitik, Blavatnik School of Government, Oxford University

    http://www.tagesspiegel.de/politik/o.../12021886.html

    Sie wird es zur Kenntnis nehmen müssen...

  3. #14253
    Avatar von Nikos

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    Ich hoffe die EU knickt nicht ein. Sonst kriegen die Kinderreien Tsipras' noch Auftrieb und das Land wird für Jahrzehnte an die Linken gehen.

  4. #14254
    JazzMaTazz
    Sehr guter Artikel !

    Rette sich, wer kann: Europa taumelt dem Abgrund entgegen | DEUTSCHE WIRTSCHAFTS NACHRICHTEN

    Rette sich, wer kann: Europa taumelt dem Abgrund entgegen

    Deutsche Wirtschafts Nachrichten | Veröffentlicht: 07.07.15 12:26 Uhr | 23 Kommentare
    Angela Merkel und die Euro-Retter stehen wie paralysiert vor dem Scherbenhaufen ihrer Politik. Doch statt Fehler zu korrigieren und sich dem Crash entschlossen entgegenzustellen, werden neue Märchen aufgetischt, die Tatsachen verdreht, die Geschichte umgeschrieben. Die Politik in Europa ist im Panik-Modus. Völlig irrational sehnt sie sich nach dem „Ende mit Schrecken“. Sie verkennt, dass der wirkliche Schrecken noch gar nicht begonnen hat.


    Bei seiner Pressekonferenz sagte EU-Vizepräsident Valdis Dombrovskis einen Satz, über den jeder stolpern musste, der die Euro-Krise seit einigen Jahren genau beobachtet: Griechenland sei auf einem guten Weg gewesen, bis plötzlich mit dem Erfolg der Syriza-Regierung alle Indikatoren nach unten gezeigt hätten. Damit sei die sich abzeichnende Trend-Umkehr in Griechenland gestoppt worden. Die Tsipras-Regierung habe den Pfad der Tugend verlassen und die Euro-Zone ins Unglück gestürzt.

    Die Aussage deckt sich mit dem, was die anderen Euro-Retter und die vielen Troika-Fans in den vergangenen Wochen von sich gegeben haben: Die Syriza hätte keine der „Reformen“ umgesetzt. Vor allem habe die neue griechische Regierung die Steuereintreibung nicht forciert und somit seien dem Staat wertvolle Einnahmen entgangen. So habe sich die Spirale immer schneller gedreht. Daher müsse nun die Strafe auf dem Fuß folgen: Der Grexit sei die einzige saubere Lösung.

    Das griechische Volk habe sich den Schaden selbst zuzuschreiben. Es habe den Fehler gemacht, mit der Syriza eine verantwortungslose und inkompetente Regierung gewählt zu haben. Endgültig in den Orkus gehören die Griechen seit dem unerhörten Referendum: Sie hätten, von der Syriza verführt, das großartige Hilfsangebot der Troika abgelehnt. Das sei ihr demokratisches Recht. Nun aber müssten die Griechen die Folgen tragen. Natürlich werde die EU „humanitäre Hilfe“ leisten. Schließlich lebt man ja in einer Wertegemeinschaft.
    Mit der Notwendigkeit der „humanitären Hilfe“ räumen die Euro-Retter zumindest ein, dass die kommenden Monate Griechenland in eine humanitäre Katastrophe stürzen werden.

    Doch die Ursachen für diese Katastrophe liegen nicht, wie von den Euro-Rettern behauptet, allein und ausschließlich bei der griechischen Regierung. Sie liegen zu einem signifikanten Teil bei den Euro-Rettern und insbesondere bei Angela Merkels konservativen Parteifreuden in Griechenland, bei den griechischen Sozialdemokraten und der Troika. Dass in einer Rettungs-Aktion Fehler gemacht werden, ist kaum zu vermeiden. Dass jedoch Fehler instrumentalisiert werden, um ein Lügengebäude von historischer Dimension aufzubauen, diskreditiert die EU als politisch legitimes Gebilde.

    Die Schutzbehauptungen und Schuldzuweisungen der Euro-Retter sind leicht als das zu entlarven, was sie sind: Aus Unwahrheiten gestrickte Propaganda, um das eigene Versagen zu kaschieren.

    Die Dombrovskis-Behauptung über das von der Syriza verhinderte „Comeback“ der griechischen Wirtschaft lässt sich am leichtesten an einer Grafik darstellen, die der Finanzblog Zerohedge veröffentlicht hat: Im April 2014 war von den Euro-Rettern und ihren leichtgläubigen Helfern in den Medien die „triumphale Rückkehr“ Griechenlands an die Kapitalmärkte gefeiert worden. Griechenland begab damals eine fünfjährige Anleihe. Die Grafik zeigt, dass der Triumph bereits im Oktober 2014 zu Ende war. Die Anleihe stürzte ab.

    Von einer Syriza-Regierung war im Oktober 2014 noch lange nichts zu sehen. An der Macht war Antonis Samaras, der Parteifreund von Angela Merkel.

    Der Abstieg Griechenlands begann lange vor der Amtszeit von Alexis Tsipras. (Grafik: Zerohedge)

    Merkels Parteifreund Samaras war es auch, der die Steuereintreibung verhinderte – und zwar in einer unglaublich brutalen Weise. DerTelegraph berichtete vom unglaublichen Schicksal des obersten griechischen Steuereintreibers, Harry Theoharis. Er war auf Drängen der Gläubiger eingesetzt worden – und warf schon Monate später das Handtuch. Ihm war zum Verhängnis geworden, dass er sich die griechischen Oligarchen vorknöpfen wollte. Er erhielt Drohbriefe und Drohanrufe. Man ließ seine Sekretärin wissen, dass es nur 5.000 Euro kosten würde, um Theoharis „die Beine zu brechen“, wenn er sich weiter an den führenden Seilschaften versuchen würde. Als er sich nicht beeindrucken ließ, schritt die Merkel-Partei Nea Dimokratia zu Werke und forderte ihn auf, einen „mehr populistischen Ansatz“ bei der Steuereintreibung zu praktizieren. Die Regierung von Samaras übte Druck auf ihn aus, er möge seine Finger von prominenten griechischen Steuerhinterziehern lassen. Wenig später gab Theoharis auf. Er ist heute bei der To-Potami-Partei und bescheinigt Alexis Tsipras das ehrliche Bemühen, dem korrupten System der griechischen Eliten ein Ende zu berieten. Theoharis bezweifelt, dass sich der linke Robin Hood durchsetzen werde: Der Betrug am Staat liege in der „DNA des Landes, zu der der Steuerbetrug gehört“.

    Die dritte Unwahrheit betrifft die angeblich so großzügigen, finalen Hilfsangebote durch die Troika. Clive Crook von Bloomberg schreibt in einer lesenswerten Analyse, dass ihm in seinen 30 Jahren als journalistischer Beobachtung niemals so viel an „selbstgefälliger, anhaltender und ruinöser Inkompetenz“ untergekommen sei wie im Verhalten der EU und der Troika im Umgang mit Griechenland. Er belegt, dass die Regierung Tsipras bereit gewesen sei, sich weitgehend dem Vorschlag der Troika zu unterwerfen und gegen ihre Überzeugung einem weiteren Austeritäts-Programm zugestimmt hätte. Wenn es zum Euro-Austritt Griechenlands komme, dann nicht, weil die griechische Regierung oder das griechische Volk dies wollten, sondern weil „die Europäische Union und ihre politisierte Zentralbank entschlossen sein, den Exit als eine Form der Bestrafung“ zu exekutieren.

    Den vermutlich schwersten Fehler hat die Europäische Zentralbank (EZB) zu verantworten. Sie hat nach Auffassung des Schweizer Finanz-Analysten Michael Bernegger mit dem Schuldenschnitt im Jahr 2012 die Katastrophe eingeleitet. Dieser sei technisch so angelegt gewesen, dass die griechischen Banken nicht sofort ausreichend kapitalisiert wurden. Statt wie die Amerikaner die Banken nach dem Schuldenschnitt sofort großzügig zu rekapitalisieren, habe man sich auf ein tödliches Modell „Liquidität für Reformen“ entschieden. Die Banken haben nur schrittweise frisches Kapital erhalten und manövrierten über lange Zeit mit negativem Eigenkapital. Die Folge:

    „Der von den Gläubigern auferlegte Schuldenschnitt und die Restrukturierung der Banken lösten eine kettenartige weitere Erosion des Eigenkapitals und der Kreditfähigkeit der Banken aus. Bei einer Jahre andauernden systemischen Kreditklemme nimmt die allgemeine Liquiditätskrise die Wirtschaft in einen eisernen Griff. Die Rechnungen können nicht mehr bezahlt werden. Wenn Kunden nicht mehr zahlen können, gehen die Lieferanten Bankrott, eine Kettenreaktion breitet sich über die ganze Wirtschaft aus. Viele Kreditnehmer wurden zunächst zahlungsunfähig und gingen nicht viel später bankrott. Damit nahm die Quote der nicht bedienten (engl. non performing loans) und faulen Kredite (engl. bad loans) abrupt zu. Beide wiederum mussten und müssen von den Banken mit massiv höheren Risikogewichten resp. Eigenmitteln unterlegt werden, so dass das risikofähige Kapital auch nach der Rekapitalisierung weiter erodierte. Es bildete sich ein Teufelskreis aus Kreditklemme, Liquiditätskrise, finanzpolitischer Austerität, weiter steigenden faulen Krediten, ungenügendem Eigenkapital usw.“

    Diese Maßnahme war gewählt worden, weil die Euro-Retter nicht sachlichen Argumenten, sondern einer ideologischen Agenda folgten: Deutsche Politiker sind bekannt dafür, dass sie immer wieder das Bild von den „Hausaufgaben“ verwenden. Dieses Bild setzt ein Lehrer-Schüler-Verhältnis voraus. Zu den antiquierten Erziehungsmethoden gehört der Rohrstock. Die Bestrafung als pädagogisches Modell für die Wirtschaft ist jedoch der größte Unsinn. Sie war das treibende Motiv bei der Euro-Rettung und führt dazu, dass Entscheidungen emotional, und nicht sachlich getroffen werden. In einer echten Krise führen emotionale Entscheidungen jedoch nicht zu einer Besserung der Lage, sondern direkt ins Verderben. In Griechenland erleben wir die größte systemische Banken-Krise seit den 1930er-Jahren, wie Bernegger sagt.

    Und das Spiel ist noch nicht zu Ende gespielt: Wäre die EZB eine wirklich unabhängige, nicht „politisierte“ Institution, würde sie in der aktuellen Griechenland-Krise die Banken mit großzügiger Liquidität stützen, um die soziale Katastrophe zu verhindern. Fühlte sich Mario Draghi wirklich berufen, den Euro zu retten („whatever it takes“), müsste er spätestens jetzt die politischen Einflüsterer ignorieren und sich die Ohren zustopfen wie weiland Odysseus.

    So aber werden die durch das Versagen der EZB ausgehöhlten griechischen Banken Schritt für Schritt weiter an den Abgrund gedrängt. Der Haircut bei den Sicherheiten, den die EZB am Montag verfügt hat, ist der erste Schritt zur Enteignung der Sparer: Beim Bail-In, der ohne Wenn und Aber kommen wird, werden die kleinen Sparer zahlen: Einlagen über 8.000 Euro werden vermutlich mit 30 Prozent rasiert – vermutlich wird es mehr werden; wenn die Euro-Retter ihr Zerstörungswerk fortsetzen, werden die griechischen Sparer alles verlieren.

    Im selben Atemzug könnten die europäischen Steuerzahler 340 Milliarden Euro verlieren. Wenn Griechenland wirklich offiziell pleitegeht, werden die Staaten im Euro-System große Teile diese Summe sofort abschreiben müssen – mit direkter Auswirkung auf die Haushalte. Die Zahlen sprechen für sich, wie die Grafik von Barclays zeigt.

    Die Milliarden, die die Euro-Staaten bei Griechenland im Feuer haben. (Grafik: Barclays)

    Wolfgang Schäubles Behauptung, diese Verluste würden nicht sofort schlagend, ist unzutreffen: Nach internationalen Rechnungslegungsvorschriften müssen die Verluste sofort abgeschrieben werden. Damit wären die meisten Euro-Staaten weg von den Maastricht-Kriterien, müssten ihre Ausgaben drastisch kürzen und wären wieder voll in der Rezession, viele vermutlich sogar in einer Depression.

    So wird aus einer Anhäufung von Fehlleistung der Fluch der bösen Tat.Das Debakel ist programmiert. Bezahlen werden nicht diejenigen, die es zu verantworten haben.

    Ob allerdings all jene, die nun versuchen, ihre Haut mit einer unverfrorenen Geschichtsklitterung zu retten, sich wirklich ihrer Verantwortung entziehen können, ist nicht ausgemacht. Denn der Schaden wird mit Händen zu greifen sein: Schulen werden weiter verfallen, Straßen können nicht repariert werden, das Gesundheitswesen wird massiv betroffen sein, die Renten werden gekürzt, Not-Privatisierungen werden unausweichlich. Es wird nicht lange dauern, bis der naivste Kanzlerinnen-Versteher erkennt, dass auch sein Land auf einem verdammt schlechten Weg ist. Der Investor Mark Faber sagt in einem Bloomberg-Interview, Griechenland werde bald überall sein in Europa. Die humanitäre Katastrophe wird zum Normalfall in Europa, als Folge einer verantwortungslosen Politik, die den Bezug zur Realität längst verloren hat.

  5. #14255
    Avatar von papodidi

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    Zitat Zitat von Nikos Beitrag anzeigen
    Ich hoffe die EU knickt nicht ein. Sonst kriegen die Kinderreien Tsipras' noch Auftrieb und das Land wird für Jahrzehnte an die Linken gehen.
    Die Not der Bevölkerung ist Dir also egal, Hauptsache es kommen die "Richtigen" an die Macht??? Damit fährst Du voll die Linie einiger CDU/CSU/SPD-Politiker - überaus "patriotisch"...

  6. #14256
    Avatar von Lorne Malvo

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    Zitat Zitat von papodidi Beitrag anzeigen
    Da bist Du nach meiner Meinung zu pessimistisch, denn auch hier (D, A, CH) gibt es viele Medien, die über diese Krise objektiv berichten, BLÖD ist nicht der alleinige Maßstab. Und, wie ich bereits geschrieben habe, in unseren öffentlich-rechtlichen TV-Sendern sind immer auch Griechen oder deren Unterstützer zu Wort gekommen.
    Das hier dürfte ein gutes Beispiel sein:

    Offener Brief von Ökonomen an Angela Merkel

    "Jetzt ist der Zeitpunkt, die gescheiterte Sparpolitik zu überdenken"


    13:38 UhrVon Heiner Flassbeck, Thomas Piketty, Jeffrey D. Sachs, Dani Rodrik, Simon Wren-Lewis

    Frau Bundeskanzlerin, wir bitten Sie, die lebenswichtige Führungsrolle für Griechenland, Deutschland und die Welt zu übernehmen. Ein Offener Brief bekannter Ökonomen.

    Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin Merkel,

    das endlose Spardiktat, das Europa den Menschen in Griechenland aufgezwungen hat, funktioniert einfach nicht. Jetzt hat Griechenland lautstark "Nein" gesagt.
    Wie von den meisten vorhergesagt, haben Europas finanzielle Forderungen die griechische Wirtschaft zu Fall gebracht, Massenarbeitslosigkeit und den Zusammenbruch des Bankensystems verursacht und die externe Schuldenkrise deutlich verschärft. Die Schulden sind auf unbezahlbare 175 Prozent des Bruttoinlandsprodukts angestiegen. Die Wirtschaft liegt nun am Boden, Steuereinkommen sinken im Sturzflug, Leistungs- und Beschäftigungszahlen sind niedrig und und Unternehmen mangelt es an Kapital.

    Auswirkungen wie seit der Weltwirtschaftskrise 1929 nicht mehr

    Die humanitären Auswirkungen sind kolossal: 40 Prozent der Kinder leben nun in Armut, die Säuglingssterblichkeit ist in die Höhe geschossen und die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei fast 50 Prozent. Korruption, Steuerflucht und falsche Buchführung der Vorgängerregierungen in Griechenland haben zu diesem Schuldenproblem beigetragen. Doch die Griechen haben Ihre Sparpolitik befolgt - sie haben Gehälter, Regierungsausgaben und Renten gekürzt, privatisiert, dereguliert und die Steuern erhöht. Die Serie der sogenannten "Anpassungsprogramme", denen sich Griechenland und andere unterziehen mussten, hat Auswirkungen, die man seit der Weltwirtschaftskrise 1929 bis 1933 in Europa nicht mehr gesehen hat. Die Medizin, die in Berlin und Brüssel zusammengebraut wird, ist schlimmer als die Krankheit selbst. Sie schadet sogar denjenigen, die zu Beginn der Krise noch nicht einmal geboren waren.

    Gemeinsam fordern wir Sie, Frau Bundeskanzlerin Merkel, und die Troika dazu auf, ihren Kurs zu korrigieren, um weitere Schäden zu vermeiden. Momentan wird die griechische Regierung dazu gedrängt, sich einen Revolver an die Schläfe zu halten und abzudrücken. Doch mit der Kugel wird nicht nur Griechenlands Zukunft in Europa getötet. Die Kollateralschäden werden auch die Eurozone als Leuchtturm von Hoffnung, Demokratie und Wohlstand zerstören. Die Folgen werden auf der ganzen Welt zu spüren sein.

    Wir zählen auf Sie


    In den fünfziger Jahren wurde Europa gegründet und das Fundament ruhte darauf, Schulden zu streichen – vor allem die deutschen Schulden. Das war ein großer Beitrag zum Wirtschaftswunder und dem Frieden der Nachkriegszeit. Heute müssen wir die griechischen Schulden restrukturieren und senken, die Wirtschaft dort braucht Raum zum Atmen, um sich zu erholen. Wir müssen Griechenland erlauben, seine reduzierten Schulden über einen langen Zeitraum zurückzuzahlen. Der richtige Zeitpunkt, die gescheiterte Sparpolitik zu überdenken, ist jetzt. Dabei müssen die griechischen Schulden zum Teil erlassen werden und gleichzeitig die dringend benötigten Reformen in Griechenland beschlossen werden.

    Frau Bundeskanzlerin, unsere Botschaft an Sie ist klar: Wir bitten Sie, die lebenswichtige Führungsrolle für Griechenland, Deutschland und die Welt zu übernehmen. Ihre Taten in dieser Woche werden in die Geschichtsbücher eingehen. Wir zählen auf Sie für mutige und großzügige Schritte auf Griechenland zu - Sie werden Europa auf Generationen dienen

    Hochachtungsvoll,

    Heiner Flassbeck, ehemaliger Staatsekretär im Bundesfinanzministerium und Chefvolkswirt der Welthandels- und Entwicklungskonferenz Unctad

    Thomas Piketty, Professor für Wirtschaft an der Paris School of Economics
    Jeffrey D. Sachs, Professor für Nachhaltige Entwicklung, Professor für Gesundheitspolitik und Management und Direktor des Earth-Institute an der Columbia University, New York
    Dani Rodrik, Ford-Stiftungs-Professor für Internationale Politische Ökonomie an der Kennedy School, Harvard
    Simon Wren-Lewis, Professor für Wirtschaftspolitik, Blavatnik School of Government, Oxford University

    Offener Brief von Ökonomen an Angela Merkel: "Jetzt ist der Zeitpunkt, die gescheiterte Sparpolitik zu überdenken" - Politik - Tagesspiegel

    Sie wird es zur Kenntnis nehmen müssen...
    Die Deutschen haben einen nachvollziehbaren Standpunkt. Eine Transferunion wird es nicht geben. Dann lieber keine Union. Wie gesagt, sehr nachvollziehbar. Der Euro hat den großen Vorteil, dass er Transparenz bringt - die strukturellen Probleme der Südländer werden endlich beleuchtet, und nicht in intransparenter Geldpolitik ertrunken, wo man danach nie genau sagen kann, wo genau die Probleme gelegen haben, die zur Krise geführt haben. Die Probleme in Griechenland wurden offengelegt: Das marode Rentensystem, welches 16% des BIP kostet (zum Vergleich das Deutsche kostet etwa 9%) und die Steuerhinterziehermentalität (die Steuerschuld beträgt 25% des BIP und ca. 40% der Bevölkerung schulden dem Finanzamt Geld - also quasi fast jeder Grieche im erwerbsfähigen Alter). Die griechischen Regierungen haben so gut wie nichts gegen diese beiden Probleme unternommen, obwohl die Troika immer wieder darauf hingewiesen hat, dass das die Hauptprobleme sind. Man braucht diese Krise nicht zu einem ideologischen Manifest machen a la Klassenkampf. Der griechische Staat ist schlicht und ergreifend extrem ineffizient, er hatte jetzt schon mehr als 5 Jahre Zeit daran etwas zu ändern, aber es ist nur wenig passiert. Niemand möchte diesem Staat sein Geld geben, auch die griechischen Steuerzahler nicht. Das ist das Problem. Ideologische Diskussionen lenken davon nur ab.

  7. #14257
    Avatar von Nikos

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    Zitat Zitat von papodidi Beitrag anzeigen
    [...]
    Ich kenne die Not der Leute dort aus erster Hand. Sicherlich besser als du. Natürlich möchte ist, dass die richtigen am Steuer sitzen.
    SYRIZA ist absolut unfähig, hat in den 5 Monaten fast gar nichts sinnvolles für das Land getan und es da wo es auf dem richtigen Weg
    schien wieder in den Abgrund geführt. Wenn die EU jetzt einknickt wird sich diese Clowns-Regierung leider Gottes etablieren und das
    möchte ich natürlich nicht, da der Schaden am Ende um so größer sein wird.

  8. #14258
    Avatar von Achillis TH

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    Zitat Zitat von Nikos Beitrag anzeigen
    Ich hoffe die EU knickt nicht ein. Sonst kriegen die Kinderreien Tsipras' noch Auftrieb und das Land wird für Jahrzehnte an die Linken gehen.


    Na dann für dich





  9. #14259
    Avatar von Nikos

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    Zitat Zitat von Achillis TH Beitrag anzeigen
    Na dann für dich
    Ehrlich. Lieber Georgiades als Tsipras.

  10. #14260
    Avatar von Temeteron

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    829
    Ich frage mich eigentlich die ganze Zeit, was Tsipras an sich vorhat.
    Heute sind die angeblich ohne Vorschläge gekommen, was an sich komisch ist. Andere berichten, sie sind zusammengekommen. Italien und Frankreich erwähnen Schuldenschnitt, Deutschland verweigert sich. IWF schießt gegen Deutschland etc. Putin erwähnt Hilfen.

    Was ist das Ziel? Den € in die Luft sprengen? Den Leuten die EU Fratze zeigen? Schäuble beseitigen?

    - - - Aktualisiert - - -

    Zitat Zitat von Nikos Beitrag anzeigen
    Ich hoffe die EU knickt nicht ein. Sonst kriegen die Kinderreien Tsipras' noch Auftrieb und das Land wird für Jahrzehnte an die Linken gehen.
    Und du sollst ein Patriot sein? Schonmal daran gedacht, dass alle am gleichen Strang ziehen sollen?

    Wegen Leuten wie dir, sind wir in so einer Phase! Erst ND anbetten und jetzt das..

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