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Serbien und das Trauma vom Amselfeld

Erstellt von Yutaka, 15.02.2008, 12:00 Uhr · 9 Antworten · 1.185 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von Yutaka

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    Serbien und das Trauma vom Amselfeld

    [h1]Serbien und das Trauma vom Amselfeld[/h1]



    Das Amselfeld hat bereits viele Schlachten gesehen.

    [h3] Die Vorgänge im Kosovo sind nur wenigen Serben gleichgültig. Zu der Provinz gibt es eine tiefe emotionale Bindung. Ein historischer Rückblick.[/h3]


    Das Geschehen rund um den Kosovo ist bei den Serben tief verankert. Es erweckt traumatische Erinnerungen an den folgenschweren Türken-Sieg auf dem Amselfeld (Kosovo Polje) im Juni 1389. Diese Schlacht war ein Markstein bei der Eroberung der Balkan-Halbinsel durch die Türken. Truppen von Sultan Orhan, der im Thronstreit in Byzanz seinen Einfluss geltend gemacht hatte, hatten sich 1354 auf ihren Streifzügen erstmals in Europa festgesetzt


    Die Osmanen nahmen 1352 die Festung Tzympe an den Dardanellen ein, dann die benachbarte Stadt Kalliopolis (heute Gallipoli). Damit hatten sie eine Operationsbasis für weitere Eroberungen. In Konstantinopel kam es zu einem Umsturz, doch Europa ignorierte die Gefahr, es war mit anderen Kriegen beschäftigt. 1359 sah Konstantinopel erstmals osmanische Soldaten in seinen Mauern. 1361 eroberten sie Adrianopel (heute Edirne), 1363 fiel Philippopel (heute Plowdiw), das temporär Sitz des osmanischen Statthalters der in Europa eroberten Gebiete wurde (Beilerbei von Rumelien). Bulgarien und Byzanz gerieten in Abhängigkeit der osmanischen Eroberer.


    [h4]Türkischer Vormarsch[/h4]
    Nach Festsetzung der Türken in Thrakien war das serbische Mazedonien bedroht. Der Serben-Herrscher Vukasin zog, verstärkt durch Truppen aus Bosnien, Bulgarien und Ungarn in Richtung Adrianopel, diese wurden aber bei Tschernomen an der Maritza 1371 von den Türken vernichtend geschlagen. Mazedonien musste die Oberhoheit des Sultans anerkennen. Der Vormarsch der Türken nach Westen ging weiter. 1382 eroberten sie Sofia, das neuer Sitz des Beilerbeis wurde, 1386 Nis. Durch Dispute zwischen lokalen Fürsten fielen ihnen Gebiete leicht in die Hände.


    Stärkeren Widerstand gegen die Türken konnten nur mehr die Serben leisten. Fürst Lazar Hrebljanovic gewann auch den Fürsten von Bosnien, Tvrtko, als Verbündeten. Die Türken erlitten auch Niederlagen; so gewann 1366 der den Bulgaren zu Hilfe geeilte Ungarn-König Ludwig d. Gr. eine Schlacht. Zum Dank ließ er die Wallfahrtskirche Mariazell erweitern. 1387 besiegten Laszar und Tvrtko die Osmanen. Doch dann brach Sultan Murad zum Entscheidungskampf mit den südslawischen Völkern auf. Er nahm Tributverweigerer in Bulgarien, dann die Serben ins Visier.


    [h4]Schlachtfeld[/h4]
    Als Schlachtfeld war das Amselfeld (Kosovo Polje) - ausersehen, ein etwa 70 km langes und 15 km breites fruchtbares Senkungsfeld im Dinarischen Gebirge. Es wurde auch später wiederholt zum Schlachtfeld, so verlor 1448 dort der ungarische Reichsverweser Johann Hunyadi (Vater von König Matthias Corvinus) gegen die Türken. Der genaue Tag der ersten Schlacht auf dem Amselfeld ist wegen der Unterschiede zwischen lateinischem und orthodoxem Kalender umstritten; heute gilt der 28. Juni, der St. Veits-Tag (serb. Vidovdan) 1389 als Jahrestag.



    Auf christlicher Seite stand Fürst Lazar mit Truppen aus Nordserbien im Zentrum, auf dem rechten Flügel Lazars Schwiegersohn Vuk Brankovic mit Südserben, auf dem linken bosnische Einheiten unter Vlatko Hranic. Ungarische und bulgarische Hilfstruppen, Albaner, Walachen und Kroaten bildeten Reserven. Bei den Osmanen kämpften Janitscharen im Zentrum, mit Sultan Murad und Großwesir Ali Pascha. Rechts standen die Aufgebote aus Kleinasien unter Thronfolger Bayazid (genannt der "Blitz"), links die auf europäischem Boden stationierten türkischen Truppen und zur Heeresfolge verpflichtete christliche Staaten.


    Die Türken glichen ihre zahlenmäßige Unterlegenheit durch bessere Führung aus. Die Heere stießen frontal aufeinander, stundenlang fiel keine Entscheidung, dann warf ein Vorstoß serbischer gepanzerter Reiter den linken Flügel der Türken zurück. Dafür gewann Bayazid die Oberhand auf seiner Seite und erfocht gegen Abend den Sieg. Bei den Türken gaben auch bessere Ausbildung der Soldaten, die leichteren Rüstungen und die wendigen, ausdauernden Pferde den Ausschlag.


    Sultan Murad wurde am Tag der Schlacht ermordet, einer seiner Söhne fiel im Kampf. Einer türkischen Chronik zufolge soll sich während der Schlacht ein Giaur (Christ) namens Milos Kopila (oder Kopilic) mit einem Dolch eingeschlichen haben unter dem Vorwand, wegen des gefangenen Fürsten Lazar die Unterwerfung anzubieten. Nach einer anderen Version habe Lazar selbst den Mörder ausgesandt. Nach einer anderen türkischen Chronik ritt Murad nach dem Sieg über das Schlachtfeld und sei inmitten der Gefallenen von einem Serben erdolcht worden.


    [h4]Hinrichtungen[/h4]
    Lazar und dessen ebenfalls gefangener Sohn sowie viele vornehme Serben wurden hingerichtet, rund 200.000 Menschen in die Sklaverei geführt. Lazars anderer Sohn Stefan Lazarevic musste die Osmanen-Oberhoheit über Serbien anerkennen, sich zu Heeresfolge und Tributzahlungen verpflichten und seine Schwester Olivera (in serbischen Volksliedern Mileva genannt) in den Sultans-Harem schicken. Serbien blieb bis zur Einverleibung in das Osmanische Reich 1459 tributpflichtiges Despotat unter der Familie Brankovic mit Smederevo als Hauptstadt.





    Der türkische Vormarsch auf dem Balkan ging nun in großen Schritten voran. Bulgariens Widerstand wurde 1393 endgültig gebrochen, das Land für fast 500 Jahre osmanische Provinz. Die Abhängigkeit des klein gewordenen Byzanz von den Türken wurde immer drückender, diese dehnten ihren Einfluss auch auf die Walachei aus. Die griechischen und lateinischen Fürstentümer Griechenlands - Athen wurde 1397 erstmals besetzt - bekamen die Folgen ebenfalls zu spüren. Doch vor allem Ungarn war bedroht.




    [h4]Kreuzheer[/h4]
    Endlich schien Europa die Gefahr auf der Balkan-Halbinsel zu erkennen. Ein "Kreuzheer" aus halb Europa wurde 1396 bei Nikopolis (am bulgarischen Donauufer nahe Russe) vernichtend geschlagen. Zunächst waren die Türken in Asien mit Großkhan Timur Lenk beschäftigt, der ihnen Niederlagen bescherte. Doch begannen Raubzüge gegen die Grenzgebiete Ungarns, Bosniens und die Walachei. Wenig später durchzogen türkische leichte Reiter (Akindschi) auf schnellen Pferden plündernd und brennend Bosnien und Kroatien.

    1408 und 1411 stießen diese "Renner und Brenner" erstmals auf das Gebiet der österreichischen Erblande und zwar in die Krain vor. Von einem Standlager bei Möttling (das heutige Metlika nahe der slowenisch-kroatischen Grenze) aus verheerten sie die Umgebung. Die eigentliche "Türkennot" für Österreich sollte aber erst nach der Einverleibung Bosniens in das Osmanische Reich (1463) beginnen.






    [h4]"Heiliger" Fürst Lazar Hrebljanovic[/h4]
    Fürst Lazar Hrebljanovic gilt bei den Serben als Märtyrer und Heiliger. Zunächst in Pristina beigesetzt, wurde er später in das von ihm 1381 gegründete Kloster Ravanica an der Morava, 1697 in das Kloster Vrdnik in Syrmien (westlich von Belgrad) übergeführt, später in Ravanica umbenannt. Im Zweiten Weltkrieges erfolgte die Überführung in eine Belgrader Kirche. Seit 1988 wanderte der Sarg mit der Leiche Lazars durch serbische Klöster, bevor er seine Ruhestätte im Kloster Gracanica auf dem Amselfeld nahe dem einstigen Schlachtort fand.

    In der Türken-Zeit verließen viele Serben ihre Heimat und wandten sich nach Ungarn, später auch in das Habsburger-Reich. Allmählich sickerten Albaner in die entvölkerten Gebiete ein. Damit verschob sich die Grenze von Kultur und Religion, denn die meisten Albaner bekennen sich zum Islam, während die Serben am orthodoxen Christentum festhielten.

    Der "Vidovdan" 1389 ist ist noch heute schmerzlich im Gedächtnis der Serben eingegraben, auf Verunglimpfung dieses Andenkens haben sie immer empfindlich reagiert. So empfanden sie 1914 die Tatsache, dass die K.u.K. Armee ausgerechnet um diesen Jahrestag Manöver unter Teilnahme des Thronfolgers Erzherzog Franz Ferdinand in Bosnien ansetzte, als schwere Provokation. Diese anti-österreichische Stimmung spielte auch beim Attentat von Sarajewo am 28. Juni 1914 eine Rolle.

  2. #2
    Avatar von Zurich

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    Ich widerhole es zum X-ten mal!!! Den Serben gehts nicht um diese eine Schlacht!!!
    Ich finde das fast beschämend, wie der Westen das propagiert, dass es den Serben um diese eine Schlacht geht.
    Was die Historie angeht, so stellte das heutige Gebiet um das Kosovo aus serbischer Sicht (nicht aus westlicher), das erste serbische Land und blieb über viele Jahrunderte Serbisch. Bis hetute noch befinden sich über 2/3 der serbischen Historischen Bauten auf dem kleinen Kosovo und nur wenige verteilte im restlichen Serbien. Darum sehen die Serben das Kosovo als Wiege ihrer Nation und nicht wegen einer blöden Schlacht!!!

    Diese Schlacht stellt nur einen kleinen Bruchteil an historischer Wichtigkeit des Kosovo für die Serben!



    Was für die Italiener das Rom, was für die Schweizer die Urkantone, was für die Amerikaner das Gebiet um Washington DC,..... so das Kosovo für die Serben (im Vergleich zur historischer Wichtigkeit).

  3. #3
    Avatar von Yutaka

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    Na gut dann könnten ja alle behaupten früher wäre es Ihr Land gewesen,dann könnten die Nachfolger Napoelons ihre ehemalige Gebiete zurückfordern, die Nachkommen der Illyrier das gesamte Dalmatien zurückfordern, etc etc etc.

  4. #4
    Avatar von Zurich

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    Zitat Zitat von T1TT0L4R0CC4 Beitrag anzeigen
    Na gut dann könnten ja alle behaupten früher wäre es Ihr Land gewesen,dann könnten die Nachfolger Napoelons ihre ehemalige Gebiete zurückfordern, die Nachkommen der Illyrier das gesamte Dalmatien zurückfordern, etc etc etc.
    Es geht nicht um ehemalige (irgendwelche) Gebiete!!! Die Serben waren ja mal bis nach Mittelgriechenland vorgedrungen. Verlangen sie heute diese Gebiete? - Nein! Denn darum gehts nicht.

    Es geht um den historischen Stellenwert des Kosovos für die Serben, welchen sie als Herz der serbischen Geschichte und Herz Serbiens betrachen. Da kann sogar Belgrad (historisch gesehen) nicht mithalten.

  5. #5
    Avatar von Yutaka

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    Zitat Zitat von Zurich Beitrag anzeigen
    Es geht nicht um ehemalige (irgendwelche) Gebiete!!! Die Serben waren ja mal bis nach Mittelgriechenland vorgedrungen. Verlangen sie heute diese Gebiete? - Nein! Denn darum gehts nicht.

    Es geht um den historischen Stellenwert des Kosovos für die Serben.
    Ja gut , aber solche "historische " Stellenwerte hatten ja auch die anderen Nationen, bez. Völker.

    Da könnte man ja die ganze Zeit etwas zurückfordern, bez. behalten mit der Rechtfertigung eines historischen Stellenwertes.

    Vielleicht versteh ich dich da einfach nicht ganz.

  6. #6
    Avatar von illyrian_eagle

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    Zitat Zitat von Zurich Beitrag anzeigen
    Ich widerhole es zum X-ten mal!!! Den Serben gehts nicht um diese eine Schlacht!!!
    Ich finde das fast beschämend, wie der Westen das propagiert, dass es den Serben um diese eine Schlacht geht.
    Was die Historie angeht, so stellte das heutige Gebiet um das Kosovo aus serbischer Sicht (nicht aus westlicher), das erste serbische Land und blieb über viele Jahrunderte Serbisch. Bis hetute noch befinden sich über 2/3 der serbischen Historischen Bauten auf dem kleinen Kosovo und nur wenige verteilte im restlichen Serbien. Darum sehen die Serben das Kosovo als Wiege ihrer Nation und nicht wegen einer blöden Schlacht!!!

    Diese Schlacht stellt nur einen kleinen Bruchteil an historischer Wichtigkeit des Kosovo für die Serben!



    Was für die Italiener das Rom, was für die Schweizer die Urkantone, was für die Amerikaner das Gebiet um Washington DC,..... so das Kosovo für die Serben (im Vergleich zur historischer Wichtigkeit).
    hahah komm hör auf das ist doch Lächerlich.............

    .

  7. #7
    Avatar von Yutaka

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    Zitat Zitat von illyrian_eagle Beitrag anzeigen
    hahah komm hör auf das ist doch Lächerlich.............

    .
    bitte begründen

    herzlichen Dank


  8. #8
    Avatar von Zurich

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    Zitat Zitat von illyrian_eagle Beitrag anzeigen
    hahah komm hör auf das ist doch Lächerlich.............

    .
    Ich hab ja bloss beschrieben wie es aus der serbischen Sicht aussieht und wieso das Kosovo für die Serben so wichtig ist.

    Ob man das gut findet oder nicht, dafür Verständnis zeitgt oder nicht, ist ne andere Sache. Wollte bloss Dinge erläutern, wie das die Serben sehen (und es ist eben nicht so, wie es aus manchen westlichen Medien berichtet wird. Ich denke, die Serben wissen es wohl am besten, wieso bzw. aus welchen Gründen das Kosovo für sie so wichtig ist).

  9. #9
    Avatar von Zurich

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    Zitat Zitat von T1TT0L4R0CC4 Beitrag anzeigen
    Ja gut , aber solche "historische " Stellenwerte hatten ja auch die anderen Nationen, bez. Völker.

    Da könnte man ja die ganze Zeit etwas zurückfordern, bez. behalten mit der Rechtfertigung eines historischen Stellenwertes.

    Vielleicht versteh ich dich da einfach nicht ganz.
    Ja aber historische Gebitete mit so hohem historichem Stellenwert, liegen in der Regel noch in den eigenen Grenzen. Hab in meinem obersten Posting hier ein paar vergleichbare Beispiele aufgezählt.

  10. #10
    Grasdackel
    Zitat Zitat von Zurich Beitrag anzeigen
    Ich widerhole es zum X-ten mal!!! Den Serben gehts nicht um diese eine Schlacht!!!
    Ich finde das fast beschämend, wie der Westen das propagiert, dass es den Serben um diese eine Schlacht geht.
    Was die Historie angeht, so stellte das heutige Gebiet um das Kosovo aus serbischer Sicht (nicht aus westlicher), das erste serbische Land und blieb über viele Jahrunderte Serbisch. Bis hetute noch befinden sich über 2/3 der serbischen Historischen Bauten auf dem kleinen Kosovo und nur wenige verteilte im restlichen Serbien. Darum sehen die Serben das Kosovo als Wiege ihrer Nation und nicht wegen einer blöden Schlacht!!!

    Diese Schlacht stellt nur einen kleinen Bruchteil an historischer Wichtigkeit des Kosovo für die Serben!



    Was für die Italiener das Rom, was für die Schweizer die Urkantone, was für die Amerikaner das Gebiet um Washington DC,..... so das Kosovo für die Serben (im Vergleich zur historischer Wichtigkeit).


    Aber die Schlacht habt ihr verloren.

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