Opfer von Kosovo-Massaker 1999 waren "Terroristenbande"

Ex-Untersuchungsrichterin in Pristina sagt im Milosevic-Prozess vor UNO-Tribunal aus

Belgrad/Den Haag - Die ehemalige Untersuchungsrichterin in der Kosovo-Hauptstadt Pristina, Danica Maksimovic, hat am Donnerstag vor dem UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag erklärt, dass im Jänner 1999 im Kosovo-Dorf Racak die "Angehörigen der (albanischen) Terroristenbande" getötet worden seien. Die Geschehnisse im Albaner-Dorf südwestlich von Pristina wurden am 16. Jänner 1999 vom damaligen Leiter der OSZE-Mission in Kosovo, William Walker, als Massaker serbischer Sicherheitskräfte an albanischen Zivilisten bezeichnet.

Belgrad hatte die Vorwürfe umgehend zurückgewiesen und Walker zur unerwünschten Person in Jugoslawien erklärt. Später wurde dem Ex-OSZE-Chef auch angelastet, den "Fall Racak" als Auslöser für die gut zwei Monate später begonnenen NATO-Luftangriffe aufgestellt zu haben.


27. Entlastungszeugin im Prozess

Die Ex-Ermittlungsrichterin aus Pristina sagte als 27. Entlastungszeugin im Prozess aus, der vor dem UNO-Tribunal gegen den ehemaligen jugoslawischen Staatschef Slobodan Milosevic wegen Kriegsverbrechen im Kosovo, Bosnien-Herzegowina und Kroatien läuft.

Maksimovic, die am 17. Jänner 1999, zwei Tage nach den Geschehnissen, die Untersuchungen in Racak geleitet hatte, erklärte, dass diese gezeigt hätten, dass es sich bei den Opfern - 44 Personen, darunter ein 99-jähriger Albaner - um Angehörige der "Terroristenbande" (Kosovo-Befreiungsarmee UCK, Anm.) gehandelt habe, die ihren Stützpunkt in Racak gehabt hätten, und nicht um Zivilisten. Darauf hätten unter anderem die sichergestellten Waffen, aber auch Schutzgräben um das Dorf hingedeutet. Auch seien bei 37 Opfern Spuren von Feuerwaffengebrauch festgestellt worden, sagte Maksimovic.


"Fall Racak" wurde nie restlos geklärt

Der "Fall Racak" wurde nie restlos geklärt. Ein internationales Untersuchungsteam unter Leitung der finnischen Ärztin Helena Ranta hatte im Februar 1999 in seinen Unterlagen keine Beweise für eine Massenhinrichtung kosovo-albanischer Zivilisten vorgelegt. Unbeantwortet blieb auch die Frage, ob es sich nicht zumindest bei einem Teil der Toten um UCK-Kämpfer handelte, die im Zuge von Gefechtshandlungen mit jugoslawischen Einheiten fielen.

Maksimovic erklärte am heutigen Donnerstag, dass sich unter den Opfern bis auf ein Kind und eine Frau, die nach ihren Angaben ebenfalls eine UCK-Angehörige und Tochter des lokalen UCK-Kommandanten gewesen sei, nur Männer befunden hätten. (APA)

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