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Namensstreit Makedonien

Erstellt von Philippos, 22.02.2006, 13:07 Uhr · 264 Antworten · 11.314 Aufrufe

  1. #121
    Avatar von Schiptar

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    Zitat Zitat von Philippos
    Zitat Zitat von Schiptar
    Ich kann nur zum wiederholten Male auf die französische Provinz "Bretagne" hinweisen. Als Staatsbürger Großbritanniens (Frz.: Grande Bretagne) wäre mir kein derartiger Namensstreit zwischen London und Paris bekannt...

    Außerdem hat Skopje sich diesen Namen nicht einfach nach Lust und Laune zugelegt.
    Also dieser Vergleich paßt nicht. Die Leute in der Bretagne haben schließlich keinen eigenen Staat gegründet. Außerdem gibt es keine Briten. Es gibt Engländer, Schotten, Waliser. Und das kein Streit bekannt ist, heißt nicht, dass keiner entstehen kann.
    Briten gibt es genauso sehr wie es die von dir genannten Gruppen auch gibt. Nationen sind immer Konstrukte.
    Der Punkt ist der, Frankreich befürchtete im 18. Jh., als aus England und Schottland Großbritannien entstand, daß die Briten mit dieser Staatgründung Anspruch erheben könnten auf die Bretagne.

    Zitat Zitat von Philippos
    Folglich werden sie mit einem anderen Volk und einem anderen Erbe gleichgesetzt. Das geht natürlich nicht und schafft nur Mißverständnisse und Probleme. Und die antiken Makedonen und Griechen gibt es in dem Sinne, dass sie zwar nicht über 3000 Jahre unverändert fortbestehen (das schafft kein Volk der Welt. Sogar wenn du im Dschungel lebst wird das schwer), aber seine Nachfahren. Und wer die Makedonen heute sind, kannst du dich überzeugen, wenn du nach Griechenland kommst.
    - Mißverständnisse und Probleme schafft so was in den beschränkten Hirnen irgendwelcher balkanischen Nationalisten, aber sonst nirgends. Die Mehrheit weltweit denkt bei "Makedonien" an zwei Dinge: (1.) Alexander den Großen, Philipp III. usw.; (2.) an die südslawische Republik, aber nicht an eine gleichnamige Provinz in Nordgriechenland, und ich denke, daß die meisten das ganz gut voneinander trennen können, zumal auch mind. 2000 Jahre dazwischen liegen...
    - Nachfahren gibt es bestimmt auch von den Kanaanitern und Thrakern, aber deswegen muß man nicht glauben, ihr nationales Erbe für sich gepachtet zu haben.
    - Daß die Griechen in Makedonia sagen werden, sie seien die einzig wahren Makedonen, kann ich mir schon denken. Ich war schließlich auch schon mal auf dem Weg von Ohrid/Skopje nach Hause in Thessaloniki.

  2. #122
    Avatar von Schiptar

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    Zitat Zitat von Deki
    Zitat Zitat von Schiptar
    Eine südslawische Volksgruppe, die sich in einer Landschaft herausgebildet hat, die - mit Unterbrechungen - seit der Antike Makedonien heißt.

    Aus dem Bewußtsein, "anders" zu sein als die südslawischen Nachbarvölker der Serben und Bulgaren, entstand der Gedanke einer eigenen Nationalität, die natürlich nach der von ihnen bewohnten Landschaft benannt wird.
    Das heisst sie sind doch aus Bulgaren und Serben entstanden :?:
    Wenn Du so fragst: Nein.

    Andererseits: Möglicherweise.

    Mit Dir kann ich darüber einfach nicht diskutieren, da wir auf völlig anderen Begriffsebenen reden/denken & argumentieren...

  3. #123
    Avatar von Schiptar

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    Zitat Zitat von Philippos
    Zitat Zitat von Schiptar
    Na ja, aber du wirst ja wohl zugeben, daß Grenzen nichts Statisches sind. Wer kann schon sagen: "Das historische Makedonien ist das Makedonien in den Grenzen von 400 v.Chr., alles was danach kam, gilt nichts mehr!"
    Ja, natürlich, Grenzen verändern sich. Was ich damit sagen wollte war, dass in diesem Gebiet in der Antike andere Volksgruppen lebten, das Land eine andere Bezeichnung hatte. Warum wählt man somit nicht z. B. den Namen Päonien für das Land, wenn es doch ursprünglich in der Geschichte so genannt wurde. Das wollte ich sagen.
    Päonien wäre als Name historisch gesehen vielleicht akkurater, aber es wäre eine allzu künstliche Maßnahme. Der Name ist im Gegensatz zu "Makedonien" halt untergegangen, das ist so leicht nicht zu ändern.

    Zitat Zitat von Philippos
    Zitat Zitat von Schiptar
    Logisch. Sehr viele Ethnonyme sind im Grunde aus Toponymen entstanden.
    Trotzdem verlangt keiner von den arabischen Ägyptern, von den italienischen Toskanesen u.a. sich wieder umzubennen.
    Das verlangt keiner, weil da auch keiner ist, der davon betroffen ist. Im Fall des Namens Makedonien, ist es aber anders.
    Okay, das ist ein Unterschied, aber ich verstehe trotzdem nicht, warum man sich nicht einfach darauf einigen kann, daß der Name aufgrund der besonderen historischen Entwicklung mehr als eine Gruppe bezeichnet.

  4. #124
    Avatar von Schiptar

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    Zitat Zitat von Philippos
    Ja es lebten auch Slawen im griechischen Makedonien. Genauer gesagt waren das Bulgaren.
    Nein, man setzte diese Südslawen einfach nur der Bequemlichkeit halber mit den Bulgaren gleich. Spätestens im 19. Jh. waren aber viele mazedonische Südslawen mit dieser Gleichsetzung nicht mehr glücklich.

    Zitat Zitat von Philippos
    Und es ist natürlich auch richtig, daß nach dem Krieg in Kleinasien mit den Türken, viele Griechen vertrieben wurden. Aber die kamen natürlich nicht alle in das griechische Makedonien. Ein teil ließ sich auf den Inseln vor der kleinasiatischen Küste nieder, das war auch am nahsten und der erste Zufluchtsort. Andere wurde nach Kreta gebracht. Die meisten aber nach Athen. Ein ebenfalls großer Teil nach Thrakien, um dadurch den Anteil der Moslems zu veringern. Der Rest wurde über ganz Griechenland verteilt. Auch nach Makedonien kamen natürlich welche. Von diesen Flüchtlingen die sich in ganz Griechenland niederließen, wanderten später viele nach Amerika und Australien. Insgesamt ist der Anteil der Kleinasien-Griechen in Makedonien gering gewesen. Der größte Teil der griechischen Makedonen leben dort schon immer. Auch wenn das einige nicht glauben wollen.
    Okay. Gut zu wissen! :wink:

  5. #125
    Avatar von Philippos

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    Zitat Zitat von Schiptar
    ]
    Päonien wäre als Name historisch gesehen vielleicht akkurater, aber es wäre eine allzu künstliche Maßnahme. Der Name ist im Gegensatz zu "Makedonien" halt untergegangen, das ist so leicht nicht zu ändern.
    Es ist ein Name der neutral ist, von niemanden beansprucht wird, und sogar der ursprüngliche Name des Gebietes ist. Ihn als Staatsbezeichnung zu wähelen, währe nicht künstlicher, als die Wahl des Namens "Makedonija".

    Zitat Zitat von Schiptar
    Okay, das ist ein Unterschied, aber ich verstehe trotzdem nicht, warum man sich nicht einfach darauf einigen kann, daß der Name aufgrund der besonderen historischen Entwicklung mehr als eine Gruppe bezeichnet.
    Man kann mit einem gleichen Namen nicht zwei Gruppen gleichzeitig beschreiben. Das ist unlogisch, denn es ist eine Frage der Identität. Wenn sich z. B. ein Teil der Tschechen als Bayern bezeichnen würden und einen von Tschechien unabhängigen Staat Bayern gründen würden, dann wären die Bayern in Deutschland auch nicht damit einverstanden. Das hängt auch damit zusammen, daß die eine Gruppe ihre Sprache auch noch so benennt.

  6. #126
    Avatar von Schiptar

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    Zitat Zitat von Philippos
    Zitat Zitat von Schiptar
    Päonien wäre als Name historisch gesehen vielleicht akkurater, aber es wäre eine allzu künstliche Maßnahme. Der Name ist im Gegensatz zu "Makedonien" halt untergegangen, das ist so leicht nicht zu ändern.
    Es ist ein Name der neutral ist, von niemanden beansprucht wird, und sogar der ursprüngliche Name des Gebietes ist. Ihn als Staatsbezeichnung zu wähelen, währe nicht künstlicher, als die Wahl des Namens "Makedonija".
    Da bin ich anderer Ansicht. Der Name Päonien ist völlig aus dem Gebrauch verschwunden & müßte somit völlig neu eingeführt werden, während der Name Makedonien mind. seit der Neuzeit eine Kontinuität auch für die Südslawen in dieser Landschaft hat.
    Man denke nur daran, daß es spätestens Ende des 19. Jh. schon mehrere slawophone kulturelle und politische Vereinigungen gab, die das "Makedonische" im Namen führten; oder mit welcher Gewalt sich die VMRO gegen die Assimilierung durch die Serben wandte; die nationale Anerkennung durch den jugoslawischen Staat nach dem 2. Weltkrieg:
    Es stimmt ganz einfach nicht, daß sich die Rep. Makedonija 1991 diesen Namen willkürlich auswählte.
    Der Prozeß, der dazu führte, daß sich die Südslawen Makedoniens (in den Grenzen von 1878) auch als Makedonier sahen, war ein historischer Prozeß; sich den Griechen zuliebe in Päonier umzubenennen, wäre es nicht, sondern nur eine aus politischen Gründen erzwungene Kunstbezeichnung.

    Zitat Zitat von Philippos
    Man kann mit einem gleichen Namen nicht zwei Gruppen gleichzeitig beschreiben. Das ist unlogisch, denn es ist eine Frage der Identität. Wenn sich z. B. ein Teil der Tschechen als Bayern bezeichnen würden und einen von Tschechien unabhängigen Staat Bayern gründen würden, dann wären die Bayern in Deutschland auch nicht damit einverstanden. Das hängt auch damit zusammen, daß die eine Gruppe ihre Sprache auch noch so benennt.
    Namen sind nur Etiketten, die einem die Identitätsbildung erleichtern sollen. Das ist per Definition schon keine besonders logische Sache. Und ich glaube, daß es der Identität der Franken in Deutschland keinen allzu großen Abbruch tat, daß sich Nachfahren der romanisierten Gallier links des Rheins in ihrer Sprache auch "Franken" nennen.

    PS: Es gibt einen wirklich guten Artikel zu diesem Thema, der allerdings - um das vorwegzunehmen - wirklich neutral geschrieben ist.
    Stefan Troebst: "Geschichtspolitik und historische „Meistererzählungen“ in Makedonien vor und nach 1991"
    http://www.newbalkanpolitics.org.mk/...orical.deu.asp
    (Wer jetzt darauf herumreiten will, daß es sich um eine mazedonische Zeitschrift handelt, sollte sich wenigstens den Artikel angucken. Der ist mit Sicherheit nicht pro-mazedonsich, sondern ganz einfach differenziert/objektiv.)

  7. #127
    Avatar von Philippos

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    Zitat Zitat von Schiptar
    Da bin ich anderer Ansicht. Der Name Päonien ist völlig aus dem Gebrauch verschwunden & müßte somit völlig neu eingeführt werden, während der Name Makedonien mind. seit der Neuzeit eine Kontinuität auch für die Südslawen in dieser Landschaft hat.
    Man denke nur daran, daß es spätestens Ende des 19. Jh. schon mehrere slawophone kulturelle und politische Vereinigungen gab, die das "Makedonische" im Namen führten; oder mit welcher Gewalt sich die VMRO gegen die Assimilierung durch die Serben wandte; die nationale Anerkennung durch den jugoslawischen Staat nach dem 2. Weltkrieg:
    Es stimmt ganz einfach nicht, daß sich die Rep. Makedonija 1991 diesen Namen willkürlich auswählte.
    Der Prozeß, der dazu führte, daß sich die Südslawen Makedoniens (in den Grenzen von 1878) auch als Makedonier sahen, war ein historischer Prozeß; sich den Griechen zuliebe in Päonier umzubenennen, wäre es nicht, sondern nur eine aus politischen Gründen erzwungene Kunstbezeichnung.
    Der Name Makedonien hat für die Südslawen seit einiger Zeit auch eine Bedeutung angenommen, dass ist richtig. Aber sie hatte nicht von Anfang an für sie einen Nationalitätsbezug, sondern nur eine Regionale Bedeutung, in dem Sinne, dass sie dadurch bezeichneten, in welcher Gegend sie lebten. Ihr Nationalitätsbezug, war ursprünglich ein bulgarischer. Und weshalb im Jugoslawischen Staat eine solche Republik gegründet wurde, ist auch nicht zu bestreiten. Den Gebietsansprüche der Bulgaren auf dieses Gebiet Jugoslawiens sollte die Grundlage entzogen werden und gleichzeitig Gebietsansprüche gegen Nordgriechenland erhoben werden. Die dann im griechischen Bürgerkrieg auch konkrete Formen annahmen, als Tito die kommunistischen und slawischen Kämpfern in Griechenland mit Waffen und Nachschub versorgte. Das sind Tatsachen, die man nicht leugnen kann.
    Und eine Willkürlichkeit in der Benutzung des Namens sehe ich auf jeden Fall. Wenn wir dies nicht im Jahre 1945 festmachen wollen (wofür durchaus Gründe sprechen), dann können wir eine solche Willkürlichkeit aber zumindest zeitlich vorher festlegen. Von mir aus Ende des 19. Jahrhunderts. Und diese Willkürlichkeit liegt dann darin, dass diese slawischen Nationalisten, den bis dato für sie nur als regionalen Ortsbestimmungsbegriff gebräuchlichen Namen, eine nationale Bedeutung zugesprochen haben. In dem Sinne, dass sie anfingen sich als Mazedonier zu bezeichnen. Und die Frage ist hier, mit welchem Recht taten sie dies? Wie konnten sie dies tun, wenn bereits die griechischen Makedonen, die dort auch seit längerer Zeit leben, diesen Begriff verwendeten? Und auf welcher historischen Grundlage konnten sie sich beziehen? Die slawischen Bewohner handelten somit willkürlich; sie hatten sich einen Namen für ihr nationale Konstruktion angemaßt. Aber hier muß ich folgendes noch sagen: diejenigen Slawen, die anfingen sich Makedonier zu nennen, verwendeten den Begriff damals nicht wirklich als Nationalitätsbezeichnung. Denn sie sahen sich trotzdem als Bulgaren, oder den Bulgaren zumindest nahestehend. Wir dürfen nicht vergessen, dass zu dieser Zeit der Antagonismus um die Vorherrschaft in dieser Region des Balkans begann. Es kam auch zu Kämpfen zwischen Griechen und Slawen, und diese Slawen kämpften für ein Großbulgarien.
    Insgesamt kann man sagen, dass es sich hier um eine künstliche Anmaßung eines Begriffs gehandelt hat. Wenn nicht 1945, dann zumindest Ende des 19. Jahrhunderts.

  8. #128
    Avatar von Philippos

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    Zitat Zitat von Schiptar
    Namen sind nur Etiketten, die einem die Identitätsbildung erleichtern sollen. Das ist per Definition schon keine besonders logische Sache. Und ich glaube, daß es der Identität der Franken in Deutschland keinen allzu großen Abbruch tat, daß sich Nachfahren der romanisierten Gallier links des Rheins in ihrer Sprache auch "Franken" nennen.
    Erstaunlich, was dir alles für Beispiele einfallen. Tatsache ist doch hier, die Franken stören sich nicht daran. Und das können sie auch nicht, weil es keinen Staat Franken links des Rheins gibt. Das Land dort heißt Frankreich (international: France). Natürlich der Name leitet sich vom Wort der Franken ab. Aber er leitet sich nur ab. Es ist nur eine Ableitung. Es ist nicht der gleiche Name. Dadurch ist auch die Unterscheidung eindeutig. (Außerdem werden von den Leuten in Skopje Gebietsansprüche auf die gleichnamige griechische Provinz erhoben. Gestern hatten wir ja wieder ein Beispiel.)
    Es ist schon merkwürdig, dass sich die Makedonen nun rechtfertigen müssen, dass sie ihren Namen behalten wollen. Und mit Makedonen, meine ich uns Makedonen, die wir in Griechenland leben, und die ihr uns immer Griechen nennt. Ihr ignoriert, dass wir Makedonen sind und dann auch Griechen. Ich bin Makedone. Und noch etwas. Nehmen wir mal an wir akzeptieren einfach die Bezeichnung Makedonien für diesen ehemaligen jugoslawischen Teilstaat. Was machen wir Makedonen Griechenlands eigentlich, wenn wir eines Tages die Schnautze voll haben von der Regierung in Athen und unseren eigenen, von Athen unabhängigen Staat gründen wollen? Wie sollen wir uns und unseren Staat dann international bezeichnen? Obwohl wir Makedonen sind, könnten wir uns und unseren Staat so nicht mehr bennenen. Das alles wäre so nicht in Ordnung und schafft nur immer neue Probleme. Wir wollen unseren Namen behalten.

  9. #129
    Avatar von Schiptar

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    Zitat Zitat von Philippos
    Der Name Makedonien hat für die Südslawen seit einiger Zeit auch eine Bedeutung angenommen, dass ist richtig. Aber sie hatte nicht von Anfang an für sie einen Nationalitätsbezug, sondern nur eine Regionale Bedeutung, in dem Sinne, dass sie dadurch bezeichneten, in welcher Gegend sie lebten.
    Ich wiederhole, sehr viele Ethnonyme sind eigentlich Toponyme.
    Und wenn es einen Unterschied gibt zwischen der Art, wie die slawischsprachigen und die griechischsprachigen Makedonier diesen Namen verwenden, dann ja wohl der, daß sich die Südslawen ausschließlich als Makedonier sehen, es für sie also von nationaler Bedeutung ist, er aber für die griech. Makedonier nur eine untergeordnete, regionale Bedeutung hat.

    Zitat Zitat von Philippos
    Ihr Nationalitätsbezug, war ursprünglich ein bulgarischer.
    Nationalitätenkonstruktionen sind nun mal nichts Endgültiges oder Statisches. Außerdem war nur ein Teil der makedonischen Nationalbewegung bulgarophil.

    Zitat Zitat von Philippos
    Und weshalb im Jugoslawischen Staat eine solche Republik gegründet wurde, ist auch nicht zu bestreiten. Den Gebietsansprüche der Bulgaren auf dieses Gebiet Jugoslawiens sollte die Grundlage entzogen werden und gleichzeitig Gebietsansprüche gegen Nordgriechenland erhoben werden. Die dann im griechischen Bürgerkrieg auch konkrete Formen annahmen, als Tito die kommunistischen und slawischen Kämpfern in Griechenland mit Waffen und Nachschub versorgte. Das sind Tatsachen, die man nicht leugnen kann.
    Fakt ist, es gab mind. 1878 bis 1912 eine Region namens Makedonien, die von Serbien, Bulgarien und Griechenland aufgeteilt wurde.
    Ich finde es nur natürlich, daß Tito den Teil dieser Landschaft, also Makedoniens, der seiner Kontrolle unterstand, unter diesem Namen anerkannte und damit endlich akzeptierte, daß die Südslawen Vardar-Makedoniens nicht die "Südserben" sind, als die die Serben sie assimilieren wollten.
    Was die realpolitischen Motive angeht, die Du anführst: da könnte natürlich trotzdem was dran sein.

    Zitat Zitat von Philippos
    Und eine Willkürlichkeit in der Benutzung des Namens sehe ich auf jeden Fall. Wenn wir dies nicht im Jahre 1945 festmachen wollen (wofür durchaus Gründe sprechen), dann können wir eine solche Willkürlichkeit aber zumindest zeitlich vorher festlegen. Von mir aus Ende des 19. Jahrhunderts. Und diese Willkürlichkeit liegt dann darin, dass diese slawischen Nationalisten, den bis dato für sie nur als regionalen Ortsbestimmungsbegriff gebräuchlichen Namen, eine nationale Bedeutung zugesprochen haben.
    Ich wiederhole, was gibt es Natürlicheres, wenn man sich einen nationalen Namen zulegt, als eine Ortsbezeichnung als Quelle?

    Zitat Zitat von Philippos
    In dem Sinne, dass sie anfingen sich als Mazedonier zu bezeichnen. Und die Frage ist hier, mit welchem Recht taten sie dies?
    Weil sie seit 1400 Jahren in Makedonien lebten und ihre Identität somit in Makedonien verwurzelt war/ist.

    Zitat Zitat von Philippos
    Wie konnten sie dies tun, wenn bereits die griechischen Makedonen, die dort auch seit längerer Zeit leben, diesen Begriff verwendeten? Und auf welcher historischen Grundlage konnten sie sich beziehen? Die slawischen Bewohner handelten somit willkürlich; sie hatten sich einen Namen für ihr nationale Konstruktion angemaßt.
    Das haben die Griechen im 19. Jh. allerdings auch gemacht. Man muß da schon ein wenig differenzieren...
    Außerdem frage ich mich, ob die Griechen Makedoniens zur Zeit des hellenischen 'nationalen Erwachens' im 19. Jh. sich tatsächlich so sehr als Makedonen oder nicht doch viiiieeeel mehr lediglich als Griechen sahen?

    Zitat Zitat von Philippos
    Aber hier muß ich folgendes noch sagen: diejenigen Slawen, die anfingen sich Makedonier zu nennen, verwendeten den Begriff damals nicht wirklich als Nationalitätsbezeichnung. Denn sie sahen sich trotzdem als Bulgaren, oder den Bulgaren zumindest nahestehend.
    Sie stehen einander auch nahe, aber das muß nicht heißen, sie seien identisch. Soviel ich weiß gibt es genügend Quellen aus dem 19. Jh. als man slawisch-makedonische Bauern fragte, ob sie Serben, Griechen oder Bulgaren seien, und sie sich mit keinem dabvon identifizieren konnte, sondern lediglich mit Makedonien.

    Zitat Zitat von Philippos
    Wir dürfen nicht vergessen, dass zu dieser Zeit der Antagonismus um die Vorherrschaft in dieser Region des Balkans begann. Es kam auch zu Kämpfen zwischen Griechen und Slawen, und diese Slawen kämpften für ein Großbulgarien.
    Diese Strömung agb es tatsächlich, und das könnte vielleicht auch etwas damit zu tun haben, daß es in Makedonien kein politisches Zentrum gab, um das sie sich hätten gruppieren können.
    Es gab aber innerhalb der VMRO immer schon zwei Strömungen, eine grißbulgarische/bulgarophile und eine makedonisch-nationale.

    Zitat Zitat von Philippos
    Insgesamt kann man sagen, dass es sich hier um eine künstliche Anmaßung eines Begriffs gehandelt hat. Wenn nicht 1945, dann zumindest Ende des 19. Jahrhunderts.
    Schon besser. Das ist schon eine viel interessantere Ausgangbasis für eine Diskussion. :wink:

  10. #130
    Avatar von Schiptar

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    Zitat Zitat von Philippos
    Zitat Zitat von Schiptar
    Namen sind nur Etiketten, die einem die Identitätsbildung erleichtern sollen. Das ist per Definition schon keine besonders logische Sache. Und ich glaube, daß es der Identität der Franken in Deutschland keinen allzu großen Abbruch tat, daß sich Nachfahren der romanisierten Gallier links des Rheins in ihrer Sprache auch "Franken" nennen.
    Erstaunlich, was dir alles für Beispiele einfallen.
    Dir aber auch. :wink:

    Zitat Zitat von Philippos
    Tatsache ist doch hier, die Franken stören sich nicht daran. Und das können sie auch nicht, weil es keinen Staat Franken links des Rheins gibt.
    Moment mal:
    - Makedonien (Region: Makedonia in Nordgriechenland; Staat: Rep. Makedonija)
    - Britannien (Region: Bretagne in Frankreich; Staat: GB)
    - Franken (Region: Franken in Nordbayern, früher einschließlich Südhessen, Pfalz, Nord-BaWü; Staat: Frankreich/France)

    Zitat Zitat von Philippos
    Das Land dort heißt Frankreich (international: France). Natürlich der Name leitet sich vom Wort der Franken ab. Aber er leitet sich nur ab. Es ist nur eine Ableitung. Es ist nicht der gleiche Name. Dadurch ist auch die Unterscheidung eindeutig.
    Für mich ist auch das südslawische Makedonija nur eine Ableitung von den antiken Makedonen, da eine ernstgemeinet Identifikation mit einem 2000-3000 Jahre alten Volk lächerlich ist, heutzutage.
    Und auf Französisch ist das Worten für die heutigen Franzosen und die spätantiken/frühmittelalterlichen Franken identisch. Sie beanspruchen somit sehr wohl das fränkische Erbe für sich, was auch vom Mittelalter bis in die nationalistische Neuzeit hinein zu großen Kontroversen mit den Deutschen führte.

    Zitat Zitat von Philippos
    (Außerdem werden von den Leuten in Skopje Gebietsansprüche auf die gleichnamige griechische Provinz erhoben. Gestern hatten wir ja wieder ein Beispiel.)
    Offiziell gibt es das aber nicht, offiziell haben die Politiker in Skopje ganz andere Sorgen, als den verlorenen Gebieten nachzutrauern. Hier wäre ein Grenzvertrag nötig, ähnlich dem zw. Deutschland & Polen, um das ein für allemal zu klären.

    Zitat Zitat von Philippos
    Es ist schon merkwürdig, dass sich die Makedonen nun rechtfertigen müssen, dass sie ihren Namen behalten wollen. Und mit Makedonen, meine ich uns Makedonen, die wir in Griechenland leben, und die ihr uns immer Griechen nennt. Ihr ignoriert, dass wir Makedonen sind und dann auch Griechen. Ich bin Makedone.
    Keiner will euch diese regionale Identität als griech. Makedonier/makedon. Griechen streitig machen.
    Ihr nennt euch ja selber Griechen, also tu nicht so, als wäre das eine südslawische Schikane.
    Die Slawomakedonier hingegen sehen sich ganz einfach nur als Makedonier, ohne wenn und aber.

    Zitat Zitat von Philippos
    Und noch etwas. Nehmen wir mal an wir akzeptieren einfach die Bezeichnung Makedonien für diesen ehemaligen jugoslawischen Teilstaat. Was machen wir Makedonen Griechenlands eigentlich, wenn wir eines Tages die Schnautze voll haben von der Regierung in Athen und unseren eigenen, von Athen unabhängigen Staat gründen wollen? Wie sollen wir uns und unseren Staat dann international bezeichnen? Obwohl wir Makedonen sind, könnten wir uns und unseren Staat so nicht mehr bennenen. Das alles wäre so nicht in Ordnung und schafft nur immer neue Probleme. Wir wollen unseren Namen behalten.
    Das wäre doch cool, dann könntet ihr euch einfach mit Vardar-Makedonien (Skopje) wiedervereinigen, und alle wären glücklich. (Bis auf die Bulgaren...) :wink:
    (Nicht ernst gemeinte Antwort auf eine nicht ernst gemeinte Frage.)

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