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Rechtsstaat vs Kanun (albanisches Gewohnheitsrecht)

Erstellt von Fitnesstrainer NRW, 12.11.2010, 19:40 Uhr · 104 Antworten · 5.103 Aufrufe

  1. #31
    Avatar von BlackJack

    Registriert seit
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    65.521
    Zitat Zitat von Leorit Beitrag anzeigen
    der kanun ist 2000 jahre alt ,und in unserer heutigen gesellschaft sollte er nichts zu bedeuten haben.aber er ist teil unserer geschichte weil die albaner sich nie den gesetzen der fremdbesatzer beugen wollten. auf ihn können wir also ziemlich stolz sein. trotzdem er gehört ins museum ^^
    volle Zustimmung ... er hatte zweifellos seine Daseinsberechtigung, jetzt aber nicht mehr zeitgemäß bzw. durch rechtsstaatliche Bestimmungen ersetzt

  2. #32
    ELME
    natürlich hat der kanun mit der hetigen demokratie zu viele Widersprüche, aber Sachen wie Besa und Gastfreundschaft garantiert dir der Rechtsstaat nicht

    und immer wenn leute mir mit ''das ist Deutschland, hier herrscht Demokratie'' kommen, kriegen sie von mir ein ''Ich scheiß auf dein Gesetz, ich hab mein eigenes'' und dann mach ich das:

  3. #33
    Avatar von Fitnesstrainer NRW

    Registriert seit
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    Zitat Zitat von ELME Beitrag anzeigen
    natürlich hat der kanun mit der hetigen demokratie zu viele Widersprüche, aber Sachen wie Besa und Gastfreundschaft garantiert dir der Rechtsstaat nicht

    und immer wenn leute mir mit ''das ist Deutschland, hier herrscht Demokratie'' kommen, kriegen sie von mir ein ''Ich scheiß auf dein Gesetz, ich hab mein eigenes'' und dann mach ich das:
    Ej Junge

  4. #34
    Avatar von Fitnesstrainer NRW

    Registriert seit
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    Beiträge
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    Textauszug über den Kanun:

    Die Ehre
    Die Ahndung der Mehrzahl der Straftatbestände sind dem
    Geschädigten bzw. dessen Haushalt überlassen, doch auch sie
    unterliegen einer genauen Regelung. Dies betrifft vor allem die
    Komplexe Vermögensschäden, Ehrverletzungen und Verbrechen
    gegen Leib und Leben. Träger der Ehre (
    nderë) kann nur ein
    Mann sein; die Ehre jedes Mannes ist grundsätzlich gleich,
    unabhängig von seiner sozialen Stellung: “Gott gab uns zwei
    Fingerbreit Ehre mitten auf die Stirn” (
    Dy gisht nderë në lule të
    ballit na i njiti Zoti i Madh
    ) (§§ 593-596). Ehrverletzungen
    können nicht durch Sachleistungen abgegolten werden, sondern
    nur durch Vermittlung vergeben oder mit Blut abgewaschen
    werden, denn ein entehrter Mann wird für tot gehalten (§§ 597-
    599). Eine Entehrung ist es, jemanden öffentlich der Lüge zu
    zeihen, jemanden anzuspucken, zu bedrohen, zu stoßen oder zu
    schlagen, einem anderen das ihm gegebene Wort zu brechen,
    jemandes Frau Gewalt anzutun oder zu entführen, jemandem die
    Waffe wegzunehmen, jemandes Gast zu beleidigen, bei jemandem
    einzubrechen, Schulden oder Verpflichtungen nicht einzuhalten,
    bei jemand anderem den Deckel vom Topf auf dem Herd
    abzunehmen, die Vortrittsrechte des Gastes beim Eintunken des

    Einführung
    xxvi
    ersten Bissens zu mißachten (§ 601). Die Ehre der Frau ist
    Bestandteil der Ehre des Mannes. Wird sie entehrt (
    dhunue) - was
    nicht erst durch eine vollzogene Vergewaltigung geschieht -, ist
    dies die denkbar schwerste Verletzung der Ehre des Mannes. In
    diesem Fall gilt nicht einmal pro forma das ohnehin durch die
    Anforderungen des Ehrbegriffs ausgehöhlte Prinzip: “Eine Schuld
    soll nicht mit Blut vergolten werden” (
    gjaku per faj s‘jet) (§ 921).
    Diese Wertigkeit ist in zwei Zusammenhängen von Bedeutung:
    Erstens erklärt sie, warum in Nordalbanien das Ansehen der
    deutschen Besatzungssoldaten wesentlich höher war als 2das der
    Italiener, weil nämlich Geiselerschießungen immerhin keine
    Ehrverletzung darstellten, im Unterschied zu den angeblich
    häufigen sexuellen Übergriffen italienischer Soldaten. Zweitens
    muss man wegen ähnlicher traditioneller Wertemuster hier auch
    eines der Motive für die Massenvergewaltigungen in den Kriegen

    im früheren Jugoslawien suchen.


    Der Gast
    Die Ehre hängt in vielen Fällen mit einem anderen
    Kernstück des Kanun zusammen, dem Gast (
    mik) “Das Haus des
    Albaners gehört Gott und dem Gast” (
    Shpija e shqyptarit asht e
    Zotit e e mikut
    , § 602). mik (aus lat. amicus) kann im Kanun nicht
    mit “Freund” übersetzt werden, weil seine Grundlage nicht eine
    dauerhafte Beziehung zwischen zwei Menschen ist. Das
    Verhältnis zwischen Hausherr und Gast ist ein zeitlich begrenztes,
    und es ist nicht das Verhältnis zwischen zwei Individuen, sondern
    zwischen allen Teilen der Gesellschaft, von dem auch Fremde
    profitieren können. Die Gastfreundschaft ist nicht Ergebnis einer
    besonders hoch entwickelten Ethik, sondern zunächst eine
    Überlebensnotwendigkeit für jeden, der in einem Gebiet reist, das
    kaum öffentliche Beherbergungsmöglichkeiten kennt. Dies wird

    seit Jahrtausenden überhöht bis zu dem Punkt, im ankommenden
    Gast einen (potentiellen) Gott zu sehen, der Verstöße schrecklich
    bestrafen kann: Thor kehrt bei einem Bauern ein, schlachtet einen
    seiner Widder und verbietet, dessen Knochen zu spalten; der Sohn
    des Bauern tut es dennoch, was Thor bei der Wiederbelebung
    seines Tieres merkt und den Sohn als Diener mitnimmt. Tantalos
    setzt den Göttern seinen Sohn Pelops vor; sie merken den Frevel
    und stürzen Tantalos in die Unterwelt. Gott, Jesus oder St. Petrus
    wandern durch die Welt und werden in reichen Häusern
    abgewiesen, in armen aufgenommen; Strafe und Belohnung folgen
    auf dem Fuße
    34.
    Der Gast wird mit dem größtmöglichen Aufwand
    verpflegt, beherbergt, geehrt und geschützt; letzteres wird durch
    die Übergabe der Waffe an den Hausherrn symbolisiert
    (§§ 602-618). Der Schutz schließt die Verteidigung des Gastes
    gegen jeden Angriff und jede Ehrverletzung im Haus und auf der
    Weiterreise ein, bei der ein Haushaltsmitglied ihn begleiten muss;
    der Hausherr übernimmt zugleich die Verantwortung für
    Verfehlungen des Gastes. Die Gastfreundschaft muss auch einem
    Feind gewährt werden. Sie endet in dem Moment, wo der Gast
    und sein Begleiter sich trennen; wenn der Begleiter sich
    abgewendet hat, braucht er nicht mehr für den bisherigen
    mik

    einzutreten oder seinen Tod zu rächen (§§ 620-639). Beim Essen
    sind genaue Reihenfolgen und Verhaltensweisen zu beachten ( §§
    653-666), auch durch den Gast, der den Teller nicht auskratzen
    oder mit Brot auswischen und auch den Herdstein nicht berühren
    darf35; eine solche Beleidigung würde das Gastrecht aufheben.
    Letzteres wird wohl als symbolisches Umstürzen des Hauses
    verstanden.
    Wer sich in der Kirche (außer wenn er ausdrücklich ans
    Kirchenasyl appelliert, § 4), der Schmiede, der Mühle oder der
    Herberge aufhält, gilt nicht als Gast; d.h. die Inhaber dieser
    gemeinnützigen Einrichtungen haften nicht für Schäden, die er
    erleidet oder anderen zufügt (§ 315).

  5. #35
    Fan Noli
    Besser Kanun als Koran.

  6. #36
    Avatar von Lorik

    Registriert seit
    27.02.2008
    Beiträge
    11.847
    Rechtsstaat natürlich...

  7. #37
    Avatar von Fitnesstrainer NRW

    Registriert seit
    26.09.2010
    Beiträge
    3.309
    Zitat Zitat von Fan Noli Beitrag anzeigen
    Besser Kanun als Koran.
    Bist du dir sicher ?
    Kanun:

    Eine Frau erbt nicht und
    besitzt nichts (§ 44).

    Koran:

    Allah verordnet euch hinsichtlich eurer Kinder: Auf eines männlichen Geschlechts kommt (bei der Erbteilung) gleichviel wie auf zwei weiblichen Geschlechts. Wenn es (ausschließlich) Frauen sind, (und zwar) mehr als zwei, stehen ihnen zwei Drittel der Hinterlassenschaft zu; wenn es (nur) eine ist, die Hälfte. Und den beiden Eltern steht jedem ein Sechstel der Hinterlassenschaft zu, wenn der Erblasser Kinder hat. Wenn er jedoch keine Kinder hat und seine beiden Eltern ihn beerben, steht seiner Mutter ein Drittel zu. Und wenn er (in diesem Fall auch noch) Brüder hat, steht seiner Mutter ein Sechstel zu. (Das alles) nach (Berücksichtigung) einer (etwa) vom Erblasser getroffenen testamentarischen Verfügung oder einer (von ihm hinterlassenen) Schuld. - Ihr wißt nicht, wer von euren Vätern und Söhnen euch im Hinblick auf (den) Nutzen (den ihr von ihm habt) am nächsten steht. (Das gilt) als Verpflichtung von seiten Allahs. Allah weiß Bescheid und ist weise.
    (Sure 4, Vers 11)


    Immerhin, nach islamischem Recht erbt ihr Frauen halb so viel wie ein Mann

  8. #38
    Neutralist
    Einige Aspekte des Kanun mögen dem heutigen Beobachter streng, sogar barbarisch erscheinen.

    Frauen genossen einen sehr minderwertigen Status. Der Kanun des Lekë Dukagjini
    bestimmte ausdrücklich: "die Frau ist ein Schlauch, in dem die Ware transportiert wird

    Die Blutrache (alb. 'gjakmarrje'), führte in einigen Gebieten Nordalbaniens zu einem empfindlichen Männermangel, und stellt dort bis auf den heutigen Tag ein virulentes Problem im gesellschaftlichen Leben dar

    nur ein paar beispiele.

  9. #39
    Yunan
    Kanun

  10. #40
    Yunan
    Zitat Zitat von Fitnesstrainer NRW Beitrag anzeigen
    @Pjeter

    Ich habe den Thread nicht nicht zufällig in der Form gestellt.

    Das es das damalige Rechtssystem war ist mir schon klar. Das der Kanun auch positive Aspekte im heutigen Gesellschaftsleben hat (Gastrecht etc.) bezweifle ich nicht.

    Aber der Kanun baut sehr stark auf den Stamm und die Familie auf.
    Ein Zentralstaat wird durch diese vielen selbstjustizidialen Elemente nur noch eingeschränkt handlungsfähig. Deswegen haben die Albaner ,obwohl sie sehr wehrhaft sind, es auch niemals geschafft aus eigener Kraft einen Staat zu gründen. Schon gar nicht einen der alle vereinigt.
    der alle vereinigt.
    Sie sind alle vereinigt und sie haben eine eigene Identität, eine gemeinsame Sprache, zusammenhängende Siedlungsräume und (einen) eigene(n) Staat.

    Verstehe nicht, wie du auf solche Thesen kommst.

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