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Obszön

Erstellt von Grasdackel, 19.04.2010, 20:17 Uhr · 4 Antworten · 417 Aufrufe

  1. #1
    Grasdackel

    Obszön

    Serbien hat sich förmlich vor der Welt entschuldigt. Es trägt die Bürde einer Unterlassungssünde. Es trägt sie mit Fassung. Der Internationale Gerichtshof hatte Serbien in seiner Entscheidung von 2007 dafür verurteilt, nicht alles in seiner Macht Stehende zur Verhinderung des Völkermords von Srebrenica getan zu haben. Nicht dafür, dass die serbische Regierung unter Slobodan Milosevic das Verbrechen in Srebrenica wie überhaupt den gesamten genozidalen Krieg gegen die bosnisch-muslimische Zivilbevölkerung erdacht, geplant, gesteuert, in jeder erdenklichen Hinsicht unterstützt hat.

    Nach allen Standards der historischen Wahrheitsfindung war der Urteilsspruch des höchsten Strafgerichts der UN ein Fehlurteil. Aber das scheint heute niemand mehr zu interessieren. Die Tatsache, dass es das Urteil überhaupt gibt, hat seine Fragwürdigkeit verschluckt. Wesentliche Dokumente wie die Protokolle des Nationalen Sicherheitsrates in Belgrad hatten dem Gericht gar nicht vorgelegen. Sie waren ihm gezielt vorenthalten worden. Aber der Deal zwischen der Anklage des Jugoslawientribunals unter Carla Del Ponte und der serbischen Regierung ist vergessen: Übergabe der für das Verfahren gegen Milosevic unverzichtbaren Dokumente gegen die Verpflichtung, sie nur strikt gerichtsintern zu verwenden. Serbien musste ein elementares Interesse daran haben, das brisante Material nicht an die Öffentlichkeit gelangen zu lassen. Und auch nicht an den Internationalen Gerichtshof, wo bereits seit 1993 eine Klage Bosnien-Herzegowinas gegen Serbien wegen Völkermords anhängig war.
    Serbien hat sich jetzt förmlich vor der Welt dafür entschuldigt, nicht alles gegen einen Völkermord getan zu haben, den es in Wahrheit zu verantworten hat. Es ist grotesk. Denn es ist eine Verdrehung und Verfälschung der Zeitgeschichte und ihrer blutigen Fakten. Die Welt ist vital, sie schaut nach vorn. Wunden, auch tiefe, verheilen schnell - besonders, wenn es die Wunden anderer sind. Serbien kann in Europa mit desinteressierter Versöhnlichkeit rechnen. Man könnte auch sagen: mit einer Art politischer Jovialität. Hat das Land jetzt nicht einen Schritt in die richtige Richtung gemacht? Die Haltung scheint nur noch in Bosnien als das empfunden zu werden, was sie ist: als obszön. Nein, falsch, auch noch in Belgrad, in der marginalisierten, unbestechlichen liberalen Intelligenz Serbiens.

    Gastkommentar: Zur Erinnerung: Serbien entschuldigt sich für Srebrenica: Obszön - Nachrichten welt_print - Debatte - WELT ONLINE

  2. #2
    Grasdackel
    Der Kommentator spricht mir aus der Seele

  3. #3
    vincent vega
    und jetzt?

  4. #4
    CHE_vape
    und jetzt?

  5. #5
    Gast829627
    und wat jetzt?????