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Eine Sphinx namens Ranta

Erstellt von Gast829627, 14.01.2006, 10:37 Uhr · 1 Antwort · 648 Aufrufe

  1. #1
    Gast829627

    Eine Sphinx namens Ranta

    Racak??

    "Das Problem ist nur: Erstens hat sich die Medizinerin im Nachhinein von den gegenüber den "Monitor"-Kollegen gemachten Äußerungen distanziert und behauptet, sie seien zusammen geschnitten worden. Laut "Spiegel" hatte sie deswegen sogar eine Klage gegen den Film angedroht. Dazu kam es jedoch nie.

    Vor allem aber: Bei ihrer Aussage im Haager Prozess gegen Slobodan Milosevic verzichtete sie vollkommen auf die erfreulichen Klarstellungen. Im Kreuzverhör am 12. März 2003 befragte der Angeklagte die Finnin, wie sie sich vor dem Krieg so sicher gewesen sein konnte, dass alle Opfer unschuldige Zivilisten gewesen seien. Dann präsentierte er der Zeugin ein Foto."

    Es zeigt das Grab eines UCK-Kämpfers, der in Racak getötet worden war und das die UCK sichtbar mit ihrem Abzeichen ... und seinem Namen und dem Todestag, dem 15. Januar, versehen hat. Das ist also einer jener angeblichen Zivilisten Milosevic.

    Daraufhin antwortete [extern] Ranta: "Ich habe das nicht gesehen ..."

    Im gesamten mehrstündigen Kreuzverhör verteidigte sie ihre These von den zivilen Opfern in Racak, obwohl sie gleichzeitig einräumte, sie habe einen wichtigen Test nicht vorgenommen: Die Untersuchung auf Schmauchspuren an den Händen der Toten, mit dem sich hätte nachweisen lassen, ob sie vor ihrem Ableben selbst geschossen hatten.

    Mehr noch: Bei der entscheidenden Pressekonferenz eine Woche vor dem Krieg hatte sie den serbischen und weißrussischen Gerichtsmedizinern vorgeworfen, sie hätten aufgrund eines veralteten Schmauchspurentests fälschlich Schießpulver an den Händen der meisten Leichen diagnostiziert. Mit dem hochmodernen finnischen Test hätten sich diese Partikel nicht nachweisen lassen. Mittlerweile hat sie aber klargestellt, dass dieser hochmoderne Test ausgerechnet nicht dort angewendet worden ist, wo er zur Identifikation der Opfer als Zivilisten hätte beitragen können: an den Händen der [extern] Toten.

  2. #2
    Gast829627
    "Warum hatte sie dann aber vor dem Krieg den Eindruck erweckt, die Opfer seien zweifelsfrei Zivilisten, und gerade die finnischen Untersuchungen hätten das erwiesen? Waren ihre Aussagen zu den Schmauchspurentest damals nur missverständlich formuliert gewesen? Dazu passt nicht, dass Ranta diese Formulierung nicht im mündlichem Vortrag, sondern im schriftlichen Abschlußbericht der Leichenautopsie verwendet hat, und dass dieser Bericht sehr sorgfältig erarbeitet worden war. So sollte dessen Veröffentlichung zunächst bereits am 5. März 1999 erfolgen, war dann aber mehrfach verschoben worden.

    Zu den Verzögerungen teilte die finnische Pathologin damals mit, "dass das deutsche Außenamt die Verantwortung dafür übernommen hat Und über die Phase unmittelbar vor der Pressekonferenz am 17. März 1999 sagte sie an anderer Stelle ein:

    Es gab natürlich Druck von verschiedenen Seiten ... Grundsätzlich habe ich in der Racak-Zeit meine Instruktionen vom deutschen Außenministerium bekommen. Botschafter Christian Pauls hat mich kurz vor der Pressekonferenz (vom 17.3.1999, Anm. J.E.) instruiert ...

    So Rantas Worte kurz nach Kriegsende 1999. Ihre jüngsten spektakulären Äußerungen gegenüber der "Berliner Zeitung" ignorieren dagegen die entscheidende Rolle der deutschen Außenpolitik bei der Nicht-Aufklärung des Racak-Massakers und blenden weiterhin ihre eigene blamable Rolle damals aus. Statt dessen wird der Schwarze Peter vor allem den USA und deren Balkan-Emissär Walker weitergereicht.

    Immer, wenn es darauf ankam, hat die finnische Sachverständige der Kriegspolitik gute Dienste erwiesen. Sowohl im Vorfeld des 24. März 1999 als auch im Haager Prozess ließ sie sich als Zeugin für die einseitige Schuldzuweisung an die Serben instrumentalisieren. Hartnäckige Journalisten wie die - Respekt, Respekt! - Kollegen der "Berliner Zeitung" konnten ihr zwar immer wieder Gegenteiliges entlocken, aber leider distanzierte sich Ranta immer dann von solchen Aussagen, wenn diese - wie im Frühjahr 2001 - für Aufsehen außerhalb eines kleinen Fachpublikums sorgten. Offensichtlich steht die Expertin unter erheblichem Druck und reagiert darauf, indem sie immer wieder zurückrudert und laviert und es sich auf jeden Fall nicht mit ihren Förderern im Auswärtigen Amt und der EU verderben will.

    Man darf gespannt sein, wie sie sich verhalten würde, würden ihre jüngsten Sätze von Kriegskritikern anlässlich des fünften Jahrestags des Angriffs auf Jugoslawien im Bundestag zitiert werden. Aber vermutlich ist das ohnedies nicht zu erwarten: Die kritischen Abgeordneten sind verstummt, und eine parlamentarische Debatte zum Jahrestag wird schlicht nicht stattfinden.

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