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Die Sizilianische Mafia?

Erstellt von Memedo, 07.08.2005, 12:34 Uhr · 4 Antworten · 996 Aufrufe

  1. #1

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    Die Sizilianische Mafia?

    Der Begriff Mafia wird in der Öffentlichkeit für zahlreiche Verbrechersyndikate und -banden in aller Welt verwandt, oft synonym für die Organisierte Kriminalität. Doch die sizilianische Mafia bedeutet mehr als nur Organisierte Kriminalität, denn sie ist historisch gewachsen und seit weit über 100 Jahren ein nicht zu vernachlässigender Machtfaktor in der sizilianischen Gesellschaft, in der sie verwurzelt ist. Zudem ist die Mafia eine Machtststruktur und unterscheidet sich dadurch von Organisierter Kriminalität, daß sie sich nicht nur zum Zwecke materiellen Gewinnes organisiert ist, sondern darüber hinaus nach Macht strebt.
    Im ersten Teil dieser Arbeit werden zu Beginn kurz die historischen Ursprünge dargestellt, die zum Verständnis des Phänomens Mafia unentbehrlich sind. Gerade die Affinität zwischen den sizilianischen Werten und der Mafia haben diese Organisation so stark werden lassen, auch wenn von der traditionellen Mafia mit ihren Werten und Normen inzwischen nur noch wenig übriggeblieben ist.

    Der erste Schwerpunkt der Arbeit liegt jedoch in der heutigen Funktionsweise der Mafiaorganisationen mit ihrer Konzentration auf den schnellen Reichtum. Unternehmerisch sehr aktiv, ist die Mafia zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor nicht nur in Sizilien geworden. Hohe Erlöse aus dem Drogengeschäft werden massenweise in den legalen Wirtschaftskreislauf gepumpt und ermöglichen andere Formen der Einflußnahme.

    Die enge Verquickung der Mafia mit politischen Kräften in Sizilien als Basis für den erneuten Aufstieg der Mafia nach dem 2. Weltkrieg ist der zweite Schwerpunkt der Arbeit. Auf Sizilien traf die Mafia in Palermo Ende der 1950er Jahre auf eine korrupt-spekluante DC- Führungsspitze, mit der sie als Juniorpartner im Bündnis die lukrativen Geschäfte kontrollierte. Ein gleicher Partner wurde die Mafia allerdings erst mit der finanziellen Unabhängigkeit durch die Drogengeschäfte in den 1970er Jahren.

    In einem Überblick wird dann die Funktionsweise des politischen Klientelismus mit all seinen Folgen dargestellt und schließlich die staatlichen Maßnahmen zur Bekämpfung der Mafia, die anfangs nur ineffektiv waren, in den 1980er Jahren jedoch zunehmend erfolgreicher wurden.

  2. #2

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    Die Ursprünge der Mafia
    Die Insel Sizilien stand im Laufe ihrer Geschichte fast ununterbrochen unter Fremdherrschaft und wurde meist nur als abgelegene Provinz behandelt. Feudalismus prägte das Land bis weit ins 19. Jahrhundert hinein bis zur schrittweisen Abschaffung der Leibeigenschaft (1816- 1841). Dabei war die Auflösung der Bindung an Boden und Grund von zahlreichen Spannungen geprägt und in dieser Periode ist die Entstehung der Mafia anzusetzen.
    Die fast uneingeschränkt regierenden Großgrundbesitzer im Inneren und Westen Siziliens begannen Ende des 18. Jahrhunderts ihren Hauptwohnsitz nach Palermo oder Neapel zu verlegen. Ihre Ländereien sicherten sie mit eigenen Schutztruppen ab, deren Führer oft zu der Schicht der Großpächter (Gabelloti) aufstiegen, die das Land für eine jährliche Pachtsumme vom Großgrundbesitzer pachteten und dann vor Ort an die Bauern unterverpachteten. Eine nur mangelnde Umsetzung des staatlichen Herrschaftsanspruchs, die mit hohen Kosten verbunden gewesen wäre, erleichterte es den Gabelloti ihre Stellung als informelle Machthaber zu festigen, bis sie im Laufe des 19. Jahrhunderts schließlich oft die alten Großgrundbesitzer verdrängten, die z.T. unter Druck und Erpressungen der Gabelloti den Großteil ihrer Ländereien verkauften. Einzige Käufer waren wiederum die Gabelloti, die das nötige Kapital besaßen und Gewalt als Abschreckung einsetzten.

    Der Typ des Mafiosi entstand in den Privattruppen dieser Gabelloti. Wächter und Aufseher auf den Plantagen der Großgrundbesitzer sorgten für Ruhe und Sicherheit in einer Zeit der zunehmenden Gesetzlosigkeit und des Banditentums. Gleichzeitig aber zwangen sie die Bauern zu den berüchtigten pizzu (ein Teil der Ernte als Schutzgebühr).

    Entscheidend für die Durchsetzung als Mafiosi war aber eine charismatische und gewalttätige Persönlichkeit, die eine Klientel aufbauen konnte und ein hohes Ansehen bei der Bevölkerung erlangte, da sie sich kongruent zu den sizilianischen Werten verhielt, allerdings in der extremsten Form. Die Gewalt als Grundprinzip genügte nicht zum Aufstieg zu einem Mafioso; Autorität, verbunden mit Vorsicht, Ausgeglichenheit und Schlauheit waren wichtig, wenn der Mafiosi seine Position als Vermittler, Ratgeber, Richter und Beschützer wirkungsvoll ausüben wollte. Sein Ansehen stieg dabei mit der Anzahl der Personen, die sich ihm anvertrauten.

    Sizilien und die Mafia
    In der sizilianischen Gesellschaft war die Gewalt ein akzeptiertes soziales Regulativ in den sozialen Beziehungen, ein normales Mittel zur Interessendurchsetzung und somit ein Maßstab für Ansehen und Ehre.
    Typisch für Gesellschaften mit fehlendem staatlichen Schutz und mangelnder Rechtssicherheit ist auch das Primat der Privatsphäre. Der Familismus war das dominante gesellschaftliche Wert- und Handlungsmuster. Klientelbeziehungen sowie fehlendes Verantwortungsgefühl und fehlender Gemeinschaftssinn bestimmten das Handeln der Sizilianer.
    Der ferne Staat wurde als korrupter Komplex angesehen, der nicht im Dienste der Bürger stand. Potenziert wurde diese antistaatliche Haltung in Sizilien, als nach der Staatseinigung von 1861 die allgemeine Wehrpflicht und das "norditalienische" Steuersystem in Sizilien eingeführt wurden. Auch das Justizwesen wurde als oktroyiert betrachtet, da es mit einer anderen Normenvorstellung in die Normenwelt des Südens eingriff.

    Die Mafia verkörperte diese sizilianische Mentalität in der extremsten Form und wurde gleichzeitg gefürchtet und respektiert. Auf der einen Seite beutete sie die Bevölkerung durch harte Pachtverträge und erzwungene Abgaben (pizzu) aus, aber andererseits besetzte der Mafiosi in diesem weitgehend staatsfreien Raum die Rolle eines Beschützers, Vermittlers, Ratgebers und Richters , der bereit ist Gewalt anzuwenden, damit die geltenden kulturellen Werte und Normen eingehalten werden.


    Der Staat und die Mafia
    Das Verhältnis zwischen dem Staat und der Mafia war im 19. Jahrhundert und zu Beginn des 20. Jahrhunderts jedoch nicht von einer Abschottung gekennzeichnet, denn der Staat akzeptierte die Mafia als eine Stütze des Status Quo, die für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung sorgte und das gesellschaftliche Konfliktpotential senkte. Nichtkonformes Verhalten wurde von der Mafia in der Regel sanktioniert. Diebe, Landstreicher, Homosexuelle, Banditen und Huren wurden wirkungsvoll bekämpft.
    Andererseits bemühte sich die Mafia um eine Annäherung an staatliche Institutionen und an die Staatsvertreter vor Ort, um ihre informelle Machtposition langfristig abzusichern und sich einen privilegierten Zugang zu den staatlichen Befugnissen zu verschaffen. Erleichtert wurde dies durch die schrittweise Erweiterung des Wahlrechtes, das ihnen als Patronen einer großen Klientel Einfluß auf bestimmte Politiker sicherte.

    Die Mafia war also durchaus in der sizilianischen Volkskultur verankert und besaß eine höhere Legitimität als der ferne Staat, der als Fremdkörper erschien. Dies machte die Verfolgung der Mafia so schwierig, denn eine Aufhebung des Mafiösen hätte eine völlige Umkrempelung der sizilianischen Gesellschaft vorausgesetzt.


    Faschismus
    Daß es eine Möglichkeit gab, die Mafia weitgehend auszuschalten zeigte die Periode des Faschismus von 1922- 1943. Nach der Konsolidierungsphase der Faschisten (1922 bis 1925) wurde C. Mori als Mafiabekämpfer (1925- 29) mit sehr weitreichenden Befugnissen ausgestattet.
    Erstmals zeigte der italienische Staat in ganz Sizilien seine Präsenz und setzte seinen Machtanspruch durch, da der faschistische Staat keine Machtquelle neben sich duldete. Mit staatlichem Terror riesigen Ausmaßes gelang es die Mafia als Organisation weitgehend auszuschalten. Ihren informellen Einfluß auf Teile der Bevölkerung konnten die Mafiosi jedoch behalten, da auch der Faschismus als eine Art Fremdherrschaft angesehen wurde.

  3. #3

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    Nach 1945: Die Wiederbelebung der Mafia
    Die schnelle Wiederbelebung der Mafia als Organisation nach dem 2. Weltkrieg zeigte jedoch, daß die Mafia mehr war als nur eine kriminelle Organisation, die auf Kosten der Bevölkerung schmarotzt.
    Als die Aliierten 1943 Sizilien besetzen wollten, sicherten sie sich vorher die Zusammenarbeit mit den alten italienischen Mafiaführern und italienischstämmigen US-Mafiosi wie Luciano, die dank ihres Einflusses zur weitgehend reibungslosen Eroberung der Insel beitrugen.
    Die alliierte Besatzungsmacht stützte sich in der Folgezeit bei der Verwaltung Siziliens auf Antifaschisten und da die Mafiosi auch als Verfolgte galten und zudem für Ordnung sorgen konnten errangen sie erneut Machtpositionen und öffentliche Ämter. Mit Hilfe der Mafiosi konnten die Amerikaner die Kosten für die verwaltung der Insel beträchtlich senken, gerade in Zeiten, in denen zahlreiche Bauernaufstände aufflackerten sowie Gewalt und Gesetzlosigkeit beträchtlich zunahmen.

    Don Calo Vizzini war der herausragende Mafioso bei der Zusammenarbeit mit den Sizilianern. Als oberster Mafioso Siziliens wurde er während des Faschismus zwar zu fünf Jahren Haft verurteilt, die jedoch aufgrund seiner guten Beziehungen wieder aufgehoben wurde. Außerdem konnte er als Bürgermeister von Villalba amtieren. Nach der Landung der Allierten legte Vizzini eine Liste mit "unverdächtigen Männern und Antifaschisten" vor, die für Ämterbesetzungen in Fragen kamen. Wegen seiner Verdienste für die Aliierten wurde er sogar zum Ehrenoberst der US-Armee ernannt.

    Nach dem Krieg gewannen separatistische Kräfte in Sizilien stark an Boden, begleitet von zahlreichen Bauernaufständen. Gegen die Bauernorganisatoren ging die Mafia aktiv vor, da der Schutz der Latifundien durch die Unruhen nicht mehr gewährleistet werden konnte und damit die Abschreckung der Mafia abzunehmen drohte. Der Separatistenbewegung hingegen standen die meisten Mafiaführer anfangs positiv gegenüber, aber als die italienische Regierung 1946 eine weitgehende Verwaltungsautonomie für Sizilien anbot und zahlreiche Kompetenzen des Zentralstaates an die Region übertrug, wechselte die Mafia die Seite und half bei der Bekämpfung der radikalen Separatistenbewegung um Giuliani und verbündete sich vor Ort mit den lokalen Politikern der DC-Partei.

    Neuorientierung der Mafia

    Nach dem 2. Weltkrieg wurde die traditionelle Mafia von einer neuen Mafia abgelöst, die sich an der amerikanischen Mafia orientierte, für die der schnelle Reichtum im Vordergrund stand. Ausgelöst wurde diese Transformation durch die rapiden Gesellschaftsveränderungen im Nachkriegsitalien.

    In großer Zahl nutzten Sizilianer die durch den Wirtschaftsboom entstehenden neuen Arbeitsmöglichkeiten im Norden Italiens und in Mitteleuropa und verließen ihre Heimat. Diese Arbeitsperspektiven entzog die Bauern zunehmend aus der Abhängigkeit von Großgrundbesitzern, deren Bedeutung zudem durch die Bodenreform abnahm. Für die Mafia ist dabei relevant, daß sie die alleinige Verfügung über die Produktionsmittel verlor und damit einen ihrer traditionellen Stützpfeiler.

    Einen Ausweg in dieser Situation bot eine Umorientierung auf städtische Betätigungsfelder wie den boomenden Bausektor und die Abzweigung oder Aneignung von Entwicklungsgelder der Zentralregierung in Rom.
    Zunehmende staatliche Subventionen für den Mezzogiorno und weitere staatliche Abschröpfungsmöglichkeiten bedingten dabei eine stärkere Institutionalisierung der Mafiaorganisation und eine Stärkung der instrumentellen Freundschaften zu den öffentlichen Entscheidungsträgern, die über Aufträge und Großprojekte verfügen konnten.

    Das Instrument für die Verteilung großer Geldsummen in den Süden war die 1950 gegründete Entwicklungsfördergesellschaft für den Aufbau des Mezzogiorno (SÜDKASSE), die sich die Subventionierung der Wirtschaftszweige und die Finanzierung öffentlicher Dienstleistungen zum Ziele gesetzt hatte. .

    Von 1950- 1984 flossen über diesen Kanal 244 Mrd DM aus der Staatskasse in den Süden: Der Großteil dieser Gelder wurden in Infrastrukturprojekte investiert. 1,1 Mio ha wurden urbar gemacht, 450 000 ha Wald aufgeforstet, 18 000 km Straßen gebaut , 22 000 km Straßen modernisiert, 22 800 km Wasserleitungen, 60 000 km Abwasserkanäle und 40 000 km Stromleitungen gelegt, 1600 Kindergärten / Grundschulen und 244 Kleinkrankenhäuser gebaut. 1984 hatte die Südkasse allerdings 23 Mrd DM Schulden , da die Projekte 70% teurer als geplant waren und wurde von der neuen Fördergesellschaft AGENSUD abgelöst.

    Die Milliarden der Südkasse waren das Hauptreservoir für die Symbiose von Mafia und Politik, denn aufgrund der dezentralen Vergabe ohne übergreifende Planung an private Unternehmer vor Ort, konnten einflußreiche Politiker auf diese Weise ihr Klientelnetz bedienen. Zudem lief der Geldfluß über die sizilianischen Banken, die keinerlei Kontrolle durch die Zentralbank unterlagen, so daß dem Mißbrauch der Gelder alle Türen geöffnet waren.

    Die Verfügung über die Hilfsgelder sowie die Vergabe und Übernahme öffentlicher Bauaufträge waren schließlich in den 50/60er Jahre die lukrativsten Geschäfte in Sizilien. Der Bauboom der Nachkriegszeit beschränkte sich jedoch nicht nur auf die staatlichen Infrastrukturmaßnahmen, sondern erstreckte sich gerade auch auf den Bereich des Wohnungsbaus und der Sanierung ganzer Stadtteile, besonders in Palermo.

    Zusammenfassend kann gesagt werden, daß der privilegierte Zugang zu öffentlichen Geldern die primäre Machtressource wurde und nicht mehr die Gewalt, die bei der traditionellen Mafia den Zugang zu den Machtfaktoren und die Legitimität bewirkten. Die Gewalt als solche blieb aber als Mittel zur negativen Sanktionierung erhalten.
    Mit dieser steigenden Orientiertung auf den schnellen Reichtum nahm allerdings auch die Kongruenz mafiosen Verhaltens mit den subkulturellen Werten ab.

  4. #4
    Avatar von lupo-de-mare

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    Die Amerikaner eroberten wie bekannt, mit Hilfe der Sizilianischen Mafia und machte diese Leute erneut stark. Darunter leidet Italien bis heute.

  5. #5

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    Toto Riina

    Corleone
    Als Hochburg und Zentrum der Mafia galt schon immer die sizilianische Hauptstadt Palermo, in der zahlreiche Mafiaclans ihre Claims abgesteckt hatten. Hier fanden stets die großen Bandenkämpfe statt, da dort die lukrativsten Märkte im Bausektor und bei öffentlichen Ausschreibungen winkten.

    In den 70er Jahren verlagerte sich das Zentrum jedoch in die kleine Stadt Corleone, südlich von Palermo in den Bergen gelegen. In 30 Jahren hatte die dortige Mafia ihre Macht kontinuierlich gegen die eher traditionellen Mafiagruppen aus Palermo ausgebaut. Stärker als alle anderen Clans hatten die Corleoneser alte Werte und Sitten abgestreift und sich auf den schnellen Weg zu Geld und Macht konzenriert. Als erster Mafiaclan stiegen die Corleoneser in großem Stil ins Heroingeschäft ein (Übernahme des Geschäftes von der zerschlagenen French Connection) und verdienten in kurzer Zeit enorme Geldsummen. Alte Abmachungen zwischen Mafiafamilien galten bei den Corleonesern nichts mehr.

    Die Stadt Corleone hatte schon immer einen sehr schlechten Ruf als eine der gewalttätigsten Städte der Welt. Von 1944 bis 1948 wurden in der Stadt 153 Morde verzeichnet und 1953- 58 verlor Corleone 1,3 % der Bevölkerung durch Mordtaten (bei einer Bevölkerungszahl unter 10 000 Einwohnern).

    1980 zogen die Corleoneser dann zur Entscheidungsschlacht aus, bei der sie im "Großen Mafiakrieg" mit > 300 Toten in Palermo die Vorherrschaft der Palermer Clans brachen. Mit einer selbst für Mafiaverhältnissen äußerst brutalen Methode und Strategie wurden ganze Clans komplett ausgelöscht. Auch völlig Unbeteiligte und entfernte Verwandte wurden ermordet, um eine Rache zu verhindern. Die Corleoneser konnten die Clans abschlachten, da der alte Mafia-Kodex nicht mehr viel galt und zahlreiche Unter-Bosse die Chance nutzten und ihre Oberhäupter verrieten. Ohne Dank, denn diese wurden dann auch ermordet.



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    Aus diesen Auseinandersetzungen ging die Cosa Nostra stärker, kompakter, vereinter, hierarchischer, dichter und noch undurchsichtiger hervor. Unangefochten strand nun ein Mafia-Boss an der Spitze der sizilianischen Mafia: Toto Riina aus Corleone.
    Gleichzeitig legte die Mafia auch alle Hemmungen gegenüber dem Staat ab. Erstmals wurden auch Richter, Politiker und Polizeiführer in großer Zahl ermordet. Bis dato hatte die Mafia solche Attacken auf Vertreter des Staates vermieden, da solche Morde immer verstärkte Ermittlungsaktivitäten in der Region nach sich zogen und den normalen Gang der Geschäfte störten.
    Die Corleoneser fühlten sich jedoch stark genug, gleichzeitig gegen die konkurrierenden Clans und gegen Staatsvertreter vorzugehen. Denn zu dieser Zeit wurden erstmals erfolgsversprechende Maßnahmen gegen die Mafia ernsthaft diskutiert.
    Dies zeigte schon eine Zeitenwende, denn bis dahin konnte die Mafia solche Probleme meistens hinter den Kulissen regeln. Die Gewaltwelle war also eher ein Zeichen für die Schwäche der Mafia.
    1982 bekam die Mafia mit dem Carabinieri-General della Chiesa erstmals einen gleichwertigen Gegner, der dann auch schon nach wenigen Wochen ermordet wurde. Danach wurde schrittweise der Ermittlungsapparat der Anti-Mafia-Ermittler ausgeweitet. (siehe auch: Anti-Mafia, auf den die Corleoneser wiederum mit Gewalt reagierten. (Morde an den besten Anti-Mafia-Ermittlern Falcone Borselini).

    Gerade die Gewalt war für die Mafia sehr kontraproduktiv, da die Öffentlichkeit verstärkt ein wirksames Eingreifen des Staates verlangte und sich Anti-Mafia-Bewegungen in Sizilien bildeten. Als Anfang der 90er Jahre die schützende Hand der Politiker wegfiel, reagierte die Mafia wiederum mit einer brutalen Gewaltserie, der in Palermo 1991 718 Personen zum Opfer fielen.
    Ein Nebeneffekt des Zusammenbruch des alten Parteiensystems in Italien war die zunehmende Bereitschaft von inhaftierten Mafiosi, auszupacken. Aufgrund unzähliger Kronzeugen-Aussagen konnten dann die meisten führenden Mafia-Führer festgenommen werden, darunter der Corleone-Boss T. Riina, der seit 23 Jahre auf der Flucht gewesen war.
    Dies bedeutet jedoch nicht das Ende der Mafia, denn die Positionen werden schnell wieder von anderen ausgefüllt. Entscheidend ist dabei, inwieweit die bestehenden Clans sich befrieden und neue Beziehungen zu Machthabern und Staatsvertretern aufbauen können. Denn die Mafia lebt von einem organischen Beziehung.

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