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Die Roma Garde

Erstellt von Schönling, 06.09.2012, 21:05 Uhr · 18 Antworten · 2.115 Aufrufe

  1. #1
    Schönling

    Die Roma Garde

    Politisches Klima als Nährboden

    Das politische Klima im Ungarn gestaltet sich stets eher zuungunsten der Roma. Die Haltung der Politik gegenüber der Minderheit reicht von Lippenbekenntnissen zu besserer Integration in den Arbeitsmarkt bis hin zu offener Feindseligkeit: Angriffe von Rechtsextremisten auf Dörfer werden geduldet oder gar befürwortet. Für die eigene Sicherheit müssen nun die Vertreter der Roma selbst sorgen.
    Entsprechend rief die Roma-Vereinigung in der südungarischen Stadt Pecs (Fünfkirchen) ihre eigene Organisation für Selbstverteidigung ins Leben, wie die ungarische Nachrichtenagentur MTI berichtete. Dabei würde die „Roma-Garde“ landesweit Mitglieder anwerben. Laut Berichten wolle die neu gegründete Miliz im Interesse des Schutzes von Roma, Juden und anderer bedrohter Minderheiten auftreten.
    Romafeindlichkeit in der Politik etabliert

    Die Tendenz zur Gründung solcher Bewegungen liegt in der zugespitzten Lage der Roma begründet, die mit in der Forcierung und Duldung rechtsextremistischer „Bewegungen“ durch die Politik einhergeht. Von politischen Eliten stets ignoriert, hatte die Roma-Minderheit in Ungarn zu keiner Zeit ein leichtes Leben.
    Doch in den letzten Jahren gestaltete sich alles noch schwieriger. So hielt die latente Abneigung gegen die etwa 800.000 Menschen zählende Volksgruppe starken Aufwind, als diese Ressentiments zu Inhalten politischer Gruppierungen wurden. Der vor neun Jahren gegründeten Partei Jobbik (bedeutet beidermaßen „Die Besseren“ oder „Die Rechteren“, Anm.) lag ein entsprechendes Konzept zugrunde. Seit 2007 unterhielt Jobbik auch eine paramilitärische Vereinigung - die „Ungarische Garde“ (Magyar Garda, Anm.).
    Jobbik und seine Garde

    Jobbik ist seit den Wahlen 2010 mit insgesamt 47 Mandaten (12,18 Prozent) die drittstärkste Partei im ungarischen Parlament. Das garantiert politischen Einfluss. Die Partei unterhält mit seiner Garde einen paramilitärischen Unterarm. Die Kleidung der verbotenen Gardisten erinnert an die Uniform der ungarischen nationalsozialistischen Pfeilkreuzlerpartei, die ab Herbst 1944 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs ein Terrorregime führte.

    Aufmärsche in Roma-Dörfern

    Die Garde wurde aufgrund ihrer ideologischen Ausrichtung im In- und Ausland als antisemitisch, neofaschistisch und den Roma gegenüber als feindlich gesonnen kritisiert. Laut Selbstbekenntnis stellte die Garde lediglich die Selbstverteidigung der „physisch, seelisch und geistig wehrlosen ungarischen Nation“ sicher, hieß es offiziell. Doch nach einem langen Prozess wurde die Garde ab 2009 verboten, formierte sich aber als „Neue Ungarische Garde“ als Kulturverein neu - zudem wurde gleichzeitig eine Reihe von selbst ernannten Nachfolgeorganisationen aktiv.
    So marschierten paramilitärische, offen rassistische Milizionäre immer wieder durch ungarische Roma-Dörfer und sorgten dort für Angst und Schrecken. Besonders über die vergangenen Monate stieg die Frequenz solcher Aufmärsche - trotz des Verbots der Ungarischen Garde - stark an.
    Die verbotene Formation versucht sich darüber hinaus als „Gendarmerie“ in kleineren Ortschaften zu etablieren und hält dort regelmäßige Aufmärsche und „Patrouillen“ ab. Die Aufgaben dieser Gendarmerie liegen entsprechend den Worten des Parteichefs Garbor Vona bei einem Jobbik-Aufmarsch Ende August in Budapest darin, „null Toleranz gegenüber der Kriminalität und dem Parasitentum der Roma“ zu zeigen.
    Reaktion auf Ungarische Garde

    Nachdem die ungarische Justiz wieder vermehrt Aufmärsche paramilitärisch organisierter Rechtsextremer erlaubte und sich die Ausschreitungen im Zuge dessen stark mehrten, sahen sich die Vertreter der Roma-Organisation gezwungen, sich gleichermaßen aufzustellen: Laut Roma-Vereinigung wurde die „Roma-Garde“ gegründet, da die rechtsextremistische Ungarische Garde trotz Verbots weiter aktiv sei, hieß es. Die Polizei des Komitats Baranya (deren Hauptstadt Pecs ist, Anm.) kündigte nach Bekanntwerden der Pläne an, mit „gesetzlichen Mitteln“ die „Schaffung gesetzeswidriger Organisationen“ unterbinden zu wollen.
    Spekulationen über Anführer

    Gleichermaßen steht die Befürchtung im Raum, dass die Roma-Garde bereits dabei sei, Waffen anzuschaffen. Der Leiter der Roma-Garde, Ferenc Bago, dementierte jedoch, dass Geld für den Waffenkauf gesammelt wurde. Bisher hätten sich laut den Organisatoren bereits rund 400 Roma der eigenen Garde angeschlossen. Insgesamt rechne man mit 6.000 bis 8.000 Mitgliedern.
    Ungarische Medien überschlugen sich am Mittwoch mit Kommentaren zum angeblichen Chef der Roma-Garde - so sei nicht sicher, ob er nun ein „Selbstdarsteller“ oder ein „gut vernetzter Macher“ ist. Der allgemeine Tenor ist von Verwunderung gezeichnet, wie eine einzige Person eine so große, bisher nicht wahrnehmbare Mannschaft aufgebaut haben soll. Gleichzeitig betonen Politologen ungeachtet dessen, wie gefährlich ein Aufeinandertreffen der rechtsextremen und der Roma-Garde wäre. Auch bestehen aufseiten unbeteiligter Roma-Vertreter nicht ganz unbegründet Ängste, dass die Bildung militanter Gruppierungen insgesamt zu einer weiteren Radikalisierung bzw. zu einer Ausweitung des Problems führt.
    „Müssen mit Gegenmaßnahmen rechnen“

    Die Roma-Vereinigung von Pecs hat nach eigenen Angaben bereits Verträge mit anderen Vereinigungen sowie mit dem „Landesnetz der ungarischen Zigeuner“ abgeschlossen. Laut Istvan Kovacs, Vorsitzender der Roma-Selbstverwaltung der Stadt Mohacs, wäre jede Aktion der Roma-Garde überflüssig, wenn die Ungarische Garde nicht mehr marschiere und die Roma damit als größte ungarische Minderheit bedrohe. Falls die Ungarische Garde dennoch in den Roma-Gemeinden aktiv werde, müsse sie „mit Gegenmaßnahmen rechnen“, so die Ankündigung der Roma-Selbstverwaltung.
    Versagen der Regierung

    Die rechtsnationale Regierung in Budapest brachte bisher kaum Zählbares zustande, um die Situation der Roma zu verbessern. Das Kabinett von Premier Viktor Orban (Fidesz) hatte schon während der EU-Ratspräsidentschaft Ungarns im Vorjahr angekündigt, die Roma auszubilden und in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Bis 2015 sollten 100.000 Roma auf dem Arbeitsmarkt untergebracht werden - so lautete das hoch gesteckte Ziel der FIDESZ-Regierung. Die Regierung wolle jede Motivation beseitigen, nicht arbeiten zu gehen, sagte Orban damals. „Wir müssen ihnen klarmachen: Ihr müsst arbeiten.“ Mangelnde Jobchancen für Roma führt Orban auf ihre geringe Bildung zurück - Rassismus spiele „eine geringe Rolle“, erkannte Orban vor gut einem Jahr.


    Quelle: Ungarns Roma greifen zur Selbsthilfe - news.ORF.at

  2. #2
    Avatar von Duušer

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    4.820
    Es ist für mich ziemlich fragwürdig ob "dieses nicht arbeiten wollen" wirklich zur romanschen Kultur gehört.

  3. #3
    Schönling
    Zitat Zitat von Duušer Beitrag anzeigen
    Es ist für mich ziemlich fragwürdig ob "dieses nicht arbeiten wollen" wirklich zur romanschen Kultur gehört.
    Natürlich gibt es kein volk dass im allgeimeinen nicht arbeiten will. Es ist ein Vorurteil wie viele andere auch.

    Viele Österreicher zB denken das Türken und Jugos nicht arbeiten wollen und nur den Staat ausnützen, du und ich wissen aber dass das nicht so ist.

  4. #4
    Avatar von BlackJack

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    Zitat Zitat von Schönling Beitrag anzeigen
    Viele Österreicher zB denken das Türken und Jugos nicht arbeiten wollen und nur den Staat ausnützen, du und ich wissen aber dass das nicht so ist.
    Was für eine Hühnerscheiße Österreich würde ohne die beiden Volksgruppen auf das level von Burkina Faso abstürzen

  5. #5
    Avatar von papodidi

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    Cool

    Zitat Zitat von Duušer Beitrag anzeigen
    Es ist für mich ziemlich fragwürdig ob "dieses nicht arbeiten wollen" wirklich zur romanschen Kultur gehört.
    Ich hab das wohl schon in einigen Threads hier thematisiert: Ciganes und Europäer, das ist ein Thema für sich. Schönling, ich weiss nicht, aus welchem Land Du kommst, aber egal, ich habe noch kein ost-/südosteuropäisches Land kennen gelernt, in dem es keine Ausgrenzung der Roma gab/gibt!!!
    Damals, 1965, hat die Stadtverwaltung von Skopje uns als deutscher Hilfsgruppe Bungalows in Gjordje Petrov zugewiesen, mitten in einer Zigeunersiedlung. Wir wussten (noch) nichts über die soziale Hierarchie in YU und haben uns vielleicht deshalb sehr schnell eingelebt und angefreundet - war für uns als "Mitteleuropäer" natürlich ne ganz neue Erfahrung. Die Leute waren gastfreundlich und verständlicher Weise sehr neugierig, und als sie mitbekommen hatten, dass wir völlig vorurteilsfrei waren, gehörten wir dazu. Mit der Zeit versorgten wir nicht nur die aufgeschlagenen Knie von Kindern, reparierten nicht nur Bügeleisen und Radios, sondern halfen auch bei Behördengängen etc.

    Arbeit war das große Problem. Obwohl Skopje zu der Zeit eine einzige Baustelle war, hatten die Ciganes keine Chance, einen Job zu bekommen. Die Albaner - damals genau eine soziale Stufe darüber - kamen per Zug/Bus für die Arbeitswoche in die Stadt und wurden wenigstens als Bauhilfsarbeiter beschäftigt - wenn auch nur für einen Hungerlohn...

    Ich will damit sagen, dass diese Gruppe seit ihrer Einwanderung nach Europa (vor 700...900 Jahren???) systematisch ausgegrenzt wurde - bis in unsere Zeit. Jetzt versuchen die Ciganes aus Rumänien, Bulgarien, Mazedonien, Kosovo etc. verständlicherweise zu uns nach Mitteleuropa zu kommen. Aber letztlich kann das keine Lösung sein, die Probleme müssen da angepackt und gelöst werden, wo sie anfallen, und das ist Ost-/südosteuropa!!!

    PS: Ich bin nicht der Typ, der andere beim Mod/Admin meldet, aber Zigeuner/Cigan wirst Du leider immer wieder als Schimpfwort im BF finden...

  6. #6
    Schönling
    Neues zur Roma Garde:
    Chef der "Roma-Garde" in Ungarn festgenommen

    7. September 2012, 12:21

    Ferenc Bago alias Oberst Daflics darf wegen einer Vorstrafe keine Organisation gründen

    Budapest - Der Chef der neuen ungarischen "Roma-Garde", Ferenc Bago, ist in der südungarischen Stadt Pecs von einer Kommandoeinheit festgenommen worden, wie Medien am Freitag berichteten. Der sich selbst als Oberst Daflics bezeichnende 45-Jährige hatte die Gründung einer "Roma-Garde" verkündet und die Roma zu "offenem Widerstand" aufgerufen. Laut dem Internetportal Index wurde Bago verhaftet, weil er eine Straftat beging, indem er als Vorbestrafter eine Organisation gründete.
    Hinter der "Roma-Garde" steht die "Vereinigung der Roma von Pecs". Sie wirbt im Internet um Mitglieder und Spenden. Nach Angaben der Vereinigung wurde die "Roma-Garde" als "Schutzschild" für Roma gegen die rechtsextremistische "Ungarische Garde" gegründet, die die Roma seit Jahren in Angst und Schrecken versetze. Laut Bago sollen sich bereits tausende Roma der Initiative angeschlossen haben. Der Sender Hir-TV berichtete, Bago soll als Fremdenlegionär gedient haben und wegen Mordversuchs im Gefängnis gesessen sein.
    Der Initiative der "Roma-Garde" haben sich verschiedene Roma-Organisationen angeschlossen, darunter die Roma-Selbstverwaltung der südungarischen Stadt Mohacs. Ihr Vorsitzender Istvan Kovacs bestätigte die Unterstützung der Garde als Vereinigung zum Schutz der Roma. Doch dieser Schutz dürfe keinesfalls mit Waffengewalt erfolgen, betonte Kovacs. (APA, 7.9.2012)



    Chef der "Roma-Garde" in Ungarn festgenommen - Ungarn - derStandard.at

  7. #7

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    traurig sowas im 21 jhd.

  8. #8
    Avatar von papodidi

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    13.501

    Cool

    Hier mal ein guter Link zum Thema:

    ARD.de-Spezial über Europas größte Minderheit
    Stigmatisiert, verfolgt, vertrieben

    Nicht nur in Frankreich und Ungarn kämpfen die Roma gegen Stigmatisierung. Auch andere europäische Länder wollen die "Gitans", "Zigeuner" oder "Gypsies" nicht in ihrem Land. Woher kommen Sinti und Roma und wo leben sie heute? Warum sind sie in vielen Ländern so unbeliebt? Und was wird gegen die Diskriminierung unternommen? Ein ARD.de-Spezial sucht Antworten.


    Roma & Sinti in Europa

  9. #9
    Avatar von Tetovar

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    851
    Sorry, aber es ist leider fakt, dass die sog. Roma eben selbst schuld sind an ihrer Misere. Vor dem Krieg im Kosovo hielten sie zu den Serben. Nachdem Krieg haben sie versucht den Albanern in den A... zu kriechen.

    Dann dauernd diese scheiss Bettelei. Man kann nicht durch die Stadt fahren, ohne das irgendwelche Kinder, Frauen etc an der Fahrerscheibe stehen und rumbetteln. Dabei ist das alles ein abgekatertes Spiel. Einmal war ich kurz davor so nem Typen die Fresse einzuschlagen, weil er auf Teufel komm raus unbedingt Geld von mir wollte und ihm nix geben wollte.

    An ihrer Situation sind die selbst daran schuld, sonst niemand.

    Mazedonien hat angefangen, Roma die Ausreise zu verweigern, wenn die Anzeichen sehen das die Roma in die EU wollen um Asyl zu beantragen. Ist eine gute Maßnahme.

  10. #10
    Avatar von BlackJack

    Registriert seit
    11.10.2009
    Beiträge
    65.395
    Zitat Zitat von Tetovar Beitrag anzeigen
    Sorry, aber es ist leider fakt, dass die sog. Roma eben selbst schuld sind an ihrer Misere. Vor dem Krieg im Kosovo hielten sie zu den Serben. Nachdem Krieg haben sie versucht den Albanern in den A... zu kriechen.
    Haben sie alle zu Serben gehalten und wie sah das konkret aus? Hier hat auch mal ein Albaner geschrieben, die katholischen Albaner hätten die Serben unterstützt, so schnell geht das mit den Anschuldigungen

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