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Nikolae Ceausescu-ein klasse Typ?

Erstellt von ökörtilos, 13.03.2009, 20:38 Uhr · 95 Antworten · 8.082 Aufrufe

  1. #31
    ökörtilos
    Das untere Video zeigt Ceausescu bei seiner letzten Rede in Bukarest.Der zu Anfang noch bejubelte Ceausescu muss mit ansehen wie die Stimmung des Volkes kippt und er in Sprechchören ausgebuht wird.Könte eventuell jemand übersetzten?Vasile?
    Ich fand keine deutsche Version der Rede im Netz.


  2. #32
    Avatar von Noodles

    Registriert seit
    16.01.2009
    Beiträge
    684
    Die Existenz der Straßenkinder hat wenig mit dem Abtreibungsverbot zu tun. Und so viele gibt es nun auch wieder nicht. Die Medien... stürzen sich nur immer wieder auf die gleichen leicht ausbeutbaren Themen. Die Rumänen waren einfach gegen Ende der 80er bitter arm - und das hält in Teilen auch immer noch an.

    Ceausescu hat auf seine bäuerliche Art (er besuchte nur 4 Jahre eine Schule) versucht, geschickt zu sein. Dass er sich dem Einmarsch in die CSSR verweigerte, hatte auch damit zu tun, dass er Tito bewunderte* - und natürlich wollte er gegenüber Westeuropa und den USA punkten. Er brauchte ja immer mal einen Kredit. Und den gab es nur bei Wohlverhalten. Nach außen - zumindest ein paar Jahre lang - ein eher guter Diktator, gegenüber der eigenen Bevölkerung zunehmend absolutistischer Herrscher.
    Die Kröte wollte wohl seine Herkunft vergessen, oder zum Heilsbringer werden - je nach Sichtweise - und setzte zur großen Pseudomodernisierung an: Dörfer wurden eingeebnet, in die schönsten Gegenden wurden überdimensionierte, wenig produktive, stinkende Fabriken gebaut - und kurz vor Schluss fast die gesamte historische Bukarester Innenstadt gegen Plattenbauten und Funktionärsbunker eingetauscht.
    Diese Vernichtung von (Land und) Kultur ist - neben einer gewissen Verrohung der Sitten - wohl das Schlimmste, was er seinem Land eingebracht hat.

    Damit will ich aber nicht sagen, dass seine Nachfolger soo viel besser sind. Sie sind nur jetzt auf der "richtigen" Seite.

    In Rumänien gibt es immer noch wenig Aufarbeitung von kommunistischer Mitläuferschaft und Spitzelapparat.
    Mit Ceausescu hat man kurzen Prozess gemacht. Mit dem Ergebnis, dass enge Mitarbeiter lange Zeit in hohen Positionen verbleiben konnten.

    * Völliger Ernst: Ceausescu war tatsächlich neidisch auf Tito. Er selbst war ursprünglich ein kleiner Mitläufer im Parteiapparat, war mal im Gefängnis in der gleichen Zelle mit einem späteren Parteichef, hatte also eigentlich einen schattenhaften Aufstieg. Tito dagegen: Ein richtiger "Führer", gestaltend, anerkannt, geliebt für seine Verdienste, ein richtiger Mann, irgendwie zwischen den Fronten... das hat den Nicolae gewurmt, dass er das nie schaffen würde.

  3. #33
    ökörtilos
    Schön analysiert,Noodles

    Tatsächlich war es eines der größten Probleme bei der Errichtung des Personenkultes um Nicolae und Elena Ceausescu den eher "unheldenhaften" Hintergrund Ceausescus zu kompensieren.Ich sehe da Parallelen zur demokratischen Volksrepublik Korea und Kim Jong Il,der im gegensatz zu seinem Vater Kim Il Sung über keinen Partisanenhintergrund verfügte und ersteinmal eine Reihe von "Legenden" über ihn erfunden werden mussten.

    Besonders interessant finde ich wie die Propaganda Elena Ceausescu zur "Wissenschaftlerin von Weltruhm" verklärte,obwohl diese in der Realität nur eine einfache Dorfschule besucht hatte,und dort hohe Qualitäten im Fach "Nähen" an den Tag legte.


  4. #34
    Avatar von Noodles

    Registriert seit
    16.01.2009
    Beiträge
    684
    Zitat Zitat von ökörtilos Beitrag anzeigen
    Tatsächlich war es eines der größten Probleme bei der Errichtung des Personenkultes um Nicolae und Elena Ceausescu den eher "unheldenhaften" Hintergrund Ceausescus zu kompensieren.Ich sehe da Parallelen zur demokratischen Volksrepublik Korea und Kim Jong Il,der im gegensatz zu seinem Vater Kim Il Sung über keinen Partisanenhintergrund verfügte und ersteinmal eine Reihe von "Legenden" über ihn erfunden werden mussten.

    Besonders interessant finde ich wie die Propaganda Elena Ceausescu zur "Wissenschaftlerin von Weltruhm" verklärte,obwohl diese in der Realität nur eine einfache Dorfschule besuchte,und dort hohe Qualitäten im Fach "Nähen" an den Tag legte.

    Ich dachte vorhin auch schon an Elena, und dass man da fast einen Extra-Thread bräuchte. Aber so viel weiß man über sie dann doch nicht. In solch einem Fall siegt oft die Legendenbildung. Kurios ist nur die Parallele zu Frau Honecker... die war ja Bildungsministerin und vor ihr hatten manche Leute sehr viel mehr Angst als vor ihrem vertrottelten Mann.
    "Die entfesselte Furie Weib im Hintergrund männlich dominierter großer Politik".
    Auch 'n schönes Dissertationsthema. Na... wird's schon geben.

  5. #35
    ökörtilos
    Zitat Zitat von Noodles Beitrag anzeigen
    Ich dachte vorhin auch schon an Elena, und dass man da fast einen Extra-Thread bräuchte. Aber so viel weiß man über sie dann doch nicht. In solch einem Fall siegt oft die Legendenbildung. Kurios ist nur die Parallele zu Frau Honecker... die war ja Bildungsministerin und vor ihr hatten manche Leute sehr viel mehr Angst als vor ihrem vertrottelten Mann.
    "Die entfesselte Furie Weib im Hintergrund männlich dominierter großer Politik".
    Auch 'n schönes Dissertationsthema. Na... wird's schon geben.
    Auch in Albanien soll Enver Hoxhas Frau Nexhmije großen Einfluss auf ihren Mann ausgeübt haben.Enver,Nicolae &co.Die "Pantoffelhelden" vom Balkan?

    am Rande noch der Link zu einem interessanten Spiegel Interwiew mit Nexhmije Hoxha von 2004:
    "Wir töteten nie ohne Grund"

  6. #36
    Avatar von Vasile

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    Beiträge
    4.031
    Zitat Zitat von ökörtilos Beitrag anzeigen
    Gut,das er wirtschaftlich am Ende seiner Regierungszeit viele Fehler machte sagen viele.Aber die Schuld an den wirtschaftlichen Schwierigkeiten in der Heutigen Zeit einem System zu geben,das mittlerweile 20 Jahre zurück liegt,ist doch offensichtlich eine Suche nach dem Sündenbock.
    Ich denke Rumänien und Ungarn ähneln sich da sehr.Denn bei uns versuchen die Kapitalisten auch alles den Kommunisten in die Schuhe zu schieben,obwohl der Schuldenberg den sie aufgetürmt haben,ungleich höher ist.
    Das Ceausescu-Regime hat dem Land wirtschaftlich kaum was hinterlassen. Es ist selbstverständlich dass das Land sich ausleihen musste (vor allem in den 1990-er Jahren) um überhaupt überleben zu können.

    Ich würde Rumänien nicht mit Ungarn vergleichen. 1989 gab es in Ungarn immer noch die kleinen Unternehmer, in Rumänien verbietete das Ceausescu-Regime sogar diese.

    Zitat Zitat von ökörtilos Beitrag anzeigen
    Der Niedergang setzte bereits in der Mitte der Siebziger Jahre ein.Der sich 1968 noch als offen gebende Ceausescu liess einen,im Laufe der Jahre immer ungewöhnlicher wirkenden Personenkult um sich aufbauen.Dazu kamen wirtschaftliche Schwierigkeiten.
    Der Personenkult schloss logischerweise jede Form von Kritik an seiner Person aus.Es gibt einen Fall,wo eine Zeitungsautorin in einem Artikel einen "verhängnisvollen" Tippfehler machte,und der Vorname Nicolae Ceausescus falsch geschrieben wurde,was übersetzt wohl so etwas wie "Schwanzlos"bedeutet.Die Autorin wurde zur Rechenschaft gezogen,konnte sich aber noch gerade so aus der Sache herauswinden.
    Vor allem nach seinem Besuch in Nordkorea kehrte Ceausescu komplett verändert zurück.

    Zitat Zitat von Livnjak Beitrag anzeigen
    Seine Ablehnung des sowjetischen Einmarsches in die Tschechoslowakei während des Prager Frühlings waren wohl eher machtpolitischer Natur. Denn wenn die Sowjets schon in ein "befreundetes" sozialistisches Land einmarschieren, könnte das theoretisch auch Rumänien passieren. Und somit konnte er den Einmarsch alleine aus Gründen der Machterhaltung - und er war ja jemand der sehr an seiner Macht hing - nicht gut heißen. Ich glaube kaum das es andere positivere Gründen als den gibt:icon_smile:
    Könnte gut möglich sein. Zum Zeitpunkt des Einmarsches in der Tschechoslowakei war Ceausescu bereits mit den Sowjets zerstritten. Ceausescu stritt mit den Sowjets schon zu seinem ersten Besuch in Moskau als diese sich weigerten den rumänischen Staatsschatz zurückzugeben.
    Aber, Ceausescu hatte von den Chinesen ein Versprechen der Unterstützung bekommen, deswegen marschierten die Sowjets nicht auch in Rumänien ein.
    Zitat Zitat von ökörtilos Beitrag anzeigen
    Das untere Video zeigt Ceausescu bei seiner letzten Rede in Bukarest.Der zu Anfang noch bejubelte Ceausescu muss mit ansehen wie die Stimmung des Volkes kippt und er in Sprechchören ausgebuht wird.Könte eventuell jemand übersetzten?Vasile?
    Ich fand keine deutsche Version der Rede im Netz.

    Er wollte den Arbeitern eine Lohnerhöhung anbieten, doch diesmal hatte keiner mehr irgend ein Bock auf irgendwelche Lohnerhöhungen (denn mit Geld konnte man ja kaum was nichts kaufen: die Geschäfte waren sowieso leer) und buhlte ihn an. Ceausescu war entsetzt, da er geglaubt hatte das Volk mag ihn. Er sagte dass ihm alles inszeniert wurde (kann auch sein).

    Zitat Zitat von Noodles Beitrag anzeigen
    Ceausescu war tatsächlich neidisch auf Tito.
    Glaub ich nicht. Wenn er neidisch auf Tito wäre, dann hätte er nicht nur außenpolitisch, sondern auch innenpolitisch dem Tito nachgemacht.

    Zitat Zitat von Noodles Beitrag anzeigen
    Er selbst war ursprünglich ein kleiner Mitläufer im Parteiapparat, war mal im Gefängnis in der gleichen Zelle mit einem späteren Parteichef, hatte also eigentlich einen schattenhaften Aufstieg.
    Das muß ein Bisschen nuanciert werden. Er saß im Gefängnis in den 30-er Jahren eben wegen seiner kommunistischen Aktivität, die damals in Rumänien streng verboten war und mit der Freiheitsstrafe eingebüßtn wurde.

    Zitat Zitat von Noodles Beitrag anzeigen
    Tito dagegen: Ein richtiger "Führer", gestaltend, anerkannt, geliebt für seine Verdienste, ein richtiger Mann, irgendwie zwischen den Fronten... das hat den Nicolae gewurmt, dass er das nie schaffen würde.
    Man kann Jugoslawien im 2. WK nicht mit Rumänien im 2. WK vergleichen. Tito's Aufstieg war patriotisch-nationalistischer Natur, wärend Ceausescu's Aufstieg eher an der Partei gebunden.

    Zitat Zitat von ökörtilos Beitrag anzeigen
    Besonders interessant finde ich wie die Propaganda Elena Ceausescu zur "Wissenschaftlerin von Weltruhm" verklärte,obwohl diese in der Realität nur eine einfache Dorfschule besucht hatte,und dort hohe Qualitäten im Fach "Nähen" an den Tag legte.
    Das war ja auch Personenkult, diesmal für seine Frau.

  7. #37
    Avatar von Noodles

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    Zitat Zitat von ökörtilos Beitrag anzeigen
    Auch in Albanien soll Enver Hoxhas Frau Nexhmije großen Einfluss auf ihren Mann ausgeübt haben.Enver,Nicolae &co.Die "Pantoffelhelden" vom Balkan?

    am Rande noch der Link zu einem interessanten Spiegel Interwiew mit Nexhmije Hoxha von 2004:
    "Wir töteten nie ohne Grund"
    Das ist ja ein selten interessantes Dokument.
    Und der Ton erinnert sehr an den der hartleibigen, ideologischen Gräben hier im Forum.

  8. #38
    Avatar von Noodles

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    Zitat Zitat von Vasile Beitrag anzeigen
    Glaub ich nicht. Wenn er neidisch auf Tito wäre, dann hätte er nicht nur außenpolitisch, sondern auch innenpolitisch dem Tito nachgemacht.

    Das muß ein Bisschen nuanciert werden. Er saß im Gefängnis in den 30-er Jahren eben wegen seiner kommunistischen Aktivität, die damals in Rumänien streng verboten war und mit der Freiheitsstrafe eingebüßtn wurde.

    Man kann Jugoslawien im 2. WK nicht mit Rumänien im 2. WK vergleichen. Tito's Aufstieg war patriotisch-nationalistischer Natur, wärend Ceausescu's Aufstieg eher an der Partei gebunden.
    Du weißt es besser als ich, er war ein Bauer. Und er machte in der Nachahmung Titos nur das Nötigste. Deshalb war er ja auch so überrascht bei seiner letzten Rede: Er hatte sich völlig in diesen Wahn gesteigert, der beste Sohn des Landes zu sein, alles richtig zu machen, für alle "gut" zu sein usw.
    Und du sagst es, er war ein Parteisoldat, eben deshalb wirklich nicht zu vergleichen mit Tito.

    In jedem Fall interessant ist dein Hinweis auf Korea. Da liegen ohnehin wahrscheinlich die größten Parallelen.

  9. #39
    ökörtilos
    Zitat Zitat von Noodles Beitrag anzeigen
    Du weißt es besser als ich, er war ein Bauer. Und er machte in der Nachahmung Titos nur das Nötigste. Deshalb war er ja auch so überrascht bei seiner letzten Rede: Er hatte sich völlig in diesen Wahn gesteigert, der beste Sohn des Landes zu sein, alles richtig zu machen, für alle "gut" zu sein usw.
    Und du sagst es, er war ein Parteisoldat, eben deshalb wirklich nicht zu vergleichen mit Tito.


    In diesem Zusammernhang muss ich an den Chef der Staatssicherheit in der DDR,Erich Mielke denken.Er sprach dort 1989 vor der Volkskammer folgende Worte:
    „Ich liebe – Ich liebe doch alle – alle Menschen – Na ich liebe doch – Ich setzte mich doch dafür ein!"
    Worauf er ausgelacht wurde.

  10. #40
    ökörtilos
    Zitat Zitat von Noodles Beitrag anzeigen
    Ich dachte vorhin auch schon an Elena, und dass man da fast einen Extra-Thread bräuchte. Aber so viel weiß man über sie dann doch nicht. In solch einem Fall siegt oft die Legendenbildung. Kurios ist nur die Parallele zu Frau Honecker... die war ja Bildungsministerin und vor ihr hatten manche Leute sehr viel mehr Angst als vor ihrem vertrottelten Mann.
    "Die entfesselte Furie Weib im Hintergrund männlich dominierter großer Politik".
    Auch 'n schönes Dissertationsthema. Na... wird's schon geben.
    Es fallen einem tatsächlich viele Parallelen zwischen Honnecker und Ceausescu auf.Z.b. kamen beide im gleichen Zeitraum an die Macht.Beide lehnten Gorbatschows Politik ab.Und genau wie Honnecker unter Ulbricht diente auch Ceausescu vor seiner Machtergreifung in der Jugendorganisation der Partei.


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