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Opferzahlen in Bosnien - Das Projekt Republika Srpska

Erstellt von Machiavelli, 11.04.2012, 11:16 Uhr · 295 Antworten · 16.062 Aufrufe

  1. #151
    Avatar von kiko

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    Zitat Zitat von Hassist Beitrag anzeigen
    Ich habs doch gesagt, gleich in meinem ersten Post, dass das hier nicht zum Frieden beitragen wird. Wie auch, wenn man alte Wunden immer und immer wieder aufreisst.
    Aber neeiiiiiiiiiiiiiiiiiin, Lord ist kein Hetzer.
    Allein schon, dass ihn Faschofrank verteidigt sagt doch schon aus, aus welcher Ecke der Wind weht. Einfach nur erbärmlich.
    Und obwohl legija mit seiner Ausdrucksweise nicht gerade Reden im Kindergarten halten sollte ( ) hat er den Nagel auf den Kopf getroffen.
    Zitat Zitat von Hassist Beitrag anzeigen
    Ich würde gerne wissen warum man immer wieder auf das RS-Gesülze zurückgreift. Was will man erreichen? Sollte man nicht zu denen hingehen, die tatsächlich für die Morde im Krieg verantwortlich waren?
    Warum also hier? Jeder kennt die Fakten in dem Eingangspost! Aber was will der Threadersteller weiter. Sollen wir alle jetzt eine BiHFahne in der Signatur haben. Oder sollen wir jetzt alle "Scheiss RS" schreien? Warum!? Was bringt den Menschen das?
    Es gibt immer Menschen die irgend etwas leugnen. Diese Menschen wird man auch nicht mit Fakten überzeugen können. Egal obs Deutsche, Serben oder Türken sind. Aber ist es denn nicht völlig egal was diese Minderheit denkt. Mir ist es doch auch egal, wenn deutsche dem 3. Reich nachtrauern. Genauso wie die Ujos oder Cedos.
    Bambi hat es sehr schön geschrieben. Das Volk in der RS macht keine Politik. Wir hier in D erst recht nicht. Also lasst doch das Volk in Ruhe.
    Geht zu Dodik, Seselj oder sonst jemanden.


    Danke
    So und jetzt möchte ich bitte wieder von den Friedensaktivisten hier im Forum hören, dass ich nur hetze und Hass schüre.

  2. #152
    Avatar von Bambi

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    Wenn ich hier so die letzten Seiten lese, sehe ich wieder einige gutgemeinte Vorschläge in Richtung Zentralstaat. Gut gemeint ist aber das Gegenteil von gut. Ich fände selbst nen Zentralstaat bzw ne Kantonisierung, zb nach Schweizer Modell, ne super Sache, aber das ist reinster Idealismus, der mit der gegenwärtigen Lage nix zu tun hat. Wieso wollen hier einige nich verstehen, dass die Leute unten einfach Angst haben vor Entmündigung, dass sie instrumentalisiert werden, dass es aus Sicht eines RS-Serben nahezu selbstverständlich ist, an der RS festzuhalten, um noch irgendwie gehört zu werden? Dass Leute aus der FBiH gegen die RS und für nen Zentralstaat sind sind, ist nun wirklich keine Kunst bzw Leistung. Die wahre Leistung liegt darin, auch mal zu verstehen, wieso das GEGENÜBER so abblockt und nicht jeden gleich, der an der RS festhalten mag, als Cetnik oder Großreichträumer oder sonstwas zu betiteln.

    Nein, oftmals liegt es einfach nur an so banalen Dingen wie: Ich will nicht, dass mich Leute regieren, die mich hassen. Denn DAS und nix anderes kriegen die dort zu hören. Ihr seid hier außenstehende, ihr habt zahlreiche Möglichkeiten zur Informationsbeschaffung, genug Einkommen etc. Wärt ihr irgendein arbeitsloser Teenager unten und Dodik reißt die Fresse auf, wäre eure Sicht ne ganz andere. Es wäre wirklich mal hilfreich, das auch verstehen zu lernen und dass es nich immer um irgendwelche "höheren Ziele" wie eben ein Großreich geht, sondern wirklich um die allerbanalsten Dinge wie politische Selbstbestimmung bzw Vetorechte und whatever. Wie gesagt, aus ner idealistischen Perspektive würd ich die RS lieber noch heute als morgen abschaffen, aber man darf nich die Lebensrealität von über 1,5 Mio Menschen ignorieren, die auf Angst und Misstrauen basiert. So, und mehr schreib ich hier nich. Wer mich missverstehen will, wird es so oder so und erneut mit seinem "Aber ich will nen Zentralstaat"-Gerede anfangen. Jadni diasporci.

  3. #153

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    Um Emphatie geht es hier nicht.

    Ich schrieb bereits im Eingangspost, dass ich die Republika Srpska durchaus als Ausdruck & Wunsch des serbischen Volkes in BiH nach einer eigenen Entität anerkenne. Das 90% der bosnischen Serben an der RS festhält ist ebenfalls eine Realität an der ich nicht vorbei schreibe.

    Die blutige Entstehung der RS ist aber auch eine Tatsache die bis dato noch nicht vollständig aufgearbeitet wurde. Es ist geradezu lächerlich das mir einiger User hier die Aufrechterhaltung von Hassideologien vorwerfen, wenn ich nichts weiter tue als darauf zu verweisen das man Hassideologien bekämpfen muss. Der bloße Verweis darauf bedeutet nicht, dass ich hier zu einer Abschaffung der RS aufrufe oder eine zentralistische Alternativlösung einfordere. Genau das ist diese typisch balkanische Unterstellerei, die zu Konflikten führt. „Man“ weiß ja immer was der andere will, dass gibt dann einem die Berechtigung los zuschlagen.

    Genau deshalb ist eine Aufarbeitung enorm wichtig, weil sie diese Interpretationsspielräume im Sinne von „Ich weiß was Du eigentlich willst“ minimiert. Irgend jemand schrieb das eine Aufarbeitung auf dem Balkan nicht möglich ist, weil „prokleti narod“. Aber das eine unterlassene Aufarbeitung zu neuen Konflikten führt, zeigt doch die Vergangenheit Jugoslawiens und die aktuelle Situation in BiH. Dort geht es u.a. doch genau deshalb nicht voran, man selbst nicht auf den kleinsten gemeinsamen Nenner kommt. Die Ausläufer davon sind doch jene Phänomene die hier ebenfalls angesprochen wurden: Es geht nicht vorwärts, die Wirtschaft stockt, was wiederum Frust und Unzufriedenheit produziert wo immer „die anderen“ Schuld sind. Das ist der Konflikt von morgen, da können die Friedenslaberer hier von Hass, Kamellen von Gestern oder „Ringelpietz mit Anfassen Friede Freude“ sich noch so sehr darüber echauffieren: Ohne Aufarbeitung, kein Blick nach vorne. Das hier ist kein Commodore 64 den ich mit SYS64738 einfach neu starte und gut ist….

    Und zu einer Aufarbeitung gehört ohne Zweifel auch die schmerzvolle Betrachtung der Vergangenheit. Mal ganz hart formuliert: 100% der bosnischen Serben akzeptieren die Gründung der RS als Ausdruck eigener Souveränität. 0% dagegen erkennen die nachweislichen und umfassenden Vertreibungswellen von Nichtserben (Internierung, Mord, Terror) als ein offensichtliches Ziel politischer Wirkungskreise der RS an. Bei den Bosniaken ist es wohl genau umgekehrt: 100% sehen in der Republika Srpska einen genozidären Dreck, 0% betrachten sie als einen legitimen Ausdruck serbischer nationaler Interessen.

    Da die serbischen Verbrechen auf den von ihnen kontrollierten Gebieten nachweislich & zahlentechnisch faßbar sind und Verbrechensaufklärung vorrangig vor einer Verständnis Schaffung behandelt werden sollte, war die RS seit 1995 in einer Bringschuld. Diese jedoch ist von der RS niemals selbst, oder nur durch Druck von Außen erbracht worden. Das Verständnis bei den Bosniaken für eine RS und damit die Grundlage für ein zumindest friedvolles & konstruktives Nebeneinander kann nur dann geschaffen werden, wenn die RS anhand klarer Fakten ihre Geschichte selber aufarbeitet. Das bedeutet nicht die Aufgabe eigener Positionen, aber die Ergänzung dass das Ziel „RS“ durchaus mit genozidären Mitteln vollzogen wurde. In der RS aber findet hierzu aktuell eine gegenläufige Entwicklung statt.

    Ich will euch das mal anhand eines Beispiels verdeutlichen: In Visegrad wurde kürzlich Mitar Vasiljevic freudig von einer großen Menge empfangen. Es spielten Trubas, Jungs & Mädels waren mit Sajkacas unterwegs, ganz „normale“ Leute, so an die 200. Mitar Vasiljevic gehört einer paramilitärischen Formation an, den „Beli Orlovi“ von Milan Lukic. Letzterer ist vlt. bekannt: Er hielt einen Zug an, tötete die Insassen. Gleiches machte er auch mit einem Bus aus Sjeverin, der bei Rudo ein Teilstück über BH-Territorium fuhr. Die gleiche Gruppe ist verantwortlich für Vergewaltigungen und dem Anzünden von 2 Häusern bei denen das jüngste Opfer so „Alt“ war, dass es nicht einmal einen Namen hatte.

    Diese Szenerie wurde in Visegrad von jenen beobachtet, die mittel- und unmittelbar durch Mitar Vasiljevic ihre Angehörigen verloren haben. Versetzt euch -gerade die Emphaten und "Versteht doch mal die andere Seite" User- doch mal in die Lage dieser Rückkehrer ? Wie würdet ihr es denn empfinden, wenn da ein Typ zurückkommt der in der Pionirska Ulica in Visegrad einen eurer Verwandten niedergebrannt hat, dafür verurteilt wurde und nun von einem Pulk wie ein Held empfangen wird ?

    Und jetzt stellen wir uns mal vor, es hätte so etwas wie eine Aufarbeitung gegeben: Mitar Vasiljevic hat seine Strafe abgesessen, er ist nun frei und das muss so hingenommen werden. Bei seiner Rückkehr nach Visegrad kommen vlt. 2-3 Leute, aber es findet kein Straßenfest statt. Warum? Weil die lokalen Serben zwar stolz auf ihre Republika Srpska sind, aber auch wissen dass das was im Windschatten ihrer Entstehung geschehen ist und Vasiljevic für seine Taten schneiden.

    Genau das gleiche würde (und sollte!) dann nämlich auch mit einem Naser Oric passieren. Er wäre in den Augen der meisten nach wie vor ein Verteidiger, aber eben so würden sie seine Untanten, seine direkte oder indirekte Beteiligung an Morden ablehnen und dies wenigstens durch Nichtbeachtung zum Ausdruck bringen.

    Das ist Aufarbeitung und niemand sagt das so etwas schmerzfrei funktioniert. Aber macht man es gar nicht, ist der nächste Konflikt vorprogrammiert. Es werden falsche Helden gefeiert und Ideologien sterben da nicht einfach aus. Diese Annahme ist total falsch.

    Seht euch Bosnien an. Dort scheint man sich jetzt mehr zu hassen als es vor dem Kriegsausbruch der Fall war. Niemand will Krieg, aber niemand will auch das Hassen aufgeben...

  4. #154
    Avatar von kiko

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    Was meinst du warum es bei uns in 90ern Krieg gab. Unsere Leute sind nicht gerad die "hellsten". Sie haben es damals nicht kapiert. Sie kapieren es heute auch nicht.
    Dein Beispiel mit diesem Mitar .... ist gut. Aber solche Typen wie dieser werden immer seine Anhänger haben. Dann nutzen keine 10000 Fakten. Wie gesagt, unsere Leute sind zum Teil faktenresistenz.
    Traurig aber war.
    Aber es wird leider immer und immer wieder Verbrecher nach einem Krieg geben, die unbehelligt im In oder Ausland leben dürfen. Siehe D nach dem 2. WK. Viele Nazieverbrecher würden geschützt und haben noch bis in den 70ern in den dt. Parteien mitgewirkt.
    Traurig aber wahr.

  5. #155

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    Ich beherzige mal meinen eigenen Rat und versuche Verständnis zu schaffen.

    Zitat Zitat von Hassist Beitrag anzeigen
    Was meinst du warum es bei uns in 90ern Krieg gab. Unsere Leute sind nicht gerad die "hellsten". Sie haben es damals nicht kapiert. Sie kapieren es heute auch nicht.
    Genau das ist aber der Punkt wo man ansetzen muss. Wir haben zumindest heute den Vorteil frei zugänglicher Informationen, Zugriff auf Medien und vor allen Dingen ein gestiegenes Bildungsniveau der Jugend. Was ist die Alternative? Kapitulation vor der eigenen Dummheit und in 50 jahren "jovo-na-novo" ?

    Zitat Zitat von Hassist Beitrag anzeigen
    Dein Beispiel mit diesem Mitar .... ist gut. Aber solche Typen wie dieser werden immer seine Anhänger haben. Dann nutzen keine 10000 Fakten. Wie gesagt, unsere Leute sind zum Teil faktenresistenz.
    Eine umfassende Aufklärung wird nicht jeden erreichen, das ist schon klar. Aber wenn sich das Empfangskomitee auf wenige unverbesserliche reduziert, während die Masse dem Ganzen ablehnend gegenübersteht, dann ist das ein Erfolg. Heute ist es mit Vasiljevic eher umgekehrt.

    Zitat Zitat von Hassist Beitrag anzeigen
    Aber es wird leider immer und immer wieder Verbrecher nach einem Krieg geben, die unbehelligt im In oder Ausland leben dürfen. Siehe D nach dem 2. WK. Viele Nazieverbrecher würden geschützt und haben noch bis in den 70ern in den dt. Parteien mitgewirkt.
    Traurig aber wahr.
    Da hast Du Recht. Beispiele gibt es en masse. Und nicht jeden erwischt die Gerechtigkeit (siehe Quand). Aber wenn man nicht einmal den Versuch macht das abzustellen, dann bekommst Du den oben beschriebenen Effekt wie bei Vasiljevic. Oder anders gesagt: Es macht einen Unterschied ob ein Nazi-Grösse von 200-300 "normalen" Menschen bejubelt wird, oder von ein paar unverbesserlichen Spinnern.

    Alles in allem: Die guten und nachhaltigen Lösungen sind leider auch die am schwierigsten umzusetzenden. Die einfachen "Piep-Piep-Piep-Lösungen" haben sicher ihren Charme, lösen aber das Problem nur an der Oberfläche, während der bosanski Lonac weiterkocht.

  6. #156
    Avatar von Dissention

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    Zitat Zitat von Minaj Beitrag anzeigen
    Dies würde aber nur dazu führen, dass viele Menschen den Krieg als ''Erfolg'' sehen würden. Früher oder später würde der Wunsch einer Zusammenführung zum großserbischen Staats aufkommen.

    Außerdem leben in der RS immer noch sehr viele Bosniaken und Kroaten.
    Nur weil die Serben die Mehrheit in der RS sind, heißt es nicht, dass die Anzahl der Bosniaken und Kroaten nicht mehr erwähnenswert ist.

    Zudem wäre ein Konzept der Zusammenführung der beiden Entitäten ein Konzept des Friedens und der GLEICHBERECHTIGUNG.

    Bosnien-Herzegowina ist nicht nur ein Staat der Bosniaken, nämlich auch ein Staat der bosnischen Kroaten und bosnischen Serben!
    Aus diesem Grund wäre es absolut paradox sich von Bosnien-Herzegowina trennen zu wollen.
    Ich sehe nicht wo ich von Trennung gesprochen habe; ich sagte dass man den Entitäten mehr Rechte geben sollte, von daher ist dein kompletter Post witzlos.

    (Davon mal abgesehen, sind die Ergebnisse eines Krieges nicht in Stein gemeisselt, die Aufteilung Deutschlands nach dem zweiten Weltkrieg ist auch 45 Jahre später durch die Wiedervereiningung wiederuffen worden, denkst du wirklich die Russen haben dann protestiert??)

  7. #157

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    Die SR Bosnien und Herzegowina (später dann Republik Bosnien und Herzegowina) hatte sich durch unlegetime Wege zur Unabhängigkeit verholfen. Laut der Verfassung der SFRJ mussten auch die Serben in BiH sowie die SR Serbien eine Zustimmung geben, was nicht erfolgte.
    Somit hat die Republika Srpska auch ein Recht auf die Unabhängigkeit auch ohne der Zustimmung der Föderation.

    Ansonsten möchte ich noch was zum eigentlichen Thema beitragen. Mir tun alle Opfer leid, egal ob auf bosniakisch, serbisch oder kroatischer Seite. Am meisten tun mir die Zivillisten leid, die mit dem Krieg nichts am Hut hatten...
    R.i.P an alle Opfer.




  8. #158

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    Zitat Zitat von Dissention Beitrag anzeigen
    Ich sehe nicht wo ich von Trennung gesprochen habe; ich sagte dass man den Entitäten mehr Rechte geben sollte, von daher ist dein kompletter Post witzlos.

    (Davon mal abgesehen, sind die Ergebnisse eines Krieges nicht in Stein gemeisselt, die Aufteilung Deutschlands nach dem zweiten Weltkrieg ist auch 45 Jahre später durch die Wiedervereiningung wiederuffen worden, denkst du wirklich die Russen haben dann protestiert??)
    Welche Rechte sollten die Entitäten bekommen, die sie heute nicht haben ? Nenn doch mal ein paar Beispiele

    Die SR Bosnien und Herzegowina (später dann Republik Bosnien und Herzegowina) hatte sich durch unlegetime Wege zur Unabhängigkeit verholfen. Laut der Verfassung der SFRJ mussten auch die Serben in BiH sowie die SR Serbien eine Zustimmung geben, was nicht erfolgte.
    Somit hat die Republika Srpska auch ein Recht auf die Unabhängigkeit auch ohne der Zustimmung der Föderation.
    Zunächst einmal definierte die bis dato gültige Verfassung BiH als Staat, zugehörig zum jugoslawischen Staatenbund. Amandman LX aus der gültigen Verfassung vom 31.7.1990: "Bosna i Hercegovina je demokratska i suverena država ravnopravnih građana, naroda Bosne i Hercegovine - Muslimana, Srba i Hrvata - i dijelova ostalih naroda i narodnosti koji žive na njenom teritoriju".

    Für die Badinter Kommission war dieser Verfassungshinweis die Grundlage in ihrem Bericht "4" für die Anerkennung Bosniens (11.1.1992). Zu diesem Zeitpunkt befand sich Jugoslawien nach Feststellung der Badinter Kommission im Zerfallsprozess (Gutachten 1, 29.11.1991), die föderalen Einheiten sollten die Nachfolge regeln. Da es praktisch keine existenten Bundesstrukturen mehr gab, war Jugoslawien praktisch schon zerfallen.

    Mit anderen Worten: Bosnien hat sich nicht einfach an einem schönen Frühlingstag von einem funktionellen Jugoslawien abgesetzt, sondern Jugoslawien war schlicht zerfallen, das einzige was blieb waren die AVNOJ Grenzen. Jugoslawien gab es praktisch nicht mehr, weil die Bundesorgane nicht mehr handlungsfähig waren. Zuvor war es Serbien mit der neuen Republiksverfassung von Sep. 1990, welche die Verfassung der SFRJ untergraben hat (Kosovo+Vojvodina). Dazu gab es eine Verfassungsklage, die aber von den serbischen Richtern opstruiert wurde (Ein Urteil ist nie gefallen). Diese Klage basierte im wesentlichen darauf, dass Milosevic sich das beste aus allen Welten nahm. Die Reintegration negierte die Verfassung der SFRJ von 1974 und machte Vojvodina und Kosovo wieder zu festen Bestandteilen Jugoslawiens. Andererseits nahm sich Milosevic die sich aus der 74-er Verfassung ergebenden Stimmrechte Kosovos und der Vojvodina, um de facto Jugoslawien zu kontrollieren....was nicht im Sinne seines Gründers war, wenn wir hier Tito als Gründe heranziehen. Das gab den Sezessionsbestrebungen Sloweniens und Kroatiens einen ordentlichen Schub.

    Die bosnische Verfassung, aber auch demokratische Prinzipien berücksichtigend, verlangte die Badinter Kommission ein Referendum und andere Auflagen. Bosnien erfüllte diese Bedingungen, trotz serbischem Boykott und Störfeuer. Dennoch wartete der Westen ab, ob sich die 3 Völker in BiH zu einer Lösung der inneren Verfassung durchringen konnten. Die Serben erkannten schnell, das die AVNOJ-Grenzen die Grundlage für die Anerkennung bilden würden (utis possidetis juris), worauf sie keine Lust hatten. Ihr Ziel war der Anschluss an Serbien, der mit "Verbleib in Jugoslawien" kaschiert wurde. Also stellten sie Forderungen und Bedingungen, die für die anderen praktisch unerfüllbar waren, parallel starteten sie ab dem 24.3 die ersten Angriffe auf moslemisch dominierte Gegenden, die sie territorial beanspruchten (vgl. Kljujic, ICTY).

    Das war mitunter ein Grund für Izetbegovics Rückzug der Unterschrift, was aber bei genauer Betrachtung nicht so ausschlaggebend war. Denn am 30.3, also mehr als 5 Tage nach Rücknahme der Unterschrift, gab es erneute Lissabon Verhandlungen, wobei das Sarajevo Abkommen ausdrücklich als Verhandlungsgrundlage (Was es im übrigen auch immer "nur" war - Also kein Friedensplan) akzeptiert wurde. Ist in der serbischen Propaganda natürlich nicht so bekannt, dafür schreibe ich es ja...

    Diese Verhandlungen scheiterten erneut, was sich durch die serbischen Maximalforderungen begründete. War ja auch klar: Serbien hatte die JNA im Rücke, wichtige Positionen in BiH besetzt, da kann man schon mal jemanden die Knarre an den Kopf halten und sagen das er selbst Schuld ist, wenn man abdrückt. Und wenn Du schon bei Illegalität bist: Weit bevor die bosnische Unabhängigkeit in den politischen Institutionen auf der Agenda stand und dort diskutiert wurde, haben die Serben die Verfassung der SRBiH mehrfach gebrochen, ohne die anderen konst. Völker zu befragen: Gründung der ZOBK (April 91), SAO (September 91).

    Irgendwann hatte man im Westen die Schauze voll und ging davon aus, dass mit der Anerkennung sich das Thema befriedet und Karadzic nur laut bellt. Leider ist dem nicht so gewesen.....und da wären wir auch schon bei diesem Thread.

    P.S.:
    Eine Sezessionsklausel ist übrigens in der aktuellen Verfassung nicht enthalten. Diese haette Dodik vermutlich längst gezogen, daher setzt er sinnvollerweise auf die Demontage des Staates und seinen Zerfall.

  9. #159

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    Zitat Zitat von LordVader Beitrag anzeigen
    Du kannst ihn hassen oder nicht. Die obigen Zahlen sind Fakten die darauf basieren, dass man in einem Teil Bosniens Lebensumstände schaffen wollte, um eine Volksgruppe dauerhaft von ihrem Siedlungsgebiet zu entfernen.

    Ich schreibe ja das ich die Republika Srpska durchaus als Wunsch des serbischen Volkes nach eigener Affirmation anerkenne, der gleiche Wunsch aber instrumentalisiert wurde um ein ethnisch reines Gebiet zu schaffen.

    Mit ihrem Handeln können die Serben diesem Begriff entgegenwirken, davon ist aber seit 1995 weit & breit nichts zu sehen.
    Der letzte Satz ist etwas einseitig dargestellt. Gerade Dodik hat am Anfang seiner Amtszeit, als er noch als die Hoffnung nach der SDS gefeiert wurde, das Thema und versucht dies der Bevölkerung ins Bewusstsein zu bringen. Heute klingt er ganz anders "Srebrenica sei masslos übertrieben usw."

    Der Grund für den aufgegebenen Kurs ist in der Föderation zu suchen. Für führende bosniakische Politiker war nur die Auflösung der RS ein Thema und die Genozidgebilde Polemik wurde bei jeder Gelegenheit rausgeholt.

    Das dies das Klima vergiftet hat niemanden interessiert und mit sachlicher Aufarbeitung hatte das nichts zu tun. Das war und ist Politik sowie Wahlkampfprogramm.

    An welcher friedlichen Lösung sind die Bosniaken eigentlich interessiert?
    Eine die die anderen nicht wollen? Was für ein Zusammenleben soll das sein?

    Kompromisslosigkeit ist das Unglück der Bosniaken. Mal abgesehen davon, das die Verfassung der SR BiH ein ganz klare Sprache spricht und der Dayton Vertrag im Wesen diese Sprache aufnimmt, nämlich die Einstimmigkeit bei grundlegenden Entscheidungen, ist Izetbegovic von allen Seiten gewarnt worden:
    "Lass es nicht zum Krieg kommen die Bosniaken haben keine Waffen um sich zu verteidigen".

    Ob nun von Filipovic und Zulfikarpasic oder Radovan Karadzic oder dem EU Vertreter Lord Carrington, nichts hat geholfen. Nein, Izetbegic war schlauer als alle anderen und wenn sowieso nur das islamistische Ziel, die Reislamisierung der Bosniaken, wichtig ist, dann kann ein Krieg nicht schaden.

    Was meinte er noch? "Mirno spavajte rata nece biti" aber gleichzeitig hat er nachweislich jeden Kompromiss sabotieren und damit auch den Frieden.
    Ich behaupte Alija Izetbegovic hat im vollen Bewusstsein die Bosniaken zur Schlachtbank geführt und gehofft das es dabei zu so wenig Opfern wie möglich kommt um dann wie Moses vom Berg herabzusteigen und seinem Volk die Gebote des Islams wärmend ans Herz zu legen und das Leid zu lindern.
    Ob der Staat BiH danach funktionsfähig ist spielt keine Rolle solange der Weg zum Islam gegeben ist.

    Aber Alija Izetbegovic darf man nicht Unrecht tun. Er wäre mit tödlicher Sicherheit als erster bereit gewesen sich mit den Serben friedlich zu einigen, einen Bevölkerungsaustaussch zu organisieren und das Land zu teilen. Diese Ideen hat seine Bruderschaft schon in den 40ern und 50ern propagiert weil BiH als Ganzes nicht so wichtig ist wie die islamische Gemeinde und der Weg zu Allah der durch den säkularen Kommunismus in Gefahr war. Nur hätte er damit als Hirte seine Herde verloren. Denn die Herde hatte für solche Ideen weniger Verständnis. Und dann wäre das grosse Ziel der Islamisierung in Gefahr gewesen.

    Also blieb dem armen Mann nichts anderes Übrig als den Bosniaken zu zeigen wie Serben reagieren wenn man ihnen kompromisslos gegenübersteht. In Kroatien gab es eine Demonstration dessen und Izetbegovic konnte sich Gewiss sein, wenn man die richtigen Knöpfe drückt, dann funktioniert ein Serbe hervorragend.
    Karadzic hat es ja im Parlament noch einmal ganz offen versichert.

    Aber "Mirno spavajte rata nece biti".

    Die Opferzahlen, der Hinweis auf die grosse Zahl der bosniakischen Zivilisten, die von serbischer Hand die ermordet und vertrieben wurden, das ist alles richtig.
    Auch das in einer relativ gesicherten Situation stattfand.

    Was du aber einseitig darstellst ist der Zusammenhang zwischen Aktion und Reaktion.

    Die ethnische Säuberung hatte in Kroatien durch Tudjmans Politik begonnen wo in dem Zeitraum nach Tudjmans Amtseintritt bis zum Ausbruch des Kroatienkrieges,
    Serben das Land zum einen wegen des politischen Klimas verliessen (Kristall Nacht von Zadar) oder vertrieben wurden weil die Häuser in die Luft gesprengt wurden und ähnlichem.

    Tudjman war überzeugt davon das ein stabiles Kroatien nur mit niedrigen Prozentsatz (unter 5 Prozent) an Serben zu realisieren war. Das war Teil seiner Politik lange bevor Karadzic im Parlament offen drohte.

    Das war die Aktion die alle anderen Reaktionen westlich der Drina hervorrief.
    Und ich finde es ganz schön heulerisch das gerade du, dem ab und zu mal über die Lippen rutscht das Tudjman alles richtig gemacht hat, den Serben in BiH dieses vorgehen vorwerfen willst. Wie glaubhaft ist das denn?

    Werden Serben vertrieben ist es die Schuld der serbischen Politik weil Reaktion.
    Für Kroaten und Bosniaken zählt diese Logik nicht, auch hier ist die serbische Politik verantwortlich. Und diese Milchmädchenrechnung möchtest du gerne als "Aufarbeitung" verkaufen? Wem?

  10. #160
    Ego
    Zitat Zitat von Jovanovic Beitrag anzeigen
    Die SR Bosnien und Herzegowina (später dann Republik Bosnien und Herzegowina) hatte sich durch unlegetime Wege zur Unabhängigkeit verholfen. Laut der Verfassung der SFRJ mussten auch die Serben in BiH sowie die SR Serbien eine Zustimmung geben, was nicht erfolgte.
    Somit hat die Republika Srpska auch ein Recht auf die Unabhängigkeit auch ohne der Zustimmung der Föderation.

    Ansonsten möchte ich noch was zum eigentlichen Thema beitragen. Mir tun alle Opfer leid, egal ob auf bosniakisch, serbisch oder kroatischer Seite. Am meisten tun mir die Zivillisten leid, die mit dem Krieg nichts am Hut hatten...
    R.i.P an alle Opfer.




    Du verlogener kleiner Penner.

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