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Papst Franziskus im Europaparlament

Erstellt von De_La_GreCo, 25.11.2014, 16:02 Uhr · 10 Antworten · 626 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von De_La_GreCo

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    Papst Franziskus im Europaparlament

    Papst will Europa, das "sich nicht um Wirtschaft dreht"
    Papst im EU-Parlament Franziskus appelliert an die Nächstenliebe der Parlamentarier Zum Video Artikel
    (Video: Reuters, Foto: AFP, Foto: AFP)
    Papst Franziskus fordert in seiner Rede im Europaparlament in Straßburg, dass Europa sich an der Würde des Menschen orientieren müsse. Die EU solle sich "nicht um die Wirtschaft drehen". Er verlangt von den Regierenden Impulse für den Arbeitsmark.
    Das Kirchenoberhaupt verlangt, dass Flüchtlingsdramen wie vor der italienischen Küste verhindert werden und fordert eine gesamteuropäische Kraftanstrengung. Das Mittelmeer dürfte nicht zu einem "großen Friedhof" werden.
    Franziskus würdigt die Europäische Idee, vergleicht aber den aktuellen Zustand Europas mit einer unfruchtbaren Großmutter. Der Pontifex fordert die Rückbesinnung auf frühere Werte.
    Von Oliver Das Gupta
    Gleich nach seiner Ankunft im Straßburger Europaparlament trifft Jorge Mario Bergoglio erst einmal eine 97 Jahre alte Bekannte. Helma Schmidt aus Boppard hatte den Argentinier 1985 mehrere Wochen in ihrem Haus wohnen lassen, am Küchentisch sollen Deutsch-Vokabeln gepaukt worden sein.

    Wie gut das Lernen während der "zwei schönen Monate" vor fast drei Jahrzehnten dem heutigen Papst getan hat, zeigt sich wenig später im Plenum der Volksvertretung. Da verzichtet Franziskus auf Kopfhörer und hört den Begrüßungsworten des deutschen Parlamentspräsidenten Martin Schulz einfach so zu. Der Sozialdemokrat erwähnt unter anderem den Vertrauensverlust in die Europäischen Institutionen, ein Stichwort das Franziskus in seiner Rede aufnimmt.

    Gleich zu Beginn seiner Rede kommt der Kopf der katholischen Kirche zum Kern: die Menschenwürde und Europa. Nach ein paar Sätzen, in der er das Bemühen der EU um die Menschenrechte würdigt, beginnt der Pontifex Dinge anzusprechen, die den Anwesenden mitunter sichtbar unangenehm waren:

    Europaskepsis: Das Misstrauen der europäischen Bürger gegenüber europäischen Institutionen, beklagt der Papst und vermisst Ideale. Man bekomme den "Gesamteindruck der Müdigkeit und Alterung" von diesem Europa, sagt der Papst. Es sei die "Impression eines Europas, das Großmutter und nicht mehr fruchtbar und lebendig ist".
    Europas Ausrichtung: Der Papst kritisiert "egoistische Lebensstile", die durch "unhaltbaren Überfluss" und von Ignoranz Ärmeren gegenüber geprägt seien. Er spricht auch von "Wegwerf-Kultur" und "hemmungslosem Konsumismus". Der Papst ruft dazu auf, sich auf die humanistischen wie christlichen Wurzeln Europas zurückzubesinnen. Er warnt davor, Europa nach der Ökonomie auszurichten. Wörtlich sagt er: "Liebe Europaabgeordnete, die Stunde ist gekommen, gemeinsam das Europa aufzubauen, das sich nicht um die Wirtschaft dreht, sondern um die Heiligkeit der menschlichen Person, der unveräußerlichen Werte."
    Konsumgesellschaft: Der Papst kommt an einer anderen Stelle auf den Überfluss in der westlichen Welt zu sprechen und verweist auf die Nahrungsmittelnot in vielen südlichen Ländern. "Es ist nicht tolerierbar, dass Millionen von Menschen in der Welt den Hungertod sterben, während jeden Tag Tonnen von Lebensmitteln von unseren Tischen weggeworfen werden."
    Arbeitslosigkeit: Franziskus betont in seiner Ansprache, wie auch schon zu früheren Gelegenheiten, wie sehr Arbeitslosigkeit gerade junge Menschen frustiert. An die Regierenden hat das Oberhaupt der katholischen Kirche eine klare Forderung: "Es ist Zeit, die Beschäftigungspolitik zu fördern", sagt er. Wenn man den Arbeitsmarkt flexibilisiere, müsse gleichzeitig gesichert sein, dass die Arbeitnehmer nicht ausgebeutet werden können. Die Menschen müssen mit ihrem Einkommen eine Familie finanzieren können.
    Flüchtlingsproblematik: Der Pontifex verlangt, dass Flüchtlingsdramen wie vor der italienischen Küste verhindert werden. Das Mittelmeer dürfte nicht zu einem "großen Friedhof" werden. Er kritisiert "das Fehlen gegenseitiger Unterstützung" in der EU und fordert eine gesamteuropäische Kraftanstrengung. Mit Blick auf die kontrovers geführte Zuwanderungsdebatte sagt er, Europa wird imstande sein, die Rechte seiner Bürger zu schützen und gleichzeitig die Aufnahme von Migranten zu garantieren. Gleichzeitig müsse die EU dafür sorgen, Konflikte in den Herkunftsländern zu entschärfen, "anstatt Politik der Eigeninteressen zu betreiben, die diese Konflikte steigert und nährt".
    Umweltschutz: Der Papst lobt die Anstrengungen Europas, die Ökologie zu bewahren - für den Papst ist es der Schutz von Gottes Schöpfung. An einer Stelle betont er seine Wertschätzung für "alternative Energiequellen".

    Ihr Forum
    Zu viel Wirtschaft, zu wenig Europa: Verliert die EU allmählich ihre Seele?
    Immer wieder wird Franziskus von Applaus unterbrochen, der nicht überbordend gerät, aber deutlich zu vernehmen ist. Einige Abgeordnete bleiben stumm, andere spielen mit dem Handy. Manchen gefrieren die Gesichtszüge, wenn der Papst über Verschwendung und Flüchtlingsdramen spricht. Interessant ist nicht nur, dass er nicht nur seinen deutschen Vorgänger Benedikt XVI. mehrmals zitiert.

    Franziskus spricht von Familien, lässt aber offen, ob es sich um Verheiratete, Alleinerziehende oder Homosexuelle handelt. Er redet von Humanismus und Christentum als Wurzeln Europas, er hebt die katholische Kirche nicht hervor. Und er räumt, mit Blick auf die Vergangenheit, "Konflikte und Fehler" ein. Franziskus spricht allgemein von Frieden, doch zur Ukraine-Krise konkret sagt er nichts.

    Warnung vor Fundamentalisten jeder Couleur

    In einer zweiten Rede, die er anschließend vor dem Europarat hält, schlägt er ähnliche Töne an. Er spricht von der "Würde der Arbeit", verurteilt Waffenverkäufe und von der Aufnahme der Migranten, er die als erstes die Annerkennung ihrer Menschenwürde benötigten. Besonders bemerkenswert ist folgende Passage des Argentiniers:

    "Aus christlicher Sicht sind Vernunft und Glaube, Religion und Gesellschaft berufen, einander zu erhellen, indem sie sich gegenseitig unterstützen und, falls nötig, sich wechselseitig von den ideologischen Extremismen läutern, in die sie fallen können. Die gesamte europäische Gesellschaft kann aus einer neu belebten Verbindung zwischen den beiden Bereichen nur Nutzen ziehen, sei es, um einem religiösen Fundamentalismus entgegenzuwirken, der vor allem ein Feind Gottes ist, sei es, um einer "beschränkten" Vernunft abzuhelfen, die dem Menschen nicht zur Ehre gereicht."

    Ein Papst, der meint, dass sich Vernunft und Glaube, Religion und Gesellschaft gegenseitig vor extremistischen Auswüchsen schützen sollten - und damit zur Kirchenkritik einlädt?

    Ein Kirchenoberhaupt, der vor "religiösem Fundamentalismus" jeder Couleur warnt - und damit offenkundig auch die katholischen Betonköpfe miteinschließt?

    Wahrlich, dieser Argentinier ist immer für Überraschungen gut.

    http://www.sueddeutsche.de/politik/f...reht-1.2237053

    Man kann vom Papst halten was man moechte (ich selber war noch nie ein Fan des Papstes) aber das was er da sagt kann ich nhr befuerworten. Auch hat Franziskus etwas was mich an Paul Johannes errinert.

  2. #2
    Avatar von NovaKula

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    besser als der vor ihm

  3. #3
    Avatar von Rockabilly

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    Papst Franziskus wird nicht lange Papst bleiben. Er ist alt und wird in nächster Zeit sicher auch seelig werden. Ich hoffe dass er ein Vorbild für den nächsten Papst sein wird und kein zweiter Ratzinger kommt.

  4. #4
    Avatar von De_La_GreCo

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    Zitat Zitat von Fonzie Beitrag anzeigen
    Papst Franziskus wird nicht lange Papst bleiben. Er ist alt und wird in nächster Zeit sicher auch seelig werden. Ich hoffe dass er ein Vorbild für den nächsten Papst sein wird und kein zweiter Ratzinger kommt.
    Ich hoffe er bleibt länger. Vielleicht schafft er es ja den Graben zwischen der Orthodoxen Kirche und der Katholischen Kirche weiter zu schließen

  5. #5
    Avatar von Lorne Malvo

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    Zitat Zitat von Fonzie Beitrag anzeigen
    Papst Franziskus wird nicht lange Papst bleiben. Er ist alt und wird in nächster Zeit sicher auch seelig werden. Ich hoffe dass er ein Vorbild für den nächsten Papst sein wird und kein zweiter Ratzinger kommt.
    Benedikt der XVI. hat sich von Franziskus doch kaum unterschieden bzw. er führt ihn das Amt in den meisten Punkten identisch fort, sowie Benedikt auch sich nicht groß von Johannes Paul II. unterschieden hat. Benedikt hat den interreligiösen Dialog intensiviert, indem auch Kritik ausgetauscht wurde, die Verfolgung von Sexualstraftaten in der katholischen Kirche eingeleitet, und hat mit der Amtsniederlegung ein absolutes historisches Novum begangen. Franziskus predigt viel für Arme und gibt sich bescheiden, aber an die inhaltlichen Leistungen seines Vorgängers muss er erstmal herankommen.

  6. #6
    Jezersko
    Zitat Zitat von HAL9000 Beitrag anzeigen
    Benedikt der XVI. hat sich von Franziskus doch kaum unterschieden bzw. er führt ihn das Amt in den meisten Punkten identisch fort, sowie Benedikt auch sich nicht groß von Johannes Paul II. unterschieden hat. Benedikt hat den interreligiösen Dialog intensiviert, indem auch Kritik ausgetauscht wurde, die Verfolgung von Sexualstraftaten in der katholischen Kirche eingeleitet, und hat mit der Amtsniederlegung ein absolutes historisches Novum begangen. Franziskus predigt viel für Arme und gibt sich bescheiden, aber an die inhaltlichen Leistungen seines Vorgängers muss er erstmal herankommen.
    Inhaltliche Leistungen von Ratzinger als Papst... die da wären??? Ne, inhaltlich war Ratzinger ein ganz normaler Traditionalist, ja sogar extrem rückwärtsgewandt. Das Einzige, was er anderen Päpsten voraus hatte war, dass er auf eigenem (?) Wunsch den Platz für einen Nachfolger frei gemacht hat. Nicht selbstverständlich in der römisch katholischen Kirche und für einen alten Mann. Aber was war daran eine inhaltliche Leistung?

  7. #7
    Avatar von Rockabilly

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    Zitat Zitat von HAL9000 Beitrag anzeigen
    Benedikt der XVI. hat sich von Franziskus doch kaum unterschieden bzw. er führt ihn das Amt in den meisten Punkten identisch fort, sowie Benedikt auch sich nicht groß von Johannes Paul II. unterschieden hat. Benedikt hat den interreligiösen Dialog intensiviert, indem auch Kritik ausgetauscht wurde, die Verfolgung von Sexualstraftaten in der katholischen Kirche eingeleitet, und hat mit der Amtsniederlegung ein absolutes historisches Novum begangen. Franziskus predigt viel für Arme und gibt sich bescheiden, aber an die inhaltlichen Leistungen seines Vorgängers muss er erstmal herankommen.
    Natürlich unterscheiden sie sich wie Tag und Nacht. Klar hat die kath. Kirche gewisse Ansichten die bei jedem Papst gleich bleiben, aber schon bei der Amtseinführung waren Unterschiede sichtbar. Auch der Name der Päpste orientieren sich politisch nach den namentlichen Vorgängern. Schon die Tatsache, dass der Patriach von Konstantinopel bei seiner Amtseinführung dabei war, sagt schon alles aus.

  8. #8
    koelner
    Zitat Zitat von Jezersko Beitrag anzeigen
    Inhaltliche Leistungen von Ratzinger als Papst... die da wären??? Ne, inhaltlich war Ratzinger ein ganz normaler Traditionalist, ja sogar extrem rückwärtsgewandt. Das Einzige, was er anderen Päpsten voraus hatte war, dass er auf eigenem (?) Wunsch den Platz für einen Nachfolger frei gemacht hat. Nicht selbstverständlich in der römisch katholischen Kirche und für einen alten Mann. Aber was war daran eine inhaltliche Leistung?
    Na er war aber genauso konsum-orientierungs-kritisch wie Franziskus erinnere ich mich. Ich glaube Johannes Paul auch schon.

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    Zitat Zitat von Fonzie Beitrag anzeigen
    Natürlich unterscheiden sie sich wie Tag und Nacht. Klar hat die kath. Kirche gewisse Ansichten die bei jedem Papst gleich bleiben, aber schon bei der Amtseinführung waren Unterschiede sichtbar. Auch der Name der Päpste orientieren sich politisch nach den namentlichen Vorgängern. Schon die Tatsache, dass der Patriach von Konstantinopel bei seiner Amtseinführung dabei war, sagt schon alles aus.
    Amtseinführung auf jeden fall, dass er diese bunten Schuhe nicht anziehen wollte (angeblich hat er gesagt: "ist doch kein Karneval hier") fand ich cool.

    Aber Benedikt war selber in Istanbul und hat sich mit dem Patriarchen getroffen. Vielleicht war das überhaupt der Grund dass der dann zur Amtseinführung des Nachfolgers gekommen ist?

  9. #9
    Jezersko
    Zitat Zitat von koelner Beitrag anzeigen
    Na er war aber genauso konsum-orientierungs-kritisch wie Franziskus erinnere ich mich. Ich glaube Johannes Paul auch schon.

    - - - Aktualisiert - - -



    Amtseinführung auf jeden fall, dass er diese bunten Schuhe nicht anziehen wollte (angeblich hat er gesagt: "ist doch kein Karneval hier") fand ich cool.

    Aber Benedikt war selber in Istanbul und hat sich mit dem Patriarchen getroffen. Vielleicht war das überhaupt der Grund dass der dann zur Amtseinführung des Nachfolgers gekommen ist?
    Konsumkritik zu üben ist an sich noch keine Leistung (wäre ich katholisch im sinne der Kirche müsste ich demnach seit 20 Jahren Papst sein ) Und die Kerzerlschlucker in den bischöflichen Palais und kirchlichen Palästen haben leicht scheissen...

    Franziskus ist da definitiv eine Ausnahme! Wenn seit den letzten 50 Jahren - und in den kommenden 20 Jahren irgendjemand das Potential hat, in der röm. kath. Kirche etwas zum Besseren zu verändern, dann sicherlich dieser Papst. Ich denke da in erster Linie an die Rolle der Frauen in der Kirche, aber auch an die Ökumene. Da haben sich alle seine Vorgänger bis hin zu Johannes, dem 23. nicht gerade mit Ruhm bekleckert.

    Aber wenn nicht, dann eben nicht. Man darf das Papst-Amt nicht überbewerten. Papst Franziskus ist "nur" das Oberhaupt der römisch katholischen Kirche. Da gibt es so viele andere Religionsgemeinschaften nebenher. Die haben alle ihren eigenen Chef...

  10. #10
    Avatar von Lorne Malvo

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    Zitat Zitat von Jezersko Beitrag anzeigen
    Inhaltliche Leistungen von Ratzinger als Papst... die da wären??? Ne, inhaltlich war Ratzinger ein ganz normaler Traditionalist, ja sogar extrem rückwärtsgewandt. Das Einzige, was er anderen Päpsten voraus hatte war, dass er auf eigenem (?) Wunsch den Platz für einen Nachfolger frei gemacht hat. Nicht selbstverständlich in der römisch katholischen Kirche und für einen alten Mann. Aber was war daran eine inhaltliche Leistung?
    Er war ein Papst gemäß dem zweiten vatikanischen Konzil, sowie jeder Papst seit Paul VI. Franziskus ist zwar rhetorisch und in Gesten ganz gut, aber außer die Reform der Vatikanbank hat er meines Wissens inhaltlich noch nichts verändert.

    Die Leistung besteht darin, dass er es damit salonfähig gemacht hat das Amt niederlegen zu können.

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