Haradinajs Gang nach Den Haag stärkt die albanische Position
Andrej Ivanji aus Belgrad

Ramush Haradinaj habe den serbischen "Patrioten" eine Lektion erteil, kommentierte ein Belgrader Anwalt die Entscheidung des kosovarischen Premiers und ehemaligen Kommandanten der Kosovo-Befreiungsarmee (U¸CK), sich freiwillig dem UNO-Tribunal in Den Haag zu stellen.

Er beweise damit die Bereitschaft der Kosovo-Albaner sich an internationale Spielregeln zu halten. Einige serbische, wegen Kriegsverbrechen angeklagte, längst pensionierte Generäle, allen voran der ehemalige Generalstabschef Nebojsa Pavkovic und der ehemalige Polizeikommandeur des Kosovo Sreten Lukic hätten sich auf der anderen Seite in "Mauslöchern" versteckt.

Deshalb hätten die USA Wirtschaftssanktionen gegen Serbien verhängt. Tatsächlich gibt es in Serbien keinen Grund zur Feier, weil - sowie es in den Zeitungen zu lesen war - die internationale Gemeinschaft nun "endlich das wahre, verbrecherische Gesicht" der Kosovo-Albaner erkannt habe.

Druck aus Brüssel

Die Schadenfreude, weil Haradinaj wegen "Verbrechen an der Menschlichkeit" angeklagt worden ist, wird von der Sorge über die bevorstehenden Verhandlungen über den Status des die Unabhängigkeit anstrebenden Kosovo überschattet.

Man nimmt in Serbien an, die Geste Haradinajs habe die internationale Position Belgrads geschwächt, dem mangelnde Zusammenarbeit mit dem Tribunal vorgeworfen wird. Obwohl sich in den vergangenen Wochen drei serbische Generäle dem Tribunal gestellt haben, wächst nun der Druck aus Brüssel und Washington, auch die restlichen, Angeklagten auszuliefern.

Sowohl Serbiens national-konservativer Premier Vojislav Kostunica als auch der proeuropäische Präsident Boris Tadic mahnten besorgt zur Zurückhaltung und warnten vor Ausschreitungen in der südserbischen Provinz. Die kosovarischen Serben befürchten Racheaktionen.

Haradinaj war für die Serben der "Buhmann". Dem ehemaligen U¸CK-Kommandanten wurde nachgesagt, selbst gemordet und vergewaltigt zu haben. Serbien hatte sich bislang geweigert, mit der kosovarischen Regierung unter Haradinaj Kontakte zu pflegen.

Nun sollte dem albanisch-serbischen Dialog nichts mehr im Wege stehen. Haradinaj flog am Mittwoch nach Den Haag. (DER STANDARD, Printausgabe, 10.3.2005)


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