Serbisches Innenministerium soll Srebrenica-Massaker neu untersuchen
Auf Hinweise über Beteiligung der serbischen Polizei - Band mit Aufnahmen des Massakers in der Vojvodina im Umlauf

Belgrad - Der Menschenrechtsfonds, eine Belgrader NGO, hat das serbische Innenministerium am Dienstag aufgefordert, Berichte zu untersuchen, wonach am Massaker in der ostbosnischen Stadt Srebrenica im Juli 1995 auch serbische Polizisten beteiligt gewesen sein sollen. In der ehemaligen Bosniaken-Enklave wurden damals 7.800 Menschen von bosnisch-serbischen Truppen ermordet.


Der frühere jugoslawische Staatschef Slobodan Milosevic, der sich vor dem UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag unter anderem wegen des Massakers in Srebrenica verantworten muss, hat jegliche Verwicklung Belgrads in die Ereignisse stets bestritten. Ein Zeuge der Anklage in dem Prozess legte im Vorjahr allerdings Indizien vor, denen zufolge auch serbische Polizisten am Massaker beteiligt gewesen sein dürften.

Jagd auf Videoband

Der Menschenrechtsfonds weist in einer Aussendung darauf hin, dass in der Vojvodina-Stadt Sid, nahe an der Grenze zu Kroatien, neuerdings eine regelrechte Jagd nach einer Videokassette im Gange sei. Auf dem Band sollen Erschießungen in Srebrenica zu sehen sein. Die Aufnahmen zeigen demnach offenbar auch serbische Polizisten als Täter. Konkret soll es sich um Angehörige einer Spezialeinheit der früheren Geheimpolizei handeln, die in den frühen 90er Jahren unter dem Namen "Skorpione" operierte.

Laut der Belgrader Menschenrechtsorganisation haben damalige Mitglieder der "Skorpione", die angeblich auf dem Band zu sehen sind, mehrere Personen in Sid, die über die Videokassette Bescheid wissen, mit dem Tod bedroht. Es gebe Hinweise, wonach auch zwei Haager Angeklagte, der frühere Geheimpolizeichef Jovica Stanisic und sein Stellvertreter Franko Simatovic (alias "Frenki") in die Morddrohungen verwickelt seien. Stanisic und Simatovic, die wegen Kriegsverbrechen in Kroatien und Bosnien-Herzegowina angeklagt sind, wurden Anfang Dezember bis zum Beginn ihrer Prozesse vorläufig aus dem Tribunalsgefängnis entlassen.

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