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Die schwer zu ertragende Sinnlosigkeit der Geschichte

Erstellt von ooops, 22.09.2010, 23:31 Uhr · 239 Antworten · 17.029 Aufrufe

  1. #1

    Registriert seit
    19.09.2008
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    Die schwer zu ertragende Sinnlosigkeit der Geschichte

    ein guter Artikel

    Der Opfermythos


    Lernen kann man aus der jugoslawischen Tragödie vielleicht das, was Kosseleck "die schwer zu ertragende Sinnlosigkeit der Geschichte" nannte


    Seit über einem halben Jahrhundert denke ich nach, diskutiere und schreibe über eines meiner Lebensthemen: den Nationalismus in Mittel- und Südosteuropa. Stets habe ich versucht - vor allem im Blick auf den Balkan (freilich auch auf mein Heimatland Ungarn) -, als ein Grenzgänger aus Einsicht vor dem Hintergrund der Versuchungen des totalitären Jahrhunderts eine unabhängige Perspektive zu gewinnen.


    Nach dem tragischen Scheitern des zweiten jugoslawischen Experiments fiel mir Grillparzers Wort von der "Humanität über Nationalität zu Bestialität" ein. Ich hatte auf vielen Reisen nach anfänglichen Illusionen über die "Einheit in Vielfalt" die Unmöglichkeit des Miteinander der Völker Jugoslawiens in einem Staatsverband immer stärker begriffen und war dennoch von der unbeschreiblichen Brutalität im Lauf der von Milosevic entfesselten Kriege verblüfft und erschüttert.
    Heute wissen wir übrigens auch (fast) alles über die Komplizenschaft des von Großkroatien träumenden Franjo Tudjman und das Schuldenkonto des bosnischen Moslemführers Alija Izetbegovic, ebenso wie über die von albanischen Freischärlern begangenen Verbrechen an Serben und Roma. Wir haben auch gesehen, wie sich die maßgeblichen westlichen Politiker aus ihrer Verantwortung stahlen.
    In einem lesenswerten Sammelband (Serbien nach den Kriegen, Suhrkamp) wies der Berliner Historiker Holm Sundhaussen auf die Verantwortung der Schriftsteller, Priester und Wissenschafter hin: "Der physischen Gewalt in den Kriegen ging die verbale Gewalt der 80er-Jahre voraus. Sie war nicht das Resultat ,eines atavistischen ethnischen Hasses', der historisch nicht belegbar ist, sondern Ergebnis der gezielten Konstruktion von Feindbildern, Bedrohungsszenarien und Verschwörungstheorien." Diese ideologische Rechtfertigung von Verbrechen und deren Leugnung wirkt, nicht nur in Serbien, bis heute nach.
    Keine meiner Kolumnen löst je eine solche Flut von leidenschaftlichen Kontroversen und Stellungnahmen aus Wahrheiten, Halb- und Unwahrheiten aus wie jene, die sich mit der Konkursmasse Jugoslawiens, mit den Beziehungen zwischen den Konfliktparteien beschäftigen. Sie sind leider oft Beleg dafür, wie tief noch immer die rassistischen Denkformen von "Täter-" und "Opfernationen" reichen. - Kürzlich habe ich versucht, in der gegenwärtigen Pattsituation auf dem Balkan vor der Dämonisierung Serbiens zu warnen. Vom Kosovo bis Bosnien kann heute niemand ein endgültiges Urteil über den moralischen Status jener Kompromisse verkünden, die um des Friedens willen und auf Kosten der Gerechtigkeit eingegangen werden. Wo liegt die Grenze? Gibt es eine, die unverrückbar ist?
    Solche Fragen führen in die ausweglosen Labyrinthe der Balkangeschichte. Lernen kann man aus der jugoslawischen Tragödie vielleicht das, was der verstorbene große Historiker Reinhart Kosseleck "die schwer zu ertragende Sinnlosigkeit der Geschichte" nannte. Ich neige daher auch im Falle Serbiens zu seinem Rat: Satt Sinnzumutungen "sollten wir zurückstecken und versuchen, das zu tun, was wir selbst sinnvoll ermöglichen können", also den Dialog ohne Hass und Vorurteile zu führen. (Paul Lendvai/DER STANDARD, Printausgabe, 23.9.2010)


    Der Opfermythos - Paul Lendvai - derStandard.at

  2. #2
    Beogradjanin
    Ein wirklich guter Beitrag, danke für den Artikel ooops.

  3. #3

    Registriert seit
    19.09.2008
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    16.600
    Zitat Zitat von Beogradjanin Beitrag anzeigen
    Ein wirklich guter Beitrag, danke für den Artikel ooops.

    Übrigens nichts für Nationalisten.

  4. #4
    Avatar von Ravna_Posavina

    Registriert seit
    29.10.2009
    Beiträge
    7.028
    Das hat Paul Landvei übrigens auch gesagt

    Unabhängig vom Genozid von Srebrenica darf man nie vergessen, dass die Serben schließlich menschlich, politisch und wirtschaftlich die Hauptopfer der Jugoslawienkriege geworden sind

  5. #5

    Registriert seit
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    9.454
    Zitat Zitat von ooops Beitrag anzeigen
    ein guter Artikel
    Seit über einem halben Jahrhundert denke ich nach
    Keine meiner Kolumnen löst je eine solche Flut von leidenschaftlichen Kontroversen und Stellungnahmen aus Wahrheiten, Halb- und Unwahrheiten aus wie jene, die sich mit der Konkursmasse Jugoslawiens,

    Herr Lendvai sollte sein Denken erweitern und zürückgehen zu den Gründungsjahren Jugoslawien, denn dort wurde das Fundement gelegt für all die Konflikte.....und nicht die Milosevics , Tudjmans etc....

  6. #6
    Beogradjanin
    Zitat Zitat von Ravna_Posavina Beitrag anzeigen
    Das hat Paul Landvei übrigens auch gesagt




    Ja aber war es nicht so ? Die serbische Führung brachte Leid über das eigene Land, rekrutierte Verbrecher um andere Länder einzunehmen, speziell Bosnien, doch die Verbrechen gegen das serbische Volk können nicht verziehen werden. So viele talentierte junge intelligente Menschen verloren den Galuben an alles, nicht jeder Serbe war ein glühender Anhänger Milosevics.

    Ich erwähnte es schon einmal die berühmte Generacija X, die älteren Serben werden wissen was ich meine. Die meisten dahingerafft von Drogen, Verbrechen, dem Kriegsdienst ohne je einen Gedanken daran verschwendet zu haben andere Völker zu unterjochen.

    Die Geschehnisse lassen sich nicht rückwirkend aufheben, wir leben mit unserer Schuld gegenüber den Nachbarn, aber verloren wir alles. Und genau das ist das Leid, eine ganze Generation die so viel bewirken hätte können, einfach dahin... Möchte jetzt nicht in Selbstmitleid suhlen, es ist sehr komplex.

    Werde mich ausführlicher dazu äußern morgen, werde bald ins Bett gehen.

  7. #7
    Avatar von Singidun

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    10.113
    In Serbien hat man gesehen wie fatal die Folgen sein können, wenn sich eine Nation zu stark in der Opferrolle sieht. Das kann soweit gehen, dass es zu einem weiteren schrecklichen Krieg kommt. Diese Lehre sollte jedes andere Volk ziehen, damit es nicht wieder zum Blutvergießen kommt.

  8. #8

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    Zitat Zitat von Metkovic Beitrag anzeigen
    Herr Lendvai sollte sein Denken erweitern und zürückgehen zu den Gründungsjahren Jugoslawien, denn dort wurde das Fundement gelegt für all die Konflikte.....und nicht die Milosevics , Tudjmans etc....
    das würde ich nicht sagen, die Geschichte hat auch gezeigt dass ein Vielvölker-Staat auch ohne Kriege aus einander gehen kann.

  9. #9

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    Zitat Zitat von ooops Beitrag anzeigen
    das würde ich nicht sagen, die Geschichte hat auch gezeigt dass ein Vielvölker-Staat auch ohne Kriege aus einander gehen kann.

    Entschuldige, aber kennst du Fakten aus dem ersten Jugoslawien ?

    Ich behaupte mal ,dass hier im Forum für die meisten das Missverständniss Jugoslawien erst mit Tito anfängt.

    Wer sich mit dem Thema 1918-1941 jemals befasst hat, weiss ,dass Herr Lendvai ein Schwätzer ist.

  10. #10

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    Zitat Zitat von Metkovic Beitrag anzeigen
    Entschuldige, aber kennst du Fakten aus dem ersten Jugoslawien ?

    Ich behaupte mal ,dass hier im Forum für die meisten das Missverständniss Jugoslawien erst mit Tito anfängt.

    Wer sich mit dem Thema 1918-1941 jemals befasst hat, weiss ,dass Herr Lendvai ein Schwätzer ist.

    hat sich die Geschichte nicht wiederholt? es waren die gleiche "Opfer" und die gleichen Feindbilder.

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