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Ein netter Bericht über den Krieg

Erstellt von Esseker, 31.03.2011, 20:00 Uhr · 38 Antworten · 2.613 Aufrufe

  1. #1
    Esseker

    Ein netter Bericht über den Krieg

    20 Jahre Jugoslawienkrieg – jeder gegen jeden


    Hunderttausend Tote. Eine Million Vertriebene. Es ist der größte Genozid in Europa seit 1945. Der Jugoslawienkrieg in den Neunzigerjahren – ein barbarischer Bürgerkrieg direkt vor der österreichischen Haustüre.

    Der sozialistische Traum von Brüderlichkeit und Einheit zerspringt in viele-nationalistische Einzelstaaten, die sich gegenseitig jahrelang in einem resultatslosen Gemetzel bekämpfen. Nachbarn fallen übereinander her, ein kollektives Gedächtnis wird vernichtet, riesige Flüchtlingsströme verändern das demografische Antlitz der Nachfolgestaaten Jugoslawiens Es ist ein rasender Blutrausch, der im zwanzigsten Jahrhundert mitten in Europa ausgetragen wird und dessen Erbe sich wie ein Rattenschwanz bis in die Gegenwart windet, denn noch immer wurden viele Verbrechen, trotz umfassender Dokumentation nicht aufgearbeitet.

    _____________________________________________
    IM JUNI 1991 BEGANN DER ZERFALL JUGOSLAWIENS. 20 JAHRE DANACH STARTET biber DIE GROSSE KRIEGS-SERIE.
    TEIL 1: DIE ERSTEN OPFER DES KRIEGES UND WARUM ES biber OHNE DIESEN KRIEG IN DIESER FORM NICHT GEBEN WÜRDE. FORTSETZUNG FOLGT ....



    Sie waren beide jung und heute gibt es eine große Kontroverse darüber, welcher von beiden wirklich das erste Opfer des Jugoslawienkrieges ist. Der serbische Polizist Goran Alavanja und sein kroatisches Gegenüber Josip Jović im Grabgespräch.
    Von Olja Alvir und Bogumil Balkansky
    Mein Name ist Goran Alavanja.
    Ich bin Polizist serbischer Herkunft.
    Meine Heimat ist jedoch Kroatien. Hier sind gerade andere Serben dabei, Unruhe zu stiften. In der Nacht vom 22. auf den 23. November 1991 finde ich mich mit zwei Kollegen in einem Polizeiauto auf der Straße nach Obrovac ein. Unser Auftrag: Aufständische unter Kontrolle zu bringen und die Autorität der Republik Kroatien in dieser Gegend aufrechtzuerhalten. Es ist eine kühle Nacht, ein böiger Wind aus dem Süden, der „Jugo“, bringt den alten „Stojadin“ immer wieder zum Schaukeln. Ein Kollege liegt auf der Rückbank und schnarcht, während der Fahrer und ich uns im Halbschlaf auf den Vordersitzen drängen.
    Der Tod kommt plötzlich und aus dem Hinterhalt. Mein Fahrer wird verwundet, mein Kollege von der Rückbank bleibt sogar unverletzt. Mich treffen sieben Kugeln, der Schmerz ist schnell vorbei. Mein toter Körper wird von den Tätern aus dem Wagen gezerrt, meine Kollegen gezwungen, auszusteigen. Meine Mörder, wahrscheinlich Serben wie ich, fliehen mit dem Polizeiauto und werden nie gefasst. Ich werde in das Verzeichnis der gefallenen Verteidiger aufgenommen und meine Eltern erhalten eine Hinterbliebenenpension.
    Angeblich bin ich der erste Tote des Kroatienkrieges.
    1* Automarke

    Mein Name ist Josip Jović, ich bin 22 Jahre alt, ein Kroate und von Beruf Polizist. An diesem Morgen im März 1991 sollen ich und meine Kollegen den Aufstand der Serben beenden. Später geht dieser Tag als „Blutige Ostern von Plitvice“ in die Geschichte des Kroatienkrieges ein. Aber am Abend davor, bei der Einsatzbesprechung, sagt man uns, die „Aktion Plitvice“ werde glatt und leicht verlaufen. Man sei für alles gerüstet. Doch am Morgen kommt dieser Nebel und zerstreut meine Einheit im Wald, bis wir uns mit den Aufständischen vermischen, ohne es zu merken. Unsere Verstärkung verspätet sich. Ich sitze hinter einem Baum, oder davor, und als unsere Kollegen endlich
    eintreffen, wird schon geschossen. Wir feuern in den Nebel
    hinein und niemand weiß, wer auf wen zielt, wo man Deckung suchen soll.
    Kugeln kommen aus dem Nichts, aus allen Richtungen.
    Als sich der Nebel schließlich hebt, bin ich tot.
    Der Tod trifft mich in den Rücken. Es ist eine große Wunde und ich habe Schmerzen. Ich verblute schnell und sterbe am 31. März 1991 in diesem Wald bei Plitvice, dem ehemaligen Schauplatz der Winnetou-Filme. Angeblich bin ich der erste Tote des Kroatienkrieges.
    Es wird seit 20 Jahren diskutiert, wer von uns beiden der „echte“ erste Tote des Kroatienkrieges ist. Uns ist das egal – wir sind als Menschen tot, nicht als Serben oder Kroaten.



    Mit Anlauf in den Abgrund
    Warum mussten diese und in weiterer Folge Tausende andere Menschen sterben? Wie so oft können leicht wirtschaftliche Umstände für einen Kriegsausbruch herangezogen werden. Eine billige, aber nicht ganz zu vernachlässigende Erklärung. Ein anderer möglicher Grund: Der Diktator Tito hat seine Nachfolge zu demokratisch geregelt. Ein Kollegium aus Präsidenten der Teilrepubliken teilt sich nach seinem Tod die Macht. Die Hyperinflation erreicht die Ausmaße einer Bananenrepublik. Bald streitet man im Präsidium nur noch um Geld – ideale Voraussetzungen für Populismus und Nationalismus. Der „Mann mit Plan“ ist Präsident der Teilrepublik Serbien, Slobodan Milošević: Er zückt die Nationalismuskarte. Doch auch auf der anderen Seite finden sich ähnlich talentierte Hetzer. Kroatiens Präsident Franjo Tuđman ist offen antisemitisch und antiserbisch, Bosniens Präsident Alija Izetbegović ist islamistischer, als er zugibt. Der nationalistische Kessel kocht über, Titos Deckel fliegt weg. Schließlich erklären im Juni 1991 zunächst Slowenien und dann Kroatien ihre Unabhängigkeit, was von der übrig gebliebenen jugoslawischen Führung als Verfassungsbruch angesehen wird. Die Jugoslawische Volksarmee (Jugoslovenska Narodna Armija, JNA) wird von der Kette gelassen.
    Ein Krieg rollt nach Süden
    Eines Tages verschwinden die Autos der Urlauber von der klassischen Sommerroute zu Adria und Ägäis. Auf der Autobahn der „Brüderlichkeit und Einigkeit“ rollen Panzer und Truppentransporter. Danach fließt fünf Jahre lang Blut. Erst in Slowenien, dann tausendfach heftiger und länger in Kroatien und Bosnien (siehe Infokasten). Und als die Welt denkt, es sei zu Ende, folgt noch am Vorabend des neuen Jahrhunderts der blutige Versuch einer Totalvertreibung im Kosovo. Dazu Scharmützel in Mazedonien und am Ende NATO-Bomben als Beugemaßname für jenen Diktator, der 1991 seine Panzer nach Slowenien geschickt hatte.

    Von diesem Gemetzel werden drei Länder weitgehend verschont: Der Krieg in Slowenien dauert lediglich zehn Tage, die Krise in Mazedonien einige Wochen, genauso wie die „Polizeimaßnahme“ gegen Serbien. Deswegen wollen wir Kroatien, Bosnien und den Kosovo im Fokus behalten.
    Bald nach den ersten Auseinandersetzungen nimmt der Krieg den Charakter nationalistischer Kreuzzüge an und der eigene Familienname, Herkunft oder Religionsbekenntnis können zum Todesurteil werden. Es kämpfen Privatarmeen, Milizen und Soldaten hauptsächlich gegen wehrlose Zivilisten mit der "falschen" Blutgruppe".
    Nicht Schlachten dominieren die Kriegsnachrichten – sondern Abschlachtungen. Brutalste Unmenschlichkeiten werden von allen Kriegsparteien gleichermaßen in Kauf genommen, geduldet, durch Stimmungsmache ermuntert und aktiv geplant. Wie wir aus der Zeugenschaft von überlebenden Opfern und Tätern sehen können, gleichen die Verbrechen einander so sehr, dass Herkunft der Täter und Opfer beliebig austauschbar sind.
    Am Ende des Krieges, nach dem Massaker von Račak im Kosovo 1999, geht ein Staat unter, der nach dem Massaker von Bleiburg 1945 entstanden ist. Die Autos der Urlauber fahren wieder, aber die Vergangenheit lastet noch immer auf dem Balkan – und Bosnien befindet sich sogar wieder am Rande eines neuen, alten Krieges …



    Wer hat überhaupt gegen wen gekämpft?
    Die bewaffneten Kräfte lassen sich in Kategorien einteilen. Die größte und professionelle war die Volksarmee (JNA). Sie untersteht Slobodan Milošević. Die Kräfte der Territorialverteidigung (Reservistenmiliz der JNA) und der Polizei sind der Kern der kurz später entstehenden regulären Armee Kroatiens (HV, Hrvatska Vojska) und Bosniens (ABiH, Armija Bosne i Hercegovine). Sie unterstehen Franjo Tuđman und Alija Izetbegović. Daneben gibt es noch Parteiarmeen diverser Politiker, die zunächst unabhängig agieren. Beispielsweise die HOS (Hrvatske Obrambene Snage) der Kroatischen Partei des Rechts (HSP), in ihrem Selbstverständnis Erben der Ustaša, oder die „Weißen Adler“ der Serbischen Radikalen Partei (SRS), Erben der Četniks. Das Bild runden diverse Warlords als lokale, „freiberufliche Kriegsunternehmer“ ab. Dieser anfängliche Wildwuchs an bewaffneten Kräften lichtet sich bald – sie werden Bestandteil der neu entstehenden Nationalarmeen.


    Krieg gegen Menschen, Häuser und Kultur
    Wenn man vor Gospić die Strecke der neuerbauten Autobahn Zagreb–Split verlässt und die alte Route nach Süden fährt, findet man sich in einer Zeitreise ein. Der Fuß rutscht unbewusst vom Gas, wenn das erste Geisterdorf erreicht ist. Beim zweiten ist man versucht, stehen zu bleiben und vielleicht auch Fotos zu machen. Dann sieht man erst die kleinen, dreieckigen, roten Schilder mit der Warnung vor Minen. Solche Dörfer reihen sich wie traurige, zerhämmerte Perlen entlang strategischer Straßenrouten in Kroatien und Bosnien. Sie und die Minenfelder gehören mit zu den letzten sichtbaren Schaurigkeiten des Krieges. In diesem Krieg wurde die Auslöschung von Menschen genauso eifrig betrieben wie die Auslöschung von Kultur. Vor laufender Kamera wurde 1993 das Weltkulturerbe der Brücke von Mostar von einem Panzergeschütz malträtiert, bis es in den Fluss Neretva einstürzt.


    Zahlreiche Denkmäler aus jugoslawischen Zeiten wurden zerstört. Allein in Kroatien waren es etwa 3000, darunter auch das Denkmal für den Physiker Nikola Tesla und in Bosnien unter anderem jenes des Nobelpreisträgers für Literatur, Ivo Andric. Und allerorten wurden sogar Kirchen und Moscheen gesprengt, alte Friedhöfe verwüstet und neue Massengräber ausgehoben. Der gesamte Landstrich war von Löchern und Gräben durchzogen und noch immer wuseln darin Spezialisten der EU und UNO, die versuchen, den Knochenhaufen Namen und Schicksal zuzuordnen. Eine der unwürdigsten Abscheulichkeiten des Krieges wurde aber ironischerweise zum juristischen Erbe der Menschheit: Zum ersten Mal in der Geschichte wird Vergewaltigung als Kriegsverbrechen definiert. Vieles, das das Untier Krieg auf dem Balkan anrichtete, schlummert aber nur noch in Bildarchiven, Gerichtsakten und Erinnerungen. Heute kennzeichnen neue Denkmäler die Wegmarken des Krieges. Viele Vertriebene kommen zurück und sehr dumme Touristen nehmen inzwischen die kleinen, dreieckigen, roten Warnschilder aus den Geisterdörfern als beliebtes Souvenir mit.
    Quelle: 20 Jahre Jugoslawienkrieg

    ---

    Es ist ein zwar einbisschen dramatischer Text, aber meiner Meinung nach eine nette Erklärung vom YU-Krieg.

    Wer nicht weiss was "Biber" ist: "Biber" ist das wiener Stadtmagazin für Migranten. Ich persönlich lese es nicht gerne, da die Themen häufig total unnötig und scheisse sind, aber der Text ist gut.

  2. #2
    Esseker
    Aja und bitte durchlesen und nicht sofort streiten.

  3. #3
    Avatar von Fitnesstrainer NRW

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    Ich wünschte das alles wäre nie passiert

  4. #4
    Avatar von Lahutari

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    Ich wünschte ich hätte mehr dankes

  5. #5
    Leo
    Avatar von Leo

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    Ich geb ehrlich zu: Als Südslawe wäre ich pro jugoslawisch

    Als Albaner kann ich nur bedauern ,dass Hoxha in Albanien an die Macht kam
    und Tito sein Wort gegenüber den alb. Partisanen nicht hielt.

  6. #6
    Avatar von Koma

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    Zitat Zitat von Arbnor Beitrag anzeigen
    Ich wünschte ich hätte mehr dankes
    trage etwas zum Thema bei, oder schreib gar nichts

  7. #7
    Avatar von Lahutari

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    Zitat Zitat von Koma Beitrag anzeigen
    trage etwas zum Thema bei, oder schreib gar nichts


    Ich finde Yugo ist so eine Art Ersatz der EU für viele Serben geworden.
    Es ist der Traum und der Wunsch danach friedlich mit seinen Nachbarn in einem Staat zu leben.
    Sehr bedauerlich die Ereignisse damals

    So..
    Und trotzdem keiin danke mehr

  8. #8
    Avatar von Boschwa

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    908
    Sta da kazem?
    Jebo im tito majku nationalisticku.

  9. #9
    Avatar von SRB_boy

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    9.844
    Krieg ist immer scheiße,aber ist halt passiert

  10. #10
    kenozoik
    sensationalistisch und schlecht geschrieben...

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