Präsident Tadic: Kosovo-Lösung darf keine Nation destabilisieren
"Kette der Gewalt muss im Namen der Zukunft unterbrochen werden"

Belgrad - Die Lösung der Kosovo-Frage dürfe keine Nation in der Provinz selbst und in der gesamten Region destabilisieren. Dies sagte der serbische Präsident Boris Tadic anlässlich der Eröffnung des zweitägigen Symposiums "Zwischennationale und interreligiöse Versöhnung auf dem Westbalkan" am Freitag in Belgrad. "Die Kette der Gewalt muss im Namen der Zukunft unterbrochen werden", betonte Tadic.

Er erinnerte an die historische Versöhnung zwischen Frankreich und Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg. "Das muss sich auch auf dem Balkan ereignen" - der Zukunft willen, betonte der Präsident.

Der Leiter des Symposiums und Vorsitzende des Europäischen Zentrums für Frieden und Entwicklung, Takehiro Togo, sprach von einem "entscheidenden Moment" bezüglich friedlicher politischer Lösungen auf dem Balkan. Die UNO versuche eine Lösung für "das schwierigste und kontroversiellste Problem zu finden - den künftigen Kosovo-Status". "Lösungen der Balkan-Fragen sind nur im Rahmen des europäischen Systems denkbar", betonte Togo und fügte hinzu, dass für alle Länder der Region der EU-Beitritt das wichtigste Ziel ist.


Religion als wichtiger Faktor

Ein wichtiges Merkmal auf dem Balkan sei, dass die nationale Identität nicht durch eine bürgerliche Zugehörigkeit, sondern vielmehr durch ethnische und religiöse Standpunkte bestimmt sei. Deshalb müsse auch die Religion als wichtiger Faktor bei den Friedensprozessen beachtet werden. Auf dem Weg zum Frieden in Südosteuropa könnten Hass, der über viele Generationen weitergegeben wurde, ebenso auftauchen wie frische Wunden aus den Konflikten in Ex-Jugoslawien (1991-1999) oder Arbeitslosigkeit, Armut, Korruption, Organisierte Kriminalität. Jedes Hindernis könnte aber überwunden werden, betonte Togo. Erforderlich seien Anstrengung und Zeit.

Der ehemalige slowenische Präsident Janez Stanovnik rief die Teilnehmer auf, die Ursachen für den Zerfall Ex-Jugoslawiens zu analysieren. Er wies vor allem auf ein "emotionales Element" auf dem Balkan hin, das nicht ignoriert werden könne. Die gefährlichste Sache sei, wenn die menschliche Würde verletzt wird, weil man dann in den Fanatismus gleite, den die Vernunft nicht steuern könne.

Neben Togo, Stanovnik, zahlreichen Wissenschaftern und Balkan-Experten nehmen auch die ehemaligen UNO-Sonderbeauftragten für Ex-Jugoslawien bzw. Bosnien-Herzegowina, Yasushi Akashi und Carl Bildt am Symposium teil.

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