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Serbien im geistigen Reduit

Erstellt von lulios, 26.04.2008, 15:08 Uhr · 7 Antworten · 443 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von lulios

    Registriert seit
    27.02.2007
    Beiträge
    915

    Serbien im geistigen Reduit

    Serbien im geistigen Reduit
    Erfolgreiche nationalistische Mobilmachung im Zeichen Kosovos

    Serbiens rückwärtsgewandte Kräfte steuern auf einen Sieg in den vorgezogenen Neuwahlen hin. Ihr Erfolg gründet auf der Instrumentalisierung des Kosovo-Mythos und den Auswirkungen kontinuierlicher Auswanderung der gebildeten Schichten. Die Folgen sind verheerend.

    Serbien steht wieder einmal vor einer Schicksalswahl. Zwei Wochen davor sagen die normalerweise zuverlässigen Angaben des Prognoseinstituts Cesid einen deutlichen Sieg der rückwärtsgewandten und nationalistischen Kräfte voraus. Zu diesem Lager zu zählen sind die Serbischen Radikalen des inhaftierten Kriegshetzers Seselj als klar stärkste Partei und die Demokratische Partei Serbiens von Ministerpräsident Kostunica. Im Verbund mit den einstigen Milosevic-Sozialisten verfügten die drei Parteien über eine solide Mehrheit im Parlament. Das Nachsehen hätten die heute ebenfalls regierende Demokratische Partei von Präsident Tadic als zweitstärkste Partei sowie deren Alliierte. Auch im Verbund mit den Liberaldemokraten, die als einzige nennenswerte Partei Kosovos Abspaltung billigen, stehen für Serbiens weltoffene Kräfte die Chancen auf ein Weiterregieren schlecht.

    Drastische Bildungsferne
    Die Ursachen dafür sind mannigfaltig. Den Grund für diese düstere Perspektive in einer angeblich übereilten Unabhängigkeit Kosovos zu suchen, führt nicht weiter. Zutreffend ist lediglich, dass Kosovo einmal mehr den Wahlkampf in Serbien dominiert. Doch das war absehbar. Dass sich in Serbien mit der Beschwörung des Amselfeld-Mythos auch nach dem von Milosevic herbeigeführten politischen, wirtschaftlichen und moralischen Staatsbankrott immer noch Wahlen gewinnen lassen, ist zwar bedenklich. Erstaunen sollte es nicht. Es gibt dafür einen innern und einen äussern Grund. Seit Milosevics Sturz hat das westliche Ausland im Umgang mit Serbien eine seltsame Inkohärenz bewiesen. Erklärlich ist sie mit dem schlechten Gewissen in diversen europäischen Metropolen gegenüber einem Land, das im Frühling 1999 von Nato-Angriffen betroffen war. In den Wochen und Monaten danach zeichneten selbst respektable internationale Medien das unzutreffende Bild eines, wie es hiess, in Schutt und Asche bombardierten Landes. Auch da wurde ein Mythos geschaffen, der im Umgang mit Serbien bis heute nachwirkt.

    Wer immer von Rang und Namen in den letzten Jahren nach Belgrad reiste, pries Serbien als künftigen Motor in der Region, als natürliches Zentrum Südosteuropas oder als strategische Mitte auf dem Balkan. Das von Gastgebern und lokalen Medien aufgesogene Lob verfehlte seine Wirkung nicht. Ungeachtet aller Realität wuchs im Lande die Gewissheit, dass alles gut werde. So wie einst, da in Belgrad Weltpolitik gemacht wurde und den Inhabern jugoslawischer Reisepässe die Welt offen stand.

    Heute verfügen lediglich 13 Prozent aller serbischen Staatsbürger über einen Pass. Das erstaunt darum nicht, weil vielen für Fahrten ins Ausland das Geld fehlt und alle die erniedrigende Warterei vor fremden Konsulaten fürchten. Die Folge dieser geringen Mobilität ist ein enormes Unwissen über die Welt ausserhalb Serbiens. Hinzu kommt eine generelle Bildungsferne, deren drastisches Ausmass in diesen Tagen publik wurde. Demnach verfügt ein Fünftel der Bevölkerung über keinen Primarschulabschluss, und weniger als 7 Prozent absolvierten eine Hochschule. Serbien ist das einzige europäische Land mit einem sinkenden Prozentsatz an Universitätsabsolventen. Die Zahlen bestätigen einen Trend, der längst offensichtlich war: Serbien leidet mehr als alle seiner balkanischen Nachbarn an einem Braindrain, einer Abwanderung an jungen und gut ausgebildeten Fachkräften jeglicher Richtung. Die Folge ist eine politische, wirtschaftliche und kulturelle Enge, wie sie von den im Lande ausharrenden kosmopolitischen Geistern bitter beklagt wird.

    Die Saat des dumpfen Nationalismus gedeiht auf solchem Humus bestens. Kostunica und seine Spiessgesellen beschwören im Wahlkampf allen Ernstes das Szenario eines Serbien, das sich von Europa die Rückgängigmachung von Kosovos Unabhängigkeit zu ertrotzen vermag. Diese wenig realitätsnahe Stossrichtung findet im Lande darum Widerhall, weil Europa im Umgang mit Serbien zu viel Inkonsistenz bewiesen hat. Beileibe nicht zum ersten Mal glaubte sich Brüssel in Serbiens Wahlkampf einmischen zu müssen, um den EU-freundlichen Kräften die Stange zu halten. Dass die EU zu diesem Zwecke noch vor dem Wahltermin Belgrad die Unterzeichnung des Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommens anbieten könnte, ist im serbischen Wahlkampf vorrangiges Thema. Kostunica tobt, Tadic wiegelt ab, und die Radikalen beschwören ihre Freundschaft zu Moskau und einstigen Blockfreien in aller Welt. Und kaum jemand stellt die Frage, ob sich Europa denn wirklich mit Politikern näher einlassen will, die den mutmasslichen Hauptschuldigen des Srebrenica-Massakers, Ratko Mladic, jahrelang deckten und auch heute noch zu dessen Ergreifung nicht wirklich bereit sind.

    Katastrophale Wirtschaftsdaten
    Das europäische Nachgeben gegenüber Belgrad begünstigte irreale Visionen. In einem Kommentar der Tageszeitung «Politika» wurde eine Sonderbeziehung zwischen der EU und Serbien propagiert – als hätte Brüssel darauf gewartet. Resonanz fand auch der juristische Rat des Freiburger Staatsrechtlers und Freundes von Kostunica Thomas Fleiner, gegen jene Staaten, die Kosovo anerkannt haben, vor dem Internationalen Gerichtshof Klage zu erheben. Immerhin bewies Aussenminister Jeremic genügend politischen Realitätsbezug, um in einem solchen Falle ein Ende von Serbiens EU-Annäherung vorauszusagen.

    Unterbrochen ist dieser Prozess ohnehin. Serbiens wirtschaftliche Daten sind katastrophal. Der Börsenindex ist seit Jahresbeginn um 30 Prozent gesunken, und eine ganze Reihe angekündigter Investitionen mehrheitlich europäischer Firmen im Umfang von 750 Millionen Euro wurde in den letzten Monaten sistiert. Realisiert werden dürften diese Vorhaben lediglich im Falle einer fortschreitenden EU-Integration. Einige Auguren behaupten, Serbien habe das Gröbste noch vor sich.

    Serbien im geistigen Reduit (International, NZZ Online)

    wie es aussieht befindet sich serbien vor dem abgrund

  2. #2
    Avatar von brigada 172

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    1.453
    Tomislav Nikolic will die Wahlen gewinnen in Serbien ,in dem er das serbische Volk Verarscht


    KOSOVO würd nie zu Serbien gehören und hat nie da zu gehört

  3. #3
    Avatar von Yutaka

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    Ist ja echt übel die Situation.

  4. #4
    Avatar von Mr.Mackey

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    888
    Für mich ist das hier wieder Hetze ...

  5. #5
    Cvrcak
    Komisch das vorallem intelektuelle Serben auswandern oder es vorhaben!

  6. #6
    Avatar von Furyc

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    Zitat Zitat von Cvrcak Beitrag anzeigen
    Komisch das vorallem intelektuelle Serben auswandern oder es vorhaben!
    Das liegt nicht daran, dass Serbien das Land des Teufels ist, sondern daran, dass wir durch die letzten Jahrzehnte in den Möglichkeiten um Jahrhunderte zurückgeworfen wurden. Frag mal Wissenschaftler und Intellektuelle aus dem Irak ob die im Land bleiben oder lieber ins Ausland auswandern würden.

    Die Politik hat uns zu für solche Menschen unattraktiv gemacht.

  7. #7
    Avatar von Furyc

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    Zitat Zitat von brigada 172 Beitrag anzeigen
    KOSOVO würd nie zu Serbien gehören und hat nie da zu gehört

    Brigarda, es gehört immernoch dazu. Hab ich dir aber schon mal gesagt.

  8. #8
    Cvrcak
    Zitat Zitat von NaleP Beitrag anzeigen
    Das liegt nicht daran, dass Serbien das Land des Teufels ist, sondern daran, dass wir durch die letzten Jahrzehnte in den Möglichkeiten um Jahrhunderte zurückgeworfen wurden. Frag mal Wissenschaftler und Intellektuelle aus dem Irak ob die im Land bleiben oder lieber ins Ausland auswandern würden.

    Die Politik hat uns zu für solche Menschen unattraktiv gemacht.
    Teufel?
    Meinst du damit das der Teufel von euch nicht Besitz genommen hat?
    Oder wie soll ich das verstehen.

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