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Sarajevo-Stadt der Islamisten

Erstellt von DZEKO, 04.12.2010, 19:36 Uhr · 41 Antworten · 2.259 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von DZEKO

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    Sarajevo-Stadt der Islamisten

    Sarajevo überwindet die furchtbaren Kriegswunden

    Vor 15 Jahren brachte das Abkommen von Dayton Frieden auf den Balkan. Sarajevo, einst im Zentrum des Krieges, ist heute eine sehenswerte Stadt.


    Die Auswahl ist groß, und ich kann mich nicht entscheiden. Die Boutique in der Fußgängerzone von Sarajevo verkauft Strickmoden von „Ivko“. Markenzeichen dieses Labels ist ein farbenfroher Muster-Mix, so bunt und vielfältig wie Sarajevo selbst. Noch eine Jacke anprobieren, und noch eine. Jetzt stimmt auch die Größe. Zahlen. Einpacken. Ich muss mich beeilen, um die Stadtführung nicht zu verpassen.

    Adnan ist Student. Und es ist sein erster Einsatz als Touristenführer. Die Gruppe ist klein und international: Drei Amerikaner, ein Argentinier, eine Slowenin, ein Lette und eine Deutsche. Wir haben uns viel zu erzählen, löchern zugleich Adnan mit Fragen. Bascarsija heißt das Viertel mit den engen Gassen, wo in jeder Gasse ein anderes Handwerk zu Hause ist: vom Goldschmied bis zum Schuhmacher.

    Als ich in meine Tasche greife, ist das Portemonnaie weg. Vor Schreck habe ich weiche Knie. Ein kurzer Blick in die Einkaufstüte: Zum Glück habe ich die Jacke schon gekauft! Glück im Unglück. Vielleicht habe ich das Portemonnaie einfach nur verloren? Ich gehe noch einmal durch die Bascarsija, schaue mich im Restaurant Morici-Han um, das einmal eine Karawansei war. Mache Halt vor der Gazi-Husrev-Beg-Moschee und werfe einen Blick in die katholische Kirche.

    In der alten serbisch-orthodoxen Kirche komme ich zufällig mit Leo ins Gespräch. Auf dem Bascarsija-Platz trinken wir einen Espresso. Rund um den öffentlichen Brunnen aus dem Jahr 1891 – den Sebilj – gurren Hunderte Tauben. „Die Moslems mögen die Tiere“, sagt Leo, und es klingt irgendwie abfällig. Misstrauen drängt sich in das unbeschwerte Geplauder. Leo ist Serbe, Anfang 40, und ich frage mich, ob er im Krieg gegen die Moslems gekämpft hat. Eine Frage, die sich verbietet. Aber ich werde den Gedanken einfach nicht wieder los.

    Die Narben sind bedeckt

    1425 Tage hatten serbische Truppen Sarajevo belagert und auf die überwiegend muslimische Bevölkerung in der Stadt geschossen. Mehr als 11.000 Menschen starben. Am 21. November 1995 besiegelte das Abkommen von Dayton den Frieden. Genau 15 Jahre ist das jetzt her. Die Stadt hat sich wieder herausgeputzt und ihre Narben bedeckt. Touristen aus aller Welt drängen sich in Cafés und Bistros, genießen Pita, Burek und natürlich Cevapcici – die kleinen, gegrillten Fleischröllchen, die so herrlich rauchig schmecken.

    Nur wer genau hinschaut, sieht noch Spuren des Krieges. Ein Spatz zwängt sich durch das Einschussloch in einer Hausfassade. Auf dem Fußweg sind die Umrisse eines Baumstumpfs zu erkennen. Es muss eine stattliche Platane gewesen sein, die während der Belagerung gefällt und verheizt wurde. Das ausgebrannte Gebäude der Nationalbibliothek ist noch immer eingerüstet. Was auffällt, sind die vielen Friedhöfe. Sarajevo ist eine Stadt der Kontraste. Und genau darin liegt ihr besonderer Reiz.

    Ich stehe vor dem Gazi Husrev Beg Basar – einer überdachten Ladenzeile – und habe den Blick auf den Eingang gerichtet. Wenn ich nach links schaue, sehe ich das osmanische Sarajewo mit seinen Moscheen und Minaretten. Schaue ich nach rechts, sehe ich die Ferhadija – die Fußgängerzone - mit österreich-ungarischen Mietshäusern. Genau an diesem Punkt prallen Orient und Okzident aufeinander. Die sichtbare Schnittstelle zwischen den Welten steht zugleich für die wechselvolle Geschichte Sarajewos mit ihren Brüchen und Konflikten.

    In Sarajevo erschoss am 28. Juni 1914 der serbische Gymnasiast Gavrilo Princip den österreichischen Kronprinz Franz Ferdinand. Es war der Auslöser des ersten Weltkriegs. Ein kleines Museum erinnert an das Attentat, das die Welt veränderte. Nüchtern präsentiert es die Fakten: 1878 erteilte der Berliner Kongress den Habsburgern das Mandat, Bosnien-Herzegowina zu verwalten. Später wurde das Land okkupiert. Sarajevo erlebte einen rasanten wirtschaftlichen Aufschwung.

    Sarajevo wurde zu einem Testfeld für Wien

    Der Baustil änderte sich, die Decken wurden höher, die Fußböden mit Parkett ausgelegt. Hutmacher, Uhrmacher und Fotografen ließen sich in Sarajewo nieder. 1880 wurde die erste Ziegelfabrik errichtet, es folgte die erste Tabakfabrik, die erste Teppichfabrik, die erste Brauerei. Die Stadt wurde zu einem Testfeld für Wien: Straßenbahn und Kanalisation wurden in Sarajevo erprobt. Hauptpost, Volkstheater und Nationalmuseum stammen aus dieser Epoche des Aufbruchs, die mit den tödlichen Schüssen endete.

    Kaum fünf Gehminuten vom Franz-Ferdinand-Museum entfernt dokumentiert das Jüdische Museum in der alten Synagoge die leidvolle Geschichte der Juden von Sarajevo. Die Jüdische Gemeinde zählte einst 80.000 Mitglieder. Ein Rezeptbuch, ein Glas für Pessach, ein Amulett mit Davidstern erinnern an diese Zeit. 1941 zogen deutsche Truppen auch in Sarajewo ein und begannen mit den Deportationen. Nur 12.500 Juden überlebten.

    Der alte jüdische Friedhof von Sarajevo wird gerade aufwendig restauriert. Es ist der zweitgrößte nach Prag. Die ältesten Gräber stammen aus dem 16. Jahrhundert. Die zum Teil länglich-gewölbte Form der Grabsteine ist ungewöhnlich. Dichtes Gestrüpp aus Brombeeren und wilden Rosen wuchert auf dem Friedhof. Ein Tummelplatz für streunende Hunde. Während der Belagerung hatten sich Scharfschützen am Hang zwischen den Grabsteinen verschanzt.

    Sarajevo liegt in einem Kessel. 65 Kilometer lang waren die Linien auf den Hügeln rund um Sarajewo. Alle 600 Meter hatten die Serben Artillerie postiert. Wie die Menschen versuchten, sich aus dieser ausweglosen Lage zu befreien, belegt das Tunnel-Museum. Der Weg dorthin führt einmal quer durch die Stadt: vorbei am Parlament und über die berüchtigte „Allee der Scharfschützen“, die während des Krieges fast ständig unter Beschuss lag. Das Olympische Dorf erinnert daran, dass Sarajevo mit den Winterspielen 1984 auch glanzvollere Zeiten erlebt hat. Dann ist schon der Flughafen in Sicht. Mit der Besetzung der Landebahn hatten die serbischen Truppen im April 1992 den Ring um Sarajewo geschlossen.

    Schon drei Monate später übernahmen die Vereinten Nationen die Kontrolle über den Flughafen. Doch die Serben schossen auf jeden, der versuchte über das Rollfeld aus der belagerten Stadt zu fliehen. So entstand die Idee, einen Tunnel zu bauen. In vier Monaten und vier Tagen wurden 2800 Kubikmeter Erde ausgehoben, 170 Kubikmeter Holz und 45 Tonnen Metall verbaut. Ein kurzer Film dokumentiert die Entstehung der 800 Meter langen, einen Meter breiten und nur 1,5 Meter hohen Lebensader – mit einem 12 Megawatt Starkstromkabel und einer Pipeline für Treibstoff.

    Die Güter wurden in Karren auf Schienen geschoben: Öl, Munition, Waffen, Medikamente, Nahrungsmittel, Zigaretten. 20 Tunnel-Meter sind noch erhalten und lassen erahnen, wie viel Mut und Mühen es gekostet haben musste, diesen Tunnel zu bauen und unter Lebensgefahr zu nutzen. Muhamed war zehn Jahre alt, als die Belagerung begann. Heute erzählt er Museumsbesuchern gut gelaunt wie es war, als entweder gerade Wasser oder Strom fehlte, um Kaffee zu kochen.

    Der Krieg ist vorbei. Vor einer Galerija drängen sich die Gäste einer Vernissage. Hollywoodstar Angelina Jolie will in der Stadt einen Film drehen. Sogar der deutsche Volkshochschulverband organisiert eine Tagung in Sarajevo. Die Normalität ist zurückgekehrt – und mit ihr das kulturelle Leben. Aber was ist schon normal in dieser Stadt mit ihrer ethnisch-religiösen Vielfalt, die so viel Konfliktstoff liefert, aber einen Besuch auch so interessant und spannend macht?

    Es ist schwer vorstellbar, dass orthodoxe Serben, katholische Kroaten und bosnische Muslime noch vor kurzem bis aufs Blut verfeindet waren. So friedlich und tolerant präsentiert sich die Stadt heute. Mein Portemonnaie habe ich nicht wieder gefunden. Es liegt noch immer irgendwo in Sarajevo. Ein Grund mehr, zurückzukommen.









    15 Jahre später: Sarajevo überwindet die furchtbaren Kriegswunden - Nachrichten Reise - Städtereisen - WELT ONLINE

  2. #2
    Emir
    Zitat Zitat von DZEKO Beitrag anzeigen

    Es ist schwer vorstellbar, dass orthodoxe Serben, katholische Kroaten und bosnische Muslime noch vor kurzem bis aufs Blut verfeindet waren. So friedlich und tolerant präsentiert sich die Stadt heute. Mein Portemonnaie habe ich nicht wieder gefunden. Es liegt noch immer irgendwo in Sarajevo. Ein Grund mehr, zurückzukommen.


    So eine sajze, das stimmt ja net mal in dem Fall. Klar einige sind auf die Berge gegangen aber genau wie in Tuzla überwiegend zusammen!

    Sehr viele sind geflohen und jetzt nutzt man das aus um zu sagen "die Moslems haben alles nicht islamische vertrieben" dabei hat die Kirche net mal nen Loch bekommen ...

  3. #3
    Avatar von DZEKO

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    Zitat Zitat von Emir Beitrag anzeigen
    So eine sajze, das stimmt ja net mal in dem Fall. Klar einige sind auf die Berge gegangen aber genau wie in Tuzla überwiegend zusammen!

    Sehr viele sind geflohen und jetzt nutzt man das aus um zu sagen "die Moslems haben alles nicht islamische vertrieben" dabei hat die Kirche net mal nen Loch bekommen ...
    Ja aber der Grossteil ist nachdem Aufruf der SDS aus der Stadt gegangen, viele schlossen sich der JNA/VRS an.

    Später haben Bosniaken viele der übrig gebliebenen Serben getötet oder schikaniert.

    Nicht alle, den viele waren auch in der bosnischen Armee.

  4. #4

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    hä was soll die überschrift jetzt heißen

  5. #5
    Emir
    Zitat Zitat von DZEKO Beitrag anzeigen
    Ja aber der Grossteil ist nachdem Aufruf der SDS aus der Stadt gegangen, viele schlossen sich der JNA/VRS an.

    Später haben Bosniaken viele der übrig gebliebenen Serben getötet oder schikaniert.

    Nicht alle, den viele waren auch in der bosnischen Armee.
    Die sollen alle sterben die das gemacht haben.
    Irgendwie verstehe ich die auch, dein Nachbar der gestern noch mit dir Cafe getrunken hat war am nächsten Tag auf dem Berg und hat auf dich geschossen aber trotzdem sollte man es dann nicht auf alle übertragen ...

  6. #6
    Babsi
    Sarajevo ist eine tolle Stadt, es geht vorwärts!

  7. #7
    Emir
    Zitat Zitat von ALB-EAGLE Beitrag anzeigen
    hä was soll die überschrift jetzt heißen
    Hätte er eine Überschrift genommen wie zum Beispiel: Sarajevo = Frieden, dann hätte niemand sich den Thread angeschaut... lesen die aber "Sarajevo = Terror" oder sowas in der Art kommen die mit offener Hose rein um zu hetzen ...

    Klappt gut

  8. #8
    Avatar von DZEKO

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    Zitat Zitat von Emir Beitrag anzeigen
    Die sollen alle sterben die das gemacht haben.
    Irgendwie verstehe ich die auch, dein Nachbar der gestern noch mit dir Cafe getrunken hat war am nächsten Tag auf dem Berg und hat auf dich geschossen aber trotzdem sollte man es dann nicht auf alle übertragen ...
    Kennst doch bestimmt den Film Nafaka mit dem Serben wo erst für Serben gekämpft hat gegen seine alten Freunde die in der bosnischen Armee waren, und nach dem Krieg saßen die wieder zusammen und haben gelacht, to je Bosna, jebiga.

  9. #9

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    Zitat Zitat von DZEKO Beitrag anzeigen
    Sarajevo überwindet die furchtbaren Kriegswunden

    Vor 15 Jahren brachte das Abkommen von Dayton Frieden auf den Balkan. Sarajevo, einst im Zentrum des Krieges, ist heute eine sehenswerte Stadt.


    Die Auswahl ist groß, und ich kann mich nicht entscheiden. Die Boutique in der Fußgängerzone von Sarajevo verkauft Strickmoden von „Ivko“. Markenzeichen dieses Labels ist ein farbenfroher Muster-Mix, so bunt und vielfältig wie Sarajevo selbst. Noch eine Jacke anprobieren, und noch eine. Jetzt stimmt auch die Größe. Zahlen. Einpacken. Ich muss mich beeilen, um die Stadtführung nicht zu verpassen.

    Adnan ist Student. Und es ist sein erster Einsatz als Touristenführer. Die Gruppe ist klein und international: Drei Amerikaner, ein Argentinier, eine Slowenin, ein Lette und eine Deutsche. Wir haben uns viel zu erzählen, löchern zugleich Adnan mit Fragen. Bascarsija heißt das Viertel mit den engen Gassen, wo in jeder Gasse ein anderes Handwerk zu Hause ist: vom Goldschmied bis zum Schuhmacher.

    Als ich in meine Tasche greife, ist das Portemonnaie weg. Vor Schreck habe ich weiche Knie. Ein kurzer Blick in die Einkaufstüte: Zum Glück habe ich die Jacke schon gekauft! Glück im Unglück. Vielleicht habe ich das Portemonnaie einfach nur verloren? Ich gehe noch einmal durch die Bascarsija, schaue mich im Restaurant Morici-Han um, das einmal eine Karawansei war. Mache Halt vor der Gazi-Husrev-Beg-Moschee und werfe einen Blick in die katholische Kirche.

    In der alten serbisch-orthodoxen Kirche komme ich zufällig mit Leo ins Gespräch. Auf dem Bascarsija-Platz trinken wir einen Espresso. Rund um den öffentlichen Brunnen aus dem Jahr 1891 – den Sebilj – gurren Hunderte Tauben. „Die Moslems mögen die Tiere“, sagt Leo, und es klingt irgendwie abfällig. Misstrauen drängt sich in das unbeschwerte Geplauder. Leo ist Serbe, Anfang 40, und ich frage mich, ob er im Krieg gegen die Moslems gekämpft hat. Eine Frage, die sich verbietet. Aber ich werde den Gedanken einfach nicht wieder los.

    Die Narben sind bedeckt

    1425 Tage hatten serbische Truppen Sarajevo belagert und auf die überwiegend muslimische Bevölkerung in der Stadt geschossen. Mehr als 11.000 Menschen starben. Am 21. November 1995 besiegelte das Abkommen von Dayton den Frieden. Genau 15 Jahre ist das jetzt her. Die Stadt hat sich wieder herausgeputzt und ihre Narben bedeckt. Touristen aus aller Welt drängen sich in Cafés und Bistros, genießen Pita, Burek und natürlich Cevapcici – die kleinen, gegrillten Fleischröllchen, die so herrlich rauchig schmecken.

    Nur wer genau hinschaut, sieht noch Spuren des Krieges. Ein Spatz zwängt sich durch das Einschussloch in einer Hausfassade. Auf dem Fußweg sind die Umrisse eines Baumstumpfs zu erkennen. Es muss eine stattliche Platane gewesen sein, die während der Belagerung gefällt und verheizt wurde. Das ausgebrannte Gebäude der Nationalbibliothek ist noch immer eingerüstet. Was auffällt, sind die vielen Friedhöfe. Sarajevo ist eine Stadt der Kontraste. Und genau darin liegt ihr besonderer Reiz.

    Ich stehe vor dem Gazi Husrev Beg Basar – einer überdachten Ladenzeile – und habe den Blick auf den Eingang gerichtet. Wenn ich nach links schaue, sehe ich das osmanische Sarajewo mit seinen Moscheen und Minaretten. Schaue ich nach rechts, sehe ich die Ferhadija – die Fußgängerzone - mit österreich-ungarischen Mietshäusern. Genau an diesem Punkt prallen Orient und Okzident aufeinander. Die sichtbare Schnittstelle zwischen den Welten steht zugleich für die wechselvolle Geschichte Sarajewos mit ihren Brüchen und Konflikten.

    In Sarajevo erschoss am 28. Juni 1914 der serbische Gymnasiast Gavrilo Princip den österreichischen Kronprinz Franz Ferdinand. Es war der Auslöser des ersten Weltkriegs. Ein kleines Museum erinnert an das Attentat, das die Welt veränderte. Nüchtern präsentiert es die Fakten: 1878 erteilte der Berliner Kongress den Habsburgern das Mandat, Bosnien-Herzegowina zu verwalten. Später wurde das Land okkupiert. Sarajevo erlebte einen rasanten wirtschaftlichen Aufschwung.

    Sarajevo wurde zu einem Testfeld für Wien

    Der Baustil änderte sich, die Decken wurden höher, die Fußböden mit Parkett ausgelegt. Hutmacher, Uhrmacher und Fotografen ließen sich in Sarajewo nieder. 1880 wurde die erste Ziegelfabrik errichtet, es folgte die erste Tabakfabrik, die erste Teppichfabrik, die erste Brauerei. Die Stadt wurde zu einem Testfeld für Wien: Straßenbahn und Kanalisation wurden in Sarajevo erprobt. Hauptpost, Volkstheater und Nationalmuseum stammen aus dieser Epoche des Aufbruchs, die mit den tödlichen Schüssen endete.

    Kaum fünf Gehminuten vom Franz-Ferdinand-Museum entfernt dokumentiert das Jüdische Museum in der alten Synagoge die leidvolle Geschichte der Juden von Sarajevo. Die Jüdische Gemeinde zählte einst 80.000 Mitglieder. Ein Rezeptbuch, ein Glas für Pessach, ein Amulett mit Davidstern erinnern an diese Zeit. 1941 zogen deutsche Truppen auch in Sarajewo ein und begannen mit den Deportationen. Nur 12.500 Juden überlebten.

    Der alte jüdische Friedhof von Sarajevo wird gerade aufwendig restauriert. Es ist der zweitgrößte nach Prag. Die ältesten Gräber stammen aus dem 16. Jahrhundert. Die zum Teil länglich-gewölbte Form der Grabsteine ist ungewöhnlich. Dichtes Gestrüpp aus Brombeeren und wilden Rosen wuchert auf dem Friedhof. Ein Tummelplatz für streunende Hunde. Während der Belagerung hatten sich Scharfschützen am Hang zwischen den Grabsteinen verschanzt.

    Sarajevo liegt in einem Kessel. 65 Kilometer lang waren die Linien auf den Hügeln rund um Sarajewo. Alle 600 Meter hatten die Serben Artillerie postiert. Wie die Menschen versuchten, sich aus dieser ausweglosen Lage zu befreien, belegt das Tunnel-Museum. Der Weg dorthin führt einmal quer durch die Stadt: vorbei am Parlament und über die berüchtigte „Allee der Scharfschützen“, die während des Krieges fast ständig unter Beschuss lag. Das Olympische Dorf erinnert daran, dass Sarajevo mit den Winterspielen 1984 auch glanzvollere Zeiten erlebt hat. Dann ist schon der Flughafen in Sicht. Mit der Besetzung der Landebahn hatten die serbischen Truppen im April 1992 den Ring um Sarajewo geschlossen.

    Schon drei Monate später übernahmen die Vereinten Nationen die Kontrolle über den Flughafen. Doch die Serben schossen auf jeden, der versuchte über das Rollfeld aus der belagerten Stadt zu fliehen. So entstand die Idee, einen Tunnel zu bauen. In vier Monaten und vier Tagen wurden 2800 Kubikmeter Erde ausgehoben, 170 Kubikmeter Holz und 45 Tonnen Metall verbaut. Ein kurzer Film dokumentiert die Entstehung der 800 Meter langen, einen Meter breiten und nur 1,5 Meter hohen Lebensader – mit einem 12 Megawatt Starkstromkabel und einer Pipeline für Treibstoff.

    Die Güter wurden in Karren auf Schienen geschoben: Öl, Munition, Waffen, Medikamente, Nahrungsmittel, Zigaretten. 20 Tunnel-Meter sind noch erhalten und lassen erahnen, wie viel Mut und Mühen es gekostet haben musste, diesen Tunnel zu bauen und unter Lebensgefahr zu nutzen. Muhamed war zehn Jahre alt, als die Belagerung begann. Heute erzählt er Museumsbesuchern gut gelaunt wie es war, als entweder gerade Wasser oder Strom fehlte, um Kaffee zu kochen.

    Der Krieg ist vorbei. Vor einer Galerija drängen sich die Gäste einer Vernissage. Hollywoodstar Angelina Jolie will in der Stadt einen Film drehen. Sogar der deutsche Volkshochschulverband organisiert eine Tagung in Sarajevo. Die Normalität ist zurückgekehrt – und mit ihr das kulturelle Leben. Aber was ist schon normal in dieser Stadt mit ihrer ethnisch-religiösen Vielfalt, die so viel Konfliktstoff liefert, aber einen Besuch auch so interessant und spannend macht?

    Es ist schwer vorstellbar, dass orthodoxe Serben, katholische Kroaten und bosnische Muslime noch vor kurzem bis aufs Blut verfeindet waren. So friedlich und tolerant präsentiert sich die Stadt heute. Mein Portemonnaie habe ich nicht wieder gefunden. Es liegt noch immer irgendwo in Sarajevo. Ein Grund mehr, zurückzukommen.









    15 Jahre später: Sarajevo überwindet die furchtbaren Kriegswunden - Nachrichten Reise - Städtereisen - WELT ONLINE
    Sarajevo ist eine schöne Stadt!!

    Überwinden ist immer gut, jedoch Vergessen dürft Ihr nie was euch die Serben angetan haben!!

    PS: Die Überschrift passt irgendwie nicht??

  10. #10
    Emir
    Zitat Zitat von DZEKO Beitrag anzeigen
    Kennst doch bestimmt den Film Nafaka mit dem Serben wo erst für Serben gekämpft hat gegen seine alten Freunde die in der bosnischen Armee waren, und nach dem Krieg saßen die wieder zusammen und haben gelacht, to je Bosna, jebiga.
    Jebi ga, samo je ljepo da nisu srusili crkve, makar malo posteno .... (komm jetzt net mit "was haben die bei euch gemacht? Nema veze, netrebas se sramit)

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